KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

14.06.2008 um 21:22 Uhr

GERHARD KONZELMANN!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

ich greife immer wieder gern nach seinen büchern, die mir den orient besonders nahe bringen. manches, was GERHARD KONZELMANN, der vor einigen wochen gestorben ist, schreibt, mutet ein wenig spekulativ an ... aber faszinierend ist doch immer wieder sein profundes wissen und seine hell- und weitsicht, wenn es um nordafrika und den nahen osten geht.

unter seinen - fast schon zahllosen - büchern gehören einige zum festen bestand meiner bibliothek. ich nehme sie immer wieder gern zur hand, weil sie mir auf unaufgeregte weise einige tatsächlichkeiten der region vermitteln. ich vermute, dass nicht mehr alle bücher von KONZELMANN in den buchhandlungen zu kaufen sind. wer sie also in antiquariaten oder auf flohmärkten findet, sollte sie dort kaufen ... und natürlich lesen.

ich erinnere mich, dass ich mich vor jahren auf dem flughafen AL MASSIRA in agadir so dermassen in ein buch von ihm vertiefte, dass ich fast den abflug nach deutschland verpasste:

  • Die Araber und ihr Traum vom Großarabischen Reich, Desch, München 1974, ISBN 3-420-04709-6
  • Die Schlacht um Israel. Der Krieg der heiligen Tage, Desch, München u. a. 1974, ISBN 3-420-04700-2
  • Aufbruch der Hebräer. Der Ursprung des biblischen Volkes, Desch, München 1976, ISBN 3-420-04755-X
  • Die grossen Kalifen. Das goldene Zeitalter Arabiens, Herbig, München und Berlin 1977, ISBN 3-88199-745-8
  • Die Schiiten und die islamische Republik. Hintergründe zu den Ereignissen im Iran, Herbig, München 1979, ISBN 3-7766-0977-X
  • Die islamische Herausforderung, Hofmann & Campe, Hamburg 1980, ISBN 3-8118-3159-3
  • Der Nil. Heiliger Strom unter Sonnenbarke, Kreuz und Halbmond, Hoffmann & Campe, Hamburg 1982, ISBN 3-455-08753-1
  • Jerusalem. 4000 Jahre Kampf um eine heilige Stadt, Hoffmann & Campe, Hamburg 1984, ISBN 3-455-08660-8
  • Der unheilige Krieg. Krisenherde im Nahen Osten, Hoffmann & Campe, Hamburg 1985, ISBN 3-455-08242-4
  • Allahs neues Weltreich. Der Kampf um die arabische Einheit, Herbig, München und Berlin 1986, ISBN 3-7766-1412-9
  • Der Diwan des Harun Al Rashid, Weitbrecht, Stuttgart 1987, ISBN 3-522-70310-3
  • Der Jordan. Ur-Strom zwischen Heil und Hass, Hoffmann & Campe, Hamburg 1988, ISBN 3-455-08313-7
  • Allahs Schwert. Der Aufbruch der Schiiten, Herbig, München und Berlin 1989, ISBN 3-7766-1469-2
  • Damaskus. Oase zwischen Hass und Hoffnung, Herbig, München 1994, ISBN 3-7766-1857-4
  • König Davids Erbe. 3000 Jahre Jerusalem, Herbig, München 1996, ISBN 3-7766-1931-7
  • Vermächtnis für den Frieden. Hussein von Jordanien, Herbig, München 1999, ISBN 3-7766-2105-2
  • „Dies Land will ich deinen Kindern geben.“ Die Wurzeln der Tragödie im Nahen Osten, Herbig, München 2001, ISBN 3-7766-2211-3
  • Dschihad und die Wurzeln eines Weltkonflikts, Herbig, München 2002, ISBN 3-7766-2268-7
  • Insch’Allah. Der Kampf um Glaube und Öl, Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2316-0
  • Die Emirate. Das Paradies im Nahen Osten, Herbig, München 2005, ISBN 3-7766-2443-4
  • Öl und Gas. Im Netz der Konzerne, Herbig, München 2006, ISBN 978-3-7766-2487-8

07.06.2008 um 15:17 Uhr

WINSTON CHURCHILL - the river war!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

der titel des buches ist irreführend und wird dem inhalt nicht gerecht. KREUZZUG GEGEN DAS REICH DES MAHDI, so der deutsche titel, suggeriert eine christliche mission mit waffengewalt im sudan. winston churchill, der sein buch THE RIVER WAR 1899 schrieb (es wurde erst jetzt ins deutsche übersetzt) dachte aber weitaus differenzierter über den aufstand des mahdi im sudan und den anschliessenden krieg der engländer, der 1898 mit dem sieg der briten in der schlacht von omdurman endete.

das buch ist nicht frei von rassistischen vorurteilen, hält aber auch nicht hinter dem berg, wenn es um den wahren grund des sieges der engländer im sudan geht. sie waren dem mahdi und seinen truppen nicht moralisch überlegen. noch hatten sie das unbedingte recht auf ihrer seite. sie waren jedoch militärisch überlegen, wobei sie auf eine industrielle waffenproduktion zurückgreifen konnten, die vor allem ein mörderisches werkzeug entwickelt hatte: das maschinengewehr.

diese maschinengewehre - und nichts anderes - sorgten dafür, dass die europäische dominanz in den kolonien für lange zeit ungebrochen blieb.

die einsichten, die winston churchill aus dem konflikt im sudan destilliert, sind bis heute aktuell. man wird seinem buch also im wesentlichen eine besonders kluge weitsicht attestieren müssen.

"DIE ZEIT" STELLT DAS BUCH VOR

01.06.2008 um 10:18 Uhr

"betrunken, laut und frech" - NELLY MANN!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

"betrunken, laut und frech", so urteilte thomas mann über seine schwägerin, die frau von heinrich mann. nelly war 30 jahre jünger als heinrich, hatte im berliner rotlicht-milieu gearbeitet und war überhaupt nicht intellektuell. sie besaß aber das, was heinrich mann viel mehr schätzte: herzenswärme und erotik.

sie begleitete heinrich ins exil nach amerika. ihr leben dort war nicht auf rosen gebettet. ganz im gegensatz zu thomas mann, der auch im exil ein vielbschäftigter autor blieb, konnte heinrich nicht recht fuss fassen. finanziell war er abhängig von seinem bruder. dass ihm in dieser lebenssituation nicht der mut abhanden kam, ist nelly zu verdanken. dennoch - am ende blieb ihr keine kraft mehr. sie beging 1944 selbstmord. 

in der familie mann wurde nelly gern ignoriert. man nannte sie ungebildet und ordinär. jetzt ist eine biographie über sie erschienen, die manches gerade rückt. nelly war - und nur darauf kommt es an - ein glück für heinrich mann.

dünkel und borniertheit jedoch verweigerten ihr die anerkennung, die sie ohne zweifel verdient.

ZUM BUCH

09.05.2008 um 13:00 Uhr

LUIGI MALERBA!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

LUIGI MALERBA, der italienische schriftsteller, ist gestorben. nicht jedem wird sein name geläufig sein, er war aber in italien ein bedeutender und viel gelesener autor.

in seinem buch:

"Le galline pensierose" (Die nachdenklichen Hühner) heisst es:

"Als sie erfuhren, die Erde sei rund wie ein Ball und kreise mit höchster Geschwindigkeit durchs All, begannen die Hühner sich Sorgen zu machen und wurden von heftigem Schwindel ergriffen..."

allein dieser satz macht ihn unsterblich ... allein wegen dieses satzes müssen wir sehr traurig sein, dass LUIGI MALERBA uns nichts mehr erzählen kann.

08.03.2008 um 09:00 Uhr

ken folletts DIE TORE DER WELT!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

wer ken folletts "die säulen der erde" noch nicht gelesen hat, sollte es bald nachholen. das buch erzählt von der kleinen englischen ortschaft kingsbridge und dem irrwitzigen plan, dort eine kathedrale zu errichten.

er sollte den roman deswegen bald lesen (es lohnt sich!), weil ken follett inzwischen eine art fortsetzung geschrieben hat. sein neues buch, das jetzt erschienen ist, heisst "die tore der welt".

200 jahre sind in kingsbridge vergangen. die kathedrale ist gebaut (doch nie ganz fertig) und ragt in den himmel. es ist das 14. jahrhundert - wir befinden uns also im tiefen mittelalter. genau das ist das thema von ken follett. er breitet vor uns ein kaleidoskop der geschichte aus - es treten auf: nonnen, hexen und ärzte, bauleute, pfarrer und gemeines volk. sie alle geben dem jahrhundert, finster und faszinierend zugleich, ein gesicht.

HIER SIND DIE INFORMATIONEN!

02.03.2008 um 09:16 Uhr

SEBASTIAN HAFFNER!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

zwei grundsätze, so sagte sebastian haffner einmal, hätten die deutschen aus den napoleonischen kriegen gelernt:

soetwas dürfe sich, erstens, nicht wiederholen, zweitens aber wollten sie selbst irgendwann wie napoleon die welt beherrschen.

sebastian haffner, 1907 geboren, erlebte die weimarer republik und das 3. reich als kritischer, wenn auch distanzierter zeitgenosse mit. er studierte jura und trat 1933 ins berliner kammergericht ein. in seinem buch ...

... schreibt er davon. die schilderung des jähen zusammenbruchs der justiz gleich nach der machtergreifung durch die nazis im jahre 1933 gehört zu den stärksten kapiteln dieses buches.

sebastian haffner schrieb es 1938. da war er bereits aus deutschland emigriert und wandte sich ausschliesslich der publizistik zu. beim lesen seines buches, das voller hellsicht und düsterer prognosen ist, fragt man sich fortwährend, woher der mann diese einsichten nahm. wohlgemerkt: haffner schrieb das buch noch vor dem 2. weltkrieg - die grösste katastrophe stand also erst noch bevor.

1999 ist sebastian haffner gestorben. da gehörte er längst zu den einflussreichsten publizisten in der bundesrepublik. kritisch äusserte er sich zur deutschen politik und begleitete die ostpolitik willy brandts mit wohldurchdachten, bestärkenden argumenten.

nur einmal irrte er: eine wiedervereinigung hielt er für absolut ausgeschlossen.

wer das buch von sebastian haffner findet, sollte es lesen. es ist - nebenbei gesagt - auch ein bestechendes sprachliches kunstwerk.

17.08.2007 um 22:21 Uhr

PIERRE LOTI reist durch marokko!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

auf das buch von pierre loti "im zeichen der sahara" hatte ich schon hingewiesen. es erschien um die jahrhundertwende in frankreich und wurde viel gelesen.

der titel ist jedoch irreführend - aber nur in der deutschen übersetzung. das französische original heisst (korrekter) "au maroc". loti beschreibt eine reise von tanger nach fes, weiter nach meknes und zurück an den ausgangsort. über den sinn und zweck des unternehmens erfahren wir nichts. erst im nachwort der herausgeber finden wir den hinweis, dass es um die reise des gerade ernannten französischen gesandten an den hof des marokkanischen sultans in fes ging.

loti interessierte die politik nicht. deswegen kommt sie in seinem buch auch nicht vor. diese aussparung von themen bedeutet aber viel mehr: loti fürchtete den einfluss frankreichs in marokko. er sah voraus, dass die koloniale politik der europäer die traditionen marokkos für immer zerstören würde. mit dieser, dem zeitgeist so ganz und gar widersprechenden meinung wollte er, wie er selbst sagte, seine leser jedoch nicht behelligen.

stattdessen beschreibt er mit immer neuen worten, die er wie aus einem bunten malkisten nimmt, die landschaften des landes, durch die die vielköpfige karawane des französischen gesandten von tanger nach fes zieht. an imaginären grenzen warten hoch zu pferd die krieger der verschiedenen stammesfürsten, um die europäischen gäste mit einer "fantasia", den traditionellen marokkanischen reiterspielen, willkommen zu heissen. die macht des sultans reichte gerade einmal so weit, die fürsten seines landes um freies geleit für die europäer zu bitten.

es ist die reise in eine magische vergangenheit - kurz vor der jahrhundertwende. pierre loti ist fasziniert von der landschaftlichen vielfalt und vom fürstlichen glanz des sultans in fes. es interessiert ihn nicht weiter, dass die französische gesandtschaft unter praller sonne auf den sultan warten muss, der - zu pferd und mit einem sonnenschirm geschützt - die abordnung empfängt. was beim französischen gesandten für empörung sorgt, ist für loti nur ein buntes, entrücktes farbenspiel.

nein, das buch hat nichts mit der sahara zu tun. die wüste hat pierre loti in marokko nie gesehen. es reicht aber allemal, dass er wenigstens fes und meknes besucht hat, und über diese königstädte porträts fertigt, die im licht einer sehr fernen zeit aufscheinen.

pierre lotis bericht aus marokko ist ein abgesang. er wird das - melancholiker war er genug - gewusst haben. er hat das land, die menschen und landschaften in gold-schimmernden bernstein gefasst, eine girlande aus silber darum gelegt und das alles in schweren, eisen beschlagenen buchdeckeln an die nachwelt weiter gegeben.

vielleicht gar kein buch über marokko - sondern das, was loti dort zu sehen und zu erfahren wünschte.

er respektierte jedenfalls, weil er keine fragen stellte, das geheimnis dieses landes. besseres ist von einem buch über marokko nicht zu sagen.

01.05.2007 um 21:13 Uhr

vladimir und sergei!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

vladimir wurde 1899 in russland geboren - sein bruder sergei erblickte 1900, also nur ein jahr später, das licht der welt. ihre kindheit war behütet, der reichtum ihrer eltern machte sie zuweilen ein wenig hochmütig. jeden morgen wurden sie mit einem rolls-royce zur schule gefahren. der verachtung seiner mitschüler konnte vladimir nur deswegen entgehen, weil er ein guter fussballer war. von sergei hingegen ist nicht bekannt, dass er besonders sportlich war.

die russische revolution machte aus den eltern von vladimir und sergei flüchtlinge. erst in berlin fühlten sie sich vor den nachstellungen der kommunisten sicher. dort, inmitten russischer exilanten, fanden sie ein neues zuhause.

vladimir und sergei gingen jedoch nach england, um zu studieren. der eine - vladimir - tat dies mit grossem ernst, der andere - sergei - genoss die neuen freiheiten auf andere weise.

schon in england trennten sich ihre wege. vladimir kehrte nach seinem naturwissenschaftlichen studium nach berlin zurück, wo sein vater einem attentat zum opfer gefallen war. man hatte ihn irrtümlich für einen einflussreichen russischen politiker gehalten. dabei war er nur herausgeber einer kleinen russischen exilzeitschrift gewesen.

vladimir veröffentlichte in deutschland seine studien zu schmetterlingen und raupen. er wurde damit zu einem der wenigen, anerkannten experten auf dem gebiet der schmetterlingsforschung.

sergei ging nach paris und lernte dort schriftsteller und künstler kennen. er genoss die liberalität und weltoffenheit der stadt. sergei war homosexuell und konnte endlich so leben, wie er es sich vorstellte.

vladimir heiratete in berlin und flüchtete in den 30er jahren mit seiner frau - sie war jüdin - erst nach frankreich und dann in die USA. dort machte er karriere als naturwissenschaftler. aber auch als schriftsteller wurde er bekannt. wegen seiner glänzenden erzählungen und romane, die er in amerika veröffentlichte, erhielt er den ruf an die renommiertesten universitäten. er lehrte dort russische literatur und gehörte bald zu den prominentesten exilrussen.

sergei blieb in europa. anfang der 40er jahre wurde er in paris zum ersten mal verhaftet. die nazis hatten ihre nachbarn überrannt und machten nicht nur jagd auf juden, sinti und roma ... sondern auch auf homosexuelle. er wurde zwar aus der haft entlassen, 1943 aber in paris erneut festgenommen und ins konzentrationslager neuengamme deportiert.

vladimirs literarischen ruhm begründete ein buch, das in den USA einen skandal auslöste. es war die geschichte von der liebe eines älteren mannes zu einem minderjährigen mädchen namens lolita. das geld, das vladimir mit diesem buch verdiente, ermöglichte es ihm, seine tätigkeit als dozent aufzugeben, um fortan als freier schriftsteller tätig zu sein.

er schrieb auch seine memoiren: "erinnerung, sprich". dieses buch gehört zu den wunderbarsten beispielen autobiographischer literatur überhaupt. vladimir beschwört darin auf unnachahmliche weise den kosmos seiner kindheit in russland.

von seinem bruder sergei indes erfahren wir in diesem buch so gut wie nichts. es ist viel darüber spekuliert worden, warum vladimir seinem bruder keinen grösseren raum in seinen erinnerungen zugestanden hat. nur so viel steht fest: vladimir, der auch sonst in seiner engeren familie durchaus mit der homosexualität konfrontiert wurde, war ein homophober mensch. es existieren briefe, in denen er voller verachtung von der veranlagung seines bruders schreibt.

es ist nicht zu verstehen, warum ein schriftsteller, der erzählerisch die grössten tiefen der menschlichen psyche durchleuchtet hat, sich so schroff und unerbittlich zur homosexualität äusserte.

es ist aber so und sergei muss darunter furchtbar gelitten haben.

vladimir verachtete nicht nur die homosexualität - er verleugnete auch seinen bruder. wenigstens räumte er ihm keinen platz in seinen erinnerungen ein.

sergei starb, unterernährt und schwer krank, im januar 1945 im konzentrationslager neuengamme. sein bruder vladimir aber wurde zu einem der bedeutendsten schriftsteller des 20. jahrhunderts.

SERGEI UND VLADIMIR NABOKOV

danke, swift, für den tipp!

21.03.2007 um 09:26 Uhr

pünktlich zum frühlingsanfang ...!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

pünktlich zum frühlingsanfang veröffentlicht die INSEL-BÜCHEREI 10 radierungen, die heinrich vogeler einst als mappenwerk herausgab. sie gehören zum zyklus "an den frühling" und zeigen den jugendstilkünstler auf der höhe seines könnens.

den radierungen sind einige frühlingsgedichte beigegeben - und auch die worte von rainer maria rilke, die er zu diesen so schönen illustrationen aufgeschrieben hat.

es gibt übrigens keinen reizvolleren kontrast als die herb-karge landschaft worpswedes im üppigen frühlingskleid der blühenden bäume und wiesen ...

bildquelle

16.03.2007 um 18:38 Uhr

handkuß für ihre gattin und handschlag für sie ...!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

klaus mann, der sohn von thomas mann, war schon 1933 aus nazi-deutschland emigriert und organisierte von amsterdam aus den widerstand. dazu hatte er mit hilfe des holländischen querido-verlags eine zeitschrift ins leben gerufen: „Die Sammlung“. dort publizierten bedeutende exilschriftsteller wie heinrich mann, alfred döblin, anna seghers, walter mehring und viele andere.

die erste nummer der zeitschrift erschien im herbst 1933. schon im februar 1933 waren thomas mann und seine familie (der schriftsteller befand sich zum zeitpunkt der nationalsozialistischen „machtergreifung“ gerade auf einer lesereise im ausland) nicht mehr nach münchen zurückgekehrt. wie richtig diese entscheidung war, zeigt der brief, den der schriftsteller und präsident der (gleichgeschalteten) deutschen akademie der dichtung, hanns johst, im herbst 1933 an heinrich himmler schrieb (und dabei dem irrtum aufsass, thomas mann sei noch in deutschland):

In Amsterdam erscheint das derzeitig unflätigste Emigrantenblatt „Die Sammlung“. Sie werden sich ja jederzeit Belegexemplare verschaffen können, sonst übersende ich Ihnen auch gern ein Exemplar dieses Schmutzes. Als Herausgeber zeichnet der hoffnungsvolle Sproß des Herrn Thomas Mann, Klaus Mann. Da dieser Halbjude schwerlich zu uns herüber wechselt, wir ihn also leider nicht aufs Stühlchen setzen können, würde ich in dieser wichtigen Angelegenheit doch das Geiselverfahren vorschlagen. Könnte man nicht vielleicht Herrn Thomas Mann, München, für seinen Sohn ein wenig inhaftieren? Seine geistige Produktion würde ja durch eine Herbstfrische in Dachau nicht leiden, denn wir wissen aus unseren eigenen Reihen, welches famose Schrifttum gerade von nationalsozialistischen Häftlingen zur glücklichen Niederschrift kam ... Mit Handkuß für Ihre Gattin und Handschlag für Sie immer

Ihr getreuer Hanns Johst


(zitiert nach „Fritz H. Landshoff, Erinnerungen eines Verlegers)

ich frage mich, wie menschen dazu kommen, andere auf diese weise zu diffamieren und zu denunzieren. ist es dummheit? versprechen sie sich dadurch eigenes fortkommen? ist es neid auf die talentierteren? ist ihre bösartigkeit ausdruck der hoffnung, auf der politisch „richtigen“ seite zu stehen?

was bringt einen mann wie hanns johst dazu, ungefragt an heinrich himmler zu schreiben, um ihm vorzuschlagen, thomas mann zu verhaften? ist es rachsucht? war da noch eine alte rechnung offen? woher kommt dieser ausbruch von häme und hass?

wir wissen nicht, was ihn dazu trieb, diesen ungeheuerlichen brief zu schreiben, der nichts anderes vorschlägt, als den schriftsteller und nobelpreisträger thomas mann ins KZ zu schaffen.

was ist das nur für eine erbärmliche niedertracht, einen so gemeinen brief zu schreiben und ihn an einen der grössten verbrecher des 20. jahrhunderts zu schicken?

hanns johst war (und blieb) ein glühender verehrer heinrich himmlers. es muss hier nicht berichtet werden, wie devot und speichelleckend er stets seinem idol hinterher lief.

den krieg überlebte johst unbeschadet, musste sich aber danach mehreren entnazifizierungsverfahren stellen. 1949 stufte man ihn als „mitschuldigen“ ein, aber schon im august 1949 wurde er als „hauptschuldiger“ genannt. in einem dritten verfahren, 1951, galt er dann allerdings nur noch als „belasteter“.

alle verfahren gegen ihn wurden schliesslich 1955 eingestellt - nicht ohne den letzten schuldspruch für ungültig zu erklären. hanns johst lebte unbehelligt bis zu seinem tod, 1978, am starnberger see.

zu thomas mann hat er sich öffentlich nicht mehr geäussert.

DIESE NOTIZ JETZT AUCH AUF MEINER HOMEPAGE!

13.03.2007 um 18:54 Uhr

duineser elegien!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

die duineser elegien von rainer maria rilke sind eine schwere lektüre. manch einer legt sie nach kurzer zeit beiseite, weil die gedichte allzu gesperrt und hermetisch sind. nein, sie offenbaren sich uns nicht bei der ersten lektüre ...

mir sind die duineser elegien erst ans herz gewachsen, als ich den kommentar von katharina kippenberg zu den gedichten las. katharina kippenberg war die frau des gründers und verlegers des INSEL-verlags in leipzig und förderte rilke nach kräften. wer weiss, was aus dem dichter ohne diese frau geworden wäre?

wer das buch von katharina kippenberg irgendwo findet (leider habe ich den titel vergessen), sollte ihre kommentare lesen, sich also schritt für schritt und unter ihrer anleitung in die duineser elegien versenken. ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass ein ausserordentliches leseerlebnis wartet.

p.s. bei MANESSE sind die elegien mit kommentaren von katharina kippenberg erschienen. ob es allerdings die sind, die ich vor zeiten in einem eigenständigen buch von ihr gelesen habe, weiss ich nicht. ich nehme es aber an.

04.03.2007 um 10:31 Uhr

im namen der toten prinzessin!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

ich scheue mich ein wenig, von einem "frauenschicksal" zu schreiben. das hört sich zu sehr nach den romanen von rosamunde pilcher an. dennoch fällt mir kein anderes wort ein, wenn ich das wunderbare buch von kenizé mourad charakterisieren will, das sie über ihre mutter geschrieben hat.

ausführlich habe ich auf das buch auf meiner homepage in den "notizen zum kolonialismus" hingewiesen.

IM NAMEN DER TOTEN PRINZESSIN

02.03.2007 um 18:37 Uhr

bert brechts "versuche"!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

nachdem bert brecht nach dem 2. weltkrieg aus dem exil zurück gekehrt war, ging er nach ost-berlin, um dort sein „berliner ensemble“ zu gründen. in den 50er jahren enstanden auf diese weise eine vielzahl von exemplarischen inszenierungen seiner stücke, die allesamt im „theater am schiffbauerdamm“ aufgeführt wurden.

der ostberliner „aufbau-verlag“ begleitete die inszenierungen mit einer ganzen reihe von broschierten büchern, die von brecht bescheiden „versuche“ genannt wurden, und in denen nicht nur seine stücke, sondern auch seine theoretischen überlegungen zum theater abgedruckt waren.

eine gesamtausgabe seiner theaterstücke und schriften gab es - bedingt durch das exil - in dieser zeit noch nicht. es kamen in den ostberliner jahren auch immer noch neue stücke hinzu, die zuerst in den „versuchen“ abgedruckt wurden.

wir haben es also bei den „versuchen“ teilweise mit erstausgaben von bertolt brecht zu tun. diese schlicht gebundenen bücher aus dem „aufbau-verlag“ waren über jahre hinweg begehrte sammlerstücke. inzwischen hat das interesse an bert brecht jedoch nachgelassen. der kreis, der sich für erstdrucke von ihm interessiert, ist kleiner geworden.

die „versuche“ vermitteln in ihrer bescheidenen machart viel von der nachkriegszeit in deutschland, als die mittel für aufwändige bücher noch fehlten - selbst für einen dramatiker wie brecht, auf den die DDR besonders stolz war.

auf dem szenenfoto zum „puntila“ erkennen wir im hintergrund leonard steckel, vorn ist erwin geschonneck zu sehen. es ist nicht übertrieben, wenn man dem „berliner ensemble“ attestiert, die grossartigsten schauspieler und die fähigsten regisseure des deutschsprachigen theaters hervorgebracht zu haben. 

01.03.2007 um 18:38 Uhr

henriette davidis kochbuch!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

keine autorin von kochbüchern hatte um die wende vom 19. zum 20. jahrhundert so viel erfolg wie henriette davidis. ihr kochbuch erschien in unzähligen auflagen und bearbeitungen (z.b. von luise holle). es gehörte - wie schiller und goethe - in jedes gutbürgerliche haus.

bei henriette davidis rezepten kommen wir aus der küche gar nicht mehr hinaus. mit erstaunen lesen wir, dass zum beispiel ihre suppen über stunden vor sich hin köcheln müssen. das alles war nur zu bewerkstelligen, wenn der hausfrau in der küche eine tüchige mamsell zur seite stand.

opulent sind die rezepte sowieso und an butter wird nicht gespart. so, wie es henriette davidis einst aufgeschrieben hat, wird man heute nicht mehr kochen wollen. die rezepte sind üppig, schwer und kalorienreich.

dennoch sollten wir zugreifen, wenn wir irgendwo das kochbuch entdecken. es hält so manche gerichte bereit, die heute fast vergessen sind.

und schliesslich: wer kocht schon penibel nach einem kochbuch? viel schöner ist es doch, sich von rezepten inspirieren zu lassen und sie - vielleicht abgewandelt - nachzukochen.

wer aber wissen möchte, was unsere urgrossmütter einst auf den tisch brachten - ob alltags oder an festtagen - für den ist henriette davidis kochbuch das reine, appetitanregende lesevergnügen.

28.02.2007 um 16:50 Uhr

afrika in alten atlanten!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

dieses blatt (unten), das eine übersicht afrikas zeigt, stammt aus einem atlas von 1896. es ist wirklich interessant, sich atlanten des 19. jahrhunderts anzuschauen. je weiter wir zurückgehen, desto „weisser“ werden z.b. die afrika-karten.

afrika war bis weit ins 19. jahrhundert (und noch darüber hinaus) in weiten teilen „terra incognita“. gut zu sehen, dass auf dieser hier gezeigten tafel die küstenstriche recht detailliert karthographiert sind. hier setzten sich etwa ab mitte des 19. jahrhunderts die kolonialisten fest und zeichneten genaue pläne der gebiete, die sie okkupiert hatten.

je weiter wir aber ins innere des kontinents schauen, desto mehr weisse flecke entdecken wir - und hier vor allem im gebiet der sahara. das hat beileibe nicht den grund, dass dort nur wüste und sand zu finden sind. auch die sahara hat hohe gebirge, tiefe senken, einige - zumeist ausgetrocknete - flüsse (oueds), oasen und binnenseen.

allerdings ist das klima der sahara auf eine weise menschenfeindlich, dass er kaum jemand wagte, dorthin vorzudringen. wirklich erforscht wurde die sahara erst ende des 19. jahrhunderts - im zuge der suche nach den quellen des nils. ein weiterer grund war der wunsch der engländer, zwischen ihrem mandatsgebiet ägypten und der kolonie südafrika einen durchgehenden landweg zu etablieren. der musste aber notwendigerweise durch erforschtes - vor allem wegbares und sicheres land führen.

erst nach und nach erforschten die europäer den gesamten kontinent. sie taten das nicht etwa nur aus neugier oder entdeckerfreude, sondern immer auch auf der suche nach neuen, wirtschaftlichen ressourcen.

die entdeckungsgeschichte afrikas erklärt sich aus handfesten interessen - und war deswegen eine politische und wirtschaftliche herausforderung aller kolonialmächte im 19. jahrhundert.

27.02.2007 um 20:47 Uhr

der roman eines verliebten!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

es ist mir - fast - das liebste buch von thomas mann. auf jedem fall ist es aber - neben "felix krull" - sein heiterstes. ich spreche von "königliche hoheit" - dem roman, den thomas mann schrieb, als er mit katja pringsheim verlobt war. wer sich mit der raunend-schweren prosa thomas manns schwer tut, sollte einfach zu diesem buch greifen.

es ist die geschichte eines kleinen, winkligen und verstaubten herzogtums, in das - zur freude aller - plötzlich ein reinigend-klarer frühlingswind weht. wie das geht, wie das aussieht und wie es erzählt wird, ist auf herzerfrischende weise schön und ... mächtig unterhaltsam.


27.02.2007 um 20:28 Uhr

nikolaus benjamin richter in libyen!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

über den sahara-forscher nikolaus benjamin richter hatte ich auf meiner homepage berichtet. es mag sein, dass sein buch "unvergessliche sahara" nicht überall so recht angekommen ist, denn es wurde in den 50er jahren bei brockhaus in leipzig gedruckt.

das wäre bedauerlich, denn richter schreibt nicht nur besonders gut, er hat von seiner expedition nach libyen auch schöne aquarelle mitgebracht. einige davon können ebenfalls auf meiner homepage angesehen werden.

es gibt noch so viel über nikolaus benjamin richter zu erzählen - am besten ist es, einmal auf meine homepage zu schauen!

HIER!

und

HIER!

27.02.2007 um 18:59 Uhr

burenblut!

von: rolf   Kategorie: **aus dem bücherschrank!

vielleicht wird der eine oder andere wissen, dass ich mich beruflich vornehmlich mit älteren und alten büchern beschäftige. deswegen habe ich auf meiner homepage eine neue kategorie eingerichtet:

"aus dem bücherschrank geholt"

den anfang macht ein buch "für die reifere jugend", das 1900 erschien und "burenblut" heisst. als es ein kunde bei mir bestellte, rieselte es mir kalt den rücken hinunter. ich verstand aber bald die zuammenhänge. um die jahrhundertwende grassierte in deutschland eine "buren-euphorie". der grund war der krieg der engländer gegen die aus holland nach südafrika eingewanderten siedler.

wer gegen england krieg führt (und die engländer bekamen zu anfang von den buren gehörig eins auf die mütze), muss - so war die schlichte deutsche denkungsart - ein freund und verbündeter deutschlands sein.

mein kollege, bei dem ich das buch bestellte, schrieb deswegen auch: "ist das buch etwa chauvinistisch?"

ja, herr kollege, ist es - und wie!

schon im vorwort kommt der autor so richtig zur sache. vom reinen burenblut ist da die rede - und wie es (rein rassemässig Traurig ) mit dem deutschen verbunden sei. und überhaupt: wer gegen england ist, ist für deutschland. es wird auch gleich von den tapferen und frommen buren gesprochen. keine rede aber davon, dass die buren auf besonders sture weise an der sklaverei festhielten. das war gar nicht so fromm!

ich habe übrigens über die buren auf meiner homepage in den "notizen zum kolonialismus" etwas aufgeschrieben. HIER !

so erbaulich also wurde die deutsche jugend um 1900 mit "blutrünstiger" lektüre bedient. alles war schon da: der rassenhass und der völkerhass. das alles musste sich nur noch entladen.