Rabenmutter

27.08.2014 um 21:02 Uhr

Ehe der Monat zu Ende geht...

...will ich wenigstens noch von unserem Urlaub berichten.Mmann, der Alltag hat einen so schnell wieder im Griff, das ist echt furchtbar! Und irgendwie hab ich auch das Gefühl, dass ich grad kaum was schaffe bzw. auf der Stelle trete, das nervt.

Aber: Der Urlaub!

Der ist auch schon wieder 4 Wochen her - unglaublich, oder?

Wir hatten aber wirklich Glück. Obwohl, anfangs sah es gar nicht so aus...

Wir starteten Samstagmorgen hier ganz früh, Ben und ich waren halb 5 aufgestanden. Wir wollten so früh wie möglich los, um möglichen Staus aus dem Weg zu gehen. Um Flensburg rum standen wir dann doch drinnen...

Dann stellte sich heraus, dass wir in Dänemark erst mal weit an unserem eigentlichen Urlaubsort vorbei mussten, um den Schlüssel fürs Ferienhaus abzuholen. Das war nervig! Dann bekamen wir eine Wegbeschreibung, die den Namen nicht verdiente, sollten uns ans Navi halten - das aber fand uns erst mal gar nicht, dann schickte es uns über die Autobahn, obwohl es über Landstraße wesentlich kürzer gewesen wäre. Nun ja... 

Im Feriendomizil angekommen, gab es bei den Kindern erst mal lange Gesichter: unser Haus war ein halber, umgebauter ehemaliger Stall. Es roch nach Bauernhof. Die Einrichtung war aus den 70er Jahren. Der See vor Ort war zu weit weg, um hin laufen zu können... Am Liebsten wären sie gleich wieder heim gefahren.

Aber es wurde ein wunderbarer Urlaub daraus, auch wenn es dann am Sonntag gleich regnete.

Dafür hatten wir freien Eintritt in eine Erlebnisbad, was wir also gleich nutzten. Außerdem nutzen wir, dass in Dänemark die Supermärkte auch sonntags geöffnet haben, kauften noch ein und warfen abends den Grill an. Der war nämlich da, samt großzügiger Terrasse und zugehöriger Katze ;-)

Den Rest der Woche hatten wir super Wetter. So fuhren wir mal an den Ostssestrand, mal an die Nordsee. Ließen uns den Wind um die Nase wehen und von der Sonne braun brutzeln, die Kinder tobten im Wasser und bauten Burgen - wie die Kleinen. alles war herrlich entspannt. :-)

Wie kämpften uns durch ein Labyrinth, blieben mit dem Auto am Strand stecken, fuhren Ruderboot und Tretboot, meine Rasselbande tobte sich im Keltterpark aus und trotz schönen Wetters musste auch dem Erlebnisbad ein zweiter Besuch abgesattet werden - immerhin, war ja kostenlos! Abends, einmal sogar tagsüber, wurde ausgiebig gespielt, und wir fanden am Haus einen Igel und Frösche. Wir picknickten am Wattenmeer und genossen dort den Sonnenuntergang.

Was rar war: typische Touristenläden. So für ein paar Souvenirs... fanden wir nur einmal, auf einer Nordseeinsel. Das war aber mittendrin, so dass wir da kaum was kauften - wollten wir zum Abschluss machen. Gelang uns leider nicht, wir fanden nur Supermärkte oder normale Geschäfte wie Schuh-, Klamotten und Haushaltwarenläden. Dabei waren überall Touristen!

Die Heimfahrt war dann nochmal sehr anstrengend, da wir ja erst mal wieder ein gutes Stück landeinwärts fahren mussten, um den Hausschlüssel abzugeben - so waren wir alles in allem gut 12 Stunden unterwegs.

Trotzdem hat es allen super gefallen. Nun wird es endgültig der letzte Urlaub in der Form gewesen sein,wenn wir wieder zusammen fahren, werden sicher meine Schwiegertöchter mit kommen (wollen). Auch wenn ich noch nicht weiß, wie wir das dann fahrtechnisch regeln werden... aber davon mal abgesehen: irgendwie fühle ich mich schon wieder urlaubsreif!!!

14.08.2014 um 13:43 Uhr

Eskalation

Wie der geneigte Leser weiß, ging ich mit gemischten Gefühlen in den Urlaub - bezüglich des Alkohol-Problems.

Und siehe da, im Familienurlaub war auch alles gut, klar trank ich abends mein Glas Wein und Ben sein Bier, oder mal ein Mixgetränk - der Liebste hat neulich entdeckt, dass ihm Radler schmeckt, man glaubt es kaum, man kann das trinken obwohl weniger Alkohol drinnen ist! Auch mal ein Schnäpschen zur Verdauung, alles kein Problem.

Wir hatten eine wunderbare und sehr entspannte Ulraubswoche in Familie, Bericht dazu gibt es später.

Dann hatten wir eine Woche mehr Stress als Urlaub, Umzug,  Ben's Mona zu einem Kindergeburtstag samt Übernachtung karren, Kino, Einkäufe etc. - und dann das gemeinsame Wochende beim Festival.

Ben hatte ja letztes Jahr selber Apfelwein gemacht, nun hat er sich auch an anderen Sorten versucht und pünktlich zum Festival war sein erster selbst gemachter Met fertig. Sehr lecker das Zeug, sehr süffig...

Tja, und so kam es denn zum großen Knall. Anstatt meiner (gut gemeinten) Hinweise, immer mal zwischenrein doch was alkoholfreies zu trinken oder aber zumindest genug zum Alkoholkonsum zu essen, kamen nur blöde Bemerkungen wo man meint, man spräche mit einem Teenager, nicht mit einem erwachsenen Mann über 40. 

Ben trank fröhlich Bier und Met durcheinander, es wurde spät und später, und als dann unsere Freunde, mit denen wir noch vorm Zelt saßen, sich zur Nachtruhe verabschiedeten, stand er schon nur unter Mühen auf und stellte fest, dass er ziemlich betrunken war. Ach?!

Nun habe ich das Schlimmste, was passiert, wenn er betrunken ist, bisher verschwiegen, weil es auch unsagbar peinlich ist...

Aber nun ist es wieder passiert. Und ich hoffe, zum letzten Mal!

Also, wenn er einen zu viel hat, dann schläft er komatös, und zwar so komatös, dass er ins Bett pinkelt. Das war ihm in meiner Gegenwart bis dahin 2 mal passiert und sofort beim ersten mal war mir klar, dass es am Alkohol liegt. Stritt er natürlich ab.

Diesmal passierte es nun wieder, und dass, obwohl ich ihn die ganze Zeit über anstupste, weil er schnarchte wie ein Wilder. Damit war dann für ihn das Wochenende so ziemlich gelaufen.

Ich war stinkesauer, zog aus der gemeinsamen Schlafkabine aus, ließ ihn aber in mein neues Schlafdomizil nicht hinein. Sollte er mal schön in seinem Gestank das Wochenende verschlafen! 

Am nächsten Morgen stand er dann zerknirscht vor mir, ich solle nun endlich los schimpfen. Nee, wozu denn? Bestraft hatte er sich schon selber genug, ich diskutierte nur mit ihm aus, dass ich nun hoffe, er würde zukünftig bewusster mit Alkohol umgehen und das Argument, er würde ja nur müde und nicht agressiv, sei damit vom Tisch - das war einfach nur ekelhaft!!! 

Zwar hab ich mich ein bisschen ja auch selbst bestraft, da ich sehr gern in seinen Armen einschlafe, aber ich hab das Wochenende so durchgezogen und ich hoffe sehr sehr sehr, dass es ihm eine dauerhafte Lehre sein wird und sowas nie wieder passiert! 

04.08.2014 um 18:30 Uhr

Ohnmacht

von: Rabenmutter   Kategorie: Und so weiter...

Vorgestern spät abends kamen wir aus dem Urlaub zurück, und gestern schaltete ich dann erstmals den Rechner wieder ein. Wir waren ja nur eine Woche weg, so gab es auch kaum Nachrichten (Es wussten ja alle, dass ich nicht da bin.) - außer von Ralph.

Seine letzte SMS kam noch auf der Autobahn gen Norden, dass er jetzt einen neuen Plan hätte, jemand, der ihm vielleicht helfen könne, wir sollten uns keine Sorgen machen, er wünschte uns einen schönen Urlaub. 

Gestern dann erwartete mich eine lange Mail von ihm, voller Vorwürfe und ich fühlte mich beim lesen derselben sofort total mies. Nein, die Vorwürfe gingen nicht gegen mich... - ich fange mal von vorne an.

Wer hier öfter liest, weiß, was bei Ralf so abgeht und dass keiner ihm helfen will. In den letzten Wochen lassen ihn sämtliche Ärzte hängen und er bekommt von nirgendwoher mehr ein Rezept, dabei nimmt er wegen seiner vielen chronischen Erkrankungen sehr viele Medikamente regelmäßig ein.

Die Hausärztin hat ihn gebeten, sich einen neuen Hausarzt zu suchen und alle anderen Ärzte, mit denen er sonst zu tun hat, lehnen es ab, ihn so viele verschiedene Medis zu verordnen, selbst der Notarzt hat ihm kein Rezept ausgestellt, obwohl das der K*V-Dienst ihm als Notlösung empfohlen hatte.

Da Ralf keinen Drucker hat, um sich eine Formular vom K*V-Dienst auszudrucken, das er wieder hätte hin schicken sollen, unternehmen die nun auch nichts weiter - ich denke mal, vielleicht haben die auch bei diversen Ärzten Rücksprache genommen und die meisten Ärzte stellen ihn halt einfach als psychisch kranken Spinner hin.

Nun hatte ich wegen der Betreuungssache mal im Freundeskreis herum gehorcht, ob jemand hilfreiche Tipps hat und da hat ein Bekannter von mir, der Anwalt ist, angeboten, dass er mal schauen will, was er für Ralph tun kann. 

Nun ist es bei Ralf so: die meisten Leute, die er kennt, sind alle psychisch krank und daher mit sich selbst beschäftigt und nur bedingt in der Lage, ihm zu helfen. Ben und ich nicht ausgenommen , wir müssen auch beide mit unseren Kräftne haushalten, schlucken unsere Tägliche Dosis Antidepressiva und sind außerdem auch nicht immer verfügbar. Aber wir sind die ersten Ansprechpartner.

Nun waren wir nicht da und so hatte er sich den Anwalt gekrallt, wohl auch, um nicht immer uns zu fragen, und den gebeten, bei der Haus*ärztin anzurufen wegen dem Rezept und außerdem sollte er diese verklagen. Also, beides gleichzeitig ist ja schon irgendwie irrsinnig. Außerdem: er ist Anwalt, und wenn die Ärztin es ablehnt, ihm ein Rezept auszustellen, kann auch ein Anwalt nix tun!

Daher bekam ich nun eine Nachricht voller Schimpfe über den Anwalt, wie unfähig der doch wäre und der würde überhaupt nicht kapieren, worum es geht usw. usf.

Genau so reagiert Ralph leider öfter, also allen gegenüber, die ihm helfen wollen oder Hilfe anbieten, da nimmt er den ganzen Menschen (nicht nur den ganzen Arm) und erwartet wahre Wunder. Dass keiner von uns Wunder tun kann, hatte ich ihm vor dem Urlaub schon geschrieben und dann kommt so eine Post bei mir an.

Ich hab dann noch mal versucht, ihm das zu erklären, und dass er einfach wirklich immer zu viel Hoffnung in neue Kontakte setzt, dass der Aktionsradius eines jeden einzelnen von uns beschränkt ist und wir nur das tun können, was in unserer Macht liegt - mehr nicht, und leider ist das nicht viel. Wir können keine Ärzte dazu bringen, ihn zu behandeln; wir können ihm seine Medikamente nicht verschaffen und wir können auch nicht an seiner statt mit irgendwlechen Ämtern und Institutionen verhandeln; wir haben auch nicht genug Kohle, um ihm welche zu leihen...

Daraufhin giftete er mich an, dass ich nun auch schon von zu hohen Ansprüchen spräche, keiner würde ihn mehr verstehen, nicht einmal ich...

Ja, ich kann es verstehen, dass er frustriert ist und es nervt mich ebenso wie ihn, dass ich nicht helfen kann - aber es nervt mich noch viel mehr, dass ich, die ich mir mit Ben wirklich regelmäßig den Kopf zerbreche, was man noch irgendwie tun könnte, mir dann dauernd seine Vorwürfe anhören muss wenn die Hilfe, die ich versuche, zu organisieren, nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt.

Es fühlt sich für mich einfach nur undankbar an. Oh je, wie das nun wieder klingt.... nein, ich erwarte nicht, dass er mir nun voller Dankbarkeit die Füße küsst, aber dass er einfach einsieht, dass meine Hilfsmöglichkeiten beschränkt sind und dass er mir dann keine Vorwürfe macht, wenn meine Ideen nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Und dass er auch nicht immer alle als schlechte Menschen hinstellt, nur weil sie nicht das erreichen, was er gerne hätte.

Das habe ich ihm dann heute auch geschrieben, dass es sich für mich so anfühlt, als würde er mir zum Vorwurf machen, dass es mir / uns grad gut geht. Es fühlt sich für mich so an, als würde er sagen "Dir geht es doch grad gut, dann kümmer dich gefälligst um mich und nicht um dein Leben!" Das aber kann und will ich nich...

Bin ich egoistisch? Muss ich mehr für ihn tun, auch wenn ich nicht weiß, was? 

Ich fühle mich total ohnmächtig, habe aber auch immerzu ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber... Frage mich, ob ich überreagiert habe. Darf ich ihm sagen, dass ich mich so fühle, obwohl es ihm so schlecht geht und mir gut???

Ich weiß in Sachen Ralph echt nicht mehr weiter...