Verpasste Chancen und Mysterien
Musik: blur - this is a low
Gestern habe ich meinen ehemaligen besten Freund wiedergesehen. Vor einigen Jahren haben wir uns mal zusammen mit meinem Cousin aus Italien in einer deutschen Dorfdisko ordentlich die Kante gegeben und haben rumgeknutscht. Nicht mehr, nicht weniger. Mein Cousin war so voll, dass er nichts davon mitgekriegt hatte. Aber mein bester Freund... er hat heute noch diesen Blick drauf, wenn wir miteinander reden. Ich mag ihn, ich vermisse es, mit ihm zu reden, mit ihm wegzugehen, über Frauen und Männer zu reden, die uns gefallen. Ich vermisse ihn. Und als er gestern da war und wir kurz alleine waren habe ich es ihm gesagt. Und dann habe ich "aus dem Bauch raus" reagiert und ihn gefragt, was mich schon lange beschäftigt:
ich: "Warum bist du gegangen?"
er: "Warum hast Du mich gehen lassen?"
Warum ich ihn habe gehen lassen? Es war für mich eine Zeit, in der ich nicht damit umgehen konnte. Ich konnte nicht damit umgehen, dass mein bester Freund mir sagt, dass er sich in mich verliebt hätte. Ich konnte nicht damit umgehen, dass wir uns in den Arm nahmen und er an meinen Haaren roch, mir einen Kuss auf den Hals gab. Das hatte er immer gemacht, aber seit dem einen Abend konnte ich damit nicht mehr umgehen.
Als er gestern schließlich gegangen ist, konnte ich nicht nach Hause fahren. Also habe ich mich in mein Auto gesetzt und bin zu seiner Schwester (ihreszeichens: meine angeheiratete Lieblingstante) gefahren. Ich wollte es ihr ja sagen, doch ich konnte nicht. Meine Tante ist spirituell ziemlich begabt und sie merkt sofort, wenn etwas nicht stimmt bzw. (wie ich schon einmal in einem Forum erzählt habe) hat den Kaffee schon auf dem Tisch stehen, wenn ich bei ihr vorbei schaue. Gestern war es anders.
Ich bin zu ihr gefahren und schon deshalb, dass ich nicht mit einem "Hallöööööööchen!" bei ihr eingetreten bin, hat sie merken lassen, dass etwas nicht stimmt.
Wir haben uns unterhalten über Séancen, die sie vor ca. 15 Jahren gemacht hatte, über Übersinnliche Dinge im allgemeinen und dies und jenes. Irgendwann fiel das Gespräch dann auf ihren Bruder und sie sagt irgendwann: "Ich weiß, dass du ihn gern hast, und dass er dich auch gern hat. Aber er ist jetzt verheiratet und hat eine Familie" - "Ich weiß. Das ist es auch nicht, was mich beschäftigt" habe ich gesagt. Mich beschäftigt die Tatsache, dass er ... ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Die Art, wie er mich anschaut, wie er mit mir redet.
Ich hatte ihm versprochen, dass ich am Samstag vielleicht bei ihm vorbeischaue, aber ich glaube, wenn ich nicht jemanden mitnehme, der psychisch stärker ist als ich, brech ich zusammen... Noch nicht einmal wegen ihm! Einfach der Situation wegen. Das ganze Drumherum... seine Frau (die die Cousine meines Vaters ist und die seit dem Kindergarten gesagt hat, dass sie ihn heiraten will), seine Kinder, seine Schwiegereltern.
Das Beste an der ganzen Sache: Er sagt zu seinem Sohn: "Sie hat mich immer geschlagen, als wir noch jünger waren"
sein Sohn: "Das stimmt doch gar nicht!"
ich: "Doch! Ich hab ihn immer ordentlich vermöbelt"
sein Sohn: "Warum?"
Ich schaue meinen besten Freund an und er schaut mich an.
er: "Weil sie mich heiraten wollte, aber ich sie nicht!"
ich: "Komm schon, sag' ihm die Wahrheit!" (Denn eigentlich war es ja umgekehrt - er wollte mich, ich ihn aber nicht)
Warum nimmt mich das so mit? Warum zieht es mich jedesmal so runter, wenn ich ihn sehe? Ist es die Situation im allgemeinen, dass er (glücklich?) verheiratet ist und ich noch immer single bin?
Nennt man das etwa die Torschusspanik??? oO



Aber womöglich hast Du Recht. Seit ich 15 bin, bekomme ich etwas bestimmtes fast jeden Tag \"eingebläut\", vielleicht hat die Gehirnwäsche ja nach elf Jahren \"endlich\" mal geklappt und ich fühle mich scheiße. Keine Ahnung.
Vielen Dank für Deinen Kommentar, Seether. :-)
Oder aber, die 11 jährige Konditionierung hatte Erfolg. Allerdings würde ich gerne wissen wie du es geschafft hast, die elf Jahre gegen solche Sachen zu wehr zu setzen. Die meisten Menschen wären keine elf Wochen dazu in der Lage.
Mit solchen Sachen ist es ausgesprochen schwierig. Aber ein \"Problem\" verursachen sie eigentlich immer...
Dazu kenn ich die ganze Vorgeschichte ja auch nicht.
Frei heraus würde ich sagen, dass du vielleicht doch langsam realisierst, dass es anders hätte sein können, wenn einige Dinge anders verlaufen wären. Dass du dir dann keine Sorgen mehr machen müsstest, du vielleicht glücklicher wärst und dir so einiges erspart geblieben wäre.
Ich denke auch, dass man etwas vermissen kann, was man nicht kennt. Und wenn es nicht vermissen ist, dann ist es Sehnsucht, was ja mindestens genauso schlimm ist, wenn nicht noch schlimmer.
Der Mensch ist doch ein sehr seltsames Wesen und sein Hirn / Herz machen gerne, was sie wollen, ohne ihn vorher zu fragen, kontrolliert, oder durchschaut werden zu können.
*knuddel*