Die Herrschaftsfrage im Mittelalter
Kurzer Überblick zur Theorie der Herrschaft im Mittelalter von Sven Sandner, Dipl. Sc. Pol. Univ., Dipl. Verwaltungswirt (FH) an der Hochschule für Politik München aus dem Jahr 2007
Quellen:
- Ottmann: Geschichte des politischen Denkens, Verlag J.B. Metzler, Band 2/2
- Braun/ Heine/ Opolka: Politische Philosophie, Rohwolt Taschenbuch Verlag
- Bergstraesser/ Oberndoerfer: Klassiker der Staatsphilosophie, K. F. Koehler Verlag
- Helmut M. Müller: Schlaglichter der deutschen Geschichte, bpb Band 402
- Vorlesung Prof. Weiß: Geschichte der politischen Ideen I
Geschichtliches:
- Langsames Ende, zumindest des Weströmischen Reiches und Aufstieg der Germanen (ca. ab
400 n. Chr.)
- Erbe der Kaiser von Rom legt Frage nach hegemonialer Herrschaft offen, Kaiser von Rom
vereinte in sich die weltliche und geistliche Führung
- bedeutsame Fragen wird zunächst der Führungsanspruchs des Bischofs von Rom gegenüber der
Christenheit, wie auch die Nachfolge des Kaiserreichs als oberster weltlicher Autorität
- in einem Brief an Kaiser Athanasios I. begründet Papst Gelasius I. im Jahr 494 die sog. zwei
Gewaltenlehre, nach der Papst und Kaiser gemeinsam die Welt an oberster Stelle regieren
- Allianz zwischen Päpsten und Franken begründet sakralen Anspruch der weltlichen Gewalt
(beginnt mit Pippin dem Jüngeren (714 – 768) und Papst Zacharias)
- Weltliche Gewalt wird zum Schutzherr des Papstes, der Papst gewährt Legitimität der
Herrschaft
- mit Karl dem Großen wird 800 das Kaisertum erneuert, Krönung durch Papst Leo III.
- Differenzen, u. a. der sog. Investiturstreit führen zum offenen Streit zwischen Päpsten und
Kaisern, wichtiger Kulminationspunkte sind u. a.
o der Gang nach Canossa von Kaiser Heinrich IV. zu Papst Gregor VII. im Jahr 1077
o Papst Innozenz III. bescheinigt dem König von Frankreich, dass „er in zeitlichen
Dingen keinen Höheren über sich anerkennt“ (Delegitimation des Universalanspruchs
des Kaisers
o Streit zwischen Papst Bonifaz VIII. und Philip IV. von Frankreich (Besteuerung des
Klerus); Bonifaz VIII. Erlässt die Bulle „Unam sanctam“ und verkündet in seiner
„Zwei – Schwerter Lehre“ (Papst erhält von Gott die zwei Schwerter der Macht und
gibt das der weltlichen an den König weiter) den Suprematsanspruch des Papstes
o Goldene Bulle (1356) Wahl des deutschen Königs (mit allen Befugnissen des Kaisers)
durch die Kurfürsten, keine Erwähnung des Papstes
o Martin Luthers 95 Thesen (1517) gegen den pästlichen Machtanspruch
Exkurs:
- für München bedeutsam ist die Regentschaft von Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) (1282 – 1347)
- wurde mit Mehrheit der Kurfürsten zum deutschen König gewählt, konnte den Anspruch in der
Schlacht von Mühldorf (1322) gegen Friedrich den Schönen durchsetzen
- wurde 1324 von Papst Johannes XXII. mit dem Kirchnbann belegt
- ließ sich 1328 von Sciarra Colonna als Verteter des römischen Volkes zum Kaiser krönen
- ernannte Nikolaus V. zum Gegenpapst
- unterstützte papstkritischen Autoren, z. B. Marilus von Padua und Wilhelm von Ockham
Philsophisches:
Dante 1265 – 1321:
- wichtigestes politische Werk ist „De Monarchia“ (1317)
- im 1. Buch wird die Monarchie zur besten Verfassung erklärt, die Universalmonarchie zum Ziel
Philsophisches:
Dante 1265 – 1321:
- wichtigestes politische Werk ist „De Monarchia“ (1317)
- im 1. Buch wird die Monarchie zur besten Verfassung erklärt, die Universalmonarchie zum Ziel
- im 3. Buch wird erklärt, dass das Reich schon vor der Kirche existiert hätte, die kaiserliche
Autorität direkt von Gott kommt und keiner Zustimmung durch den Papst bedarf
- Kritik der konstantinschen Schenkung: Kaiser hatte kein Recht, das Reich zu verschenken
- klare Zuständigkeit des Kaisers für das irdische, des Papstes für das ewige Glück
Marsilius von Padua (ca. 1280 – 1343):
- Fransiskaner, scharfer Kritiker des Pasptes, am Hof von Kaiser Ludwig IV. in München
- wichtigstes Werk „Defensor Pacis“, i. F. DP (Kurzfassung: „Defensor Minor“)
- gegen die Zwei-Schwerter-Theorie, für die kompletten Trennung der Gewalten
- benennt als Ziel der weltlichen Herrschaft ist die tranquillitas (Ruhe) – gleichbedeutend mit Pax
- gliedert die politische Gemeinschaft in sechs Stände: Bauern, Handwerker, Geldleute, Priester,
Soldaten und Richter die letzten drei bilden die „honorabilitas“- die obersten Stände
- „Gesetzgeber... ist das Volk (populus) oder die Gesamtheit der Bürger oder deren
gewichtigerer Teil (valencior pars), und zwar durch Wahl und ihre Willensbekundung , die in
der Vollversammlung der Bürger in einer Debatte zum Ausdruck gekommen ist.“ (DP 1,12, §3)
- „valencior pars“ ist gerade nicht die Mehrheit sondern der „gewichtigere“ Teil der Bürgerschaft
- Herschaffsanspruch des Papstes wird negiert, auch Christus kam nicht auf die Welt um zu
herrschen, er hat selbst die weltliche Herrschaft anerkannt
- immer wieder verweist M. Auf die Bibel: Paulus „Seid untertan der weltlichen Gewalt“ (Röm,
13,1); „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist....(Mk, 12, 17) und „Mein Reich ist nicht von
dieser Welt.“ (Joh, 18, 36)
Wilhelm von Ockham (ca. 1280 – 1347:
- Fransiskaner, scharfer Kritiker des Pasptes, am Hof von Kaiser Ludwig IV. in München
- bedeutendstes Werk – „Dialogus“ – kompletter Titel: Dialog zwischen einem Lehrer und einem
Schüler über die Macht der Kaiser und der Päpste“
- Inhalt ist u. A. der sog. Anrmutsstreit, ausgelöst durch den Widerruf der Armutslehre seines
Vorgängers Nikolaus III. (Christus habe gelehrt, ein Leben ohne Eigentum sei für den einzelnen
sowie für die Gemeinschaft ein Weg zur Vollkommenheit) durch Papst Johannes XXII.
- einer der Päpste musste im Irrtum sein und nach Ockham war es Johannes XXII., denn im
Paradies gibt es kein Eigentum und Christus selbst hat die radikale Armut vorgelebt
- nach Ockham ist das neue Testament ein Gesetz der Freiheit, dass die Knechtschaft des
mosaischen Gesetztes aufhebt; die Vollgewalt des Papstes jedoch, würde aus den Christen
wieder „Sklaven“ machen;
- von einer Vollgewalt des Papstes kann nur die Rede sein, wenn die weltliche Gewalt versagt
- er plädiert für eine Universalmonarchie
- kaiserliche Macht stammt „ a deo per homines“, von Gott durch die Menschen nicht vom Papst