casablanca!
die medien scheinen marokko zu entdecken. nach einem ausführlichen artikel der BERLINER ZEITUNG über tanger folgt jetzt ein architektonischer bericht der NETZEITUNG über casablanca.
casablanca ist die einwohnerreichste stadt marokkos, dazu wirtschaftsmetropole und grösster hafen der landes. sie wurde in den 20er und 30er jahren von den franzosen zur kapitale ihres protektorats ausgebaut. deswegen begegnen wir in cassblanca auch auf schritt und tritt den stadtplanerischen ideen dieser zeit - breite alleen, schattige parks, mehrstöckige häuser im stil der art deco.
besucher, die den pittoresken orient suchen, sind indes in casablanca am falschen ort. es hiesse jedoch, marokko nicht gerecht zu werden, wenn man casblanca einfach ignorieren würde. weit mehr als in anderen marokkanischen städten manifestiert sich hier der aufbruch in die moderne und der wille zu wirtschaftlicher prosperität.
casablanca hat architektonisch einiges zu bieten. und dabei ist nicht nur die moschee hassan II. gemeint. eine ganze generation junger, innovativer architekten aus frankreich prägte in den 30er jahren des vergangenen jahrhunderts das bild der stadt. die stichworte "bauhaus" und "art deco" mögen an dieser stelle reichen, um zu beschreiben, in welchem geist in casablanca gebaut wurde.
und da sage noch einer, in casablanca gäbe es nichts zu sehen!
wer allerdings den orient samt 1001 nacht sucht, dazu mondenschein in der wüste und pittoreske armutsbilder - der sollte nach fes, marrakesch, nach rissani oder zagora ausweichen. ob er aber dort das authentische marokko antrifft, kann sehr bezweifelt werden.
anders gesagt: wer die labyrinthischen souks von tetouan als "pars pro toto" marokkos nimmt, sollte im gegenzug - um also ein bild deutschlands zu gewinnen - sich ins münchener hofbräuhaus setzen. das reicht völlig aus, um sich bierselige romantik in die birne zu pumpen und anschliessend (pars pro toto) über deutschland zu schwadronieren.
