meine retrospektive beginnt eigentlich mit vor weihnachten.
1. mit dem letzten streit, den oli und ich hatten , bevor er nach afrika flog
2. mit der info, daß jls tagesmama wegzieht und dem erneuten kampf um einen krippenplatz
3. mit dem zusammenbruch meiner kollegin madame dramaqueen
punkt eins :wie eine postmoderne liebschaft endet:
nach dem fürchterlichen wochenenden mit oli im september war es noch nicht wirklich vorbei, es gab eine lauwarme letzte phase danach. letzte atemzüge meiner postmodernen liebschaft. aber das eis, auf dem wir uns eh schon immer befunden hatte, war zu dünn geworden. wir brachen ein . ich schrieb eine dieser mails, die man besser nicht schreibt. inhalt :arschloch! arschloch! warum? warum? arschloch! ich schrieb mir alles alles von der seele.
das letzte mal, als wir uns sahen waren wir gemeinsam in der stadt. schön war das. aber als wir bei ihm zuhause saßen und musik hörten, fühlte es sich wieder fremd an. und ich mach das, was ich immer tu in solchen momenten, ich fange an zu brüten und versinke in mir selbst. wie an diesem wochenende im september...wo mir worte fehlten weil uns alles an gefühl fehlte. oli sprach von allen möglichen menschen, bloß nicht von uns. ich bin aufgestanden und gegangen irgendwann. ich versuchte ihm per mail am nächsten tag zu erklären und was jetzt folgt sind die mails und das ende oli. ich schrieb nach dem abend folgendes:
eine mischung aus paralyse, erwartungshaltung und überkommende traurigkeit.
ist das eine psychose?gibt es wege da raus? es quält mich selbst am meißten, dieses verhalten. früher hat es dazu geführt, dass ich blindlinks eine party verließ oder heulend im klo auf einem geburtstag saß... psychisch paralytisch. die leute hielten mich für ziemlich strange und ich habe mir sehr viel selbst dadurch verdorben.
(was ich dachte, war eine mixture aus:ich will nicht fahren, hätten wir doch morgen früh ein klein wenig mehr zeit, zum kerze anzünden und/oder kaffeetrinkengehen....hätte ich ihn danach fragen sollen... warum kann in an seinem geburtstag nicht bei ihm sein... ich fühl mich wie jemand, den er nicht auf seiner party haben möchte...nicht eingeladen...als würde er sich schämen...ich würde gern mit nach berlin...er würde mich nie mitnehmen...aber ich weiß er hat mich lieb...er hat mich wirklich lieb...soll ich mit ihm reden...ach nein...das hatten wir schon....ich glaub er möchte jetzt lieber schlafen...)
ich finde dann keinen ausweg aus diesem gedankenkarussell
so fügt sich stück für stück ein einseinundsechzig-mädchen nammens lille zusammen
...
es war schön gestern, schön mit dir in der stadt und in deiner nähe. schön . schön . schön .
obwohl ohne schnee
es gibt niemanden, mit dem ich lieber zusammen bin
ich befürchte ich werde dich diesen winter noch mehr vermissen als letztes jahr und scheiße bin ich jetzt schon traurig.
wer weiß, was passiert und wer wir im januar sein werden. ich hoffe dieselben.
vergiß mein nicht
60 min später
next time - einfach stecker (des gedankenstroms) ziehen!
und mich verführen und mich mit deinen händen, deinem hintern, deinen brüsten, deinem geschlecht um den verstand bringen.
next time.
good sundayevening.
O.
2 stunden später
so kappt man dem engel die flügel und läßt ihn auf den boden knallen
20 min später
... so (reduktionistisch) war das minichten gemeint, baby.
4 stunden später
I don't know why I feel the need to lie and cause you so much pain
Maybe it's something inside, maybe it's something I can't explain
'cause all I do is mess you up and lie to you
I'm a liar, ooh, I'm a liar
But if you'll give me another chance I swear I'll never lie to you again
'cause now I see the destructive power of a lie,
They're stronger than truth
I ca't believe I ever hurt you, I swear I will never lie to you again
Please, just give me more chance, I'll never lie to you again, no,
I swear, I will never tell a lie, I will neer tell a lie, no, no
Ha ha ha ha ha ha ha ha ha! sucker! sucker! sucker!
I am a liar, yeah, I am a liar, yeah, I am a liar
I lie you, I feel good, I am a liar, yeah
I lie x4 ooh, I lie, yeah, I lie
I'm a liar, I lie, I like it, I feel good, I like it, and again
I like it again and I'll keep lying, I'll promise
dieses lied hast du mir vor einer woche geschickt. es war fürchterlich. gibt es ein schlimmeres wort als fürchterlich? setz es hier ein.
du hast mir damit in die fresse geschlagen. du wußtest genau was du tust.
gestern hast du mir die flügel gekappt.
reduktionistisch...genau...seltsam wie feinfühlig...ach nein? wirklich mitnichten reduktionistisch?
du kleines brillinates EQ-arschloch
ich bin dein kaninchen
FUCK YOU
30 min später
Beides ist nicht wahr.
Weder hab` ich mit dem Lied die Botschaft senden wollen, die Du aufgenommen hast (es war vielmehr als Gegenstück zu dem eher soften Lied gemeint, das Du mir geschickt hattest - also eher ein "formaler" Hinweis).
Noch trifft zu, dass es mir nur um Körperliches geht (hallo!?).
Egal. Ich werde jetzt nicht in Rechtfertigungsarien ausbrechen. Dreh` es Dir, wie es für Deine emotionale Balance am besten ist.
Sowieso verhält es sich so, dass ich unser Miteinander zunehmend als einen Tanz auf dünnem Eis empfinde. Kann sein, dass mein "EQ" manchmal am Boden liegt; kann aber genauso gut sein, dass das dann auf eine erhebliche Sensibilität und eine Neigung, da immer das Übelste hinein zu interpretieren, trifft. Nicht schön für beide von uns. Dich verletzt es und mich macht es befangen.
"Fuck-" kann ich leider nicht leisten - aber immerhin das "-off".
Take care, O.
1 tag später
meine wortwahl tut mir leid
ich bin an der grossen grauzone gescheitert, an diesem konstrukt beziehung, so, wie du sie dir vorstellst. postmoderne liebschaft. nicht mehr, aber auch nicht weniger und letztendich wohl nicht das, womit ich umgehen kann.
das grau, der zwiesspalt zwischen dir und jil, deine über allem stehende vergangenheit und die menschen dort, die einen anderen oliver kannten, den oli nämlich, und die einen stellenwert in deinem leben haben, den ich nie nie erreichen werde... weil...ja weil ich wohl einfach zu spät gekommen bin...
wenn ich dir von norderney schrieb:"du fehlst mir so, ich kann es gar nicht geniessen" antwortest du :
"kenn ich komplett, was hab ich mein herz verflucht, damals in der bretagne oder afrika vor ein paar jahren...schlimm...auch einer der traumata...lass die gefühle druch dich hindruch fliessen"
alles schon gewesen. es gab von anfang an keinen platz, keine emotionale entfaltungsmöglichkeit für...uns...
nicht so, wie man es sich wünscht, wenn man verliebt ist
kein raum für beziehungsarbeit, du hattest es mir gesagt und ich ahne, was dabei herausgekommt.
ein wÃütendes, verzweifeltes fuck off endet im beinah gleichgütigen off
punkt
das wars.
du hast so oft gesagt ich sei böse und hedonistisch, zum glück, so bräuchtest du kein schlechtes gewissen haben. ich habe angefangen über den hedonismus zu lesen. über die philosophen der antike und der moderne und im zusammenhang mit glück und mitmenschlichkeit...ich möchte verstehen zu welcher sorte mensch ich gehöre, wer ich bin (grins bitte nicht spöttisch)... ...was mich treibt.
eine abscheuliche mixture aus egoistischem hedonismus und hypersensilität...damit hat man wohl kaum eine chance auf eine hochzeit in weiss.
aber ich bin nicht nur so, ich kann auch anders, kann auch ganz uneigennützig lieben, von herzen lieben, geben...ein mann, der da ist, der mit mir und jil den sonntag verbringt..ganz bieder meinetwegen....ich möchte nicht den glauben daran verlieren...ich möchte an mir arbeiten...
ich habe wirklich die unangenehme gabe, alles für mich so hinzudrehen, dass es passt. zum guten wie zum schlechten.beides. ich hab immer gehofft, das wir es doch schaffen, ein richtiges liebespaar zu werden. das bringt das verliebtsein mit sich, nicht wahr? diese bescheuerte rosa brille und diese hoffnung...
es tut mir leid, du bist im letzten jahr mein bester freund gewesen, ich weiss du interpretierst liebe anders; in deinem leben hast du schon geliebt, du trägst die menschen, die du liebst schon längst im herzen und mehr platz ist halt nicht, nicht so... es tut mir leid, dass ich damit nicht umgehen konnte...ich weiss auch, dass du mir viel gegeben hast, viel abendliche zeit, vielleicht werde ich nie mehr bekommen weil ich nicht mehr geben kann.....vielleicht liegt es an mir aber ich möchte nicht aufhören daran zu glauben, das ich es doch kann
meine verzweifelte, hilflose wut
die unsicherheit, die ich in unserem konstrukt mit diesem vielen vielen grau nie wirklich los wurde.
dieses wochenende, aber das wir nie wirklich gerdet haben, dieses lied (anscheinend ungeschicktt gewählt, trifftt es mich direkt in die wundeste stelle), das plötzliche gerede von schweizer bergen und zwischenmenschlichen hühnerkämpfen ..immer wieder deine intensive vergangenheit....dein geburtstag und deine abreise...alles so nah beieinander...ich steh neben dir...irgendwie...wie weit entfernt ich eigentlich von dir bin, wird klar, wird mir bewusst wenn ich seh, wie schnell und einfach du loslässt. dünnes eis, ja! mir war nicht bewusst wie dünn.
mir fält nichts ein, was ich jetzt zum abschluss hier schreiben könnte ausser, das ich mir aus tiefsten herzen wünsche, das du mich ein klein wenig verstehst.
2 tage später
... ich verstehe nicht nur ein bisschen, sondern ganz schön gut.
Ist schon erstaunlich, wie sehr man besetzt ist von einem eindeutig umrissenen Beziehungsideal - und wie sehr diese innere, emotionale Referenz dazu führt, anderes gering zu schätzen. Ich fand das, was wir hatten, in vielerlei Hinsicht sehr schön und auch besonders. Wären wir reife, gesunde Menschen, dann würde einen das mit Dankbarkeit und nicht etwa mit Unzufriedenheit erfüllen. Davon bin ich überzeugt.
Auf der anderen Seite macht es einfach keinen Sinn, gegen sich und das, was da an Sehnsüchten nun mal verankert ist, anzuleben. Ich hab` das damals in dem Dreier-Plott versucht und es hat mich in eine Depression getrieben.
Muss los - ich ersaufe in Arbeit, schiebe einen Riesenberg vor mir her, der bis zu meiner Abreise abgetragen werden muss.
Ich küss` Dich, O.
aus afrika kamen mehrere sms, ein bild zu weihnachten mit dem rentier am strand und eine letzte mail einen tag vor silvester
will Dir nicht verschweigen, dass Deine Mail vom 30. November mich
nachhaltig "beeindruckt" hat. Auch Deine etwas nüchterneren Worte tags
drauf. Die Botschaft war ja irgendwie dieselbe. Ich glaub` nicht, dass wir
hinter diese Einsichten zurückkommen werden. Dafür sind sie einfach zu wahr.
Unter`m Strich hab` ich Dir aus verschiedenen Gründen nichts anderes
anzubieten als ´ne Liebschaft. Eine, in der Gefühle drin sind, aber eben am
Ende doch nur ´ne Liebschaft. Und daran wird sich auch mit der Zeit nichts
ändern. Das aber - so viel steht, finde ich, inzwischen total fest - geht
irgendwann immer wieder derbe auf Deine Kosten. Das kann nicht der Sinn der
Übung sein. Lass` uns das bitte mal so fest halten.
Herzlich, O.
seit dieser mail ist alles ruhig. seit dieser mail ist oli aus meinem kopf. ich habe so oft an zebulons kommentar denken müssen:"die beiden passen einfach nicht zusammen" hat er irgendwo geschrieben. oder dieses zitat aus sex and the city, (was irgendein zweitklassiker regisseur für seinen zweitklassigen film geklaut hat) :"he´s just not that into you". yes, he was just not that into me. für alle ganz logisch, bloß nicht für mich. nun fällt es mir wie schuppen von den augen. ich hab bis zur schmerzgrenze mitgemacht. ich kannte die spielregeln. er hatt mir nie einen rosengarten versprochen. ich hatte ihn bloß hineininterpretiert. in jeden satz und jedes wort und wenn keine sätze und keine worte kamen, dann interpretierte ich die stille. auch die wurde irgendie rosenartig. und nach der letzten mail war plötzlich schluß und ruhe und punkt und ich habe ihn nicht mit ins neue jahr genommen. deswegen kann ich es jetzt auch so nierderschreiben, weil es vorbei ist. weil es wirklich vorbei ist.
er war der einzige mann, der mich ab und zu besucht und geküßt hat. frauen möchten ab und an besucht und geküßt werden. darum ging es. und um einiges mehr aber das spielt keine rolle mehr. ich bin frei. und diesmal bin ich es wrklich .