KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

01.09.2007 um 16:01 Uhr

KASPERLE und die anderen hohnsteiner!

ich war - als ich noch sehr jung war - ein leidenschaftlicher puppenspieler. ich besass eine bühne, hinter der man bequem stehen konnte, um die figuren auf der bühne zu bewegen. den hintergrund bildeten kulissen, die mit wenigen handgriffen ausgetauscht werden konnten. die bühne hatte zudem so viel raumtiefe, dass sie seitlich noch durch schmale vorhänge unterteilt war. die figuren tauchten deswegen nicht "aus der tiefe" auf (was immer ein wenig komisch aussah), sondern erschienen von der seite her auf der bühne.

mein "kasperle" war keine hohnsteiner-figur, sah ihr aber recht ähnlich. auch er hatte diese grosse, spitze nase, einen grell-roten, lachenden mund und das holzschnittartige gesicht.

MAX JACOB (auf dem bild) hatte die HOHNSTEINER 1928 gegründet. er nannte seine puppenspieler-truppe nach dem ort, in dem sie quartier fanden. von dort eroberten sie ganz europa. nach dem krieg gab es sogar drei HOHNSTEINER BÜHNEN, die mit ihren kasperlestücken durch die lande zogen.

MAX JACOB starb 1967. da hatte er sich aber schon vom aktiven spiel zurückgezogen. bald darauf gaben auch die anderen HOHNSTEINER ihre puppenbühnen auf. längst setzte das fernsehen neue und andere akzente in der kinderunterhaltung.

der kasper von MAX JACOB ist kein kirmes-narr, der den dummen august spielt. er ist vielmehr listig und wortgewandt und verhilft dem "guten" nicht durch den erhobenen zeigefinger zum sieg, sondern durch klugheit und witz.

natürlich durften auf meiner kleinen bühne, hinter der sogar ein plattenspieler versteckt war, das gretl, die grossmutter und seppl nicht fehlen. sie erst machten den kleinen puppenspieler-kosmos komplett. es gab auch einen teufel in rotem mantel, ein giftgrünes krokodil und einen finsteren piraten. ferner kamen ins spiel auch noch eine wunderhübsche prinzessin und ein ernster, würdiger könig.

mehr figuren waren nicht nötig, um abenteuer zu inszenieren, denen die nachbarskinder atemlos und mit offenen mündern folgten.

ich hielt mich an kein drehbuch, sondern erfand an jedem spieltag neue geschichten aus dem stegreif. ich wusste damals auch gar nicht, dass MAX JACOB allerhand puppenspiele aufgeschrieben hatte - und sogar bücher über die theorie des puppenspiels verfasst hatte.

wenn ich heute irgendwo einen hohnsteiner kasper sehe, den es immer noch zu kaufen gibt, erinnere ich mich stets daran, wie der teufel am ende in die hölle fuhr und das krokodil im nil verschwand, der letzte auftritt aber meinem kasperle reserviert war, der lächelnd und mit vielen verbeugungen den applaus eines dankbaren - und erleichterten - publikums entgegen nahm.

DIE HOHNSTEINER


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