HVAR - nach aller sinnlosen zerstörung!
warum mir kroatien aus dem blick entglitt, ist schnell gesagt: es war der krieg in jugoslawien. mir entglitt vor allem die insel HVAR, die der stadt SPLIT vorgelagert ist.
SPLIT ist eine wunderbare stadt. sie ist in den römischen diokletian-palast hineingebaut und verströmt mit ihren boulevards und cafés eine österreichische k. und k. atmosphäre ... wer sich ein wenig mit der geschichte auskennt, weiss, dass sich dort die österreicher recht lange zu hause fühlten.
eine stunde entfernt übers meer liegt die insel HVAR. die dem festland zugewandte hafenstadt heisst "starigrad". man sollte sie schnell verlassen und auf abenteuerlicher strasse über die berge ans jenseitige ufer fahren ... in die stadt HVAR.
nun muss ich von einer jungen frau und ihrem mann erzählen.
sie hatten ein haus auf den hügeln oberhalb des hafens von HVAR gebaut. das haus war aber längst noch nicht fertig. es war - recht betrachtet - eine baustelle und bestand nur aus dem parterre. aber - beide waren jung und wollten hoch hinaus ... mindestens bis in den ersten stock.
immerhin: sie hatten schon ein ferienzimmer, das sie vermieteten. dort zog ich ein. abends sassen wir oft zusammen und hatten einen wundervollen blick über die bucht von HVAR. wir tranken wein und manchmal legten sie einen fisch auf den grill.
ihr leben war nicht ganz einfach, weil sie zwar hofften, irgendwann von ihren feriengästen leben zu können, aber doch auch wussten, dass darüber noch viel zeit ins land gehen würde. erst musste das haus fertig sein ...
die junge frau kümmerte sich um das haus und die kinder, ihr mann arbeitete unten im ort in dem einzigen hotel, ein onkel - er war fischer - brachte ihnen mehrmals in der woche frische fische. so hatten sie ihr auskommen.
ich fuhr morgens mit dem boot auf eine nachbarinsel - sie hiess "goldstrand" und war recht einsam. ich las meine mitgebrachten bücher, schwamm im warmen, türkis-blauen meer und wünschte mir nichts weiter ...
der krieg in jugoslawien zerstörte alle träume.
ich schrieb der jungen frau und wollte ihr finanziell helfen. das aber lehnte sie ab. ich wusste ja auch, dass ich ihren zusammen stürzenden traum nicht wirklich retten konnte. in ihrem haus gab es keine gäste mehr - und auch nicht im hotel, in dem ihr mann gearbeitet hatte. gut möglich, dass es über jahre hinweg nur noch den onkel gab, der hin und wieder einige fische brachte.
ich dachte an HVAR zurück und vergegenwärtigte mir die katastrophe.
vielleicht sollte ich einmal wieder nach HVAR reisen, um mich von träumen zu verabschieden (denn auch ich träumte damals einen immerwährenden, aber haltlosen traum) ... und nur noch ins auge nehmen, was nach aller sinnlosen zerstörung bleibt und wichtig ist.

