weisse wolken am nur blauen HIMMEL!
als das examen gefährlich näher rückte, fuhren josef und ich aus münchen hinaus in den bayerischen wald. ich dachte, dass es sich in der frischen luft bestimmt besser arbeiten liesse ... was ein vorwand war, denn ich hatte in wahrheit keine lust, eingesperrt in der uni-bibliothek für mein magisterexamen zu lernen.
josef musste ähnlich gedacht haben. auch ihm missfiel - wie ich wusste - das einsam-zermürbende arbeiten für sein lehrerexamen.
der bayerische wald zeigte sich frühlingshaft von seiner schönen seite. wir fuhren über regensburg hinaus - dorthin, wo der bayerische wald immer einsamer und menschenleerer wird. mitten in einer wiese und ein, zwei kilometer vom nächsten ort entfernt, fanden wir eine kleine pension. über der haustür hing ein hirschgeweih. wir bekamen ein zimmer unter dem dach - die betten waren kariert bezogen.
bei schlechtem wetter (aber das gab es nur an einem vormittag) sass ich mit der wirtin in der wohnstube und trank kaffee. wir hatten beide diese leidenschaft. es war hübsch, mit ihr kaffee zu trinken und über dies und das zu erzählen. sie hatte viel zeit, denn wir waren die einzigen gäste. manchmal kam ihr mann dazu - dann tranken wir zu dritt kaffee.
bei gutem wetter setzten wir uns vors haus und tranken dort den kaffee. die sonne schien, kleine weisse wolken zogen über den himmel, manchmal zeigte sich josef am fenster der dachstube, um nach dem rechten zu sehen. ich fragte ihn, wie weit er mit seiner adorno-lektüre wäre.
josef fühlte sich nicht so allein, wenn wir im garten sassen, während er oben an seinem schreibtisch schwierige gedanken zu verstehen suchte. immerhin, er hörte uns, wenn wir über dies und das sprachen und dabei kaffee tranken.
ich selbst konnte mich nicht entschliessen, in die dachstube zu steigen und mich hinter die bücher zu setzen. der frühling war viel zu schön, die gespräche mit der wirtin einfach zu hübsch, und der kaffee schmeckte gut.
ich dachte: man muss auch einmal urlaub vom examen machen.
abends brachen josef und ich auf, um durch die wiesen ins dorf zu gehen. dort gab es ein wirtshaus, in dem im wechsel schweinebraten und rinderbraten serviert wurden ... aber immer mit klössen. der braten schmeckte gut und das bier auch. es war die rechte sommerfrische im frühling.
spät in der nacht wanderten wir zur pension zurück. die wiesen dufteten und über allem stand ein grosser himmel mit vielen sternen. so viele sterne hatte ich in münchen nie gesehen.
"du musst aber auch an dein examen denken", meinte josef, als wir uns - wie alle tage - noch in den garten der pension setzten. ein nächtlich-leichter wind liess die blätter an den bäumen rascheln, manchmal erreichte uns der betäubende geruch der blumen von den geharkten beeten.
"morgen, josef ... morgen mache ich mich an meine bücher!"
und dann begann wieder so ein sonnig-schöner tag. kleine wolken segelten über einen blauen himmel, die wirtin trug den dampfenden kaffee in den garten und josef stand oben am fenster der dachstube und lächelte in den morgen hinaus.
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