DICHTER und schweinebraten!
in der beurteilung von gedichten wird viel zu wenig die befindlichkeit des dichters berücksichtigt. z.b. schreibt sich ein gedicht anders, wenn man eine flasche wein vor sich stehen hat (das beflügelt) ... als wenn man kein geld für dieselbe hat. ein dichter, der über einem gedicht brütet, wird unter umständen auch zu ganz anderen reimen kommen, wenn seine frau im minutentakt aus der küche ruft: "hans-dieter, könntest du nun endlich die wäsche von der leine nehmen?"
ein gedicht - geplant auf 77 verse - könnte auch plötzlich besonders kurz werden, weil der dichter nach dem genuss der flasche wein jäh unter den tisch fällt.
ein besonderes kapitel ist das abendessen. dichter sollten es vermeiden, zur nacht besonders üppig zu essen. das zieht einen unruhigen schlaf nach sich und sensible dichter sehen plötzlich nur noch schreckliche gespenster.
("wer reitet so spät durch nacht und wind ..." wäre so ein beispiel.)
bei theodor storm war es zu später stunde ein grosses stück vom schweinekrustenbraten, das ihn zu einem albtraumartigen gedicht veranlasste. es war die fette schwarte, die ihm so unglücklich im magen lag, dass er sich - schlaflos und schwitzend - um mitternacht an den schreibtisch setzte, um zu dichten.
deswegen müsste sein gedicht "geflüster der nacht" eigentlich auch "fetter schweinekrustenbraten zur nacht" heissen.
Geflüster der Nacht
Es ist ein Flüstern in der Nacht,
Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht;
Ich fühl's, es will sich was verkünden
Und kann den Weg nicht zu mir finden.
Sind's Liebesworte, vertrauet dem Wind,
Die unterwegs verwehet sind?
Oder ist's Unheil aus künftigen Tagen,
Da emsig drängt sich anzusagen?
Theodor Storm (1817-1888)
nein, herr storm, es war der viel zu fette schweinebraten, der sich wie ein alb zu ihnen ins bett legte und sie so unruhig werden liess. essen sie am besten nach 18 uhr gar nichts mehr, dann werden auch ihre gedichte geniessbar.
