HEINRICH HEINE - ganz intim und privat!
ich bekomme ja nun jeden tag ein gedicht in meinen postkasten. wie man das anstellt, habe ich in meinem weblog vor wochen berichtet - muss mich also nicht wiederholen. die qualität der gedichte ist recht unterschiedlich. kein wunder bei 365 gedichten im jahr. manchmal überfliege ich sie nur, manchmal gibt es ein hübsches wiedersehen und manchmal eine entdeckung.
ein lyriker, der meinem herzen besonders nahe steht, ist heinrich heine. er hat ein wundersam schönes lyrikwerk hinterlassen, in dem sich nicht nur zärtliches, sondern auch spöttisches findet. sogar seine innigsten liebesgedichte nehmen oft einen unvorhersehbaren lauf, beginnen mit der grossen attitüde und enden in melancholischer skepsis.
heinrich heine lebte in einer zeit, die von brüchen und ungewissheiten gekennzeichnet war. hinter den fassaden der bürgerlichkeit bröckelte der putz und die obrigkeit hatte alle hände voll zu tun, ihre untertanen still zu halten. heinrich heine zog es vor, nach frankreich zu gehen, wo immer noch ein luftzug der revolution zu spüren war, wenn auch die restauration längst gesiegt und sich etabliert hatte. die idee der freiheit jedoch lässt sich, einmal in den herzen der menschen verankert, nicht mehr ersticken ...
heinrich heine wusste auch dieses lied zu singen, selbst wenn es ganz intim und privat daher kam:
Schattenküsse, Schattenliebe,
Schattenleben, wunderbar!
Glaubst du, Närrin, alles bliebe
Unverändert, ewig wahr?
Was wir lieblich fest besessen,
Schwindet hin, wie Träumerein,
Und die Herzen, die vergessen,
Und die Augen schlafen ein.

Himmel grau und wochentäglich!
Auch die Stadt ist noch dieselbe!
Und noch immer blöd und kläglich
Spiegelt sie sich in der Elbe.
Lange Nasen, noch langweilig
Werden sie wie sonst geschneuzet,
Und das duckt sich noch scheinheilig,
Oder bläht sich, stolz gespreizet.
Schöner Süden! wie verehr ich
Deinen Himmel, deine Götter,
Seit ich diesen Menschenkehricht
Wiederseh, und dieses Wetter!
Heinrich Heine