Stimmung: angenervt, aufmüpfig und renitent
Im Moment habe ich das Gefühl, mein Leben steht still. Ich stehe morgens auf, damt ich um 7.00 auf meinem Bürostuhl Platz nehmen kann. Dann beginne ich zu arbeiten und höre im Schnitt zwischen 15.00 - und 16.00 auf damit. Meistens eher gegen 16.00. Zwischendurch mal 10 Minuten für ein Brötchen oder einen Salat. Dann fahre ich ins Rehazentrum, oder einkaufen - dann nach Hause, wo es gleich weitergeht. Putzen, Aufräumen, irgend etwas erledigen...
Die Kröte sehe ich zwischendurch - jetzt wo das Wetter schöner wird, ist sie draußen, wenn ich nach Hause komme. Dann koche ich, dann sehe ich mir irgend etwas im TV an, bei dem ich möglichst nicht mehr nachdenken muss und falle danach ins Bett - wo an Lesen bei dem Müdigkeitspegel gar nicht mehr zu denken ist.
Es tut mir gut, weiter zu kommen und ich denke, ich hätte mich längst mit links überholt, wäre ich kontinuierlich bei meinem Job gewesen. Aber ich merke meine Grenzen sehr deutlich - gerade jetzt. Denn wieder einmal schaffe ich nichts anderes mehr, als meinen Job und den Kram hier. Bilder bleiben liegen, neue Projekte - wann denn noch?
Für diesen Sommer habe ich klare Vorstellungen: wenig hier und viel raus. Alleine - oder falls Frl. Kröte mit will, auch mit ihr. Viele andere Möglichkeiten gibt es hier nicht. Ich möchte einige Dinge tun, die ich schon seit zwei Jahren schaffen will und sie noch immer nicht angegangen bin. Landschaftspark Duisburg bei Nacht - oder die Ruhr am frühen Morgen. Da ich hier niemanden habe, mit dem ich solche Dinge zusammen machen kann, werde ich mich Fotocommunitytechnisch umsehen, ob ich dort finde, was ich suche - Menschen, die mit mir am Samstag in aller Herrgottsfrühe aufstehen und losfahren, um tolles Licht einzufangen - beispielsweise.
Ich brauche dringend einen Ausgleich zu dem, was ich jeden Tag mache.
Was mich arbeitstechnisch extrem annervt, ist Frau Allwissend, die heute der Meinung war, ich solle mal lieber meinen Hintern bewegen, als dauernd nur Standards und Verfahrensanweisungen zu schreiben. Sie hat offenbar noch immer nicht begriffen, dass ich genau damit meine Brötchen verdiene und ich eine Stellenbeschreibung habe, in der recht klar verankert ist, welches meine Arbeitsgebiete sind - während sie die Frau ohne jegliche Ausbildung ist, die gändigerweise einen Job bei uns bekam, damit sie nicht mit fast 50 von ALG II leben muss. Aber Hauptsache, man kann rebellieren - wogegen auch immer - es wird sich schon etwas finden. Sie ist einfach nur zum kotzen und ich befürchte, es wird nicht mehr lange dauern, dann knallt es wieder einmal. Bis dahin aber reagiere ich damit, dass ich per Formular alle Missstände aufzeichne und sie dem Arbeitgeber mitteile - womit ich meinen Hintern dann bei einer Prüfung, die vermutlich bald kommen wird - im Trockenen habe, denn dann ist er in der Durchführungsverantwortung und der kommt er nicht nach.
Das ein Großteil an ihr scheitert - sowas aber auch - persönliches Pech nennt man das wohl...
Ich sollte mir ein dickeres Fell und viel mehr Gelassenheit aneignen - es gelingt mir jedoch leider nicht immer.
In diesem Sommer möchte ich im Straßencafé sitzen und lesen. Und es mir für immer mal wieder ein Stündchen gut gehen lassen. Und ich möchte ab und an am Wochenende wegfahren und ich suche ein Mohnfeld zum Fotografieren - weiß jemand, wo ich eines finde?
Ach ja - das ist auch so etwas - auch diesbezüglich wird sich mein Focus verändern - in diesem Sommer viel raus - knipsen - auch Menschen.
Frl. kKröte hat übrigens gestern zwei 1 er mitgebracht und braucht sich wohl im Moment keine Sorgen mehr um Klassenkonferenzen oder gar Auschluß von der Klassenfahrt zu machen. Es scheint ein wenig, als habe sie den Dreh gekriegt. Auch hier zu Hause ist es wieder erträglicher geworden, wenn auch die Hormone noch immer fliegen.
Gestern auf dem Elternstammtisch ging es heiß her und mir wurde mal wieder bewusst, wie arrogant sich manche Menschen über andere erheben. Auch in diesem erlauchten Kreise scheinen die Akademikermütter permanten beweisen zu müssen, dass sie die besseren Menschen sind, während andere doch nur belächelt werden.
Als es um die Unruhe in der Klasse ging und das Verhältnis zwischen Schülern und der Englischlehrerin insbesondere, wurde ich mehrfach mit Zwischenkommentaren, die mich an Erziehungsmaßnahmen erinnerten, unterbrochen - als ich zur Diskussion stellte, zu glauben, dass es ein Kommunikationsproblem zwischen Schülern und Lehrerin gäbe und das diese daran nicht gänzlich unschuldig sei - weil sie kalt wie ein Fisch ist und deshalb pädagogisch irgendwie nicht wirklich geeignet erscheint, wenn auch als Englischlehrerin sicherlich fachlich eine ganz Große.
Nun - der Club der Akademikerinnen war da anderer Meinung und als es darum ging, wie furchtbar es sei, dass es ganz arme Kinder in der Klasse gäbe, die von ihren Eltern mit den Hausaufgaben ganz allein gelassen würde, da sich die Eltern so gar nicht darum kümmern würden - platze mir der Kragen. Während die Damen noch damit zugange waren, den Notenschnitt der Englischarbeit auszurechnen und sich über die mangelnde Motivation durch einen Schnitt von 3,7 auszulassen - musste ich mal nachfragen ( beim Klassenlehrer), ob meine Tochter ihre Hausaufgaben machen würde. Natürlich - sprach er - und das immer und sehr sorgfältig. Da sich gerade darüber muckiert wurde, dass die armen Akademikertöchterchen abends nach einem 8-Stunden-Schultag noch Stunden über Stunden Hausaufgaben machen müssten - musste ich wirklich lachen und wurde sehr schräg angeschaut, als ich lauthals verkündete: Da bin ich aber froh, dass sie ihre Hausaufgaben macht, denn 1. ist sie damit weitgehend fertig, wenn sie nach Hause kommt und 2. kontrolliere ich die grundsätzlich nie. Ich bin keine Hausaufgabenglucke, die dauernd wissen will, was ihr Kindchen heute gemacht hat und den Lernzielkatalog überprüft und und und.
Ich dachte schon, ich sei weiß Gott was für eine Rabenmutter! Nö - grinste der Klassenlehrer mich an - passt schon!
Ok. Also kann ich auch morgen noch in den Spiegel schauen.
So - ds habe ich heute gebraucht - ein wenig rummotzen, abreagieren und jetzt koche ich Spaghetti und gucke endlich mal wieder eine Folge meiner heißgeliebten Gilmore Girls.
Gehabt Euch wohl, falls ihr es bis hierher geschafft habt...;-)
Ach - eines noch: Mich hat doch tatsächlich ein richtig toller Fotograf angeschrieben, der mich sehr sehr gelobt hat für meine Bilder. Das freut mich sehr. Ehrlich - sehr sehr. :-)