Würzburg
Im Grunde genommen haben wir uns gut verstanden - zumindest haben wir den selben Humor (und das heißt was, wenn ein Mann *meinen* Humor teilt!) und die gleichen Bedürfnisabläufe (online-konversation: ich: "Ich hol mir schnell nen Kaffee" - Ed: "Ich habe mir auch gerade einen geholt"). Außerdem fragt er nicht "Häää? Was?" wenn ich sage: "Armthorpe" oder "Doncaster", weil er selbst schon einmal dort war. Eigentlich war er schon überall auf der Welt, bis auf Frankreich - und damit konnte ich dann trumpfen. Aber trotzdem! Ich finde, er ist ein überaus netter, intelligenter, sympathischer und hübscher junger Mann.
Das Problem ist, dass ich jedes Mal, wenn ein Mann sich mit mir treffen will, ich gleich denke "hm… wäre das ein potenzieller Boy-Anwärter?", dabei ist es das gar nicht. Ed, z.B. Er ist toll, wirklich. Der Traum aller Schwiegermütter (er kann sogar sehr lecker kochen!).
Aber ich denke, ich bin nicht gut genug für ihn. Das wir den selben Humor teilen, gleiche Bedürfnisabläufe habe, beide leichte (ich: totaler!) Morgenmuffel sind die bis in die Puppen im Bett liegen bleiben könnten, morgens erstmal zwei Kaffee brauchen und den selben Musikgeschmack teilen… naja… bis auf das haben wir keine Gemeinsamkeiten. Ich habe mich minderwertig gefühlt. Kennt das jemand? Man lernt jemanden kennen, freut sich auf ein schönes Wochenende und sitzt eine geschlagene Stunde mit ihm und seinem Mitbewohner am Küchentisch und hört einer Konversation über irgendwelche Lehrmethoden zu, von denen man nie gehört hat, weil man nicht auf Lehramt studiert (hat). Was hätte ich dazu beitragen können? Ich, die nicht studiert hat?
Ich bin nicht minderwertig, nur weil ich gleich nach dem Realschulabschluss (ja, *kein* Abi) meine Ausbildung gemacht habe. Solche Menschen wie mich muss es auch geben. Er hat es bestimmt nicht mit Absicht gemacht und er hat bestimmt nicht gemerkt, dass es mir unangenehm war.
Aber warum fühle ich mich denn jetzt so schlecht? Weil ich das Gefühl habe, dass er denkt, ich sei "dumm".
Als ich am Sonntag schließlich nach Hause gefahren bin, ist dann wieder was *ganz tolles* passiert. Ich mache es kurz, weil ich die Geschichte schon 2x der Polizei erzählen musste und dann noch meinem Vater und meiner Mutter und meiner Tante und überhaupt dem Rest der Welt (so hat sich's zumindest gestern angefühlt): Vor mir fährt ein Auto und hinter mir zwei Motorräder. Auto vor mir blinkt und fängt an zu bremsen, ich gehe vom Gas und beginne ebenfalls den Bremsvorgang. Auto vor mir steht plötzlich (mitten auf der Landstraße ohne Straße, in die man hätte einbiegen können). Ich bremse weiter und sehe im Rückspiegel, dass einer der Motorradfahrer ins schlingern kommt. Ich höre einen Knall und sehe den Motorradfahrer an mir vorbeidonnern und im Graben landen. End vom Lied: Auto vor mir: nix passiert. Mein Auto: Stoßstange und hinteres Licht kaputt sowie leicht eingedellter Kofferraum. Motorradfahrer: Konnte sich bewegen, war ansprechbar (hat den jungen Mann aus dem Wagen vor mir und mich noch aus voller Kehle angebrüllt) und wurde ins Krankenhaus transportiert.
Ich hasse solche Tage! Vielleicht sollte ich meine Medikamente wieder nehmen… Dann bin ich zumindest wieder auf dem "ist mir doch scheißegal!"-Trip!



Aber äh wär wohl nich der tollste Zeitpunkt gewesen.
Hm, aber das Gefühl kenn ich, wenn man irgendwie nicht auf dem gleichen "Niveau" schwebt, sondern ein paar Meter weiter unten. Schrecklich...
Wer auch immer Ed ist...