Plunderherz

14.11.2006 um 20:32 Uhr

Die unverträgliche Leichtigkeit des Seins

Stimmung: Bananas
Musik: Woven Hand- Animalitos

AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH.

 

 

Das tat gut. Ehrlich.

28.10.2006 um 17:56 Uhr

Liebes Tagebuch

Stimmung: Geduscht.
Musik: Kaffeemaschine.

Heute habe ich geduscht.

25.10.2006 um 21:55 Uhr

Schlampenfieber?

Stimmung: Müde -_- zZZZZ
Musik: Tori Amos- Pretty Good Year

Da bin ich wieder. Ich hab lange nix geschrieben, aber es gab ja auch nicht viel neues.

Uni hat wieder angefangen und da sitz ich nu, mit den Taschen ohne Latein, aber mit zahlreichen Geschichten, die sich hier wieder zugetragen haben und die besser sind als jede Soap im Fernsehen. Samstagabende laufen nämlich so: Ich sitze hier so, ganz lässig beim Tee, meine Freunde tanzen so ganz lässig betrunken in der Disco zur gleichen Zeit. Gut, das macht nichts. Ich habe das so gewählt, ich bin verliebt, verlobt, vergeben, ich hab mir die Hörner abgestossen, ich brauch das nicht. Nein, nein. Kein kleines bisschen. Der Sonntag verläuft dann so, dass Andreas, so heisst einer meiner Freunde nicht, aber nennen wir ihn einfach mal so, mir die Geschichten seines lebhaften Abends erzählt. Meist unter Verwendung eines Rollmops und der 3 Liter Evianflasche aus dem Rewe. Altes/neues Phänomen tritt in den Schilderungen immer wieder auf- das Schlampenfiebersyndrom.

Folgendes erklärt er so:

Das Schlampenfiebersyndrom (Schlampus Billigus Syndromus) ist eine gefährliche ausschliesslich bei Frauen auftretende Krankheit, die innerhalb von wenigen Minuten auftreten kann, das Gehirn vernebelt  und jedlichen Selbststolz zerstört. Oft dauert das Schlampenfieber bis zu Monaten an und die Erkrankte macht sich über diesen Zeitraum selbst zum Lurch. Kann starke gesellschaftliche Nachwirkungen haben. Vom Schlampenfieber sind besonders Frauen von 16-30 betroffen, die zu einem starken Konsum von Alkohol und Drogen tendieren und ein mangelndes Selbstbewusstsein aufgrund von körperlichen und/oder psychischen Defiziten (Voluminöser Körperbau, X-Beine, Zwillingsembryo am Hinterkopf) aufweisen.

Anders als bei Frauen, die sich als Schlampen bezeichnen und die ihre Einstellung leben, tritt das Schlampenfiebersyndrom nur schübchenweise auch bei ganz normalen Frauen auf. Häufigster Grund dafür ist Alkoholgenuss in Verbindung mit "ner schlechten Zeit" und einem, bereits in der DNA verankerten, dem ADHS vergleichbaren, erhöhten Selbstdarstellungszwang.

Die Krankheit ist in 3 Stufen einzuteilen:

1.) "Ich versteh Dich ja so gut"

Frauen, die sich mit dem Typ 1 des Schlampus Billigus Syndromus angesteckt haben neigen zu einer übersteigerten Konversationweise. Gezielt wird die Umgebung des Opfers gescannt und dann zugeschnappt. Vornehmlich eignen sich Themen wie Musik, Bücher, Filme und Events besonders gut zur Entfaltung des Bazillius Schlampus. Sätze wie: "Nein, echt? DAS ist auch mein Lieblingsfilm!" und "Ich höre (setze hier Namen der Band auf T-Shirt des Gegenübers ein) schon seit ich 3 bin!" zeigen nur geringfügig das Ausmaß eines großen Nervspektrums, welches das Schlampenfieber mit sich ziehen kann. Auf gezieltes Nachfragen, welches denn die Lieblingsszene oder das Lieblingsalbum ist, gibt es meist die schlichte Antwort "Ich hol noch ein Bier, willst Du auch eins?". Vom Typ 1 Betroffene erkennt man meist an ihrem unpassenden Auftreten (rosa Schal und Tokio Hotel Button auf einer Heavy Metal Party) und ihrer alkohollastigen Fahne. Patientinnen dieses Typs sind nicht sonderlich gefährdet, da sie meist ignoriert werden und später ihren Rausch auf einer Parkbank ausschlafen können.

2.) Das Chamäleon

Typ 2 des Schlampus Billigus Syndromus ist viel schwerwiegender und setzt sich tief in den Gehirnrinden fest. Die Betroffene ist eine Meisterin der Tarnung, in jeder Lebenslage, um an Ihr Ziel zu gelangen. Sie checkt im Monat zuvor das Opfer und seine Freunde aus, spioniert herum und liest sich ihr Wissen aus dem Internet an, denn für alles andere wäre keine Zeit. Eine Konversation mit dem Chamäleon passiert "rein zufällig", weil man sich ja "vom Sehen kennt und so". Das Chamäleon ist zwar überwiegend mit den gleichen optischen Defiziten wie die Typ 1 Betroffene belastet, dennoch weiss sie das durch eine "geistreiche Unterhaltung" auszugleichen.  Auf Musikgruppen, Filme und alle anderen, optischen Merkmale- und seien sie noch so klein, wie z.B. ein Kraftwerk-Button im Slip- wird das Opfer direkt angesprochen. Dabei ist es bei dieser Technik besonders wichtig, das Opfer gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen, denn so würde das angelesene Halbwissen schliesslich auffallen und die Tarnung platzen. Beachten wir folgendes Sprach-Beispiel einer Typ 2 infizierten:

 "So, Du hörst Kraftwerk, ja? Ralf Hütter und so. Galten ja mal als Vorreiter elektronischer Musik. Ich finde da Tangerine Dream interessanter. Kennst Du die? Achja, das gabs ja mal so einen Film, The Big Lebowski, total witzig und so, da war so Kraftwerkverschnitte, Autobahn hiessen die. Ich mag ja amerikanische Filme sonst nicht so...so Hollywood und so. Kennst Du den Song von Madonna?..."

Nicht nur sprachlich hat sich das Chamäleon gut vorbereitet, sondern auch stylisch. Zuhause zwar oft mit Jogginganzug bespickt, passt sich die Typ 2 Betroffene ihrer Umgebung mit Tarnschminke und Slimstrümpfen perfekt an. Mal Mod, mal Gothic, mal Punk, mal Trekkie, hauptsache man hat Kontakt mit genug Opfern, die man einsülzen kann. Besonders naive, stille Opfer fallen oft auf diesen Typ herein und entdecken erst später, wem sie da ihre telefonnummer gegeben und- im schlimmsten Fall- sehen sie  direkt am nächsten Morgen beim Kaffeetrinken, wen sie da eigentlich abgeschleppt haben, so ganz ohne Schminke und Bauchweghöschen. Doch dann ist Vorsicht geboten....Typ 2 des Schlampus Bazillus kann auch ganz schnell in Typ 3 ausarten:

3.) Was Du mir nicht alles versprochen hast, Du Arschloch!

Typ 3 des Bazillius verändert die Wahrnehmung der Betroffenen so sehr, dass sie unter starken Halluzinationen leidet. War es am Abend zuvor noch wichtig, sein Gegenüber in einen intellektuellen Monolog einzuwickeln, um ihn letztendlich abzuschleppen, werden jetzt die Aspekte der ewig geschundenen, betrogenen Frau geweckt, die das eigentliche Opfer böse hintergangen hat, wenn man nicht gleich mit ihr zusammenziehen will. Sätze wie: "Wir kennen uns doch gar nicht richtig" und "Du hast überhaupt keine Ahnung von dem, worüber Du die ganze Zeit quatscht" sind völlig sinnlos, denn das Schlampus Billigus Syndromus hat in diesem Stadium bereits das Gehör völlig zerstört. Einziger Ausweg für ein Opfer ist die "klärende Email/SMS/Gespräch" abzuwarten, was so sicher kommen wird, wie das Amen in der Kirche. In dieser Klärung wird das Chamäleon in einem weiteren 25 minütigen Monolog unter Tränen seinen Standpunkt erklären, wie sehr es leidet, gelitten hat und leiden wird und wie "schwer das doch auch alles für sie" ist. Selbst wenn das eigentliche Kennenlernen erst 12 Stunden her sein sollte und man lediglich Telefonnummern getauscht hat, bricht für das Chamäleon die Welt ersteinmal phoenixgleich zusammen. Besonders öffentliche Räumlichkeiten mit vielen Gasthörern wie Diskos, Kneipen, Cafes und Kinos werden von Betroffenen des Typus 3 gerne für diese "Wir müssen mal reden" Konversation genutzt.

 Hat man sich mit der Betroffenen durch ein einfaches Kopfschütteln endlich geeinigt, dass "man Freunde bleibt", erreicht einen spätestens am Dienstag der darauffolgenden Woche ein Anruf der Cousine 3. Grades, die eigentlich in Australien wohnt, aber doch einfach gerne mal wissen möchte, "warum man so ein Arschloch ist und Frauen das Herz bricht". Wenn morgens dann die Bäckersfrau noch fragt, ob man denn wirklich was mit Frl XY gehabt hat oder nicht, dann ist klar: Schlampus Billigus Syndromus ist keine Krankheit, mit der man spassen sollte.

Andreas leidet ganz stark an Betroffenen aller Syndrome. Sie rufen an, schicken Mails, Sms, sie lauern in der Bahn. Ohne, dass er sie mit nach Hause nimmt. Er zeigt ihnen sogar manchmal die Zunge oder ein Vögelchen, wenn sie ihn umarmen wollen. Nix, hilft nix. Wie diese Frauen in der einen Roald Dahl Geschichte, die die Männer aufessen. Ist da doch was dran, an dem Schlampenfieber?

Ich bin eigentlich ganz froh darüber, nicht mehr rauszugehen. Die Welt hat sich in den letzten Monaten scheinbar hart geändert.

05.06.2006 um 23:47 Uhr

Die Frage des Tages

Würdet Ihr für die Liebe Eures Lebens Euer gesamtes, bisheriges Leben aufgeben?

08.05.2006 um 18:31 Uhr

Die Frage des Tages

 

Haben Sie schonmal jemals jemanden so geliebt, dass es weh getan hat?

07.05.2006 um 17:57 Uhr

Nur Generäle essen gerne Tiramisueis.

Musik: Eagle Eye Cherry- Desireless

Dieses verdammte Tiramisu- Eis! Nur noch das im Schrank. Das, und diese grauenhaften Othellokekse.

Eigentlich hätte ich heute ja eh nicht aufstehen brauchen.

Das erste, was mich an diesem feurigen Sonntag erwartete, war das hinreißende Geräusch meines auf den Boden knallenden Wandbrettes im Wohnzimmer, verursacht durch einen Babykater.

Zu Bruch gegangen dabei ist mein Katzenschädel sowie ein Kerzenleuchter aus dem 19. Jahrhundert, ein Tonwindlicht und eine indische Holzschatulle, NICHT aber etwa das hässliche Windlicht, was mir die blöde S. zum Wichteln im Jahr 2001 geschenkt hat und das seitdem seine Lebenszeit auf allen offenen Regalbrettern fristet, damit es mal aus Versehen runter wirft- freiwillig wegwerfen kann ich eh nichts.

Dann sind mir die Nudeln zu weich geworden, ich hab den Wein umgeworfen.

Nicht zu vergessen, die ebenfalls von einem Babykater wohl eher unfreiwillig ins Leben gerufene Installation auf meinem Küchenboden (Cornflakes auf Linoleum, 51x 32 cm, 2006, derzeit im Besitz des Babykaterhalters. Jemand Interesse?) .

Ich brauche Kaffee. Aber ohne IHN macht auch kein Kaffee der Welt Spass.

Für meine eigene Kunst war dann auch wenig Platz. Nach 20 Minuten intimen Herumtastens zwischen mir, dem Kleber und dem Lack, habe ich mich letztendlich dazu durchgerungen, weiterzuschlafen.

Wenigstens morgen wird mein Alltag einigermaßen angepasst. Nachdem ich morgen eineinhalb Stunden etwas über bäuerliche Löffelmuster im späten 17. Jahrhundert auf meinen weiteren, geistigen Lebensweg mitgenommen und versucht habe, mal eine Minute nicht an IHN oder den Geschmack einer Gauloise Zigarette zu denken (Liberté toujours! Wer immer sich diesen Slogan ausgedacht hat, dem wünsche ich, dass er langsam an einem Stück Baguette qualvoll verendet) darf ich zählen: Nur noch 3 Tage. 3 lange, unendliche, nach Nuss schmeckende Tage.

Dann Geld, ER, Fruchtsalate, ER, lange Autofahrten, ER, Scheinwerfer, ein wenig Applaus, ER, anonyme Hotelzimmer, ER, Gauloises, ER, Frühstück bei McDonalds, Morrissey, ER…. Und ein rauchender Fuchs.

Ja, die nahe Zukunft klingt schmackhaft.

07.05.2006 um 17:24 Uhr

Die Frage des Tages

 

Lachen Sie auch, wenn Sie allein sind?

07.05.2006 um 17:19 Uhr

Video der Woche

 

"You because you feel it, doesn´t mean it´s there"

Radiohead mit "There There".

Zwar kein Floria Sigismondi Video, aber durchaus anbetungswürdig. Verweist auch Dauernöhle Björk in die Schranken.

UND: Es kommen *fast* rauchende Füche darin vor.

 

SCHAUSTE HIER

07.05.2006 um 17:12 Uhr

Dinge, die ich haben muss II

 

Tragbare Katzenpfötchen, um Kollegen zu ärgern, zu schmusen, sich am Rücken zu kratzen.

Leider wohl nicht für das gedacht, wonach es augenscheinlich aussieht. Schade.

Ja, Japaner sind schon seltsam.

 

 

Mehr darüber hier.

07.05.2006 um 16:01 Uhr

Donnie Darko

"Wieso hast du dieses blöde Hasenkostüm an?" 

 "Wieso hast du dieses blöde Menschenkostüm an?"

06.05.2006 um 23:28 Uhr

Für gehobene Egos und solche, die eins haben wollen...

 

Der Existenzialisten Psychotest

 

Ich bevorzuge Tee.

Cheers, Madame De Bouvier!

06.05.2006 um 23:15 Uhr

This is the kind of boy...

06.05.2006 um 23:11 Uhr

Listige Listen

Musik: Einstürzende Neubauten- Stella Maris

 

Dinge, die mich derzeit erfüllen. Eine Liste in D-Dur.

  • ER
  • Jane Austen lesen
  • Lavendelseife
  • Händels Sarabande
  • 16 Horsepower
  • ausgestopfte Tiere
  • Kerzen
  • Underground Pop-Surrealismus
  • Rasputina
  • Spinat
  • Präraffaeliten & Nazarener
  • Antikmärkte
  • Saté mit Reis
  • Portwein
  • Cello
  • Weimarer Schlosspark
  • Amishkunst
  • Audrey Hepburn
  • Meret Becker & Ars Vitalis
  • Bollywood
  • Kate Bush & Aerial
  • Chocolat
  • Die fabelhafte Welt der Amelie
  • Anne Boleyn
  • Harry Clarke
  • Schlafmaske
  • Harry Potter
  • Bagel
  • Andrew Sisters
  • Dita Von Teese
  • Lemony Snickett
  • Tee
  • Rauchende Füchse
  • Sushi
  • Gudam Garang Zigaretten

 

Dinge, die ich ( nicht nur) derweil subgut und schauderhaft finde.Eine Liste in D-Moll.

  • Bye Bye Kunstgeschichte
  • Latein
  • Die Sepulkralkultur in der Geschichte der Hygiene
  • Picasso
  • Effi Briest
  • Salami
  • 24 h Katzensitter sein
  • Tamara de Lempicka
  • Acrylfarbe
  • Harry Potter Fanfiction
  • Orlando Bloom
  • Zimt
  • Annett Louisan
  • Dummschwätzer
  • Kraftwerk
  • Rechnungen
  • Holzwürmer
  • Nachbarn
  • Pfirsichmelbatorte
  • Meret Becker & Ars Vitalis zu verpassen
  • Dresden Dolls Hype
  • Nikotinsucht
  • Fernsehen (bis auf gute Arte Themenabende)
  • J Rock, Pop, Manga Hype
  • Montepuliciano D´Abruzzo
  • Joseph Beuys

06.05.2006 um 19:13 Uhr

Tagesbrainstorm

Stimmung: Schmetterlingsgleich
Musik: Norah Jones- Feels Like Home

Ein anderer Tag geht vorbei.

Nächste Woche gehts wieder los mit Konzerten. Mal sehen, wer kommt. Mal sehen, wer nicht kommt.  Eine bessere Frage. Du weisst erst, wer wirklich Dein Freund ist, wenn er es schafft, zu einem Konzert zu kommen, was auch direkt vor seiner Tür ist. Wir hatten schon eine Menge Touren in Städten, wo keine echten Freunde waren.  Ich freue mich diesmal weniger auf ein leckeres Catering und eine volle Merchkasse, sondern an ihn an meiner Seite.

Und damit kommt auch die grosse Deutschlandfahrt. Von Jena nach Bonn nach Dortmund nach Hannover nach Wulferstedt nach Magdeburg nach Bonn nach Jena nach Berlin. Ich bin in der Tat die Königin des fahrenden Volkes. Aber Zuhause bin ich nur da, wo mein Herz ist. Und das ist derzeit 400 km in der Ferne.

Das wichtigste von allem. Ich vermisse ihn sehr. Unendlich. Ich habe noch nie jemanden so geliebt, wie ihn.

Die Person, die gesagt hat, dass Dinge näher sind, wenn Du am Boden bist, hat gelogen.  Ich war sehr lange schon millimeternah am Boden, aber wirklich gesehen habe ich nichts. Jetzt kann ich mehr erkennen, z.B., dass ich auch ein Gehirn habe.  Und doch nichts, wie gedacht, so schwarz ist, wie ich immer dachte. Und das, das ist doch das allerschönste.

Das Haus ist heute leer, nach dem Pseudo-Dachsprung-aus-dem-10ten von gestern.  Jetzt gibts nur Tiramisueis.

Grade bin ich in Bier getappst. ich hoffe, dass es Bier war und kein Katzenlulu.

 

06.05.2006 um 18:47 Uhr

Die Frage des Tages

Würden Sie sich selbst heiraten?

06.05.2006 um 18:44 Uhr

Der Wille zur Nacht

Nietzsche soll seit 100 Jahren tot sein? Von wegen!

Für manche 14- Jährige ist seine Strahlkraft ungebrochen.

Die Nietzsche Ausgabe im Bücherschrank meines Vaters hatte sechs Bände, braun schwarz gold, herausgegeben vom Nazi- Philologen Alfred Baeumler. Ich sah sie mir ofters an und las die Namen der Abhandlungen: Jenseits von Gut und Böse, Fröhliche Wissenschaft, Ecce Homo. Ein Titel klang noch geheimnisvoller: Also sprach Zarathustra. Ich fragte meinen Vater, von dem ich wohl zum ersten Mal den berühmt- berüchtigten Satz hörte: „Und wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!"

Und so sah mein früheres Nietzschebild auch aus: Der Friedrich, der Wüterich, ein Doktor Faustus mit Peitsche- unmoralisch wie der Bube aus dem Struwwelpeter. „Und höret nur wie bös er war, er peitschte seine Gretchen gar". Dieser Friedrich war wild, gefährlich. Und unwiderstehlich. Ich las den Zarathustra mit 14 Jahren.

Danach war alles anders. Ich erlebte einen ersten großen Traum von Größe: Ein Weiser, der mit Adler und Schlange im Gebirge wohnt, prophetisch die Ankunft des Übermenschen verkündet. Zarathustra, dem stolzen Einsamen, fehlte zu seinem Glück in geistigen nur noch eins: Die Übermenschin, das Superweib, eben ich. Der Weg für die nächsten Jahre lag nun klar vor mir: Er führte steil nach oben.

Ich musste mich in eisiges, geistes- aristokratische Höhen katapultieren. Meine nur wenig jüngere Schwester begleitete mich tapfer: Gehüllt in asketische Kutten wanderten wir in den Ferien durch die österreichischen Alpen. Besonders gern bei Dunkelheit: Die Wille zur Nacht fing an, unseren Eltern auf die Nerven zu gehen.

Es musste finster sein im Zimmer. Nur Kerzen brannten, wenn wir stritten welcher Nietzsche der wahre sei:

Meine Schwester mochte den stillen Nachdenker, den schüchternen Nietzsche, der immer kränklich war. Der jeden Aphorismus seinem bohrenden Kopfschmerz abbringen musste und Jahrelang gegen den Wahnsinn kämpfte. Zum seiner würdig zu sein, musste man selber viel leiden. Meine Schwester hatte sich dazu eine wirklich beeindruckende melancholische Mimik zugelegt. Ich liebte mehr den nietzsche der mit den Hammer philosophierte, den Freigeist und protestantischen Priester der Lebenslust, den Gottesmörder und Umwerter aller Dinge. Dafür bediente ich alle Register der Erhabenheit und verfügte schnell über ein Arsenal pathetischer Gesten.

Eines Tages kam ein neuer auf unsere Schule: Der Junge K. Er hatte tiefschwarzes Haar, saß ständig schlecht gelaunt im Unterricht , als ob das Schülerdasein unter seiner Würde sei. Das arrogante Schweigen setzt die Lehrer mächtig unter Druck, denn so gab er vor, mehr zu wissen als sie. Klar, auch K. las Nietzsche. Gemeinsam entwickelten wir neue Kategorien für unsere Mitschüler: Die Masse, Dummbeutel, die letzten Menschen, Philister, Herdenvieh mit Sklavenmoral. Wenn unsere Schulkameraden in ihren Nike Schuhen und Lacoste Hemden in der Pause herumgingen, vorbei an ein paar langhaarigen linken Primanern in der Raucherecke, fühlten wir uns angewidert. Die Marxisten in der Oberstufe waren auch kein Lichtblick: Warum den Bürgern Geld abknöpfen, um es dem Proletariat zu geben? Was würden sich die Arbeiter denn kaufen? Genau: Nike Schuhe und Lacoste Hemden! Wer nun die paar Mark mehr hatte, war doch schnurz. Unheroisches Verteilungsgerede. Als ob es auf Geld ankäme. Falsche Werte!

Schlimmer war damals noch die geistig- moralische Wende unseres neuen, peinlichen Bundeskanzlers. Hatte der rasende Friedrich nicht Recht? Demokratie ist die Herrschaft der Mittelmäßigen. Gefangen im Sumpf aus selbsternannten christdemokratischen Eliten, moralinen Politlinken und feinsten Yuppiesöhnen blieb nur noch beten: „Nietzsche hilf!"

Also sprachen wir: Das sind die Viel- Zu-Vielen. Sie hüpfen überall herum und machen die Welt klein und hässlich.

K. war der Erste, der handelte- er kaufte sich einen Strick.

„Und wenn er es wirklich tut?" Meine Schwester blickte besorgt. Unser Zimmer lag im Halbdunkel und passte zur regnerischen Herbstnacht draussen. „Los, wir gehen in den Park, ihn suchen!"

Leise schlichen wir aus der Wohnung und tappten durch die nasse, kalte Finsternis.

Von K.s Zimmer aus sah man in den Park. Hier musste er sein. „K. wartet auf den Ruf", sagte meine Schwester. Ich zitierte aus dem Zarathustra: „Seht, ich bin der Verkündiger des Blitzes und ein schwerer Tropfen aus der Wolke : Dieser Blitz aber heisst Übermensch!"

Das feuchte Laub quatschte unter unseren Tritten, da schrie meine Schwester auf, Über uns saß K., den Strick um den Hals. Er hatte uns kommen hören. „Wenn Du das jetzt Du tust, wird keiner erfahren, was für ein großer Denker Du hättest werden können!", sagte ich. K. lächelte verächtlich. „Ich werde genauso beschissen wie alle hier. Auf meine Bücher wartet doch eh keiner."

Damit sollte K. Recht behalten. Während er vom Baum kletterte, trösteten wir ihn: „Es gibt schon viel zu viele Bücher. Wir leben in einem Land, in dem es von allem zuviel gibt."

In dieser Nacht haben wir zum ersten Mal geahnt, wie tief „Genie- Probleme" reichen. Später, an der Uni, lernten wir viele Leute mit solchen Problemen kennen, Studenten und Professoren. Aber wir hatten auf geheimnisvolle Weise den Mumm verloren, direkt danach zu fragen. Im Seminar erfuhren wir dann, dass Nietzsches Wahrheitsbegriff unausgewiesen, die Konzepte vom Übermenschen, Herrenrasse und Züchtung gar nicht biologisch gemeint und die Idee der „blonden Bestie" auch auf Japaner gemünzt sei.

Unser Gott ist tot. Am 25. August vor 100 Jahren ist Nietzsche gestorben. Was kann man da tun, um ihn zu feiern? Eine der Neuerscheinungen zum Nietzsche Jahr lesen? Ein Symposium besuchen? Oder im dunklen Zimmer eine Kerze anzünden?

Nietzsche tanzte, wenn er glücklich war. Er soll der Überlieferung nach auf seinem Schreibtisch getanzt haben, nackt, mit erigiertem Penis.

Ja, auch im Feiern ist der Meister bis heute unerreicht....

Barbara Mauersberg, TAZ, 25.8.2000

06.05.2006 um 18:43 Uhr

Dinge, die ich haben muss I

Die Jane Austen Action Figur

 

 

Gibts hier

05.05.2006 um 15:39 Uhr

Karma Police

 Sollte von jedem angesehen werden.

 

 

"Earl Hickey is a ne'er do well without a job or a direction in life. Instead, he spends his days drinking beer, stealing whatever isn't bolted down and being a leech on society. But when he wins the lottery of a lifetime, Earl thinks his luck may have just changed...until he's hit by a car. As he recovers in a hospital bed, Earl realizes that maybe the reason why he's there is because of a simple five letter word: karma. For every rotten thing he's done, a rotten thing comes right back to him; and the only way he can stop that is to make good for every bad deed. Having compiled a lengthy list of things he's done to people, Earl sets out to right all the wrongs from his past. All of this on the promise that maybe, he can enjoy his fortune once and for all, but only if he can finish the list first. Aiding him is his lifelong best friend and brother, Randy and an ensemble of characters to assist, observe, amuse, berate, or are just there for Earl Hickey."

05.05.2006 um 15:11 Uhr

Die Frage des Tages

Haben Ratschläge älterer Menschen eine grössere Bedeutung für sie?

05.05.2006 um 15:07 Uhr

Kunst entartet.

Kunst des Tages