am 11. SEPTEMBER!
... der staatsanwalt fertigt die vorladung zur gerichtsverhandlung aus. aber
warum blättert er so nervös in seinen unterlagen? warum starrt
er immer wieder aus dem fenster und ist dann wie gelähmt?
erst tage später werde ich erfahren, dass sein bruder ein restaurant in new york besitzt, - im „world trade center“.
gerade bringt er seine tochter zur schule, als sich das gebäude in staub
auflöst und als dunkle wolke über manhattan steht. sechs mitarbeiter
stürzen in den tod, sechs marokkanern hat amerika kein glück gebracht.
sie haben gearbeitet, nike-turnschuhe gekauft und dollars nach marokko geschickt.
das „world trade center“ ist so hoch, dass von ihm aus bei klarer sicht die
küste marokkos zu sehen ist, wenigstens dann, wenn der wunsch groß
genug ist, sein herz hinüberzuwerfen.
ein marokkaner stemmt sich gegen den wind und hat sich einen walkman aufgesetzt.
er träumt bei amerikanischer musik von der freiheit jenseits des atlantiks.
aber es ist nur eine wolke aus sand und staub, die der sturm heranweht und
ihm den atem nimmt. eine welle kommt heran und unterspült seine füße,
bis er jeden halt verliert.
im angesicht brechender wände und splitternder fenster bleibt redouan,
dem marokkanischen kellner, hoch oben, im himmel new yorks, kein ausweg mehr.
er sieht das dunkle gesicht seines vaters und das lächeln seiner mutter
und seine schwester winkt ihm zu. dann öffnet sich der boden unter ihm
und er fällt in die arme allahs, der ihn vorsichtig fortträgt ...
(aus: welcome to maroc, achmed und der fisch aus tinte)
