nachdenken ... über WAS?
man wird es bemerkt haben: seit einigen tagen schreibe ich hier etwas auf über städte, ihre geschichte und unser vergessen.
ich möchte damit ein denkmal setzen ... für menschen, denen ich niemals begegnete, vor allem aber: die ich eines tages traf und dir mir immer unvergessen bleiben werden.
1985 fuhr ich mit einer sogenannten "fortuna-reise" nach mallorca, was bedeutete, dass ich weder den ort noch das hotel kannte, in dem ich meinen urlaub verleben würde. das schicksal meinte es nicht eben gut mit mir und brachte mich nach CALA MILLOR. das war eine ansammlung von riesigen hotels an einem - durchaus - schönen strand.
dennoch genoss ich die tage in diesem ort. ich badete, schlief, schloss bekanntschaften ("da isser ja!"), schlenderte abends über die promenade ... und wenn mich die grenzenlose langeweile packte, rief ich meinen freund in deutschland an.
im restaurant des hotels wurde ich bald auf ein altes ehepaar aufmerksam. sie gingen so rücksichtsvoll und zärtlich miteinander um, wie ich es zuvor nicht erlebt hatte. sie liebten sich, das spürte ich sofort. deswegen kostete es mich auch keine überwindung, irgendwann an ihren tisch zu treten und ihnen zu sagen, wie sehr mich ihr miteinander freute und wie gut es mir ging, diesem einverständnis zuzusehen.
ich hätte das nie getan, wenn das alles nicht so besonders gewesen wäre!
die urlaubstage vergingen, das alte ehepaar (sie waren beide längt über 80) grüssten freundlich, wenn sie mich sahen ... und luden mich am letzten tag ihres urlaubs ein, mit ihnen den abschied von mallorca zu feiern.
wir sassen in einer spanischen bar und tranken sangria. die beiden erzählten ... auch davon, dass sie einst - als deutsche - an der wolga lebten, dann nach sibirien deportiert wurden, und erst jetzt nach deutschland ausreisen durften. sie hatten ihr ganzes geld genommen, um sich diesen urlaub auf mallorca ... in CALA MILLOR zu leisten.
es bliebe ja nicht mehr viel zeit ... sagten sie, sahen sich an und lächelten.
damals habe ich diesen beiden menschen einen platz in meinem herzen gegeben und ihnen, als wir mit sangria anstiessen, ganz still - und nur für mich - versprochen, sie niemals zu vergessen ...
postscript:
vielleicht ist das so bei manchen menschen. sie müssen sich irgendwann begegnen, weil sie sonst keine heimat haben!
