BROCKHAUS flüchtet ins internet!
für viele familien war es ein finanzieller kraftakt - und dennoch musste er sein: ohne eine vernünftige enzyklopädie kam kaum jemand aus. zur zeit kostet der BROCKHAUS 2.670 euro.
er diente nun wirklich nicht als schmuck und zierde im regal. viele generationen holten sich für schule und beruf ihr wissen daraus. bei strittigen fragen wurde das lexikon befragt - es soll sogar leute geben, die eine solche enzyklopädie wie ein grosses buch lesen. es gab zeiten, dass auch ich zu ihnen gehörte.
den BROCKHAUS, also die vielbändige enzyklopädie, wird es so nicht mehr geben. der verlag hat sich entschlossen, keine neue ausgabe mehr zu projektieren - wenigstens nicht in gedruckter form. schon die jetzige auflage - angepeilt war ein absatz von 20.000 exemplaren - wird mehr oder weniger unverkäuflich bleiben.
das internet hat der enzyklopädie den garaus gemacht. wer heute nach informationen sucht, gibt sein suchwort bei GOOGLE ein oder verlässt sich auf WIKIPEDIA.
BROCKHAUS wird deswegen seine gesamte aktivität ins internet verlegen, die enzyklopädie kostenlos online stellen und versuchen, sich über werbung zu finanzieren.
das ist ein dramatischer schritt, denn der verlag - einer der traditionsreichsten in deutschland - läuft gefahr, seine kernkompetenz zu verlieren. es ist nämlich überhaupt nicht ausgemacht, dass dieses neue geschäftsmodell eine zukunft hat.
das internet frisst sich mit gewalt in die einst so geordnete medienwelt. ganze geschäftsbereiche brechen in sich zusammen, weil der konsument andere, neue wege geht.
ich sehe mit blick auf den verlag BROCKHAUS nun wirklich nicht den untergang des abendlandes voraus, möchte aber doch darauf aufmerksam machen, dass infolge des internets eine kulturelle wüste auf uns warten könnte. es gehört nämlich - auch - zu den kulturellen fähigkeiten, eine enzyklopädie kompetent und angemessen zu gebrauchen, zu befragen und die richtigen informationen abzurufen.
und dann noch:
immerhin waren es die französischen enzyklopädisten, die mit ihrem anspruch nach aufklärung und breitem wissen der entmündigung der menschen ein ende machen wollten. wissen ist seither nicht mehr das privileg einiger weniger.
sagen wir es anders: wer nicht bereit ist, sich des internets zukünftig auf intelligente und kompetente weise zu bedienen (und das bedeutet: zu lernen), wird sich sukzessive einer entmündigung ausgesetzt sehen. er wird erleben, dass ihm der zugang zu gesellschaftlichen und kulturellen diskursen verschlossen bleiben wird.
manche mögen das indes als entlastung begreifen ... und das ist die grösste gefahr!

Es wird ja nicht der Untergang des gedruckten Wortes sein, denn ein Buch möchte man auch im wahren Sinne des Wortes "begreifen". Ehe ich allerdings meine Enzyklopädie aus dem Bücherschrank geholt habe, bin ich längst im Internet fündig geworden.