Aristoteles (384 – 322 v. Chr.)
Erstellt von Sven Sandner, Dipl. Sc. Pol. Univ., Dipl. Verwaltungswirt (FH) im Jahr 2007 im Rahmen des Tutorium für Politische Theorie an der Hochschule für Politik München.
Quellen:
- Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, Verlag J.B. Metzler, Band 1/2
- Bergstraesser/ Oberndoerfer: Klassiker der Staatsphilosophie, K. F. Koehler Verlag
Grundsätzliches:
- Platons Schüler und Kritiker (z.B. der Ideenlehre-> 3. Mensch)
- von der Einheit zur Vielheit – der Ansatz der „Universalpragie“
- Gott als „unbewegter Bewegter“, lediglich letzter Punkt der Hinordnung
- Scheidung von Theorie und Praxis, von Weißheit (sophia) und Klugheit (phronesis)
Nikomachische Ethik (335 – 322 v. Chr.):
- oberstes Ziel (telos) alles menschlichen Handelns ist das Glück (eudaimonia), das um seiner
selbst Willen erstrebt wird
- auf das Glück ist alles hingeordnet, das Glück der Stadt ist dem des Einzelnen vorgeordnet;
„Mag nämlich auch das Gute dasselbe sein für den Einzelnen und den Staat,
so scheint es doch größer und vollkommener zu sein, das Gute für den Staat zu
greifen und zu bewahren“ (N.E.. I, 1, 1094a, 23)
- Glück findet sich im guten, klugen Handeln (daher nicht für Tiere Kinder, Schlafende)
- Dreiteilung (Zweiteilung) der Seele, rationaler Teil (logos), irrationaler Seelenteil (Streben u.
Vegetativum), Unterscheidung zwischen ethischen und dianoetischen Tugenden
- Begriff der Gerechtigkeit als allgemeine, partikulare, austeilende und ausgleichende G.
- Anklang eines naturrechtlichen Konzepts
- Tugendbegriff und politische Dimension der Freundschaft (-> Bürgerfreundschaft)
- von den Arten zu Leben ist die Theoria die höchste (obgleich die Notwendigkeit der Praxis
immer anklingt)
Politik (ca. 345 - 325 v. Chr.)
- Politik ist die praktische Philosophie vom Glück für die Stadt (Ethik ist für den Einzelnen)
- Entstehung der Gemeinschaft über Ehe, Haushalt, Polis, aber verschiene Arten der Führung
- Mensch bedarf der Polis, er ist „zoon physein politikon“, er ist von Natur aus dafür angelegt, da
er „zoon logon echon“ ist
- Ökonomie (von „oikos“) soll natürlich, nicht widernatürlich sein (Geld und Zins)
- Kritik an bestehenden Verfassungen Athens, Spartas und v. a. der platonischen Entwürfe
(kritisiert die Gleichförmigkeit und die Überbetonung von Allgemeinbesitz)
- Bestimmung des Begriffs Bürger als den, der „am Richten und Regieren Anteil hat“ (P. III, 1,
1275a, 22 ff)
- die Stadt bestimmt sich aus der Verfassung und der Bürgerschaft; sie hat ihr Ziel im Guten
Leben (ist mehr als „bloße Abmachung“ [gg. Lykophron])
- Frage nach der Regierung der Stadt, wird mit der Verfassungslehre beantwortet, entgegen
Platon keine echte Entscheidung mehr zugunsten einer „besten“ Verfassung (anders in N.E.)
Monarchie-> Tyrannis
Aristokratie-> Oligarchie
Politie-> Demokratie
- der Menge steht ein politisches Urteil zu; „Summierungstheorie“ gg. Platons Fachkenntnis,
„Und die Steuerkraft aller dieser zusammen ist größer als die der Einzelnen,
die nur als wenige die hohen Amtsstellen innehaben“
- Mischverfassung aus Oligarchie und Demokratie (Politie) ist gut, weil sie eine breite Mitte hat,
grundsätzlich schafft die Mischung allen Tugenden und Schichten ihren je eigenen Anspruch
- Aristoteles als Friedensphilosoph: „Es ergibt sich also, dass alle Zurüstungen zum Kriege
zwar schön sind, aber nicht das höchste Ziel von allem, sonder nur als
ein Mittel dazu“ (P. VII, 1, 2, 1324b, 20ff)