Zum ersten Mal
Es geht mir endlich wieder gut,
und dieses Befinden hält nun schon ziemlich lange an
Es geht mir endlich wieder gut,
und dieses Befinden hält nun schon ziemlich lange an
Stimmung: leer, verzweifelt
Ich fühle mich so leer, antriebslos,hab an gar nichts mehr Freude, bleib am liebsten im Bett, weiß nichts mit mir anzufangen, kann mir absolut nichts vorstellen, das mir Spaß macht, meinem Leben einen Sinn geben könnte ...
Ich kenne Depressionen, hab mehrere Episoden überwunden, aber dieses völlige Nichts schafft mich, es fühlt sich ganz anders an ...
Ich bin sehr zurückgezogen, isoliert, hab manchmal fast wochenlang niemandem zum Reden; jetzt hab ich so eine Sehnsucht nach Menschen und gleichzeitig eine unbändige Angst ... ich hab verlernt, wie man mit Menschen umgeht. Selbst wenn meine Söhne mich besuchen, bin ich vom Gespräch angestrengt, dass mir der Kopf weh tut; ich möchte ihnen gern folgen und mir merken können was sie mir erzählen, aber weil wir uns nicht so oft sehen, ist das meist viel, und ich hab Angst, sie könnten glauben, es interessiert mich nicht, wenn ich es nicht behalten kann ... Und der Gedanke, zB in einer Disco o.ä. auf Menschen zu treffen, treibt mir den Schweiß auf die Stirn: wie verhalten, worüber reden?
Ich war früher immer Diejenige, die allen geholfen, ihr letztes Hemd gegeben hat. Jetzt kann ich nicht mehr arbeiten, hab das Gefühl, deswegen weniger wert zu sein, noch nicht völlig abgelegt, und suche nach einem neuen Sinn für mein Leben. Ich will etwas tun, das mir gut tut, mir wieder Freude macht, mich wieder "brennen" lässt, und nicht immer nur für andere da sein ...
Mit genug Geld kann man ja reisen, Kurse besuchen, viel unternehmen - aber ich bin durch kleine Rente und Insolvenz stark gedeckelt...
Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht?
Und habt ihr es geschafft, euch daraus zu befreien?
Lange war es mir nicht möglich, Gedanken hier festzuhalten, geschweige denn, sie überhaupt zu fassen.
Nun hab ich wiederum einen Klinikaufenthalt hinter mir und zwei weitere Umzüge und bin wieder in meiner Heimat Schleswig-Holstein, wo ich beginne zu verwurzeln. Und nun kommen auch Gedanken und Gefühle wieder zu mir, und ich hab auch genug Zeit, sie zu denken und zu fühlen, weil ich nun dauerhaft Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme und "meinen Biorhythmus leben kann" :-)
Rückblickend auf meinen Eintrag "Womit hab ich so viel Glück verdient?" legt sich eine große Traurigkeit auf mein Herz und auf meine Seele - warum haben wir es nicht geschafft, aus so viel Liebe, Zuversicht, Dankbarkeit, Vertrauen und was noch alles, unser Wir zu formen? Was haben wir angerichtet, dieses Glück nicht "verdient" zu haben? Heute sieht es für mich so aus: Wir haben unserem Wir und unserem Partner nicht ge-dient. Vielleicht haben wir zuviel an uns selbst gedacht, zuviel über zu bewältigende Dinge nachgedacht, eben ge-dacht, aber nicht ge-fühlt, uns nicht ge-dient.
Dass dieser Freund heute, auch oder gerade über die Entfernung, wieder mein bester Freund ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Über 600 km sind wir uns näher als zusammen in einer Wohnung. Und vielleicht gelingt es uns, jedem für sich, nun sein Glück zu ver-dienen.
