achmed trifft churchill!
eine kleine geschichte aus meinem buch "achmed und der fisch aus tinte":
achmed fuhr mich mit seiner taxe nach marrakesch. dort besichtigten wir die menara-gärten, besuchten den djemma el-fna und schlenderten durch die souks der stadt. auf dem rückweg zu seiner taxe kamen wir an einem stattlichen hotel vorbei, das in einem grossen park lag.
„was ist das, achmed?“
„das ist hotel „mamounia“!“
ich erinnerte mich: eines der schönsten und berühmtesten hotels der welt!
„ich möchte mit dir im „mamounia“ einen tee trinken!“
achmed zog sich seine baseball-kappe tief ins gesicht, die ich ihm aus deutschland mitgebracht hatte. auf diese mütze war er sehr stolz. eine solche mütze fand man wohl in ganz marokko nicht. sie war für einen taxi-fahrer, der den ganzen tag der zugluft ausgesetzt ist, auch sehr praktisch. seitdem ich ihm diese mütze geschenkt hatte, trug er sie ständig. ich war überzeugt, dass er sie auch nachts nicht absetzte.
wir gingen zum eingang des hotels.
„du musst jetzt deine mütze absetzen.“
„warum? mütze ist schön und ist aus deutschland. ich behalt auf!“
ein portier in beeindruckender uniform stand vor dem eingang des hotels.
„where you want to go?“
„wir wollen in ihrem schönen hotel einen tee trinken.“
der portier musterte erst mich, dann achmed.
„but only without the cap!“
achmed sah mich verständnislos an.
„nun nimm sie schon ab! ich sagte dir doch: mit mütze kommst du nicht hinein!“
ärgerlich riss er sich die mütze vom kopf und steckte sie in die tasche seiner jacke. in der hotelhalle sahen wir gut gekleidete herren. sie liefen hin und her und rauchten riesige zigarren. schmuckbehängte damen sassen in den sesselgruppen und schwiegen bei einer tasse tee. achmed und ich sahen neugierig in alle ecken des hotels und gingen auch in den schattig-kühlen garten, wo ein springbrunnen sanft vor sich hinplätscherte.
achmed schlenderte durch das hotel, als ob er sich jeden tag dort aufhielt. es war ihm keine unsicherheit und keine scheu anzumerken. dann standen wir vor der „piano-bar“.
„möchtest du einen tee?“
„im hotel ich trink immer bier!“
vor allem, wenn du im „mamounia“ bist, ergänzte ich still.
wir knabberten die salzigen mandeln und probierten die oliven, die sie uns in kleinen schälchen auf den tisch gestellt hatten.
plötzlich fragte achmed: „warum darf ich die schön mütze hier nicht anhaben?“
„na, ja! es wohnen viele amerikanische gäste in diesem hotel, und die haben eben angst vor marokkanern! wenn sie doch einmal vor die tür treten, dann nur gut beschützt von ihren amerikanischen reiseleitern.“
„warum haben amerikaner angst?“
„das weiss ich nicht! sie haben eben vor allem angst, was nicht amerikanisch ist! und wenn sie einen marokkaner hier im hotel sehen, der nicht zum personal gehört, dann fürchten sie, dass im nächsten moment etwas ganz schreckliches passiert, - dass sie bestohlen werden oder noch schlimmeres.“
achmed schüttelte den kopf. „ich nehm amerikaner kein schmuck weg!“
„aber wissen das auch die amerikaner hier im „mamounia“? ahnst du, was passiert, wenn ein marokkaner im hotel herumläuft, der eine baseball-mütze trägt, wie man sie von den ghetto-kids in brooklyn kennt?“
„nein!“
„sie schreien: „wir sind unter die räuber gefallen“ und reisen ab.“
„wegen mir?“
“es ist spät, achmed! lass uns gehen!“.“
„wart ein moment! im hotel trink ich immer zweit bier!“
ich bestellte es und war froh, dass wir auf das thema „mütze“ nicht mehr zurückkamen. ich konnte meinen blick nämlich nicht von dem foto wenden, das achmed im rücken hing. es zeigte den ehemaligen englischen premierminister churchill, wie er im garten des „mamounia“ vor einer staffelei sitzt und aquarelliert. das war nichts besonderes, weil churchill oft in dieses hotel kam.
peinlich an diesem foto war aber, dass churchill eine mütze trug, die genauso aussah wie achmeds baseball-kappe. zum glück hatte achmed das foto nicht gesehen, sonst hätte er mich bestimmt gefragt, wie es der räuber auf dem foto geschafft hatte, hier im hotel seine mütze aufzubehalten.
wir gingen zur taxe zurück. „jetzt kannst du deine mütze wieder aufsetzen.“
achmed schüttelte heftig den kopf. „ich will die mütze nicht! ich bin vielleicht ein marokkaner - aber ein räuber bin ich nicht!“
