was hochintelligente und indianer gemeinsam haben
der tag heut zählt zu einem der schönsten in diesem jahr.
er fing damit an, das jil und ich heute morgen in die waldorf-krippe gingen
(jaja, wirklich, letzte woche riefen sie an und sagten, sie würden wegen jil eine ausnahme machen und sie doch nehmen....die freude darüber ging bloß unter... in diesem oli alptraum über den ich nicht schreiben möchte)
so machen jil und ich seit montag also die eingewöhnung!
heute morgen also erst dort, danach direkt zu meiner psychotante 40 km entfernt....also die, die ich schon längst abgeschossen habe wollte aber nun doch nicht abgeschossen hab, weil es einfach keine alternativ-gespräche gibt in nächster zeit. all die leute die ich anrufe sind vergeben und voll und ich werde an die kollegen verwiesen, die aber alle auch keine zeit haben. egal. bevor ich niemanden hab, der mir zuhört nehm ich sie. ich hab ihr von ADHS erzählt und sie hob mal wieder die augenbrauen, hörte zu und schrieb und sagte nicht viel außer:"das ist ja erstaunlich"....oder.."ahhhh jaa"....oder so
zum beispiel aals ich erzählte, dass ich in meiner schneiderlehre nicht einmal geschafft habe ein kleidungsstück fehlerfrei zusammenzusetzten, daß meine lehrmeisterin bei meinen eltern angerufen hat um ihnen zu sagen , daß ihre tochter die prüfung höchstwahrscheinlch nicht schaffe wirdund ich dann in der prüfung aber die beste war. die beste die es je gab. und sich all meine kolleginnen daraufhin ziemlich wunderten und mir vorwarfen, ich hätte die ganze zeit keine lust gehabt.
meine psychotante sagte also: das ist ja erstaunlich.und natürlich ist es kurios...aber....aber immer diese.."erstaunlich.."als sei sie in mich verliebt....so guckt die mich auch an.....übrigens....
mein anderer arzt, also Dr.W , bei dem ich einen termin eine stunde später hatte und also das gleiche nur etwas abgeklärter erzählte, hob nicht die augenbrauen, sondern fragte mich, ob ich schon mal einen intelligenztest gemacht habe. die dinge, die ich ihm schilder sind auch dinge, die hochintelligente erzählen.sie haben ähnliche dämonen, dass mein hirn mit dem alltag unterfordert ist, sich langweilt und dann abschaltet. die leute einen für faul oder/und desinteressiert halten etc.
und er sagte dass es letztendlich egal ist, was ich hab, ich kann es nennen wie ich will, solange ich aufhöre ständig die sachen aufzuzählen die ich nicht kann sondern die, die ich gut kann....und das diese wechselgeld-geschichte für ihn eher nach einer blockade...einer starre...klingt, die durch angst ausgelöst wird. wie das kaninchen vor der schlange starr wird.
was da gerad mit mir passiert....das tut mir gut....das erzählen und das zugehört werden und das ernstgenommen werden und all das. ich bin ganz gspannt was bei mir da rauskommt.
nächste woche werde ich diesen hochintelligentstest machen und in zwei wochen hab ich einen gesprächstermin bei einem adhs spezialisten....ich bin sowas von in bewegung....erstaunlich
nachmittags war jil auf ihren ersten kindergeburtstag eingeladen. indianer war thema. auf dem spielplatz gegenüber. ich war potzblitz , jil sanftes auge. ullas sohn lenny alias spitzer pfeil wurde 5. quasselstrippe ulla mit sinn für humor wie ihr synonym Stilles wasser beweist, ist eine nachbarin, die ich vom spielplatz kenne. eine sehr entspannte frau. eigentlich wollt sie die ganze zeit nur friedenspfeife rauchen und fragte ständig, ob ich ihr nicht ein bißchen dope aus der apo mitbringen könne. ich hatte steffi gefragt ob sie mit paul (jils kumpel in spe) auch kommen möchte und der tag war so schön. so schön. wie im bilderbuch. es fehlte nichts. auch nicht die gummibärchen.
(steffi ist übrigens eine, die ich vom musikunterricht kenne und die ich mag, ich bin bloß vorsichtig geworden mit den leuten hier...sie verschwinden genauso schnell wie sie gekommen sind...steffi ist noch da)
abends saßen all die kinder um das lagefeuer und aßen hot dogs. meine kleine scheu jil auch. zwischen all den großen kindern und sie strahlte mich an, glückseligkeit. und ich hätt in dem momnet am liebsten die welt umarmt. es gab niemanden, der mir diesen moment hätte verderben können. perfekt.




Und; Lagerfeuer, innerer Einklang und pures Glück. Wie wunderbar!!
(PS: Heut abend vielleicht doch mal Telen?)
Und dem Dr. W möchte ich zustimmen. Die Diagnose kann dir zwar helfen, die Dinge zu akzeptieren, doch der Name ist letztlich nicht wichtig, es zählt nur, was du kannst.
Möchte ich ergänzen mit: "und was du draus machst".
Mein Thera in der Klinik meinte auch mal: "Sind Sie Hochbegabt, sollen wir mal einen Test machen?" - "Ne, danke."
Was interessiert's mich? Am Ende sitz ich doch da mit meinen Problemen und mit denen muss ich klar kommen, egal ob Hochbegabt oder nicht. Ich sag nicht, dass du den Test nicht machen sollst, ich find ihn zur Diagnostik wirklich gut ;). Aber für mich ist es nichts.
Das Wichtigste ist nach dem Test und der Diagnose und hin und her, was DU daraus machst, liebe Lille, egal wie es heißt. Egal ob Hochbegabt oder ADHS oder HSP oder oder oder. Am Ende wird alles egal sein und wichtig ist dann nur noch, dass du leben kannst, ohne eingeschränkt zu sein.
das, was mir gut tut an der sache, an diesen diagnosen ist, daß ich aufhöre mir für meine fehler die schuld zu geben. es gibt, dinge, die liegen einfach nicht in unserer macht...oder nicht in unseren genen...und das tut gut....als fallen irgendwo pflastersteine... ich kann aufhören, so verzweifelt in mir zu suchen...
wenn ich da ein defizit hab, dann muß ich das so akzeptieren....und ich kann es dann auch akzeptieren
das gibt mir -jedenfalls für diesen moment-eine enorme ruhe
Ja, und manchmal ist es gut zu wissen, dass man anders ist. Dass man sich nicht anders macht oder einfach nur unfähig ist, sich anzupassen, sondern dass man wirklich in manchen Dingen anders tickt und das nicht am eigenen Unvermögen liegt.
Dennoch möchte ich dabei bleiben, dass nicht zählt, was letztlich zutrifft, sondern was man daraus macht. Und vor allem zählt das, was man kann. Womit ich betonen möchte, dass nicht wichtig ist, was man nicht kann, sondern eben das, was man kann.
Ich kenn sehr gut, was du beschreibst. Darum wollte ich früher immer unbedingt eine Diagnose haben, um mich ernst nehmen zu können und um zu wissen, dass ich nicht "doof" oder "schuld" bin, sondern dass das einfach eine Krankheit ist. Mein Thera hat sihc genau deswegen bis zuletzt geweigert, mir eine Diagnose zu geben, abgesehen von der Depression. Er hat immer nur gesagt: "Nehmen Sie sich ernst, auch ohne Diagnose. Und kümmern Sie sich um sich selbst, egal ob sie offiziell krank sind oder nicht. Wenn Sie dafür eine Diagnose brauchen, gebe ich Sie ihnen nicht." Im Nachhinein: er hat - für mich - genau richtig gehandelt. Muss bei dir nicht so sein ;), wollte nur meine Erfahrung schreiben, wieso ich mittlerweile gegen Diagnosen-Suche bin. Sie hindert einen oft daran, sich selbst ernst zu nehmen und seinetwillen. Sich selbst zu mögen, anzunehmen und ernst zu nehmen. Man muss das mit einer Diagnose nicht mehr machen, denn dann macht die Diagnose es für einen.
@indalo
Die Fachmenschlein müssen vielleicht wissen, was los ist - und bei mir wurde es übrigens nie ganz geklärt, weil es einfach so ein Wirrwarr ist - aber der Patient braucht nicht immer eine Diagnose. Erklärung für meine Sicht siehe oben. Und nein, man braucht nicht immer eine Diagnose um zu wissen, was man machen muss. Man kann sich auch "einfach" auf die Symptome konzentrieren, schauen, was nicht gut läuft, wo man Unterstützung und Hilfe braucht, wo und wann Negativmuster auftreten und destruktiv sind... Ich hab insgesamt 30 Wochen stationäre Therapie gemacht ohne zu wissen, was ich habe. Und es war verdammt effektiv. Wie gesagt, der Thera konnte es selbst nicht genau einordnen, hat mir aber am Ende die Diagnosen genannt, die er zusammenfassen würde, um alles zu umschreiben.
"Ja, und manchmal ist es gut zu wissen, dass man anders ist. Dass man sich nicht anders macht oder einfach nur unfähig ist, sich anzupassen, sondern dass man wirklich in manchen Dingen anders tickt und das nicht am eigenen Unvermögen liegt."
Dafür braucht man nicht zwangsläufig eine Diagnose. Das kann man auch, indem man sich "einfach" annimmt, für sich einsteht und für sich sorgt. Um seinetwillen. Das ist ein heftiger Schritt und sauschwer zu erarbeiten und eine Diagnose nimmt diese Arbeit einem m.E. manchmal ab...
Man braucht keine Diagnose zu wissen, um für sich sorgen zu können. Braucht man nicht. Erklärungen tun manchmal gut, verstehen, was abläuft und wieso. Aber Diagnosen können manchmal auch wirklich wirklich hinderlich sein für einen Patienten. Ich will lille jetzt nicht sagen, sie soll das Diagnosensuchen lassen, ich möchte nur einen anderen Blickwinkel zeigen.
und falls beide negativ sind, so lerne ich trotzdem damit umzugehen statt immer gegen an zu kämpfen..........
ich versteh ihn nun besser
:o)
Dennoch finde ich es nicht so verkehrt, Diagnosen zu suchen. Symptome lindern ist schön und gut, aber wie gesagt kann man damit auch leicht das Gegenteil bewirken. Besonders bei Hochbegabten wird dieser Fehler oft begangen. Hat jemand schlechte Noten in der Schule, wird er auf ne andere Schule geschoben. Die Noten werden vielleicht besser, die Symptome gelindert - das Problem jedoch nicht erkannt. Es dauert nicht lange, bis das Problem von vorne losgeht, und glücklich wird das Kind auch nicht. Wäre hier eine Hochbegabung diagnostiziert worden und man hätte dem Schüler Möglichkeiten geboten, sich zu entfalten statt ihn abzuschieben, wäre das sicherlich besser für das Kind.
Boa, das ist grad keine logische Argumentationskette, aber ich hoffe, es ist dennoch verständlich.
Je nach Punkt im Leben ist eine andere Vorgehensweise notwendig, insbesondere je nach Mensch. Insofern heißt es wie immer, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Es gibt Vor- und Nachteile, und wir haben jetzt wohl beide unterschiedliche Sichtweisen präsentiert - du schlüssiger als ich. Sind uns aber wohl letztlich einig.
"Je nach Punkt im Leben ist eine andere Vorgehensweise notwendig, insbesondere je nach Mensch. Insofern heißt es wie immer, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Es gibt Vor- und Nachteile, und wir haben jetzt wohl beide unterschiedliche Sichtweisen präsentiert - du schlüssiger als ich. Sind uns aber wohl letztlich einig."
Du hast auch schlüssig argumentiert, wie kommst du darauf, es sei nicht schlüssig? Dein Beispiel ist ein Argument für eine ausführliche Diagnostik, die andere Erkrankungen ausschließen muss, um den Kind richtig helfen zu können.
Jap, man muss immer individuell vorgehen. Manchmal ist eine Diagnose notwendig, um die richtigen Schritte einleiten zu können, zum Beispiel bei ADHS oder bei Psychosen. Denn da müsste die Medikation dann anders verlaufen als "nur" bei Hochbegabung oder einer Depression. Für die Therapie ist das oft essentiell. Nur für die Betroffenen ist es nicht immer unbedingt gut, nach Diagnosen zu suchen und diese auch als "Legitimation" zu wollen, um sihc selbst ernst nehmen und für sich sorgen zu können.
Ein Fachmann muss i.d.R. wissen, womit er es zu tun hat, sodass die richtige Therapie eingeleitet werden kann. Es gibt Fälle, da genügt es, an dem zu arbeiten, was da ist und sich zeigt. Es gibt beides, gleichermaßen, und cih denke, dass für Lille eine ausführliche Diagnostik definitiv hilfreich ist. Es darf nur nicht passieren, dass das die einzige Rechtfertigung ist, sich selbst ernst zu nehmen und sich um sich zu kümmern. Ich denke, es sind einfach zwei Ebenen, von denen wir aus geschrieben habe, aber deine ist ebenso korrekt und in sich logisch wie meine :).
Wie ich darauf komme? Das liest sich abgehakt, meine Gedanken sind gerade nicht sehr flüssig. Aber schön, dass es logisch ist.
Dann sind wir uns jetzt ja einig, dass beides möglich und richtig ist :-)
Und ja, wir haben einen Konsens. Einen sehr guten! :)