hallu rolf!
es war im herbst 2003, als ich eine reise nach marokko vorbereitete. das telefon klingelte. es war samir, mein bekannter in marokko. zu meiner verblüffung erzählte er mir, dass er auf dem weg nach europa sei.
ich traf samir damals nicht mehr in marokko an. samir war verschwunden.
auch nach rückkehr nach deutschland kam von ihm kein lebenszeichen. nach einem jahr wandte ich mich an die spanische und marokkanische botschaft in berlin und gab eine vermisstenmeldung auf.
spanien deswegen, weil dieses land von marokkanern sehr oft als zufluchtsort in europa gewählt wird.
ich habe keine antwort erhalten, obwohl ich samirs identitätskarte per kopie meinem brief beilegte und um hinweise bat.
es vergingen monate - ja, jahre - bis ich mich mit dem gedanken vertraut machte, dass es samir nicht mehr gab. um mit dieser situation fertig zu werden, schrieb ich eine geschichte - es ist die ambitionierteste, die ich im internet veröffentlicht habe:
GOTTES SEGEN IN AL ANDALUS - MEIN WEG NACH MAROKKO
ich weiss, dass jedes jahr unzählige marokkaner auf dem weg nach europa ertrinken. warum sollte samir ein anderes schicksal beschieden sein? zu oft hatte er mir erzählt, marokko verlassen zu wollen. und immer hatte ich ihn gebeten, sich dieser gefahr nicht auszusetzen - sondern in marokko zu bleiben.
ich hatte ihm geholfen und wollte ihm weiter helfen - so wie es meinen möglichkeiten entspricht. ich wollte nicht einsehen, dass ein intelligenter, begabter mensch marokko verlassen muss, weil er dort für sich keine chance sieht.
ich drang aber mit meinen worten wohl niemals an sein ohr.
die jahre kommen und gehen ... und irgendwann verliert sich auch gott sei dank die traurigkeit, einen menschen nicht mehr wiederzusehen. das alles weicht einer erträglichen wehmut ...
vor drei tagen klingelte das telefon. ich sah, dass das gespräch aus marokko kam. weil mein telefon nur kurz klingelte, wusste ich: ich sollte zurückrufen. so hatte ich es irgendwann mit samir ausgemacht.
also wählte ich die telefonnummer und hörte nur:
"hallu, rolf - wie geht es dir?"
es war, als kehrte ein toter ins leben zurück. ich war sprachlos. ich spürte keine erleichterung und keine freude.
ich wollte auch gar nicht wissen, was in den über 40 monaten geschehen war, seitdem ich zum letzten mal mit ihm telefoniert hatte.
war er wegen eines fluchtversuchs im gefängnis gewesen? hatte er mit drogen gehandelt? ich weiss es nicht - und will es auch nicht wissen.
gesehen habe ich ihn zum letzten mal im februar 2003 - vier jahre sind eine verdammt lange zeit.
... eine lange zeit - die mich sprachlos macht.
es ist gut, samir am leben zu wissen.
ich legte - ohne auch nur irgendein wort zu sagen - auf.
ich finde darüber hinaus keine worte mehr ...

) mit dem deutschen verbunden sei. und überhaupt: wer gegen england ist, ist für deutschland. es wird auch gleich von den tapferen und frommen buren gesprochen. keine rede aber davon, dass die buren auf besonders sture weise an der sklaverei festhielten. das war gar nicht so fromm!
