Plunderherz

25.10.2006 um 21:55 Uhr

Schlampenfieber?

Stimmung: Müde -_- zZZZZ
Musik: Tori Amos- Pretty Good Year

Da bin ich wieder. Ich hab lange nix geschrieben, aber es gab ja auch nicht viel neues.

Uni hat wieder angefangen und da sitz ich nu, mit den Taschen ohne Latein, aber mit zahlreichen Geschichten, die sich hier wieder zugetragen haben und die besser sind als jede Soap im Fernsehen. Samstagabende laufen nämlich so: Ich sitze hier so, ganz lässig beim Tee, meine Freunde tanzen so ganz lässig betrunken in der Disco zur gleichen Zeit. Gut, das macht nichts. Ich habe das so gewählt, ich bin verliebt, verlobt, vergeben, ich hab mir die Hörner abgestossen, ich brauch das nicht. Nein, nein. Kein kleines bisschen. Der Sonntag verläuft dann so, dass Andreas, so heisst einer meiner Freunde nicht, aber nennen wir ihn einfach mal so, mir die Geschichten seines lebhaften Abends erzählt. Meist unter Verwendung eines Rollmops und der 3 Liter Evianflasche aus dem Rewe. Altes/neues Phänomen tritt in den Schilderungen immer wieder auf- das Schlampenfiebersyndrom.

Folgendes erklärt er so:

Das Schlampenfiebersyndrom (Schlampus Billigus Syndromus) ist eine gefährliche ausschliesslich bei Frauen auftretende Krankheit, die innerhalb von wenigen Minuten auftreten kann, das Gehirn vernebelt  und jedlichen Selbststolz zerstört. Oft dauert das Schlampenfieber bis zu Monaten an und die Erkrankte macht sich über diesen Zeitraum selbst zum Lurch. Kann starke gesellschaftliche Nachwirkungen haben. Vom Schlampenfieber sind besonders Frauen von 16-30 betroffen, die zu einem starken Konsum von Alkohol und Drogen tendieren und ein mangelndes Selbstbewusstsein aufgrund von körperlichen und/oder psychischen Defiziten (Voluminöser Körperbau, X-Beine, Zwillingsembryo am Hinterkopf) aufweisen.

Anders als bei Frauen, die sich als Schlampen bezeichnen und die ihre Einstellung leben, tritt das Schlampenfiebersyndrom nur schübchenweise auch bei ganz normalen Frauen auf. Häufigster Grund dafür ist Alkoholgenuss in Verbindung mit "ner schlechten Zeit" und einem, bereits in der DNA verankerten, dem ADHS vergleichbaren, erhöhten Selbstdarstellungszwang.

Die Krankheit ist in 3 Stufen einzuteilen:

1.) "Ich versteh Dich ja so gut"

Frauen, die sich mit dem Typ 1 des Schlampus Billigus Syndromus angesteckt haben neigen zu einer übersteigerten Konversationweise. Gezielt wird die Umgebung des Opfers gescannt und dann zugeschnappt. Vornehmlich eignen sich Themen wie Musik, Bücher, Filme und Events besonders gut zur Entfaltung des Bazillius Schlampus. Sätze wie: "Nein, echt? DAS ist auch mein Lieblingsfilm!" und "Ich höre (setze hier Namen der Band auf T-Shirt des Gegenübers ein) schon seit ich 3 bin!" zeigen nur geringfügig das Ausmaß eines großen Nervspektrums, welches das Schlampenfieber mit sich ziehen kann. Auf gezieltes Nachfragen, welches denn die Lieblingsszene oder das Lieblingsalbum ist, gibt es meist die schlichte Antwort "Ich hol noch ein Bier, willst Du auch eins?". Vom Typ 1 Betroffene erkennt man meist an ihrem unpassenden Auftreten (rosa Schal und Tokio Hotel Button auf einer Heavy Metal Party) und ihrer alkohollastigen Fahne. Patientinnen dieses Typs sind nicht sonderlich gefährdet, da sie meist ignoriert werden und später ihren Rausch auf einer Parkbank ausschlafen können.

2.) Das Chamäleon

Typ 2 des Schlampus Billigus Syndromus ist viel schwerwiegender und setzt sich tief in den Gehirnrinden fest. Die Betroffene ist eine Meisterin der Tarnung, in jeder Lebenslage, um an Ihr Ziel zu gelangen. Sie checkt im Monat zuvor das Opfer und seine Freunde aus, spioniert herum und liest sich ihr Wissen aus dem Internet an, denn für alles andere wäre keine Zeit. Eine Konversation mit dem Chamäleon passiert "rein zufällig", weil man sich ja "vom Sehen kennt und so". Das Chamäleon ist zwar überwiegend mit den gleichen optischen Defiziten wie die Typ 1 Betroffene belastet, dennoch weiss sie das durch eine "geistreiche Unterhaltung" auszugleichen.  Auf Musikgruppen, Filme und alle anderen, optischen Merkmale- und seien sie noch so klein, wie z.B. ein Kraftwerk-Button im Slip- wird das Opfer direkt angesprochen. Dabei ist es bei dieser Technik besonders wichtig, das Opfer gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen, denn so würde das angelesene Halbwissen schliesslich auffallen und die Tarnung platzen. Beachten wir folgendes Sprach-Beispiel einer Typ 2 infizierten:

 "So, Du hörst Kraftwerk, ja? Ralf Hütter und so. Galten ja mal als Vorreiter elektronischer Musik. Ich finde da Tangerine Dream interessanter. Kennst Du die? Achja, das gabs ja mal so einen Film, The Big Lebowski, total witzig und so, da war so Kraftwerkverschnitte, Autobahn hiessen die. Ich mag ja amerikanische Filme sonst nicht so...so Hollywood und so. Kennst Du den Song von Madonna?..."

Nicht nur sprachlich hat sich das Chamäleon gut vorbereitet, sondern auch stylisch. Zuhause zwar oft mit Jogginganzug bespickt, passt sich die Typ 2 Betroffene ihrer Umgebung mit Tarnschminke und Slimstrümpfen perfekt an. Mal Mod, mal Gothic, mal Punk, mal Trekkie, hauptsache man hat Kontakt mit genug Opfern, die man einsülzen kann. Besonders naive, stille Opfer fallen oft auf diesen Typ herein und entdecken erst später, wem sie da ihre telefonnummer gegeben und- im schlimmsten Fall- sehen sie  direkt am nächsten Morgen beim Kaffeetrinken, wen sie da eigentlich abgeschleppt haben, so ganz ohne Schminke und Bauchweghöschen. Doch dann ist Vorsicht geboten....Typ 2 des Schlampus Bazillus kann auch ganz schnell in Typ 3 ausarten:

3.) Was Du mir nicht alles versprochen hast, Du Arschloch!

Typ 3 des Bazillius verändert die Wahrnehmung der Betroffenen so sehr, dass sie unter starken Halluzinationen leidet. War es am Abend zuvor noch wichtig, sein Gegenüber in einen intellektuellen Monolog einzuwickeln, um ihn letztendlich abzuschleppen, werden jetzt die Aspekte der ewig geschundenen, betrogenen Frau geweckt, die das eigentliche Opfer böse hintergangen hat, wenn man nicht gleich mit ihr zusammenziehen will. Sätze wie: "Wir kennen uns doch gar nicht richtig" und "Du hast überhaupt keine Ahnung von dem, worüber Du die ganze Zeit quatscht" sind völlig sinnlos, denn das Schlampus Billigus Syndromus hat in diesem Stadium bereits das Gehör völlig zerstört. Einziger Ausweg für ein Opfer ist die "klärende Email/SMS/Gespräch" abzuwarten, was so sicher kommen wird, wie das Amen in der Kirche. In dieser Klärung wird das Chamäleon in einem weiteren 25 minütigen Monolog unter Tränen seinen Standpunkt erklären, wie sehr es leidet, gelitten hat und leiden wird und wie "schwer das doch auch alles für sie" ist. Selbst wenn das eigentliche Kennenlernen erst 12 Stunden her sein sollte und man lediglich Telefonnummern getauscht hat, bricht für das Chamäleon die Welt ersteinmal phoenixgleich zusammen. Besonders öffentliche Räumlichkeiten mit vielen Gasthörern wie Diskos, Kneipen, Cafes und Kinos werden von Betroffenen des Typus 3 gerne für diese "Wir müssen mal reden" Konversation genutzt.

 Hat man sich mit der Betroffenen durch ein einfaches Kopfschütteln endlich geeinigt, dass "man Freunde bleibt", erreicht einen spätestens am Dienstag der darauffolgenden Woche ein Anruf der Cousine 3. Grades, die eigentlich in Australien wohnt, aber doch einfach gerne mal wissen möchte, "warum man so ein Arschloch ist und Frauen das Herz bricht". Wenn morgens dann die Bäckersfrau noch fragt, ob man denn wirklich was mit Frl XY gehabt hat oder nicht, dann ist klar: Schlampus Billigus Syndromus ist keine Krankheit, mit der man spassen sollte.

Andreas leidet ganz stark an Betroffenen aller Syndrome. Sie rufen an, schicken Mails, Sms, sie lauern in der Bahn. Ohne, dass er sie mit nach Hause nimmt. Er zeigt ihnen sogar manchmal die Zunge oder ein Vögelchen, wenn sie ihn umarmen wollen. Nix, hilft nix. Wie diese Frauen in der einen Roald Dahl Geschichte, die die Männer aufessen. Ist da doch was dran, an dem Schlampenfieber?

Ich bin eigentlich ganz froh darüber, nicht mehr rauszugehen. Die Welt hat sich in den letzten Monaten scheinbar hart geändert.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. winter schreibt am 12.04.2007 um 21:45 Uhr:du bist lustig...echt!

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