Es liegt an euch: Weiterschreiben oder sterben lassen?
Regenwetter. „Typisch für diese Stadt“ würde
mein Bruder jetzt sagen. Aber was weiß mein Bruder schon von dieser Stadt? Er hat
sie erst einmal gesehen und das, bevor ich hierher gezogen bin. Ich saß in der
Adore Patisserie in der Regent Street und wartete auf Alex. Ich schielte
verstohlen auf meine Armbanduhr und nippte an meinem Tee, als ein Taxi vor der
Tür hielt und Alex ausstieg. „Hey“ sagte er, als er mir zur Begrüßung einen
Kuss auf die Wange gab. „Ich bin zu spät“ sagte er. „Offensichtlich“ sagte ich
grinsend und steckte mir eine Zigarette an. „Also? Was ist passiert?“ er ging
gleich in die Vollen. „Musst du gleich mit der Tür ins Haus fallen?“ fragte ich
ihn und pustete den Rauch aus. „Nunja, ich bin nicht mehr der Jüngste, weißt
du? Ich könnte hier an Ort und Stelle tot umfallen, wenn du mich unnötig aufhältst.“
– „Oh Alexander, 38 ist doch kein Alter…“ schmeichelte ich ihm, doch er fiel
nicht darauf rein. „Was willst du?“ fragte er skeptisch. Ich schaute mich um,
lehnte mich über den Tisch und flüsterte: „Joseph Crand“. Alex bekam große
Augen. „Was? Ist er hier?“ fragte er und schaute sich panisch um. „Nein. Zumindest
noch nicht.“ – „Was meinst du mit ‚noch nicht’, Toni?“ er bekam regelrecht
Schweißausbrüche. „Und überhaupt – wie kann er herkommen? Ich dachte, wir
hätten das erledigt?“ sagte er und ich konnte die Panik in seiner Stimme
regelrecht fühlen. „Alex“ sagte ich und nahm seine Hand um ihn zu beruhigen.
„Ich weiß nicht genau, ob er wieder auftauchen wird. Ich habe jedenfalls das
Gefühl, dass wir irgendetwas vergessen haben und er bald hierher kommt.“ –
„Soll ich ausziehen? Zeitweise zumindest? Was meinst du?“ fragte er und kaute
auf seinem Daumennagel. „Nein, das wird nicht nötig sein. Ich werde…“ ich hielt
inne, da die Bedienung an unseren Tisch kam. „Wünschen sie noch etwas?“ fragte
sie und schaute abwechselnd Alex und mich an. „Nein, vielen Dank.“ sagte Alex
und fuhr sich mit der Hand durch das mittlerweile kurze Haar. „Oh, haben sie
noch von diesen leckeren Sandwiches mit Lachs und Gürkchen?“ fragte ich und
bestellte nach einem freundlichen „Ja“ der Kellnerin. „Vielen Dank“ sagte ich
und wandte mich wieder Alex zu. „Du wirst…?“ sagte Alex erwartungsvoll und
schaute mich mit großen Augen an. „Was? Oh – ja! Natürlich! Ich werde mich
darum kümmern. Ich kenne ein paar Jungs, die mir noch einen Gefallen schulden.
Die können uns bei diesem Problem helfen.“ – „Problem? Toni, dir ist klar, dass
das mehr als ein Problem ist?“ wies mich Alex darauf hin, triefend vor Schweiß.
Langsam ging er mir auf die Nerven. „Alexander, Schatz! Hättest du den armen
Kerl nicht elendig am Straßenrand krepieren lassen, würden wir jetzt nicht hier
sitzen. Also reiß dich gefälligst ein bisschen zusammen, ja?“ Ich lächelte
gleichgültig und kam mir dabei schlechter als schlecht vor, immerhin ist Alex
mein Ein und Alles.