achmed und der ramadan!
wegen des bevorstehenden ramdan veröffentliche ich in meinem weblog exklusiv eine geschichte aus meinem buch "achmed und der fisch aus tinte - 60 und eine geschichte aus marokko". viel spass beim lesen!
im ramadan verwandelt sich agadir in eine schläfrige stadt. fast alle restaurants und viele geschäfte haben geschlossen. die menschen schleppen sich müde durch den tag und warten auf die erlösenden stunden zwischen sonnenuntergang und dem nächstem morgen, wenn sie für kurze zeit das fastengebot brechen dürfen. im ramadan leben die marokkaner in den nächten und versuchen, die tage zu überstehen.
obwohl ich mich am ramadan nicht beteiligte, befiel auch mich die müdigkeit. sie war ansteckend! ich musste mich zwingen, ihr zu entkommen und beschloss, an den weiten strand von taghazoute zu fahren. der wind und das meer würden mich sicher wach machen!
achmed kam pünktlich zum hotel. aber kaum sass ich in seiner taxe, warf er hinter mir die tür mit solcher kraft ins schloss, dass alle glasscheiben im auto klirrten.
er lief um sein auto herum, riss die fahrertür auf und dann schepperten und klirrten die scheiben schon wieder.
„was hat denn das alles zu bedeuten?“
„hat nichts zu deuten“, zischte achmed durch seine zähne in meine richtung. „ich werde dich nur fahren nach taghazoute!“
er drehte an der zündung, bis der motor aufheulte. dann legte er mit verbissenem gesicht den ersten gang ein und die taxe jagte los. ich fiel rückwärts in den sitz. da aber bremste achmed, und ich schoss in richtung windschutzscheibe!
„war doch taghazoute?“ er gab gas. ich fiel wieder zurück in die polster. jetzt klammerte ich mich am sitz fest, um nicht weiter durch die taxe geschleudert zu werden.
„was ist denn nur los?“ schrie ich.
achmed trat schon wieder in die bremsen. ich konnte mich nur mit einem schnellen griff an die sonnenblende davor retten, nun tatsächlich durch die windschutzscheibe zu schiessen.
„ich will aussteigen!“ stöhnte ich.
achmed sah mich an. so ein gesicht hatte ich noch nie gesehen! es war rot angelaufen und in den mundwinkeln bildete sich ein leichter, weisser schaum.
„gleich hier? gern!“ der motor heulte auf und das auto blieb stehen.
so schnell ich konnte, sprang ich aus der taxe. achmed war verrückt geworden. ich wusste nur nicht, warum!
ich stellte mich an den strassenrand und wartete auf ein „petit taxi“. aber achmed lief hinter mir her. „wo willst jetzt hin?“
„bin ich dir rechenschaft schuldig? muss ich dich über jeden schritt, den ich in marokko mache, informieren?“
achmed legte den kopf schief. „hast ganz rot gesicht und schaum vor mund. bist nicht gesund?“
es war wie immer! einige tage kamen wir gut miteinander aus. aber ein längerer friede macht uns wohl mit der zeit nervös. dann war es entweder achmed, der irgendeinen streit anfing, oder - manchmal ich.
aber diesen streit hatte nun wirklich er vom zaum gebrochen!
„mit schaum vor mund, du siehst aus wie hund mit toller wut!“ kicherte achmed.
„noch ein satz,“ schimpfte ich und vergass, das petit taxie heranzuwinken, das gerade vorbei fuhr, „und du wirst wissen, wer hier die tollwut hat! im übrigen: du hast sie doch längst! oder ist es etwa normal, wenn ein taxifahrer mit schaum vor dem mund durch agadir rast, und dabei dauernd den motor abwürgt!“
jetzt quollen achmeds stirnadern gefährlich an.
„ich würg motor ab? dass ich nicht lache! motor würgt sich selbst ab, weil...“
„...nicht du, sondern er die tollwut hat? ja, ich weiss!“
achmed keuchte heftig. er nahm ein taschentuch und wischte sich den schweiss von der stirn.
während wir am strassenrand miteinander stritten, wurde es abend und die strassenlaternen flammten auf.
„such doch neu taxifahrer! hat vielleicht keine tollwut, aber fährt wie hund nach biss von schlange!“ er beschrieb mit seinen händen eine zick-zack-linie in der luft. „immer so!“ dann bemerkte auch er das licht der laternen.
„allah sei dank!“
sein gesicht entspannte sich. er breitete die arme aus und drückte mich an sich.
„mein freund! jetzt ist alles gut.“
„wieso? hast du gerade die tollwut überwunden?“
„nein, nein!“, lächelte er. „musst wissen, hab nicht gegessen seit früh am morgen. ist wegen ramadan! macht aber nichts! hab auch kein zigarette gehabt und kein tee! und wenn mein magen ist ohne nerven, mein kopf ist auch! fatima sagt ja auch, achmed ist in ramadan immer in toller wut! aber jetzt lass fahren zu fatima! sie hat gekocht harira, ist schön suppe für ramadan. dann sitzen wir die ganze nacht und trinken tee und essen klein keks!“
ich fuhr mit ihm in sein kleines haus. aber vorsorglich sagte ich noch:
„es wäre nett, wenn ich vor sonnenaufgang wieder im hotel wäre. noch eine fahrt mit dir, wenn dein magen und dein kopf ohne nerven sind, überstehe ich nicht.“
„ist kein problem“, lachte achmed. „morgen ist fast vorbei mit ramadan, und wenn keiner sieht, können wir rauchen kleine zigaretten am strand von taghazoute!
du willst doch nach taghazoute!“
