KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

21.05.2008 um 16:45 Uhr

weisse wolken am nur blauen HIMMEL!

als das examen gefährlich näher rückte, fuhren josef und ich aus münchen hinaus in den bayerischen wald. ich dachte, dass es sich in der frischen luft bestimmt besser arbeiten liesse ... was ein vorwand war, denn ich hatte in wahrheit keine lust, eingesperrt in der uni-bibliothek für mein magisterexamen zu lernen.

josef musste ähnlich gedacht haben. auch ihm missfiel - wie ich wusste - das einsam-zermürbende arbeiten für sein lehrerexamen.

der bayerische wald zeigte sich frühlingshaft von seiner schönen seite. wir fuhren über regensburg hinaus - dorthin, wo der bayerische wald immer einsamer und menschenleerer wird. mitten in einer wiese und ein, zwei kilometer vom nächsten ort entfernt, fanden wir eine kleine pension. über der haustür hing ein hirschgeweih. wir bekamen ein zimmer unter dem dach - die betten waren kariert bezogen.

bei schlechtem wetter (aber das gab es nur an einem vormittag) sass ich mit der wirtin in der wohnstube und trank kaffee. wir hatten beide diese leidenschaft. es war hübsch, mit ihr kaffee zu trinken und über dies und das zu erzählen. sie hatte viel zeit, denn wir waren die einzigen gäste. manchmal kam ihr mann dazu - dann tranken wir zu dritt kaffee.

bei gutem wetter setzten wir uns vors haus und tranken dort den kaffee. die sonne schien, kleine weisse wolken zogen über den himmel, manchmal zeigte sich josef am fenster der dachstube, um nach dem rechten zu sehen. ich fragte ihn, wie weit er mit seiner adorno-lektüre wäre.

josef fühlte sich nicht so allein, wenn wir im garten sassen, während er oben an seinem schreibtisch schwierige gedanken zu verstehen suchte. immerhin, er hörte uns, wenn wir über dies und das sprachen und dabei kaffee tranken.

ich selbst konnte mich nicht entschliessen, in die dachstube zu steigen und mich hinter die bücher zu setzen. der frühling war viel zu schön, die gespräche mit der wirtin einfach zu hübsch, und der kaffee schmeckte gut.

ich dachte: man muss auch einmal urlaub vom examen machen.

abends brachen josef und ich auf, um durch die wiesen ins dorf zu gehen. dort gab es ein wirtshaus, in dem im wechsel schweinebraten und rinderbraten serviert wurden ... aber immer mit klössen. der braten schmeckte gut und das bier auch. es war die rechte sommerfrische im frühling.

spät in der nacht wanderten wir zur pension zurück. die wiesen dufteten und über allem stand ein grosser himmel mit vielen sternen. so viele sterne hatte ich in münchen nie gesehen.

"du musst aber auch an dein examen denken", meinte josef, als wir uns - wie alle tage - noch in den garten der pension setzten. ein nächtlich-leichter wind liess die blätter an den bäumen rascheln, manchmal erreichte uns der betäubende geruch der blumen von den geharkten beeten.

"morgen, josef ... morgen mache ich mich an meine bücher!"

und dann begann wieder so ein sonnig-schöner tag. kleine wolken segelten über einen blauen himmel, die wirtin trug den dampfenden kaffee in den garten und josef stand oben am fenster der dachstube und lächelte in den morgen hinaus.

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09.03.2008 um 10:00 Uhr

von eichhörnchen, kaninchen und der SOLIDARITÄT!

in münchener wohngemeinschaften ging es zuweilen so unübersichtlich zu wie im deutschen wald. deswegen traf man sich in jenen 70er jahren immer freitags in der küche, um die anstehenden probleme zu besprechen ...

... im wald hingegen versammelten sich die tiere unter einer weitausladenden eiche.

wenigstens geschah das so in den geschichten, die ein junger student allabendlich den kindern, die in der wohngemeinschaft lebten, erzählte.

es ging - um es kurz zusammenzufassen - darum, dass eichhörnchen und kaninchen es satt hatten, die nachstellungen des fuchses zu ertragen, der ihnen nach dem leben trachtete. deswegen ersannen sie zusammen einige kluge finten, die den fuchs verwirren sollten.

sie übten sich - mit anderen worten - in solidarität.

von haus aus hatten sich ein kaninchen und ein eichhörnchen nicht viel zu sagen. sie lebten in zu verschiedenen welten und waren auf zu unterschiedliche weise damit beschäftigt, am leben zu bleiben. die solidarität war mithin ein akt der einsicht und klugheit.

klug - wenn auch nicht besonders einsichtig - war auch ein hausgenosse des jungen studenten, als er eines tages das erzählen dieser geschichten zum thema der wohngemeinschaft machte.

er sprach davon, dass kindern immer dann ein gründlich falsches weltbild vermittelt würde, wenn ein erwachsener so tut, als wären tiere der menschlichen sprache mächtig. so ein weltbild sei nicht nur eine lüge, sondern auch ein zerrbild der realität ... die es, das sagte er dann auch noch, im sinne einer sozialistischen weltordnung zu ändern gelte.

eichhörnchen und kaninchen hatten sich doch exakt darüber den kopf zerbrochen (sieht man einmal davon ab, dass sie von marx und engels nichts wussten. daraus konnte ihnen aber kein vorwurf gemacht werden ... lebten sie doch im tiefen wald) ...

... dachte der junge student, kam aber nicht mehr zu wort, weil die wohngemeinschaft beschloss, ihm das abendliche erzählen von geschichten zu verbieten.

jetzt übernahm der hausgenosse, der so klug vom zerrbild der realität gesprochen hatte, diese aufgabe ... denn immerhin: die kinder waren einigermassen traurig, nichts mehr von eichhörnchen und kaninchen zu erfahren.

stattdessen durften sie zuhören, wenn ihnen nunmehr allabendlich von bärbel und hans erzählt wurde, die eine fabrik besuchten ... oder ein sit-in im kindergarten organisierten, weil es zu den nudeln viel zu wenig tomatensauce gab ...

solidarität - so dachte der junge student damals - gibt es eben manchmal nur im wald.

08.03.2008 um 22:32 Uhr

heiraten ist (in münchen) - ein THEATER!

sollte es damals - in jenen 70er jahren in münchen - besonders beeindruckend sein, einem jungen studenten der germanistik zu erzählen, man habe einst die tochter von bert brecht geheiratet? nun, gut: bert brecht galt damals viel und stand in hohen ehren. ganze semester gingen damit dahin, sich dem "epischen theater" zu nähern.

gleichwohl: diese ehe hat es nie gegeben.

das theater beherrschte in jenen jahren - besonders in münchen - vor allem einer: fritz kortner. er war berüchtigt für seine strenge regie, konnte schauspieler (und noch viel mehr: schauspielerinnen) zum weinen bringen. niemand hat gezählt, wie viele nervenzusammenbrüche auf das konto dieses eitlen und genialen bühnen-tyrannen gingen.

fritz kortner hatte eine tochter ...

man muss (vielleicht) wissen, dass fritz kortner bis 1933 mit bert brecht eng zusammen arbeitete. dann gingen beide ins exil - bert brecht nach schweden, fritz kortner nach england.

es kann also sein, dass einem jungen schauspieler diese beiden heroen des deutschen theaters gleichermassen viel galten - die plötzlich aus deutschland verschwunden waren ...

... und nach 1945 zurückkehrten.

irgendwann wurde auch geheiratet.

warum es aber partout die tochter von bert brecht sein sollte, ist nicht wirklich zu verstehen. es war in wahrheit nämlich die tochter von fritz kortner, die der - nun nicht mehr so ganz junge schauspieler - heiratete ... allerdings blieb das ganze - so oder so - ein kurzes intermezzo.

in jenen jahren - den 70er jahren in münchen - war es wohl nicht besonders opportun, von fritz kortner zu sprechen, der in den kammerspielen ein unzeitgemäss autoritäres regiment führte ... wir erinnern uns: die nervenzusammenbrüche! er kam aus einer anderen zeit - man ignorierte ihn am besten ...

also hatte der schauspieler stattdessen (die wahrheit ein wenig verbiegend) die tochter von bert brecht geheiratet.

das klang viel besser - und im übrigen: was hätte ein junger student der germanistik, dem man auf solche weise imponieren wollte, dagegen schon einwenden können?