in einem grossen (na, ja) forum des internets, das sich mit marokko beschäftigt, meldet sich auch gern jenes mitglied zu wort, das als deutscher in chefchaouen/marokko lebt, nach eigenen angaben täglich haschisch raucht und fünf söhne hat. er schrieb jüngst über den problematischen anbau von haschisch im rif:
da hilft nur das übel bei der wurzel zupacken und
seine kinder so zu erziehen, dass sie nicht anfangen zu rauchen. dann
ist auch das haschproblem zu 75% gelöst.
richtig!
wenn jedoch ein alkoholiker vorgibt, seine kinder zu antialkoholikern erziehen zu wollen, wäre das eine ähnlich absurde, um nicht zu sagen: groteske feststellung.
schauen wir uns die situation in chefchaouen einmal genauer an (lassen uns also nicht weiter auf diese absurde "legalize it" debatte ein, die unter der hand und insgeheim diesem mitglied - weil er sich zu seinem haschisch-konsum (missbrauch) öffentlich nicht mehr äussern mag - immer noch und immer weiter die feder führt:
CHAOUEN. Die Episode spielt an einer Tankstelle im
nordmarokkanischen Rif-Gebirge, kurz vor dem Örtchen Ketama. Ein junges
Paar aus Spanien fährt mit einem alten roten Peugeot mit Madrider
Kennzeichen vor und stellt sich betont unauffällig an die Zapfsäule.
Die Beifahrerin kramt nervös in ihrer Tasche und holt ein großes Paket
heraus. Der Fahrer reiß es ihr aus der Hand, steigt aus, geht rasch ins
Café der Tankstelle, gibt die Ware beim Besitzer ab und stopft die
Geldscheine in die Tasche. Abfahrt.
Etwas unauffälliger ist es geworden, das Geschäft mit
dem Haschisch in Marokko. Bis vor kurzem wurde König Mohammed VI noch
selbst verdächtigt, beim Drogenhandel mitzuverdienen. Vor einem Jahr
hat Seine Hoheit den Produzenten und Dealern den Kampf angesagt - nach
erheblichem internationalem Druck. Aber immer noch deckt das
muslimische Land im Norden Afrikas gemäß den Angaben der
internationalen Drogenkontrollbehörde (INCB) 40 Prozent des
Welt-Haschischmarkts ab.
Und hier in der wilden Schönheit des Rif-Gebirges liegt
das Hauptanbaugebiet Marokkos. Versteckt werden die Cannabis-Plantagen
zwischen Maisfeldern. Die im Rif-Gebirge lebenden Berber geben vor,
keine andere Wahl zu haben. Sie haben weder eine Lobby im Land, noch
investiert Marokkos Regierung nennenswert in ihrer Region.
Aber der Druck auf ihr angestammtes Geschäft mit dem
Haschisch wächst. Spanien, die internationalen Drogenbehörden und auch
die EU haben den König in den vergangenen Monaten eindringlich zu mehr
Einsatz aufgefordert. Und weil Marokko das für 2010 vorgesehene
Freihandelsabkommen mit der EU nicht gefährden will, kooperiert das
Land inzwischen beim Kampf gegen den Drogenhandel besser.
Der König stellte mehr Polizei ins Rif ab, und er ließ
in den vergangenen Monaten viele Cannabisfelder zerstören - bei nur
einer Säuberungsaktion im Sommer in Taounate nordöstlich von Fés allein
1 000 Hektar.
Nach Studien der Antidrogenabteilung der Uno (UNODC)
werden im Rif derzeit 125 000 Hektar Cannabis angebaut. „Das sind schon
zehn Prozent weniger als im Jahr 2004“, sagt Driss Benhima, Delegierter
der staatlichen Entwicklungsagentur im Norden des Landes. Dennoch: Von
den fünf Millionen Einwohnern im Rif leben immer noch 800 000
ausschließlich vom Handel mit Hasch.
Denn nur sehr wenige Berufe im armen Marokko werfen so
viel Geld ab wie das Drogengeschäft, und auch EU-Umschulungsprojekte
für Cannabis-Bauern haben kaum Erfolg. Werden Felder von der Polizei
zerstört, bekommen die Bauern Nutztiere und Obstbäume, die die illegale
Einnahmequelle ersetzen sollen. „Doch mit klassischer Landwirtschaft
lässt sich angesichts der europäischen Billigprodukte kaum etwas
verdienen“, klagt ein Cannabis-Anbauer. So konterkariert die
Agrarpolitik der EU ihre Antidrogenpolitik.
Das Entwicklungsland Marokko wäre noch viel ärmer, gäbe
es den Haschischhandel nicht - und auch die illegale Einwanderung nach
Spanien wäre wohl noch größer. Haschisch bringt Marokko nach Angaben
des Innenministeriums fast elf Milliarden Euro jährlich ein. Schon
längst ist es kein rein marokkanisches Geschäft mehr, auch Spanier
mischen mit.
60 Prozent des „grünen Goldes“ schmuggeln Banden von
den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sowie von der marokkanischen
Hafenmetropole Tanger über den Seeweg nach Spanien. Von dort geht es an
die Abnehmer in ganz Europa.
Immerhin: Seit Spanien 2002 das elektronische
Überwachungssystem „SIVE“ installiert hat, können immer mehr Dealer von
der Polizei abgefangen werden. Ein Teil der hochauflösenden
Infrarotkameras und Radarsysteme ist auf Türmen entlang der Küste
installiert, ein anderer auf Patrouillenbooten und in Hubschraubern.
140 Millionen Euro hat das System gekostet, das auch helfen soll, die
illegale Einwanderung aus Nordafrika zu stoppen. „Aber das ist keine
elektronische Mauer und funktioniert deswegen nur bedingt“, urteilt
Francisco Olmos Checa, Universitätsprofessor und Experte für Migration.
Viele Drogenspezialisten glauben deswegen, dass das
Haschisch-Problem vor allem in Marokko selbst bekämpft werden muss.
Rund um Ketama bis nach Chaouen stößt man alle paar Kilometer auf
Dealer.
Die stehen an Böschungen an der Straße neben dem
Kofferraum alter Mercedesse, in denen die Ware auf ihre Käufer wartet.
Im Reiseführer wird die Gegend auch deswegen als „nicht empfehlenswert“
bezeichnet. Polizisten gibt es zwar auch viele, aber Käufer und
Verkäufer finden dennoch zusammen. „Wer die Augen zudrückt, bekommt
viel Geld dafür. Das wirkt“, sagt ein Dealer über die Moral der
Ordnungshüter.
Mehr Angst haben die Drogenhändler vor ausländischen
Schnüfflern in zivil. Als eine Touristin an der Tankstelle vor Ketama
eine Imbissstube fotografieren will, kriegt sie es mit dem Besitzer zu
tun: „Warum hast du ein Foto gemacht?“ fragt er in bestem Französisch.
„Ich wollte nur die herunterhängenden Lämmer festhalten“, antwortet die
Frau. „Hier im Rif werden keine Fotos gemacht, das kannst du dir doch
denken, oder?“ lautet die genervte Antwort.
Ein Ende der goldenen Cannabis-Ära wäre für Dealer wie
ihn eine Katastrophe, genauso wie für die Einwohner des Bergdorfs
Chaouen, das vom Hasch-Tourismus lebt. Das Hotel „Madrid“, das beste am
Platz, ist voll von Hippies aus aller Welt.
Für Touristen macht Cannabis einen Teil der Exotik
Marokkos aus. In der Medina von Chaouen riecht es überall nach
Räucherstäbchen, Gewürzen, frischer Minze - und nach Haschisch. Im
Salon des Hotels ziehen sich schon früh am Morgen die ersten Gäste
ihren Joint rein. „Das ist doch Lebensqualität“, sagt John aus England,
der schon zum dritten Mal hier ist. „Wäre schade, wenn das irgendwann
alles verboten wäre.“
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