DEMENZ - das langsame entgleiten!
über die demenz-erkrankung von walter jens habe ich in meinem weblog bereits meine gedanken geäussert. anlass war ein artikel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN von seinem sohn, in dem er schonungslos offen über den zustand seines vaters berichtete.
damals löste dies einige empörung aus. ich habe das nicht verstanden, denn es schien mir, dass die veröffentlichung des leidens die einzige möglichkeit war, über das schweigen eines menschen rechenschaft zu geben, der stets wortgewaltig und entschieden demokratisch zu den fragen seiner zeit stellung genommen hatte.
jetzt hat inge jens, die ehefrau, dem STERN ein interview gegeben und davon berichtet, wie erschütternd es ist, einen menschen, der dement erkrankt ist, zu begleiten.
die familie - so viel steht fest - will die erkrankung von walter jens öffentlich machen.
ich erinnere mich sehr gut, wie seinerzeit die ehefrau von herbert wehner von der demenz ihres mannes berichtete. das war erschütternd und entsprach überhaupt nicht dem vitalen bild, das man von diesem politiker hatte. ich erspare es uns, details zu berichten ... sie waren einfach unglaublich, erschütternd und im grössten masse traurig.
ich habe den eindruck, dass inge jens ihrem mann mit dem öffentlichen wort die würde zurück gibt. es kann natürlich sein, dass die krankheit von walter jens ohne öffentlichkeit im verborgenen geblieben wäre.
es ist aber so, dass immer mehr alte menschen dement erkranken - und immer mehr angehörige völlig ratlos und allein gelassen sind.
es ist an der zeit, diese krankheit nicht länger zu verschweigen ... die angehörigen in ihrer not ernst zu nehmen ... die dimension der tragödie zu erkennen ... vor allem aber, dem erkrankten die würde nicht zu nehmen.
