Rabenmutter

30.08.2013 um 08:06 Uhr

Der kleine Schock für Zwischendurch

Während Ben und ich bei Hilde waren, steppte daheim der Bär, leider im negativen Sinne...

Die meisten werden sich erinnern, Bärenjunge musste aus gesundheitlichen Gründen seine Ausbildung an den Nagel hängen und da man ihm erfolgreich eingeredet hätte, er sei ein super Spezialist im Programmieren von Webseiten, er solle sich doch damit selbstständig machen - habe ich dann irgendwann resigniert, da er mir monatelang damit in den Ohren lag und es schien, dass es das ist, was er uuuunbedingt machen will. Ich glaubte auch, dass er das gut kann und hoffte, dass er das schafft.

Als 2. Standbein feilte er an seiner Rolle als Bärenmädchen, was auch ganz gut lief und läuft. Nur: leben kann man davon nicht. Die Ausgaben für neue Kostüme etc. fressen alle Einnahmen komplett auf. Außerdem ist es leider ja auch so, dass zwar jeder gut unterhalten werden möchte - aber viel bezahlen will niemand dafür.

So kam es, dass Bärenjunge sich mehr und mehr auf diese Travestiesache konzentrierte und - in meinen Augen - die Webseitenprogrammierung mehr und mehr unter den Tisch fiel. Zwar meinte er, er würde generell nachts daran arbeiten, weil er sich dann besser konzentrieren könne, aber nun ja. Wahrgenommen habe ich es halt nicht, er fuhr einmal pro Woche ins Büro, und Geld sprang auch nicht genug heraus. Bis er dann irgendwann zugab, dass der Kumpel, für den er arbeitete, ihn quais übern Tisch gezogen hatte. Er hatte ihm Wunder was für Einnahmen zugesichert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von ca. 30 Stunden. Haken an der Sache: Es war aber pro Woche nur für ca. 10 Stunden Arbeit da! Und andere Kunden fand Bärenjunge nicht, weil er keine Ausbildung in dem Bereich hat. Nur Referenzseiten genügen eben nicht...

Wir sprachen dann noch mal intensiv darüber, dass er sich dann eben erst mal mit anderen Jobs über Wasser halten müsse; dass es aber einfach nicht geht, dass er keine Miete zahlen kann und auf Mäusekinds und mein Hartz IV mitlebt... was natürlich vorn und hinten nicht reichte. Er redete dann davon, dass er darüber nachdenkt, doch wieder zur Schule zurück zu gehen und ich bat ihn, sich dann intensiv zu kümmern.

Außerdem hat Mäusekind ein Problem damit, dass öfter das Bärenmädchen am Start ist als der Bärenjunge. Und als ich also übers Wochenende bei Hilde weilte, muss es eskaliert sein. Jedenfalls bekam ich, wir weilten gerade zur sonntagvormittäglichen Lesung, eine SMS von meinem Sohn, die in etwa beinhaltete, dass er nicht mehr weiter wisse und kurz davor sei, sich das Leben zu nehmen. Halleluja!

Genau das, was eine Mutter an ihrem Auszeitwochenende braucht...

*Sidekick*
Vor ein paar Jahren, als ich anfing, wieder zu Festivals zu fahren, merkte ich, dass diese eine wichtige Auszeit für mich sind. Wochenenden, an denen ich ganz ICH sein konnte und mal nicht Mutter sein musste. Während der versuchten Umschulung zur Chemielaborantin ließ ich diese Auszeiten weg - mit dem Ergebnis, erneut zusammen zu klappen, völlig aller Energien beraubt. Seither nehme ich mir diese Auszeiten wieder sehr bewusst zum Energie tanken.
*Sidekickende*

In dem Moment, als ich die SMS las, kam sie aber auch noch gar nicht so ganz bei mir an. Ich zeigte sie Ben, der sofort fragte, ob wir jetrzt nach Hause fahren wollen. Neiiin

Geplant war allerdings, am Montag abzureisen, dann zuerst zu Ben zu fahren, sich dort um Pflanzen, Fische etc. zu kümmern und am Dienstag weiter zu mir zu fahren. Diesen Plan schmissen wir nun über den Haufen, fuhren mit kurzem Zwischenstop in Bens Wohnung gleich am Montag weiter zu mir.

Setzten uns abends mit dem Bärenjungen an einen Tisch und redeten ausführlich. Der allerdings hatte seinen Plan schon fertig: er wollte am kommenden Tag zum Amt gehen und sich wieder arbeits- bzw. ausbildungssuchend melden. Außerdem hatte er sich bei diversen Schulen fürs Abitur beworben und hoffte, noch angenommen zu werden. 2 Wochen vor Schuljahresbeginn...

Außerdem wünscht er sich psychologischen Beistand, weil er inzwischen Probleme hat, Bärenjunge und Bärenmädchen zu trennen. Und er wünscht sich einen Betreuer, der ihn an die Hand nimmt und mit ihm alle Wege erledigt, ihm hilft, sein Geld einzuteilen und seinen Alltag zu organisieren...

Ben und mir fielen die Kinnladen herunter! Der Junge, der seit Jahren dagegen ankämpfte, dass ihn irgendwer an die Hand nimmt... der sehnsüchtig auf den 18. Geburtstag gewartet hatte, um endlich endlich alles allein machen zu können... quasi wollte er am Liebsten wieder zurück in Muttis Bauch! Aaargh!!!

Auch steckte er sich (neue) berufliche Ziele, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind... wehrt sich gegen jegliche Alternativen... will nun noch mindestens 3 Jahre zu Hause wohnen bleiben...

Ja, genau das, was man in der Urlaubszeit braucht. Mal eben so ein richtiges Chaos. Mein Magen hat dann auch prompt im Urlaub drauf reagiert - als es wohl genug gesackt war - und ich hatte dann ab Mittwoch an der Nordsee übelste Magenkrämpfe, mit denen ich mich bis Anfang dieser Woche herum gequält habe. Jetzt hat es sich wieder einigermaßen normalisiert.

Und der Bärenjunge - ruht sich darauf aus, dass er sich ja nun beim Amt gemeldet hat. Die werden ihm schon was anbieten. Schule hat ihn natürlich keine genommen, der Bewerbungsschluss war im Juli... 

Wie heißt es so schön? "Kleine Kinder - kleine Sorgen. Große Kinder - ..." 

28.08.2013 um 16:41 Uhr

In Hildes Heim

von: Rabenmutter   Kategorie: Abenteuer

Quasi 3 Wochen Urlaub liegen hinter uns, 3 Wochen Ben und ich an einem Stück zusammen... es war schön, es war traumhaft, es war aber auch anstrengend...

Anfangen will ich mit einem Bericht über unseren Urlaubsauftakt, das Festivalwochenende beim M*era L*una. Zwar war ich mit Ben schon letzten Herbst beim N*C*N und dieses Jahr beim W*G*T, aber diesmal, das war doch irgendwie besonders und wie eine Prämiere.

Es war das erste Mal, dass wir beide gemeinsam die Vorbereitungen trafen, das Auto packten und gemeinsam aufbrachen. Er war das Wochenende zuvor bei mir gewesen und hatte schon alles von mir mitgenommen, was ich nicht mit dem Bus schleppen wollte. Dann hat er das Zelt geholt, was wir gegen 2 Flaschen Wein von Freunden von ihm "abgekauft" haben.

Donnerstagmorgen bin ich dann mit meinem großen Rucksack mit dem Bus zu ihm gefahren. Er kam später von der Arbeit, abends waren wir noch schön essen. Vormittags haben wir am Freitag das Auto gepackt und sind gegen Mittag aufgebrochen, von ihm aus sind es nur ca. 2 Stunden Fahrt und ich hatte im Internet gelesen, dass der Zeltplatz erst um 16 Uhr geöffnet wird. Dort stand auch, dass alle, die früher anreisen, auf den am weitesten entfernten Parkplatz geleitet werden. Da wollte ich nicht hin, das ganze Zeug so weit schleppen müssen... nö!

Wir waren beide total aufgeregt, kamen gut durch und es kamen auch bald die ersten SMSen, dass die Freunde für uns einen Platz mit freihalten würden. Ein Pärchen wollte noch mit uns zelten, die anderen würden nur ein "Verpflegungszelt" aufstellen und im Auto schlafen. 

Wir kamen auch ganz gut voran und fanden uns gut hin, auch ohne Navi, doch dann drehten wir noch eine Ehrenrunde... und wer war Schuld? Ich natürlich!

Beim Festivalgelände wurden wir eingewiesen und Ben folgte brav dem Winken der jungen Frau, ich aber wusste, dass die erste Einfahrt zu dem am weitesten entfernten Parkplatz führt - da wollten wir ja nicht hin! Das sagte ich ihm auch, er wendete und fuhr wieder auf die Zufahrtsstraße... aber: nur noch ein Hinweis zum Crew-Parkplatz, wo wir durchgewunken wurden, dann nichts mehr... immer weiter fuhren wir aus dem Ort wieder raus und Ben beschloss, wieder auf die Autobahn zu fahren und es nochmal zu versuchen. 

Beim 2. Anlauf gleiches Spiel: nur diese eine Einweiserin ganz am Anfang, dann die zum Crew-Parkplatz, die uns weiter winken wollte. Diesmal aber fragten wir sie nach dem anderen Parkplatz. Und fanden ihn auch - die zugehörigen Einwieser saßen am Wegesrand und rauchten... *grummel*

Wie wir dann da so fuhren, erklärte ich ihm, wo unsere Zelte stehen würden und da sah ich auch schon unsere Leute von weitem. Konnte ihn überreden, zurück und an den Zaun zu fahren und so konnten wir unser gesamtes Gepäck über selbigen reichen - und jeweils mit nur einer Handtasche gemütlich zum Festival "anreisen"... :-D

Dadurch, dass wir ohne Gepäck durch gingen, ging auch alles ganz fix, wir bekamen unsere Bändel schneller und konnten uns schnell an den Zeltaufbau machen. Fürs erste Mal klappte der auch gut. Nachteil am Zelt: das hat Fenster in den Schlafkabinen - wer konstruiert denn sowas??? Fürs nächste Mal also brauchen wir "Gardinen"...

Dann gab's das erste Bierchen und gemütliches Beisammen sitzen mit den anderen, im Abendprogramm standen Buchlesungen dreier Autoren,  die wir uns natürlich nicht entgehen ließen und die auch recht interessant waren.

Morgens war ich erstaunlich früh wach und so schafften wir es tatsächlich mal, "Einlass" live zu erleben ;-))) Im Ernst: die erste Band sahen wir um 11:20 Uhr, Réverie, im Hangar. Danach Lord of the Lost auf der Hauptbühne, die spielten gegen 12 und hatten ein Wahnsinnspublikum und Bombenstimmung - also, für diese Uhrzeit! War echt irre! Anschließend spielten Ost+Front, mal wieder ein (schlechter) Rammstein-Abklatsch... der uns beiden nicht gefiel.

Dafür waren Mesh sehr gut, gefolgt von Cultus Ferrox (na ja) und Saltatio Mortis (Stimmuuuung!!!), danach Crüxshadows - so süß, der Kleene - und Mono Inc., diese wieder super.

Unser Tagesabschluss bildete dann das Konzert von ASP, da war die Stimmung so überwältigend ... dass wir uns den Headliner - HIM - dann einfach mal schenkten. Im Zelt bekamen wir dann mit, dass er einfach die ganzen "alten Hits" runter spielte, ich glaube, wir haben nix verpasst...

Am Samstag war der erste Programmpunkt für uns die Lesung von Kai Meyer mit Unterstützung von ASP und diese war auch sehr schön, wenn auch blöd, dass man dazu stehen musste und die Musik der Hauptbühne störend herein drang. War aber wohl technisch nicht anders zu lösen.

Anschließend sahen wir auf der Hauptbühne Coppelius, dann In The Nursery, die mich etwas enttäuschten (Gesang passte nicht zur Musik), danach Tanzwut. Als nächstes stehen Clan Of Xymox auf meinem Zettel, ich kann mich aber überhaupt nicht erinnern und denke, dass wir die nicht gesehen haben, weil in den Hangar kein Reinkommen war. Staubkind sahen wir von Ferne, anschließend Apoptygma Berzerk, wo ich sehr befremdlich fand, dass der Sänger zeitweise alleine auf der Bühne stand. Also es ist ja jedem klar, dass ein Großteil der Musik heutzutage von Konserve kommt, aber muss man das so deutlich rüber bringen??? War jedenfalls irgendwie seltsam.

Anschließend sahen wir im Hangar Kirlian Camera, wo ich irgendwie das Gefühl hatte, die Lieder klingen alle gleich oder aber die spielen abwechselnd 2 in Endlosschleife... Dafür aber kam dann der Abräumer: Zeromancer! Diese spielten eigentlich nur als Vertretung für IAMX, aber so Klasse... wir hatten uns extra für die Fahrt noch das neue Album mitgenommen, davon spielten sie auch ein paar Titel, und auch so... Superstimmung, total süß die Jungs, und totel gerührt, dass sie so toll ankamen als "Lückenbüßer"... Das Konzert war so toll, dass wir danach beschlossen, den Rest saußen zu lassen und mit diesem überwältigenden Erlebnis das M*era L*una ausklingen zu lassen... 

Wir saßen noch ein wenig vorm Zelt, hörten von Ferne Nightwish, dann fing es an zu tröpfeln... und regnete auch die ganze Nacht.

Zum Glück bekamen wir aber am Morgen das Zelt noch trocken, dennoch vor 10 alles abgebaut und da war's dann auch schon wieder Geschichte. Fest steht: Ben findet dieses Festival genauso toll wie ich und da MÜSSEN wir nächstes Jahr wieder hin...

 

04.08.2013 um 19:37 Uhr

Erleichterung

Habt ihr es am Freitag alle poltern hören? Nein?

Na, dabei war der Stein, der mir vom Herzen fiel, nicht besonders klein!

Ich hatte kurzfristig einen Termin beim Jobcenter bekommen. Die Einladung war am Mittwoch im Kasten. Mein Arbeitsvermittler wollte mit mir wieder abschließend über meine berufliche Situation  sprechen.

Das bedeutete: das Gutaschten war ein 2. Mal erstellt und es wurde nicht, wie man mir gesagt hatte, zum psychosozialen Dienst gereicht, sondern als endgütlig betrachtet. Naja.

Zum Glück fühle ich mich inzwischen wieder besser. Ungefähr so, wie ich mich nach der TK fühlte.

Inzwischen hatten mich, muss ich zugeben, die Tatsache, dass das mit meiner Selbstständigkeit nichts wird, und die Diagnose der Störung im Langzeitgedächtnis, doch wieder ganz schön runter gezogen. Da "suhlt" man sich dann auch irgendwie in anderen Leiden wie dem Lymphödem oder PMS - sage ich jatzt mal so, wenn ich zurück blicke.

Also, das Lymphödem ist zwar nicht weg, aber vermutlich Dank der Tatsache, dass ich wieder täglich eine halbe Tablette von meinen Antidepressiva schlucke (= 10 mg Fluo*xetin), wieder zurück gegangen und gleichbleibend gering. 

Außerdem trinke ich brav regelmäßig meine Frauentees und auch PMS hält sich im Rahmen.

Hinzu kommt die gesündere Ernährung, dass das Wetter wieder regelmäßig Sport zulässt (Laufen am frühen Morgen - das Früheste letzte Woche war 6:10 Uhr aus dem Haus zu gehen!) und dass demzufolge das Gewicht wieder gefallen ist. Ich bin nun ca. da, wo ich nach der Fastenzeit war. Vielleicht sogar schon ein kleines Stückchen darunter...

Das alles gibt Energie und da schafft es nicht mal die Hitze, mich wieder komplett runter zu ziehen!

Zwar ging ich dennoch mit gemischten Gefühlen zum Amt, erinnerte ich mich doch noch zu gut an Diskussionen in der Vergangeheit, wo es darum ging, dass ich damals der Kinder wegen nicht Vollzeit arbeiten wollte. Damals wurde mir Kürzung des Geldes angedroht, wenn ich mich nicht Vollzeit zur Verfügung stellen würde...

Nun ja, inzwischen hat man sich wohl auch der Situation angepasst, Vollzeitstellen sind rar und ich finde auf herkömmlichen Jobbörsen auch größtenteils nur Angebote für Führungspositionen. Jetzt aber habe ich wieder Zugang zu einem gewaltigen Pool auch an Mini- und Teilzeitstellen, juhu! Ob mich jemand einstellt, sei erst mal noch dahin gestellt. Im Moment jedenfalls habe ich mich ins Bewerben gestürzt und übers Wochenende schon einige Bewerbungen abgeschickt.

Uuund: ich muss mich gar nicht auf Vollzeitstellen bewerben sondern soll erst mal langsam anfangen, am Besten erst mal ein Mini-Job und dann ggf. steigern. 

Außerdem bekomme ich ein Bewerbungs-Coaching, da das letzte 10 Jahre her ist und man doch einiges anders macht inzwischen. Außerdem werden dort gratis Bewerbungsfotos gemacht - ist doch auch was!

Das wird aber erst nach dem Urlaub passieren. Letzterer steht vor der Tür - kommendes Wochende geht es mit Ben gen Hildesheim zum Mera*Luna*Festival. D. h. ich starte mit dem Fernbus am Donnerstagmorgen zu ihm, von ihm aus fährt man dann nur ca. 2 Stunden bis Hildesheim. Am Freitag geht es los. Zurück geht es am Montag, dann auch erst mal wieder nur zu ihm, Pflanzen gießen und Fische füttern. Weiter zu mir geht es am Dienstag, wo es dann schon wieder Koffer packen heißt, denn am Freitag geht es dann samt Kindern zurück zu ihm - dann noch Mona einsammeln und am Samstag ruft die Nordsee für eine Woche!

Das sind dann über 2 Wochen, die wir am Stück gemeinsam verbringen werden! So lange war es, glaub ich, noch nie! Ich freu mich!!!