Status quo
- toller Job
- stabile Beziehung
- Haus mit Garten, Balkon, Kamin und Sauna
- Gesundheit
- zwei Katzen
- finanziell gut aufgestellt
- ...unzufrieden.
Pünktlich zu Weihnachten habe ich eine alte Leidenschaft wiederentdeckt - die Musik. Natürlich nicht selbst produziert, sondern frisch eingetütet. Der Musikindustrie muss man schließlich in der heutigen Zeit tüchtig unter die Arme greifen. Und so kann ich gleichzeitig etwas für mein soziales Gewissen tun. Da betrete ich also nach ganz ganz langer Zeit mal wieder den Plattenladen und suche, höre an, zweifle, empöre mich und bin alles in allem hoch erfreut. Eine kindliche Leichtigkeit macht sich breit. Da ich ansonsten kaum konsumiere, ähem - macht kaputt, was euch kaputt macht - bin ich erstaunt, über meinen freizügigen Umgang mit dem Papiergeld. Aber es ist schließlich auch Weihnachten - und sich selbst zu beschenken, gehört da einfach auch dazu. Außerdem: Fünf Euro für "Brothers In Arms" - hey, ich mein, Zigaretten kosten fast genau so viel. Rauchen mit Mark Knopfler -geil!
"Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" - so banal das auch klingen mag, es liegt ein Stückchen Wahrheit in der Phrase über ein totes Tier, eingebettet in feinstem Naturdarm.
Gestern Abend hatte ich beim Anblick der Fernsehbilder einen feuchten Film auf den Augen - im Volksmund auch "Pipi inde Augen" genannt. Kaum vorstellbar was gewesen wäre, wenn die Jungs den goldenen Pokal heute Abend in den Berliner Himmel gereckt hätten. Beileibe, kaum vorstellbar...
Am Ende der Wurst, am Ende der WM, bleibt festzuhalten: Es war verdammt lecker! Würzig und knackig. Nur satt hat es leider nicht gemacht. Ich könnte glatt ein ganzes Dutzend nachbestellen, konservieren und bei schlechteren Zeiten wieder auftauen.

Also dann, auf 'ne gute Wurst!
Früher gab es für mich drei feste Grundsätze an denen ich mein Leben ausrichtete:
1. Die Milch macht's (Den Slogan ließ ich mir später für teures Geld von der Werbeindustrie abkaufen)
Wenn ich jeden Morgen ein Glas Vollmilch trinke, bewirkt das einen potenziellen Wachstumsschwung von ungefähr einem halben Zentimeter pro Tag, was über ein ganzes Jahr gesehen, einem Körperwachstum von 1,78 Meter gleichkommt. Nicht schlecht, was?
2. Petersilie macht klug
Ich habe Petersilie eigentlich gehasst. Es gab nichts, was die Petersilie mir hätte geben können, außer eben die Klugheit. Davon war ich fest überzeugt. Und so kam es, dass ich mir dieses widerwärtige grüne Kraut in regelmäßigen Abständen zwischen die Backen klemmte.
3. Mädchen sind doof
Einzige Ausnahme: meine Cousine. Aber ansonsten konnte man mit den kreischenden Hüpfdolen doch nichts weiter anfangen, als ihnen beim imaginären Pferdchenreiten zuzuschauen und sich über das Wiehern und Ausschlagen zu amüsieren.
An die ersten beiden Grundsätze hab ich irgendwann den Glauben verloren. Der letzte Punkt hat sich auch ein wenig verschoben: Pferdchenreiten ist gar nicht so schlecht. Nur das Wiehern mag ich immer noch nicht.
Anpfiff. Es ist nur ein Spiel. Aber es ist ein wichitges Spiel. Um so mehr schmerzt die Halbfinal-Niederlage angesichts des tollen Fußballs, den die Jungs auf das Feld gebracht haben. Wäre alles "normal" gelaufen, hätte nach der Vorrunde kein Hahn mehr nach der Nationalmannschaft gekräht, aber so? Das Ziel konnte man schon fast sehen und der Traum war kurz davor zur Realität zu werden. Und plötzlich sank der Kopf auf die Knie. Neben mir das gleiche Bild. Alle um mich herum scheinen den selben Gedanken zu haben: Das war's.
Ich bin auf die nächsten Tage gespannt. Fällt alles wieder zurück? Zurück in den Alltagstrott? Oder behalten wir ein bißchen von der guten Stimmung bei uns? Abpfiff.
Es ist heiß. Heiß, heiß, heiß. Da gratuliere ich, höflich wie ich nun mal bin, dem Bikini zum 60. Geburtstag (Fotostrecke auf SPIEGELonline). Auf die nächsten 60!
Bei dem Wetter muss man wenigstens nicht zittern, wenn die Jungs heute Abend in Dortmund einlaufen. Vielmehr erwarte ich dahinschmelzende Italiener, die sich gehörig die Pfoten verbrennen.
We don't need no water let the motherfucker burn. Burn motherfucker, burn.
Urbanisierung und Verstädterung - Phänomene unserer Zeit. Doch der Strom der Massen in die deutschen Großstädte ist heutzutage wohl eher als abnehmend zu bezeichnen. Landflucht mutiert vielmehr zur Stadtflucht. Das idyllische Land wirkt doch oftmals verführerischer als die Betonbauten und Asphaltmeilen. Gerade an solch heißen Sommertagen vermisst man in deutschen Großstädten die schattigen Plätzchen in den grünen Oasen. Doch der Kölner hat zum Glück einen grünen Daumen. Und das nicht erst seit Konrad Adenauers genialem Plan vom Grüngürtel in den 20er Jahren.

Köln ist eine grüne Stadt. Eine grüne Stadt? Na ja, bedenkt man die Anzahl der frei zugänglichen Grünflächen, könnte man das vielleicht behaupten. Jedenfalls ist es nicht schwierig ein geeignetes Plätzchen unter den vielen Park-Angeboten zu finden. Nach Arbeitsschluss pack ich die Decke ein, nehme etwas zu Lesen mit und sammle fleißig Sonnenstunden. Denn mal ehrlich: Ich bin blass wie ein Hering. Ein Hering? Sagt man das so? Na ja, blass halt. Hering hin oder her.
Fragt sich nur noch: Wohin laich ich mich hin?
Rheingarten vor der Altstadt, Mediapark, Volksgarten, Stadtgarten, Blücherpark, Römerpark, Aachener Weiher, Poller Wiesen, Jugendpark....
Und die Stunden verstrichen. Bis er sich entschieden hatte, war die Sonne bereits untergegangen und er ward weiterhin ein blasser Hering.
