postmoderne liebschaften

09.06.2009 um 14:10 Uhr

aus dem nichts heraus

es ist etwas seltsames passiert.

vor ein paar tagen habe ich einen langen brief von einem unbekannten erhalten. sehr schöne worte, sehr brutale aber wahre worte auch, dringen ohne umwege in meine tiefen vor und fragen mich zum abschluß nach meinen wünschen. ich bin schockiert erst und erstaunt und sehr verängstigt, über dieses plötzliche interesse.

durch zufall sei er im surfen mitten in mein blog geplatzt und konnte nicht mehr aufhören zu lesen, so las er die ganze nacht hindurch, wort für wort, mein komplettes blog.

er las über oli oli, über steve und fragt nach der beziehung zwischen oli und jil, die ich bislang im blog hier immer außen vor gelassen hatte, obwohl das genau der punkt ist, der mich in der ganzen liebschaftsgschichte am meißten quält, er hört sich all meine lieder an und schikct mir selbst welche, schöne lieder, die auch trost spenden...seit drei tagen kommen diese seine briefe. ich schreibe zurück, versuche zu verstehen aber da gibt es nichts zu verstehen und je mehr fragen ich stelle, umso gruseliger wird mir.

ja, er wüßte in welcher apotheke ich arbeite, auch wie der fluß heißt, hinter meinem haus. nein, er sei niemand den ich kenne, ganz sicher nicht, er hat bloß sehr aufmerksam gelesen und hier und da ein wenig gegoogelt. nein, er wolle mir nichts böses.

panik bricht in mir aus.

ich möchte das blog hier sofort schließen und die polizei benachrichtigen. er beruhigt mich . er gibt mir seinen namen, seine festnetznummer, alles zur indetifizierung seiner person notwendige...ich kann es überprüfen...er wohnt über 600 km entfernt und seinen namen habe ich nie gehört.

ich habe ihn angerufen gestern abend, aus panik, aus angst, ich wollte die festnetznummer prüfen, und ihn nochmal und nochmal fragen, was er von mir will.

wir haben ewig telefoniert.

07.06.2009 um 21:53 Uhr

zwei raben auf meinem dach

von: lillestory   Kategorie: tränenreich

der tag heute sollte doch wieder etwas schöner werden aber stattdessen saß ich schon morgens heulend in meiner küche. ich kann nicht erklären was es ist, was mich so runterzieht. ob es die einsamkeit ist oder die erchöpfung oder die hoffnungslosigkeit. und little jil ist ganz still und weiß gar nicht was los ist und ich wisch mir die tränen weg und versuch sie anzulächeln. sie soll nicht sehen wie fertig ich bin.

und dann komm ich mir ganz erbärmlich vor, wie die depressive mutter von marcus in "badly drawn boy", die in der küche steht und weint. nein, nein, nicht annährend selbstmordgefährdet aber es gibt phasen in meinem leben, da wünsche ich mir, zu verschwinden oder zumindest auszuruhen, von meinem ganzen psychischen ballast, den ich mit mir rumschleppe. jeder hat sein päckchen zu tragen, heißt es so schön, und ja, ich weiß es doch, trage tapfer und bin stark...immer stark...immer aufrecht...am horizont verschwinden meine träume, hatte ich überhaupt welche?...wenn ja:ich bin zu müde, um ihnen zuzuwinken

oli hatte das ganze wochenende keine zeit, sein zeitfenster heute, wie er sich so schön per sms ausdrückte , beträge 3 std am abend, von acht bis um elf. nein, nein dafür fahr ich heute keine 80km mehr nach hamburg und wieder 80 km zurück. er ist beleidgt. schreibt:

"...ach baby, that´s all so ridiculous. diese affentänze, wenn es darum geht, dass auch du mal deinen arsch nach hamburg bewegt bekommst. immer wieder eine andere verhinderung. fragile angelegenheit. da darf dann keine leitplanke gesetzt werden, sonst bricht´s zusammen wie ein kartenhaus. forget it. ach p.s du, ich hab übrigens auch ein kraftproblem hatte ich das schon erwähnt...?"

und ich weiß was er meint, ich weiß auch was er denkt, nämlich das mir selbst mit ihm die kraft ausgeht, und wahrscheinlich ist es tatsächlich so, ich kann nicht mehr! die tatsache, daß er jil in meinem leben ignoriert, sie nicht dabei haben möchte nachmittags, ich mich also jedesmal zwischen ihm und ihr entscheiden muß, also dann einen babysitter versuche zu organisieren für ein paar stunden oli, dieser spagat, er zerreißt mich und auch wenn ich das gefühl habe, daß oli mein einzig sozialer kontakt darstellt, so muß das aufhören, muß ich loslassen. was dann von meinem leben übrig bleibt vermag ich momentan nicht zu sagen. ich war schon mal weiter in dieser geschichte.soviel ist klar.

 

(aber war es nicht er, der von rein hedonistischen gründen sprach, als es darum ging unsere ach so verfickte(entschuldigung) postmoderne liebschaft zu definieren?! und wenn ich mir mein recht also heute herausnehme um aus hedonistischen gründen "nein" zu sagen, dann bekommt ich so eine sms?! ich habe veruscht, ihn anzurufen, aber er geht nicht ran. er braucht ruhe, schreibt er. jaja.)

 

gestern habe ich mir übrignes die tür von meinem golf ins gesicht gehauen, aus versehen irgendwie in meiner wut zu heftig aufgerissen und direkt unter das auge. nun habe ich ein veilchen! bildchen davon erspar ich euch heut lieber. wir sind ja nicht zum vergügen hier, nicht wahr?

redewendungen, die mir gerade in den kopf kommen sind:

jeder ist seines glückes schmied

von nichts kommt nichts

und seltsamerweise auch:

versuch´s mal mit gemütlickeit.

 

ja, das ist gar keine schlechte idee, gemütlich die decke über den kopf und schlafen. morgen wird nicht mehr geheult.

06.06.2009 um 20:54 Uhr

der rabe auf meinem dach

von: lillestory   Kategorie: tränenreich

es gibt gute tage, es gibt schlechte tage.

heute ist ein sehr sehr schlechter tag gewesen. schwarz. rabenschwarz.

gestern wieder zu spät ins bett, mußte ich heute morgen an meinem freien samstag früh raus, das auto aus salzhausen vom händler holen. um 9 uhr hatte mein vater mit dem typen dort abgemacht. großartig. salzhausen liegt irgendwo zwischen winsen luhe und lüneburg, eine stunde autofahrt dorthin. aufstehen um sieben, fahren um acht, da sein um neun.

vorher fragte ich noch:"werden irgendwelche unterlagen für die abholung benötigt?"

"der fahrzeugschein reicht" sagt mein vater, so fahren wir los. die autobahn voll. ich bin müde und sehne mich zurück ins bett, zurück zu little jil auch.

als wir endlich in salzhausen ankommen wird der fahrzeugbrief benötigt. gemütlich liegt der auf meinem schreibtisch im wohnzimmer,direkt neben der yogurette. "ohne kann ich Ihnen das auto leider nicht mitgeben"

ich möchte sofort heulen, ein dauerzustand, beschimpfe meinen vater "papi, ich habe dich doch extra gefragt" , bettel und bitte, der händler läßt mich das auto mitnehmen, aber nur, um den fahrzeugbrief zu holen.

ich sitze im auto, wütend, schnaubend, verachte meinen vater, der sooo viel getan hat für mich und dann mehr und mehr mich selbst, weil ich offensichtlich nicht in der lage bin, dinge im leben vernünftig zu regeln. auf der rückfahrt nach hause stelle ich fest, daß mein xs700 viel mehr verbraucht als der alte golf von meiner mutter, den ich bislang gefahren bin. die drehzahl liegt bei 5 und annähernd im roten bereich wenn ich 140 km/h fahre. ich kenn mich nicht besonders gut aus mit autos aber das heißt doch, dass dieses fahrzeug einen wahnsinnigen verbrauch hat, oder?

noch mehr schnaube ich. was für ein scheiß. was für ein scheiß teuerbenzinschluckendes auto. ich werde es sofort bei mobile.de reinsetzen und mir dann doch den mercedes holen. scheiß auf schulden. scheiß auf überhaupt alles.

solche gedanken.

das auto schluckt und schluckt und erst um 12:30 bin ich endlich wieder zuhause.mein freier samstagmorgen also.

mein vater ist gekränkt und redet nicht mit mir. meine muter auch nicht. ich möchte mich sofort im fluß vorm haus ertränken.

stattdessen lege ich mich aufs sofa und heule und heule und heule. ich fühl mich so elend und in meinem elend so ungerecht meinen lieben gegenüber. es tut mir leid, papi.

und dann kommt allesalles hoch:es tut mir leid jili, daß du keinen papa hast

es tut mir leid mami, daß ich euch immer nur enttäusche

es tut mir leid lieber gott, daß ich mein leben nicht besser hinbekomme.

und ich tu mir selbst leid, weil da niemand ist, der mich in den arm nimmt und sagt, daß er mich lieb hat. diese drei oder vier worte, die ein seelchen zum überleben braucht.

.....

needed: listen

06.06.2009 um 00:06 Uhr

theater

von: lillestory   Kategorie: das dorf

 

 

heute abend war ein fest auf dem bürgerhof und ich bin dort geswesen mit meinem vater. später kam trixi hinzu. wir tranken dünnes alster aus schweren gläsern und ich tat, als hätte ich spaß.

es ist so, als würde ich mein leben spielen, auf einer bühne aber ohne publikum und ohne ende. lachen, kommunizieren, gucken, zuhören. zuhause atme ich auf, kann die maske absetzen und wieder ganz für mich dabei furchtbar allein sein.

morgen hole ich xs 700, mein auto !

04.06.2009 um 22:21 Uhr

über ein lied

von: lillestory   Kategorie: pi-pi-fax

 

manche lieder sind schön, weil sie erinnerungen hervorrufen. manche lieder sind schön, weil sie besondere gefühlslagen unterstreichen. manche lieder sind schön, weil die lyric das herz berührt. manche lieder sind schön, weil sie der welt für einen augenblick eine andere farbe geben.

es gibt wintermusik, wie die von tori amos zum beispiel oder leslie feist

es gibt frühlingsmusik, wie die von bernadette la hengst oder i am kloot

es gibt sommermusik, wie die von phoenix oder beck

es gibt herbstmusik, wie die von mark knopfler und baldy drawn boy

 

es gibt ein lied im radio, das mag ich im moment einfach nur so. jeder kennt es, jeder summt es. eine ganze zeit schon feue ich mich, wenn es irgendwo zufällig zu hören ist. schöne gitarre, schöne stimme. sehr gefühlvoll klingt das. dann habe ich angefangen auf den text zu hören und dachte mannomann, da ist aber zeimlich viel poppen drin, in dem stück!was soll das denn? hats doch gar net nötig... dann habe ich mir auf youtube das video angesehen und dachte wieder meine güte, das nimmt dem lied wirklich so alles an charme: diese nackten hungrigen weiber auf dem boden und das bondgirl in gold mit den wippenden titten und er schwitzend mit glatze und klampfe, sabbernd. nein, das paßt so gar nicht zu den bildern in meinem kopf, die entstehen, wenn ich das lied höre.

manchmal sollte man einfach nur die augen zu machen, nicht denken, sondern tanzen.(link)

 

04.06.2009 um 12:32 Uhr

drei . monate .

 

heute feiert mein kleines blog geburtstag

 

02.06.2009 um 22:20 Uhr

rosé . rosa . rot

von: lillestory   Kategorie: hübsches ansehen

 

chuchote: je táime

 

02.06.2009 um 21:05 Uhr

generation golf

 

ja, so ist das wohl. mein erstes eigenes auto ist ein golf ! ich werde ihm keinen namen geben,( soweit kommt das noch) und ich werde auch kein komma setzten, hinter diesen historischen satz.

kein komma, kein semikolon, einen punkt stattdessen hinter diese entscheidung.

als herr o und ich gestern nämlich unter der kletterrose saßen und honigbrote schmierten ereignete sich folgendes gespräch:

"weißt du, ich glaube ich nehme diesen schwarzen golf. er hat nur 50tausend runter, ...(...)...und ich kann ihn ja in einem jahr wieder verkaufen, um mir ein anderes auto, vielleicht den mercedes zu kaufen"

"setz doch mal punkte in deinem leben, lilli. immer windest du dich ins "vorläufige", alles bei dir ist nur provisorisch, für ein jahr oder zwei, übergangsweise...so sprichst du über deine entscheidungen und dein leben. das hier alles ist schön aber du sagst du möchtest zurück in die stadt in einem jahr...du hast ein wunderschönes häuschen aber investierst nichts hinein, weil du sagst es ist ja nur für eine kurze zeit..du kaufst dir ein auto und sagst:ich kann es ja jederzeit wieder verkaufen....du bist noch nicht mal mit gefahren! gib den dingen raum und zeit und dir ein leben im jetzt und hier..."

"auf der überholspur hat man keine zeit sich umzusehen, wie schön es eigentlich ist..."

"ja, genau so ist es. und du verpaßt nichts, wenn du zwischendurch mal innehälst um ein wenig zufrieden zu sein"

...

ich habe hinter diesen meinen historischen satz keinen punkt gestzt, sondern ein ausrufezeichen. emotionale menschen tun sich halt etwas schwer mit punkten.

 

01.06.2009 um 21:23 Uhr

idyll

von: lillestory   Kategorie: hübsches ansehen

 

lieben gänse musik? das frage ich mich und wenn ja,

vielleicht etwas...französisches ...?!

01.06.2009 um 20:32 Uhr

gold

 

gestern war pfingstsonntag und ich hatte die glorreiche idee (vom zoobesuch in hannover induziert) mit jil in hagenbecks tierpark zu fahren...ganz hamburg, ja vielleicht sogar ganz deutschland, schien dieselbe idee gehabt zu haben, menschenschlangen am eingang, und als ich nach 20 minuten noch immer keinen parkplatz gefunden hatte, sich die temperaturen aber draußen davon nicht stören ließen, also weiter stetig bergauf stiegen, und jil in ihrem engen sitz zu dampfen begann, hatte ich die schnauze voll.

um nicht eine stunde "umsonst" im auto gesessen zu haben, auch um zu akklimatisieren, rief ich jils oma an, die dort in der ähe wohnt, sie sagte sie bekäme nachmittags zwar besuch aber ein gemeinsamer kaffee wäre schön.. scheiß idee, die zweite an diesem tag also, danach war mir richtig elendig. ich kann nicht mal genau sagen warum, velleicht weil sie rumdruckste, als ich sie nach ihrem nachmittagsbesuch fragte. eine einfache, harmlose frage...

hin und her drehte sie die worte und dabei war es kein anderer als ihr basti, der besuch, der jilspapa, genau und ich war irritiert über das drucksen und weggucken und fing irgendwann auch damit an und nach einer stunde war ich mit den nerven genau da, wo sie momentan immer hingehen-ans ende nämlich um sich komplett zu verabschieden. nein, ich weinte nicht, ich lächelte beim abschied, dies war in der tat nicht ganz einfach, tat auch etwas weh, und rief oli an, meinen anker, der mich direkt fragte ob ich total bekloppt sei, bei diesem heißen wetter an einem pfingstsonntag das schattige, ruhige dorf zu verlassen um in die stadt zu ziehen.

ja, recht hat er, schnell ins auto, und zurück, zurück nach hause. zum ersten mal, zum wirklich ersten mal war ich dankbar, wußte ich zu schätzen mein kleines idyll...das ruhige grün mit dem fluß hinter dem haus (auf dem übrigens die kleinen entenbabys gerade schwimmen lernen) und den gänsen auf der anderen flußseite. jil und ich atmen tief ein und tief aus. wir sind wieder zu hause!

ich versuchte nicht mehr an diese furchtbare oma zu denken. was habe ich mir eigentlich eh gedacht, dabei...

oli, mehr und mehr auch noch mein bester freund, auf dem weg zu mir. wir wollten pizza backen und er hatte tatsächlich noch extra von irgendwo her hefe aufgetrieben.

auf klappstühlen saßen wir später satt und zufrieden in den hohen gräsern, und dann ging die sonne rot in flammen auf um unterzugehen und färbte uns und alles um uns herum gold. in den bäumen sangen die rotkehlchen, zaunkönige, amseln, lerchen...

oli erkennt sie alle an ihrem gesang und so sitzen wir im goldgrasmeer, rauchen eine zigarette zusammen und horchen bis es dunkel wird, ganz still beieinander, nach und nach verstummen, schlafen die vögel ein, auf ihren ästen, bis nur noch die amsel übrgig bleibt und es zu kalt wird, ihr zuzuhören.

ich bin wieder ganz ruhig und bei mir. das ist wohl sein werk.

er blieb über nacht und heute morgen frühstückten wir draußen unter der kletterrose in der sonne. den einzigen vogel allerdings, den ich wiedererkannte, war die taube auf dem dach...

(gold)