keine autorin von kochbüchern hatte um die wende vom 19. zum 20. jahrhundert so viel erfolg wie henriette davidis. ihr kochbuch erschien in unzähligen auflagen und bearbeitungen (z.b. von luise holle). es gehörte - wie schiller und goethe - in jedes gutbürgerliche haus.
bei henriette davidis rezepten kommen wir aus der küche gar nicht mehr hinaus. mit erstaunen lesen wir, dass zum beispiel ihre suppen über stunden vor sich hin köcheln müssen. das alles war nur zu bewerkstelligen, wenn der hausfrau in der küche eine tüchige mamsell zur seite stand.
opulent sind die rezepte sowieso und an butter wird nicht gespart. so, wie es henriette davidis einst aufgeschrieben hat, wird man heute nicht mehr kochen wollen. die rezepte sind üppig, schwer und kalorienreich.
dennoch sollten wir zugreifen, wenn wir irgendwo das kochbuch entdecken. es hält so manche gerichte bereit, die heute fast vergessen sind.
und schliesslich: wer kocht schon penibel nach einem kochbuch? viel schöner ist es doch, sich von rezepten inspirieren zu lassen und sie - vielleicht abgewandelt - nachzukochen.
wer aber wissen möchte, was unsere urgrossmütter einst auf den tisch brachten - ob alltags oder an festtagen - für den ist henriette davidis kochbuch das reine, appetitanregende lesevergnügen.