KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

03.09.2007 um 16:06 Uhr

CARL AUGUST von sachsen-weimar!

seine residenz war eigentlich klitzeklein. ich weiss nicht, wie viele menschen im 18. jahrhundert in weimar lebten - besonders viele werden es nicht gewesen sein. CARL AUGUST, der herzog von sachsen-weimar, dachte aber wohl gar nicht an expansion. lieber wollte er seine residenz zu einem mustergültigen musischen und politischen ort in deutschland machen.

goethe, den er nach weimar holen konnte, kam nicht in erster linie als poet an den hof. vielmehr hatte er sich um die inneren belange des herzogtums zu kümmern. das tat er mit umsicht und grosser aufgeschlossenheit.

manchmal wurde es ihm aber doch zu eng im kleinen weimar ...

dann reiste er nach italien und fand dort die antike wieder, die stilbildend für die deutsche klassik wurde, deren bester interpret goethe selbst war.

uns ist die klassik weit entrückt - sie hat auch manches schiefe bild von der antike entworfen. und dann war sie auch noch ein wenig steril, ein wenig stelzig, ein wenig zu massvoll ...

uns näher ist der voran gegangene "sturm und drang" und die nachfolgende "romantik".

von dem einen distanzierte sich goethe jedoch, obwohl er in seiner jugend die aufwühlendsten dramen und romane geschrieben hatte. von dem anderen aber wollte er erst recht nichts wissen. das nun beruhte auf gegenseitigkeit, denn die romantiker gehörten einer generation an, die den "dichterfürsten" in weimar nur schwer erträglich fanden - und mit dieser meinung ("völlig entrückt, nicht mehr zeitgemäss") kaum hinter dem berg hielten.

weimar wurde allenthalben der "musenhof" genannt. CARL AUGUST verstand es, künstler und wissenschaftler von hoher qualifikation in seine residenz zu holen. sein grösster und wichtigster freund aber blieb goethe, dem er ein haus am frauenplan schenkte - wohl mit der absicht, den dichter an weimar zu binden.

dieses haus ist - bei aller behäbigkeit - recht bescheiden und ein wenig düster noch dazu. die räume dämmern im halbdunkel vor sich hin - vor allem die niedrigen, verwuselten arbeitszimmer, in denen goethe seinen studien nachging.

das aussen und das innen blieben auch noch im 18. jahrhundert streng getrennt. die "natur" fand keinen eingang in den häuslichen bereich. grosse fenster, die die landschaft in die räume holen, sucht man in dieser zeit vergeblich.

stattdessen dekorierte man die wände mit arkadischen szenen - also landschaften, die schon ins ideal verwandelt waren und alle "natur" hinter sich gelassen hatten.

deswegen ist der garten hinter goethes haus am frauenplan zwar hübsch in seinem wuchernden durcheinander - nicht aber spektakulär. wer sich die natur wirklich zu eigen machen wollte, legte parks - streng im englischen stil an. dort war alles geplant, jedes detail einer ordnung unterworfen, jede perspektive durchdacht ... auch wenn man das gefühl hatte, durch ein ungeregeltes wachsen und wuchern zu spazieren.

dort hinein - in den weitläufigen park von weimar - liess goethe sich sein gartenhaus bauen. das ist nun wirklich allerliebst und in seiner winkligen bescheidenheit besonders anrührend.

goethe brauchte diese grossen (italien) und kleinen fluchten (das gartenhaus).

CARL AUGUST ebnete ihm die wege, liess ihm freie hand, stellte ihm sein theater zur verfügung, versah ihn mit einem fürstlichen gehalt, liess ihm zeit und war ein verständnisvoller freund.

so standen beide im glanz: der eine an der seite des berühmten schriftstellers, der andere unter der gnädigen sonne eines in kunst und wissenschaft vernarrten fürstliches hauses.

wer mehr über CARL AUGUST, der heute vor 250 jahren geboren wurde, wissen möchte, liest vielleicht den artikel in der ...

WELT


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