CHEFCHAOUEN - ich war da!
ich hatte gelegenheit, CHEFCHAOUEN/NORDMAROKKO, kennenzulernen. als eine art stimmungsbericht stelle ich die reiseimpressionen noch einmal vor:
Chefchaouen ist ein hübscher Ort im Norden Marokkos. Seine weissgetünchten
Häuser schmiegen sich an die Berge des Rif, das von hier bis zum Mittelmeer
die Landschaft bestimmt. Chefchaouen ist eine fruchtbare Gegend. Hier gedeiht
vieles, Obst und Gemüse. Traditionell pflanzen die Bauern aber immer
schon Hanf an, denn der verspricht höhere Gewinne - wenn auch der wirkliche
Gewinn von den Haschisch-Baronen eingestrichen wird, die in Casablanca und
Tanger, in Marbella und Malaga sitzen. Aber es gibt neben den grossen auch
kleine Barone - wie überall auf der Welt.
Wir sind an diesem Nachmittag mit einem Deutschen verabredet, der in Chefchaouen
mit einer Marokkanerin verheiratet ist. Er, ein Kraftfahrzeugmechaniker,
soll uns etwas vom Leben hier erzählen.
Najib (diesen Namen hat er angenommen, als er, der in Deutschland Ronald
hiess, zum Islam übertrat) hat es uns genau beschrieben: Seine Autowerkstatt
liegt eine Viertelstunde entfernt von Chefchaouen, also fragen wir Einheimische
nach dem Weg. Endlich sind wir am Ziel und stehen auf einem Hof, der mit
rostigen Autos, Schrotteilen und einem zerbeulten Nissan Patrol vollgestellt
ist. Hinter einem besonders grossen Schrotthaufen entdecken wir auch die
Autowerkstatt.
Unser Hallo bleibt unbeantwortet. Obwohl es noch früher Nachmittag
ist, können wir weit und breit niemanden entdecken. Entweder ist die
Arbeit schon getan, oder es gab an diesem Tag nichts zu tun. Weil aber das
Tor zur Werkstatt offen steht, schauen wir hinein. Besonders aufgeräumt
wirkt sie nicht - eher im Gegenteil: Wir sind uns schnell einig, dass dies
- je nach Blickwinkel - eine heillose oder geniale Unordnung ist.
Als wir uns gerade über das Skelett eines ansonsten vollständig
zerlegten Mercedes wundern, der in der Ecke der Werkstatt aufgebockt steht,
schlurft ein alter Marokkaner heran. Er fragt uns auf deutsch:
Möchten sie Auto repariert oder Haare frisiert?
Wir müssen lachen. Denn eigentlich sind wir ja gekommen, um uns über
Chefchaouen zu informieren. Aber da lächelt der Marokkaner und winkt
uns zu: Komm, komm, Patron sitzt Sirpfen im Internet.
Er führt uns zu einem niedrigen Haus, das sich gefährlich schief
an die Werkstatt lehnt. Ihm fehlt der erste Stock und auch das Dach. Aber
wir wissen längst: In Marokko beginnt man einfach zu bauen. Ist das
Geld ausgegeben, zieht man in das Provisorium ein. Manchmal erst nach Jahren
folgen dann - wenn überhaupt - die nächsten Stockwerke und ... vielleicht
auch das Dach.
Ein wenig verwundert sind wir über das Schild, das neben die Haustür
genagelt ist: Coiffeur. Als wir es uns näher ansehen, klärt uns
der Marokkaner auf: Das ist Profession von Madam!
Im Hausflur kommen wir nur wenige Schritte voran, denn schon bestürmen
uns vier kleine Jungen, Sie sind vom Spielen schmutzig, ihre verklebten Hemden
hängen an ihrem Leib, ihnen läuft der Rotz aus der Nase, und sie
rufen: Stilo, Mister, Bonbon, Mister!
Das kennen wir schon!
Macht nicht solchen Lärm, ich arbeite gerade an einer Bestellung im
Internet, hören wir aus dem angrenzenden Raum. Wir klopfen vorsichtig
und schauen hinein. An einem schiefen Tisch sitzt ein etwa 50-jähriger,
unrasierter Mann und starrt auf den vor ihm stehenden Computer. Tach, murmelt
er, Moment mal, die Verbindung bricht dauernd zusammen. Er starrt auf den
Bildschirm und nimmt einen tiefen Zug aus einer Zigarette, die aber eigentlich
wie eine Tüte aussieht. Süsslicher Geruch steigt uns in die Nase.
ich spüre, wie meine Beine nachgeben.
Was raucht der Mann nur?
Jetzt wendet er sich zu uns und fragt, was wir wollen. Als er uns seinen
Namen nennt, wissen wir: es ist Najib, mit dem wir verabredet waren. Leider
kann er sich an unser Telefongespräch nicht erinnern. Wir scheinen dennoch
Willkommen zu sein, denn schon schreit er durchs Haus: Kadja, den Tee, aber
subito!
Wenig später erscheint eine Frau in der Tür. Offensichtlich
ist sie Marokkanerin, deswegen erstaunt uns ihre Haarfarbe umso mehr: sie
ist hellblond ... und jung, sehr jung. Sie wird uns von Najib als seine Frau
vorgestellt. Kadja, verdammt, wo bleibt der Tee? Die junge Frau verschwindet
mit einem schüchternen Lächeln, einen Stuhl hat uns Najib noch
nicht angeboten.
Ich frage Najib, wer bei ihm im Haus frisiert. Ich hätte das Schild
an der Haustür gesehen. Seine Antwort lässt nicht lange auf sich
warten: Kadja hat einen Drei-Wochen-Fernkurs als Friseuse gemacht. Jetzt frisiert
sie die Frauen im Ort. Einer muss ja das Geld verdienen, wenn es zu wenig
Kiff gibt, um die fünf Kinder durchzubringen.
Fünf? Wir waren aber doch nur vier Kindern begegnet. Irgendwo musste
sich noch eines verstecken. Aber wo?
Was rauchen sie denn da? frage ich, weil das Gespräch peinlich ins
Stocken geraten ist.
ich rauche nicht, ich kiffe. Alle in Chefchaouen kiffen.
Jetzt weiss ich auch, warum mir die Beine so flau geworden sind.
Und ihre Arbeit geht gut voran? frage ich. Ich will das Gespräch irgendwie
fortsetzen, denn ich spüre, wie unser Gegenüber immer einsilbiger
und schläfriger wird.
Ich arbeite im Export und natürlich an dem Mercedes in der Werkstatt!
Selbstverständlich erinnere ich mich an das aufgebockte Auto. Bekommt
man soetwas denn wieder zum Laufen?
Ich arbeite schon zwei Jahre dran, wenn es jetzt nicht klappt, gebe ich es
auf. Aber es ist ein schöner Auftrag - leider auch der einzige seit langer
Zeit. Das ist aber schon o.k. Da bleibt genug Zeit fürs Rauchen, die
Bestellungen, Frank Zappa hören und das Internet ...
Jetzt folgt ein dramatischer Augenblick, denn Najib wendet sich unvermittelt
zu seinem Computer und schlägt mit geballter Faust und aller Kraft aufs
Gehäuse. es klirrt fürchterlich.
Scheiss Computer. Dauernd fliegt man aus dem Internet! Nadja, wo bleibt
der verdammte Tee?
Die junge Frau huscht durch die Tür und meint, sie müsse nun
erst einmal frisieren und Nägel lackieren. Er solle sich den Tee doch
bitte selber zubereiten.
Najib ist verärgert. er hätte das nicht gelernt ... Wozu er eigentlich
eine Frau habe. Er würde bald eine zweite fürs Teekochen heiraten.
Kadja sei eine dumme Nuß, aber immer noch einigermassen gut im Bett.
Das erwähnt Najib dann doch noch.
Von irgendwoher höre ich ein Baby schreien. Aha, das fünfte Kind.
Irgendwo musste es doch sein.
Najib lädt uns - statt zum Tee - zu einer Fahrt mit dem Nissan Patrol
ein. Leider findet er im Durcheinander des Hauses die Schlüssel nicht,
so dass wir im Hof nur ein wenig Luft schnappen - im Schatten der Schrotthaufen,
die sich überall türmen.
Vor einem bleibt Najib stehen, zeigt auf die vielen ineinander verknoteten
Einzelteile und meint: Das ist ein BMW. Bei einem anderen Schrotthaufen angelangt,
stellt er sich breitbeinig hin und ruft: Porsche, Baujahr 1993, tiefer gelegt!
Seine Augen glänzen bei diesen Worten und ich ahne, dass er die Autos
wirklich sieht, die sich für uns nur als tausend Einzelteile im Schrotthaufen
wiederfinden lassen. Plötzlich weiss ich: Mir waren nur die Beine flau
geworden, bei Najib hatte die Schwäche inzwischen schon ganz andere
Körperteile erreicht.
Ist das Kiffen ein Problem im Rif? frage ich, um von den Schrotthaufen abzulenken.
Überhaupt nicht, wehrt Najib ab. Wir sind alle sehr glücklich
damit. Und das schönste ist: die Arbeit geht uns beim Kiffen besonders
gut von der Hand.
Von welcher Arbeit spricht er nur?
Es hat zu regnen begonnen und der Hof der Werkstatt verwandelt sich von einem
Moment zum anderen in eine lehmige, glitschige Rutschbahn. Darauf scheinen
Najibs Kinder aber nur gewartet zu haben. Sie kommen fröhlich aus dem
Haus gelaufen und werfen sich bäuchlings in den Dreck.
Warum machen sie das? frage ich.
Läuse mögen keinen Schlamm! grinst Najib.
Ich wundere mich derweil: Wo bleibt nur das Baby?
Ich spüre, wie unser Gastgeber unruhig wird. Ihm stehen inzwischen
auch einige Schweissperlen auf der Stirn. Hat er sich plötzlich an seine
Arbeit erinnert - also an die Bestellungen im Internet und an das Mercedes-Skelett
in der Werkstatt?
Najib meint, er müsse uns nun allein lassen, um endlich zu arbeiten
und ... etwas zu rauchen. Mit diesen Worten läuft er hastig und ohne
ein Wort des Abschieds ins Haus zurück.
Kurz darauf hören wir ein schreckliches Klirren. War das der Föhn
von Kadja oder der Computer von Najib? Wir werden es nie erfahren.
Wir schlenderten im Abendlicht zurück nach Chefchaouen. Jetzt haben
wir Najib gar nicht nach den Haschisch-Baronen im Rif gefragt, bemerkte mein
Begleiter.
Das ist wirklich ärgerlich, antwortete ich. Aber wie es aussieht, sitzen
sie alle im Dreck und träumen inmitten vieler Läuse von einem tiefergelegten
BMW.
Es hatte aufgehört zu regnen.

hierzu ein passender Witz:
Welt-Emanzen-Kongress in Deutschland: Frauen ...
... verraten Tricks, wie sie ihre Männer erziehen.
1. Brigitte aus Österreich:
Also, ich sage zu meinem Peter: "Peter ich werde dir deine Hemden nicht mehr bügeln!" Ich sehe am 1. Tag nichts, ich sehe am 2. Tag nichts, am 3. Tag, siehe da, er bügelt seine Hemden.
* Rasender Beifall der Kongressteilnehmerinnen.
2. Yvonne aus Paris:
Isch sage zu meinem Jean: "Jean, isch nix mehr pütz die Clo!" Isch sehe 1. Tag nix, isch sehe 2.Tag nix, am 3. Tag, voila, er pütz die toilet.
* Rasender Beifall.
3. Nun kommt Nadja aus Marokko:
Ich sag zu Najib: "Najib ich nix mehr koch. Ich sehe 1. Tag nix, ich sehe 2. Tag nix, ich sehe 3. Tag wieder bisschen, aber nur mit linke Auge...
Blauäugig grüßt
Lale
lale bist du also auch selbst.
es gibt auf der welt nur einen, der glaubt man müsste nur das letzte e eines verbs weglassen und nichts mit x schreiben, um wie ein marokkaner (oder in dem fall: wie eine marokkanerin) zu klingen.
wer's nicht glaubt, kann es in deinen büchern nachlesen.
amüsierter gruss
Najib
das ist amüsant, nicht wahr? Ich hatte den Witz aus dem internet abgeschrieben und lediglich die Namen verändert. Lustig, was dabei schon wieder vermutet wird.
http://www.hahaha.de/witze/menschen/frauen/13180/welt-emanzen-kongress-in-deutschland-frauen. html
Mit amüsiertem Gruß
Lale