KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

02.10.2008 um 08:56 Uhr

fahren wir mal ins ... ALTE LAND!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

 ... noch ist es nicht zu spät für einen ausflug - noch warten allerhand schöne tage auf uns. der richtige herbst kommt erst noch. dann wäre es gut, die letzten sonnenstrahlen genossen zu haben und - vielleicht - ins ALTE LAND gefahren zu sein ...

herbert holte tief luft. er stand in meinem wohnzimmer, blähte seine - recht schlaffe - brust und rief...

nein, er schrie: "ich hasse dich, hasse, hasse, hasse dich."

er lief rot im gesicht an, bekam dann allerdings keine luft mehr. ich machte mir grosse sorgen! er stürzte - sehr atemlos - aus meiner wohnung.

da sass ich allein mit diesem ausbruch von gefühlen. ich kannte das ja schon.

aber so atemlos? das hatte ich noch nie erlebt.

was war eigentlich passiert?

mir fiel gar nichts ein.

ich wurde nur plötzlich sehr traurig, denn herbert hasste mich - das wusste ich jetzt -, und ich hatte einmal wieder einen freund verloren.

wie viele blieben denn noch?

so viele freunde haben wir nicht. wir können von glück sagen, wenn wir sie an einer hand abzählen können - wenn wir glück gehabt haben in unserem leben.

was war passiert?

unser bridge-club hatte einen ausflug gemacht.

luise war dabei, egon auch, und natürlich herbert. wir waren ins "alte land" in die nähe von hamburg gefahren. dort ist es sehr schön. erst blühen die apfelbäume und dann können wir herzhaft in einen apfel beissen.

es kommt eben darauf an, wann wir ins "alte land" fahren.

es kommt allerdings immer darauf an, wann wir irgendwo hin fahren! einmal blüht es - wie schön! einmal beisst du hinein - wie saftig! aber mit einem mal schaust du auf die nackten zweige der apfelbäume - und findest gar nichts mehr.

dann bist du zur falschen zeit ins "alte land" gefahren!

aber, - können wir uns das immer aussuchen?

im oktober fuhren wir dort hin.

die wenigen äpfel, die noch unter den bäumen lagen, waren recht schrumpelig. und überhaupt:

über allem lag ein geruch von fäulnis und herbst...

...der trägt den sommer in den falten seines braunen mantels...

(das ist doch auch kein trost, oder?)

wir besuchten einen gasthof. dort servierten sie uns schwarzbrot mit schinken. ach, ja! eine kleine gurke lag auch auf dem teller. der wirt kam mit einem tablett.

"meine herrschaften, ein apfelschnaps gehört immer dazu" lachte er.

ich stiess mit herbert an. ich sagte - vielleicht hätte ich es nicht sagen sollen, aber, sind wir uns zu jeder zeit unserer unzureichenden geistesgegenwart bewusst?

ich sagte wenigstens:

"prost, herbert! trinken wir auf das sehr flüchtige, weil destillierte resultat aller äpfel, in die wir in unserem leben voller wonne gebissen haben ... denn auch in diesem zustand steigen uns die äpfel ja noch zu kopf ... oder?"

hatte er überhaupt verstanden, was ich ihm sagen wollte? er kippte den apfelschnaps hinunter und egon tat es ebenso. luise allerdings nippte nur daran.

dann zeigte uns der wirt den keller. dort lagen sie, - die äpfel! gross und saftig waren sie und viele hatten ganz rote backen.

"darf ich mir einen apfel nehmen?" fragte herbert.

"greifen sie nur zu!", antwortete der wirt.

herbert griff nach dem grössten, biss herzhaft hinein und schrie laut auf.

er hatte sich, - das sah ich gleich -, einen zahn ausgebissen.

"muss man", fragte ich, "denn immer in alles sofort hineinbeissen, was wir sehen und uns "hungrig" macht?“

herbert hielt mir - mit kläglichem gesicht - seinen ausgebissenen zahn hin.

"ich lebe ja noch!",
war das einzige, was er sagte.

"sicher! du lebst! ... aber irgendwann recht zahnlos!"

jetzt mischte sich egon ein:

"im nächsten jahr lassen wir uns prothesen bauen, bevor wir ins "alte land" fahren!“

und luise klärte uns sofort darüber auf, dass es ihr schon in diesem jahr ganz unmöglich gewesen wäre, das kleine gürkchen vom „altenländer-teller“ wegzuknabbern, wenn sie nicht zu hause an das passende haftpulver für ihre zähne gedacht hätte.

das alles war so komisch, dass wir vor lachen bauchschmerzen bekamen.

(oder war es das essen?)

egal!

herbert lachte nicht. er nahm mich zur seite und zischte mir ins ohr:

"isch hab in meinem leben in die schüssesten äpfel gebischen!meinen zschan opfere isch gern für all diese schüssen genüssche! und wenn dir heute kein zschan fehlt, tust du mir leid, denn dann hascht du leider wasch verschäumt."

dann schwieg er.

bis heute - als er mich in meiner wohnung wütend zur rede stellte und dann die tür hinter sich zuwarf.

was mache ich jetzt?

ich trinke ein gläschen von dem schnaps, den ich mir aus dem „alten land“ mitgebracht habe, und denke dabei an rote backen, süsse äpfel, grosse sommer... und an den rausch, der ihnen folgt - und meistens mit kopfschmerzen endet!

was ist ein kopfschmerz gegen einen kaputten zahn?

also ging ich ans telefon und rief herbert an. den apfel-schnaps aus dem "alten land" wollte ich an diesem abend nun wirklich nicht allein austrinken!

01.10.2008 um 18:01 Uhr

mit KARIN zum tee!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

der plan war, einen "etwas anderen" reiseführer über ägypten zu schreiben - über die "klassische route" von kairo nach assuan. leider blieb das ganze ein projekt und ich schrieb nur einige - hoffentlich amüsante - geschichten über kairo und den besuch der pyramiden. irgendwann war mir anderes näher und ich bekam immer mehr abstand zu den geschichten. ich legte den plan einer fortsetzung zur seite. so ist das ganze fragment geblieben:

EIN TICKET NACH ÄGYPTEN - ODER: MIT KARIN ZUM TEE

22.08.2008 um 21:30 Uhr

eingelegte ZITRONEN!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

 ... ich freue mich, dass dieses rezept 1:1 eingang ins marokko-forum gefunden hat und dort gepostet wurde. die quelle ist indes nicht ganz korrekt benannt. nächstes mal muss ich da ein wenig strenger sein, was das copyright angeht ...  Sonstige wenn sich dort aber ein mitglied für das "ausführliche" rezept bedankt, gebietet es die fairness, auf den hinzuweisen, der das rezept ins netz stellte. aber warum sollte man nun gerade das von diesem NAJIB, der mein rezept benutzte und frech kopierte, verlangen? in diesem fall jedoch auch noch die community zu belügen ("das rezept stammt von einer alten frau"), entspricht auf peinliche weise dem bild, das man sich von diesem NAJIB seit langem gemacht hat.

auf den nordafrikanischen souks sieht man überall grosse gläser stehen, in denen zitronen in salz aufbewahrt werden. salz ist eine alte methode zur konservierung und die zitronen bleiben - darin eingelegt - drei monate und länger haltbar.

da wir sie in deutschland nur schlecht bekommen (höchstens einmal beim türken um die ecke), sollten wir selbst ans werk gehen und für unsere küche einige zitronen einlegen. für eine tajine mit huhn sind sie unerlässlich.

wer keine tajine-form zur hand hat, schmort das geflügel mit den zitronen ganz einfach im topf!

das alles ist ganz einfach!

wir besorgen uns ein kilogramm - selbstverständlich unbehandelte (!) und möglichst kleine - zitronen, die wir zuerst waschen und bürsten. danach werden sie senkrecht gevierteilt, aber so, dass sie am unteren ende noch zusammen hängen. wir falten sie auseinander und bestreuen sie innen mit je einem teelöffel groben meersalz (speisesalz tut es auch). danach werden sie zusammen gedrückt, so dass sie wieder wie eine ganze, heile zitrone aussehen. anschliessend füllen wir sie - fest und dicht beieinander - in ein grosses, sauberes weck-glas, das wir zuvor mit kochendem wasser ausgespült haben.

die gesalzenen zitronen stellen wir vier bis fünf tage an einen warmen ort, bis sich einige flüssigkeit angesammelt hat. sodann werden sie mit zitronensaft bedeckt. wir können stattdessen aber auch gesäuertes wasser nehmen. dazu besorgen wir uns in der apotheke zitronensäure und geben 1 1/2 teelöffel davon in 500 ml wasser. auf die oberfläche giessen wir schliesslich noch etwas öl, das die schimmelbildung verhindert. danach müssen wir das glas luftdicht verschliessen und an einem nicht zu hellen ort aufbewahren.

die flüssigkeit ist zuerst trübe, wird aber nach etwa drei wochen durchsichtig klar. jetzt können wir die zitronen weiter verwenden. sie haben einen erfrischend-milden geschmack angenommen und ihre weich gewordene schale schmeckt fruchtig-pikant. die flüssigkeit sollte übrigens nicht weggeschüttet werden, denn sie eignet sich besonders gut zum abschmecken von salatsaucen.

19.08.2008 um 20:01 Uhr

beschneidung - und wie PAULUS die sache sah!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

nach so vielen jahren gleicht eine homepage manchmal einer enzyklopädie. mit anderen worten: es gibt viele stichworte, zu denen man - wenn man möchte - eine erste (wenn auch kaum erschöpfende) antwort erhält. eines tages schrieb ich von der beschneidung und warum das christentum sich in einen schroffen gegensatz zum judentum brachte und die beschneidung von jungen (und nur davon war stets die rede) für die neue religion als nicht obligatorisch betrachtete ... ein trick, ersonnen von PAULUS:

busfahrten - wie die zurück nach porto banus - verkürze ich mir gern mit gesprächen. es gehört allerdings ein wenig glück dazu, damit sich auch der richtige zu mir setzt. in granada war es ein kleiner, dicker mann, der sich als katholischer pfarrer aus köln vorstellte. nicht viel später nahm er aus seiner jacke - sie war schwarz - ein schwarzes buch.

„grossartig“, sagte er und tippte mit dem zeigefinger auf den buchdeckel. „kennen sie paulus?“

ich kenne mich in der bibel nicht wirklich aus, hatte aber irgendwann einmal gelesen, dass einige bürger von damaskus paulus in einem weidenkorb von der stadtmauer hinab liessen. er war - kaum dass er getauft war und seinen alten namen „saulus“ abgelegt hatte - ins visier jüdischer häscher geraten, die wegen seiner predigten aufruhr und revolution fürchteten. so ein mann musste verschwinden.

das erzählte ich dem pfarrer, der freundlich zuhörte und dabei einige male mit der hand zärtlich über den rücken des schwarzen buches strich.

„paulus predigte nicht nur in syrien - er kam bis in die türkei und noch viel weiter“, unterbrach er mich und sein gesicht zeigte nichts weiter als grosse zufriedenheit. „ich aber suche nach den christlichen ursprüngen in spanien. sie wissen doch: die conquista und das alles entscheidende jahr 1492. aber weil wir gerade bei paulus sind: darf ich ihnen aus seinen briefen vorlesen? sie sind sehr interessant.“

ohne abzuwarten, was ich von seinem vorschlag hielt, schlug er das schwarze buch auf - dort, wo ein schwarzes lesebändchen zwischen den seiten lag.

die busfahrt von granada nach porto banus liegt lange zurück. ich weiss nicht mehr, was genau er mir vorlas. weil ich es aber vergessen habe, wird es mich nicht besonders beeindruckt haben.

überhaupt: dieser ausflug machte mich nicht glücklich. der pfarrer deklamierte mit unnötig pastoraler stimme aus der bibel  - und mir fiel ein, dass unter den christen ein grosser streit ausbrach, den es ohne paulus nicht gegeben hätte.

er wollte es nämlich nicht nur den beschnittenen juden erlauben, den christlichen glauben anzunehmen, sondern allen, die es wünschten. das sorgte für heftigen widerspruch. immerhin war jesus ein beschnittener jude gewesen. jetzt allen ungläubigen - die noch dazu unbeschnitten waren - die taufe zu ermöglichen, rüttelte am heiligsten willen.

der heiligste wille!

ich hätte den pfarrer gern unterbrochen und - nur damit er eine weile die bibel vergisst - gefragt, ob es gottes wille sein könne, dass eltern ihre kinder in höchste angst versetzen. ich biss mir aber auf die zunge und war froh, ihre spitze nicht abgebissen zu haben.

paulus suchte den glaubensstreit nicht aus religiöser überzeugung, sondern handelte aus politischem kalkül. denn ihm begegneten auf seinen missionsreisen viele menschen, die zwar bereit waren, den christlichen glauben anzunehmen, allerdings vor den konsequenzen erschraken und ihren leib vor jeglicher verletzung schützten wollten.

der pfarrer schlug mit aller sorgfalt eine weitere seite um - und las weiter.

paulus setzte sich schliesslich durch und weil bei der taufe kein blut mehr floss, verbreitete sich das christentum bald um das ganze mittelmeer.

wie stark die jüdische tradition war - und wie schwer, eine neue religion gegen die alte durchzusetzen - erfuhr nicht nur paulus, sondern auch - wenn auch viel später - mohammed, der deswegen die wichtigste jüdische regel unangetastet liess. er erklärte, dass auch muslims beschnitten sein müssen, weil der islam die besten traditionen der juden und christen vereint und in einer alles krönenden religion zur vollendung gebracht habe.

der pfarrer hielt das schwarze buch in einigem abstand. ich schloss daraus, dass er weitsichtig war - aber doch nicht weitsichtig genug, um meinen gedanken zu folgen, die an einem schwarzen würfel endeten, den in trance zu umrunden, die heiligste pflicht aller gläubigen ist und - gewiss, gewiss - direkt ins paradies führt.

keiner der mitreisenden mochte den pfarrer unterbrechen - immerhin: er las aus der bibel. sie dachten sich vielleicht, dass die busfahrt bald zu ende sein würde. schon hatten wir die küstenstrasse erreicht, die durch staubig-verschattete schluchten aus beton von malaga bis nach algeciras reicht. mich jedoch konnte dieser gedanke nicht trösten, zumal ich spürte, dass die sätze der bibel einen keil in meine erinnerungen trieben und dazu beitrugen, die bilder der alhambra auszulöschen.

wie war das, als christen mit den worten der bibel auf ihren lippen die stadtmauern granadas schleiften und die muslimischen mauren von der alhambra vertrieben? mit welchem recht schmieden menschen aus worten der nächstenliebe tödliche schwerter?

und warum um alles in der welt deklamierte ein katholischer pfarrer unbekümmert worte aus der bibel, während wir durch „al andalus“ - fuhren, das einmal das einzig wahre paradies auf erden genannt wurde?

ich spürte, wie es mir eng wurde, und meinte bald, mich gar nicht mehr bewegen zu können. eine seltsame starre erfasste mich, die vielleicht ähnlichkeit mit jener hatte, die sultan boabdil überfiel, als er - schon auf der flucht - ein letztes mal zur alhambra hinüber sah, und nicht wusste, ob ihre mauern im widerschein des letzten abendlichts glühten oder das blendende rot ein feuer war, das betrunkene spanische soldaten hinter den fenstern des palastes entfacht hatten.

ich war nach spanien gereist - aber nun geschah es, dass ich nicht mehr sagen konnte, wohin genau ich gekommen war. ich ahnte, dass sich meine starre erst lösen würde, wenn ich wieder zusammen bringen könnte, was - immer nur notdürftig kaschiert, zwischen buchdeckeln eingesperrt und mit vielen worten zerredet - auf der busfahrt von granada nach porto banus endlich auseinander gebrochen war: das misstrauische spiel, die verdrehten worte, die heiligen lügen, die hinterhältigen versprechen, die schamlose vertreibung und der billige triumph.

ich musste - und das schien mir überhaupt das dringendste zu sein - die perspektive wechseln und den spuren boabdils folgen, um seine schmerzen zu verstehen, die mich - nur wenig verwandelt - als lähmung erreichten.

als der bus vor meinem hotel in porto banus hielt, wünschte mir der pfarrer aus köln zum abschied „gottes segen!“ ich hätte lachen mögen - konnte es aber nicht.

GOTTES SEGEN IN AL ANDALUS - MEIN WEG NACH MAROKKO

13.08.2008 um 15:56 Uhr

SEHNSUCHTSZIELE!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

das war SANTORINI vor nunmehr 30 jahren. die fähren in der ägeis sahen damals noch ein wenig anders als heute aus ... aber sonst hat sich wenig verändert. bis auf die hunderttausend touristen, die einem von oben auf die köpfe schauen. aber das kann man ja vom schiff aus - und tief unten in der CALDERA - nicht erkennen ...

13.07.2008 um 18:08 Uhr

mit der KLM nach batavia!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

warum mich nun gerade heute das grosse fernweh packte, weiss ich nicht. während ich so am fenster sass und in den himmel schaute ... also dorthin, wo unsere reisewege sich machmal kreuzen, dachte ich an eine notiz, die ich einmal für meine homepage geschrieben habe:

1924 begann die KLM, - die kononklijke luchtvaart maatschappi (königliche luftfahrt-gesellschaft) -, mit ihren regelmässigen flügen von holland nach batavia. wenn man bedenkt, dass damals die fliegerei noch in den kinderschuhen steckte, war das ein wirklich staunenswertes unternehmen.

warum flogen sie gerade nach batavia?

die holländer trieben schon im frühen 17. jahrhundert einen lebhaften kolonialhandel.  führend war die „vereenigde oost-indische-compaganie“, die ausgedehnte handelsexpeditionen unternahm und 1603 in banten auf java einen stützpunkt errichtete. es ging um den handel mit gewürzen und hier vor allem mit pfeffer. 1611 entstand auf der insel die zweite niederlassung -
jayakarta.

1619 eroberte der handelsgouverneuer jan pieterzoon coen ganz java und machte die insel zur ersten niederländischen kolonie. aus der handelsniederlassung jayakarta wurde der ort „batavia“, der als hauptstadt den gesamten besitzungen der holländer in indonesien ihren namen gab.

so weit die geschichte!

der erste flug nach batavia sollte 22 tage dauern. wegen einer bruchlandung und einem motorschaden landete die fokker „pelikan“, die am 1. oktober 1924 in holland aufgestiegen war, jedoch erst am 25. november auf java.



immerhin, sie hatte ihr ziel erreicht. zum ersten mal konnten die holländer in der kolonie batavia briefe von zu hause lesen, die per luftpost befördert worden waren.

wegen der raschen entwicklung im flugzeugbau wurde die verbindung nach batavia im laufe der jahre immer schneller. eine technisch verbesserte fokker-maschine flog am 16. mai 1935 in schiphol los und erreichte batavia am 24 mai. eine rekordzeit!

schon 1934 hatten die holländer zusätzlich zur fokker eine douglas DC2 in dienst gestellt, die, ganz aus metall gebaut, schliesslich die fokker ablösen sollte. auf ihrem ersten - ausserplanmässigen - flug stürzte die DC2 jedoch in einem sandsturm über der syrischen wüste ab.

am 23. mai 1935 nahm ein neues flugzeug vom selben typ  den offiziellen liniendienst nach batavia auf. an bord waren 325 kilogramm post für die kolonie. am 31. mai landete sie in batavia, war also nur neun tage unterwegs gewesen.



im mai 1935 flog die KLM einmal in der woche nach batavia, im juni versah sie aber bereits zweimal in der woche den liniendienst in die kolonie.

diese flüge waren in erster linie für die postbeförderung gedacht. das flugzeug konnte jedoch auch fünf, später sogar sieben passagiere mitnehmen. ein grösseres gewicht liess der schwierige flug nicht zu. die passagiere durften 20 kilogramm gepäck bei sich haben.

die flugroute führte durch 18 länder, in denen zwischengelandet und getankt wurde.
also mussten für 18 länder visa beschafft werden. ausserdem mussten die passagiere und piloten übernachten, denn sie konnten nur bei tageslicht unterwegs sein. geflogen wurde täglich 10 stunden. an jedem zielort standen am ende des jeweiligen tages hotels bereit, in denen die passagiere essen und übernachten konnten.

jeden mittwoch und samstag startete ein flugzeug aus holland. im sommer ging es von amsterdam über leipzig und budapest nach athen. im winter flog die KLM über marseille in die griechische hauptstadt, wo das hotel „la grande bretagne“ auf die passagiere wartete.

am zweiten tag ging es weiter über das mittelmeer nach alexandria in ägypten. jetzt wechselten die piloten ihre uniformen und zogen den khaki-farbenen tropenanzug an. ausserdem bewaffneten sie sich, um im fall einer notlandung nicht ohne schutz zu sein.

die nächste station war gaza in palästina und dann flogen sie weiter nach baghdad. auf diesem abschnitt orientierten sich die piloten an den erdölleitungen in der wüste.

überhaupt flogen die piloten nur nach sicht, wobei sie sich anhand von mitgeführten karten orientierten. die waren in eine besondere vorrichtung eingehängt und konnten je nach bedarf ausschnittsweise weiter gerollt werden. die navigation nach instrumenten gab es zwar schon, sie war aber fehlerhaft und noch wenig ausgereift.


bushire               karachi

in bagdad, wo die temperaturen oft bei 50 grad celsius liegen, nächtigten die passagiere im „tigris palace“ und schlugen ihr lager am liebsten auf dem dach des hotels auf, - mussten sich aber unbedingt mit moskitonetzen schützen.

am dritten tag  flog man weiter nach karachi und jodphur. diese route war nur mit einem zwischenstopp zu bewältigen, der in jask gemacht wurde, - ein schmaler wüstenstreifen unweit des golfs von oman. dann ging es auf kürzestem weg nach karachi und schliesslich nach jodphur, wo nicht nur ein moderner flugplatz wartete (der maharadja war ein technisch sehr aufgeschlossener mann), sondern auch das „state hotel“ für die übernachtung.

am vierten tag hiess das ziel rangoon, das über calcutta und den bengalischen golf angeflogen wurde, wobei die piloten im sommer oft schwere regenwolken durchqueren mussten. das hotel „minto mansion“ in rangoon entschädigte für die ungemütlichkeit auf dieser etappe.

am fünften tag hiessen die ziele bangkok und singapur. wenn es ging, flogen die piloten auf dieser etappe sehr tief, damit die passagiere die riesigen elefantenherden beobachten konnten. im „sea-view-hotel“ in singapur wartete noch ein besonderer höhepunkt auf die passagiere. denn hier - es war der letzte abend der reise - fand das traditionelle  „captains dinner“ statt.

die letzte etappe von singapur nach batavia war relativ kurz. in palembang musste noch einmal treibstoff getankt werden und dann ging es in einer stunde bis zur insel java mit dem flugplatz tjililitan in batavia.

das ziel war erreicht.

09.07.2008 um 09:35 Uhr

ALL INCLUSIVE!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

„das hotel *palm beach* wurde strandnah und in ruhiger lage an einer der idyllischen buchten mallorcas erbaut. hier können sie einmal richtig ausspannen. denken sie bitte daran, sonnencreme und badeschuhe einzupacken, um den einzigartigen strand richtig geniessen zu können. ihr hotel liegt verkehrsgünstig und verspricht seinen gästen eine lebhaft-familiäre atmosphäre. deswegen ist das hotel auch bei jungen gästen sehr beliebt. landestypisch möbliert, verfügt es über eine zentrale klimaanlage, alle gästezimmer gehen zur meerseite. unser örtlicher reiseleiter ist für sie rund um die uhr da!“

was sich hinter dieser wundervollen beschreibung verbirgt, ist die reine katastrophe. wir müssen die prospekte der reiseveranstalter schon genau lesen (und mehr fantasie als sie entwickeln), um den tricks auf die spur zu kommen.

ALL INCLUSIVE

02.07.2008 um 09:32 Uhr

FLORENZ!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

 ... nein, es ist nicht die richtige zeit, im juli oder august nach florenz zu reisen. die stadt ist überfüllt und platzt aus allen nähten. zudem ist es heiss und staubig. viel schöner ist es, im mai oder september florenz zu besuchen ...

meine reise nach florenz liegt lange zurück - und ich habe nicht nur gute erinnerungen daran. das ist aber eine andere geschichte. sie gehört hier nicht her. vielleicht sollte ich sie einmal aufschreiben. aber - man unternimmt ja nicht freiwillig einen abstieg in die hölle.

nein, florenz ist prächtig ... und wenn ich damals trüben sinns durch die strassen lief, hatte das nichts mit der stadt zu tun. genug davon!

der strassen labyrinth
der häuser zinnenwehr
wo alle unsere träume sind
so leicht, so schwer...

hier wollten wir uns lieben
und immer beieinander sein
doch alle träume blieben
ein schatten nur vom schein

im glanz des abendlichts
steh´n zinne, dach und turm
es blieb von diesen jahren nichts
als wilder herzenssturm...

ich sehe dich dort unten
durch strassen gehn und gassen
bist du mir auch entschwunden
so bin ich nicht verlassen

hier waren wir, so ganz und gar,
im hellen sonnenlicht
ein menschenpaar, ein liebespaar
und ich vergess es nicht.

florenz in jenen jahren,
war reisen nur ins licht,
und wenn da fragen waren,
dann fragten wir sie nicht.

die antwort habe ich bekommen
viel später erst, und wie im scherz
und dachte sehr beklommen:
vielleicht zu heiter, dieser schmerz!

der strassen labyrinth
der häuser zinnenwehr
wo alle unsere träume sind
so leicht, so schwer...

florenz, - das war die ewigkeit,
die unverbrüchlich grosse lieb´,
dann hat es mir ins herz geschneit
dass kälte nur noch blieb.

jetzt bin ich wieder hier
recht müde zwar und alt und grau
und dennoch ist es mir,
wenn ich zu jenem hügel schau ...

als sässest DU dort, ganz alleine,
ein menschenkind in trauer.
gestatte, dass ich mit dir weine,
denn jede strasse, jede mauer

birgt unser glück
und hält es geizig fest
wir wissen doch, dass dem zurück
das leben keinen ausweg lässt .

im glanz des abendlichts
steh´n zinne, dach und turm
es blieb von diesen jahren nichts
als wilder herzenssturm...

so lass uns doch hier traurig sein,
entfernt, und so ganz nah
wir machen uns den wundersamen reim
auf das, was unsere liebe war.

im welten labyrinth
und lebens zinnenwehr
wo alle unsere träume sind
so leicht, so schwer...

26.06.2008 um 09:49 Uhr

jeder kickt sich ins FUSSBALLGLÜCK!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

jeder kickt sich zur zeit in sein eigenes fussballglück. gibt es überhaupt ein volk, das noch fussballbegeisterter ist als die marokkaner?

19.06.2008 um 21:14 Uhr

anflug auf AGADIR!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

ein flug über marokko ist einzigartig. vor allem der flug über den hohen atlas nach agadir ist unvergesslich.

... kaum hat unser flugzeug den atlas erreicht, müssen wir unsere sicherheitsgurte anlegen. das flugzeug geht in den sinkflug und verliert schnell an höhe.

moritz beugt sich zum fenster.

„gleich landen wir auf den bergen,“ ruft er, als das flugzeug so dicht über die gipfel hinwegfliegt, dass es fast ihre spitzen abrasiert.

„gleich wird der haarföhn eingeschaltet!“

„wieso denn das!“

wir rasen durch einen wettertunnel richtung agadir. ein mächtiger sturm bläst uns die wolken entgegen und schüttelt das flugzeug durch.

dann sind die berge schon hinter uns und wir fliegen in die souss-ebene. aber das flugzeug hat alle mühe, hinunter zu kommen, denn vor uns versperrt nun der antiatlas das tal.

“jetzt pass einmal auf, moritz! bist du schon einmal achterbahn gefahren?“

er nickt sehr ernst.

„dann wird dir das, was jetzt kommt, nicht neu sein!“ lache ich.

nun beginnt der höhepunkt eines jeden flugs nach agadir! das flugzeug neigt sich in eine mächtige rechtskurve. jetzt nur nicht aus dem fenster schauen! einmal ist es der himmel, den moritz und ich sehen, dann die erde, auf der wir noch nicht gelandet sind!

viele steile kurven und das flugzeug steht immer wieder fast senkrecht in der luft.

„wie viele kurven denn noch?“ stöhnt moritz.

„sehr viele!“

es ist, als hätten wir uns zu einem kunstflugwettbewerb angemeldet. allerdings würde ich mir dieses spektakel lieber von unten aus betrachten. eine letzte steile kurve noch, dann sehen wir schon ganz nah die olivenbäume, orangenhaine, die kleinen lehmigen häuser und die verbrannten felder.

moritz packt schnell seine malsachen ein. "jetzt wird es noch mal spannend", ruft er. unser flugzeug jagt auf die rollbahn und unglaubliche kräfte müssen gezügelt und gebremst werden. schon klatschen die mitreisenden erleichtert beifall. zu früh, denke ich, denn das ist nun wirklich der gefährlichste teil des flugs. auch moritz sieht mich skeptisch an. wir haben uns verstanden.

"ich wünsche dir eine gute zeit in marokko", ruft er mir zu und schultert seinen rucksack.

"ich wünsche dir auch alles gute, moritz".

dann ist er fort.

als ich das flugzeug verlasse, schlägt mir der heisse atem nordafrikas ins gesicht. ich gehe über das sonnenwarme rollfeld zum flughafengebäude.

"monsieur, ihren pass bitte !"

ich war in marokko angekommen!

und so lesen wir dann das ganze (völlig uninspiriert) an anderer stelle im internet:

ANFLUG AUF AGADIR

02.06.2008 um 18:20 Uhr

weil aber MAROKKO ...

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

weil aber marokko zuerst einmal ein schönes land ist, das unglaublich viele bilder bereit hält, von denen eines so überraschend wie das andere ist, wandern wir einfach einmal durch eine lehm-kasbah im süden des landes - dort wo es still ist und wir hinter den türen nur leben vermuten können, weil sich das leben vor uns zurück zieht ... und es manchmal besser ist, nicht weiter vorzudringen, sondern umzukehren.

19.05.2008 um 18:14 Uhr

reden wir mal ... vom WETTER!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

das wetter in bremen ist zur zeit ganz eigenartig. von einem stahlblauen himmel scheint die sonne - dennoch ist es nicht wirklich warm. ich würde sagen: es ist für diese jahreszeit viel zu kalt. das liegt an der nordmeerströmung, die - begünstigt durch ein hochdruckgebiet - kalte luft in den norden deutschlands schaufelt.

das wirklich besondere an dieser wetterlage ist die fast durchsichtige luft. nichts verschwimmt in flirrender hitze, nichts löst sich auf und verliert seine kontur. alles ist vielmehr deutlich voneinander geschieden - nebeneinander und hintereinander.

womit ich glücklich dort angekommen bin, wohin ich wollte: auf den weg zum TOUBKAL:

an diesem tag scheint die sonne von einem wolkenlos blauen himmel. die klare luft im hohen atlas ist erfrischend leicht und von einzigartiger durchsichtigkeit. die landschaft, häuser, menschen und tiere wirken, als habe man einer fotografie den grösstmöglichen kontrast gegeben und die leuchtkraft der farben noch um einige grade gesteigert. die berge rücken zum greifen nah heran und wirken mit ihren verschneiten gipfeln vor dem tiefblauen himmel wie weisse scherenschnitte. keine flirrrende hitze lässt die grenzen der dinge im dunst verschwimmen - alles steht fest umrissen neben- und hintereinander, weitet sich zu klaren, strukturierten panoramen und staffelt sich in scharfen linien bis zum horizont.

die sonne - sie steht zur mittagszeit auch im oktober fast im zenith - wirft kaum schatten, lässt das grün der bäume und das rot, violett und gelb der blumen leuchten, legt sich als silbernes band über die olivenhaine und spielt mit den funkelnden wellenspitzen der bäche.

immer wieder hielt ich an, um das alles - beeindruckt und staunend - zu betrachten. diese, sich im hohen atlas vor meinen augen entfaltenden bilder gehören für mich zu den schönsten in marokko.


HIER GEHT ES ZUM REISEBERICHT

10.05.2008 um 22:04 Uhr

BONBONS - und einige fragen!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

es ist eine sehr ernst zu nehmende und wunderbare kunst - eine kunst allerdings, die fast an zauberei grenzt, und deren tricks und kniffe wir oft erst nach langer zeit durchschauen -, aber immerhin: eine grosse kunst, die zeit anzuhalten. und es wäre ein kunststück ganz besonderer art, an diesem oktoberabend hier in rissani die zeit still stehen zu lassen.

aber vielleicht wäre der preis des immerwährenden glücks unser grösstes unglück. wer weiss das schon!

und deshalb ist womöglich die verwandlung das ziel!

es kann ja sein, dass wir alle in anderer gestalt neu und wieder geboren werden. wenn ich dann aber der bonbon-verkäufer am eingang des souks bin, mit einem tablett auf den knien und den abgezählten süssigkeiten darauf, dann möchte ich allah doch bitten, dass alle bewohner rissanis ihre bonbons nur bei mir kaufen. ob aber allah meine wünsche hört? vielmehr noch: ob er sie auch im gedächtnis behält? wer weiss das schon!

05.05.2008 um 20:41 Uhr

keine pläne - zehn jahre VORAUS!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

roland schreibt dies als kommentar und zitiert:

“Könnte ich mein Leben nochmal von vorn beginnen, würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde albern sein, würde ganz locker werden, nur noch ganz wenige Dinge ernst nehmen. Ich würde entschieden verrückter sein und weniger korrekt. Ich würde mehr Gelegenheiten beim Schopf ergreifen und öfters auf Reisen gehen. Ich würde mehr Berge ersteigen, mehr Flüsse durchschwimmen und mehr Sonnenaufgänge auf mich wirken lassen. Ich würde mehr echte Probleme und weniger eingebildete Nöte haben. Nun, ich hatte meine verrückten Augenblicke, aber wenn ich nochmal von vorn anfangen könnte, würde ich mehr verrückte Augenblicke haben. Genau gesagt: einen Augenblick nach dem andern und keine Pläne zehn Jahre voraus.“

George Luis Borges

mein eigener - vorsichtiger - kommentar: 

Vor errachidia stieg ich aus meinem auto und stand in der wüste.

ein weiter, leerer raum aus steinen.

es war still, beängstigend still. nirgends könnte es stiller sein als in der wüste.
was willst du hier? fragte ich mich. es fielen mir die worte meiner mutter ein: was findest du so schön an der wüste?
das war, als ich zum ersten mal nach marokko fahren wollte und ihr von meinen plänen erzählte. afrika war für meine mutter
eine einzige, grosse wüste. in der stand ich jetzt und fragte mich.

ich fand keine antwort.

natürlich hätte ich sagen können: die gewaltige landschaft, die hohen berge in der ferne, das licht und die farben,
die kette kleiner oasen, die ungeheure stille, die einsamkeit, der durst ...

ich sagte es nicht. ich konnte es nicht sagen. stattdessen stieg ich zurück in mein auto und wusste nur eines: jetzt fahre ich nach errachidia,
dann nach erfoud und dann ... erst dann werde ich weiter nachdenken.

es wäre vielleicht klug, unsere fragen - an die welt, das leben und an uns - aufzuteilen: in überschaubare ziele,
die wir in tages-, wochen- oder monatsfrist beantworten können. denn andere, grössere distanzen übersteigen unser vorstellungsvermögen
und tun unserer seele nicht gut. sie machen viel zu oft verzagt und manchmal auch schwindelig.

es ist wie bei verliebten.

wenn sie versprechen, sich in tages- oder wochenfrist wieder zu sehen, ist alles gut.
aber wehe, aus den wochen werden monate oder gar jahre. dann stirbt die liebe - oder wird doch auf eine harte probe gestellt.

wir sind nicht geschaffen für die ewigkeit, sondern für den augenblick, der aber - wenn wir es richtig bedenken - eine
viel umfassendere ewigkeit ist.

Ich sage es einmal so: unser herz kennt keine zeit, nur menschen und orte,

bei denen es verweilen möchte.

05.05.2008 um 08:29 Uhr

SANDSTURM in kairo!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

sandstürme in nordafrika sind erschreckend - und faszinierend, wenn man ihnen nicht unmittelbar ausgeliefert ist. einen sandsturm erlebte ich einmal in kairo. der himmel wurde erst gelb und dann schwarz. die luft war von feinem staub erfüllt. es war mittag und dennoch senkte sich nacht über kairo. die menschen sollten in den häusern zuflucht suchen, um nicht zu ersticken. der verkehr, der in kairo besonders chaotisch ist, kommt zum erliegen. die ganze stadt erstarrt und liegt bald unter einem gelben leichentuch. später erzählte man mir, dass der sandsturm mehrere opfer gefordert hatte.

ich habe dieses erlebnis irgendwann in einem gedicht verarbeitet:

Schmutzige stadt
die luft schwarz vom diesel und dem gejammer der menschen
eine katze wird so lange überfahren
bis sie nur noch schwarzer asphalt ist

auf dem fluss treiben ein halber grauer esel
drei nike-turnschuhe
schwarze plastiktüten

die hier nie fehlen dürfen

manchmal verfinstert sich der himmel
am hellen tag - erst gelb dann schwarz
es regnet sand und verstopft
die klimaanlage des toyota von
mohammed

warum heissen in kairo alle mohammed?
warum sind in kairo alle so stolz auf ihren toyota?

die hitze verbrennt
die gummidichtungen der motoren
keiner hupt, alle warten
die ampeln blinken rot

nur rot

es ist so still

alle stehen in der stille
die hitze und der sturm
legen eine gelbe decke aus sand

über alles

es ist heiss
die wüste dahinten
trägt glühenden sturm in die stadt
alle warten jetzt noch auf die heuschrecken
und die anderen sieben plagen

oder sind es neun?

kommen über die stadt
die keucht und sich krümmt
sand spuckt

keine luft mehr hat

das geht nicht gut
denkt mohammed in seinem toyota
als drei schwarze plastiktüten

vom sturm getrieben und wie fledermäuse
an seiner windschutzscheibe
vorüber flattern

er fällt auf sein steuerrad

endlich hupt wieder ein auto
in dieser sturmstille aus sand

warum gibt es so viele
toyotas in kairo?

und:

warum hupt nur ein einziger toyota in kairo
wenn ein mensch stirbt?

04.05.2008 um 17:33 Uhr

sonntag in TATA!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

03.05.2008 um 20:02 Uhr

warum ich von MAROKKO nicht lasse!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

als ich mich im souk von tetouan verlor, vergass ich alle traurigkeit und alle mutlosigkeit. der geruch von minze und rosenblättern verwandelte mich.

ich will hier nicht viel davon erzählen, welches grauen mich packte, als ich von ceuta nach marokko einreiste! ich sah so viele marokkaner, die dicht an dicht und in langen schlangen auf ein tagesvisum nach spanien warteten.

wir touristen glotzten aus den fenstern unseres busses und verstanden nichts!

tetouan ist ein labyrinth aus schattigen gassen. ich sah grosse türen, die sich mir nicht öffneten. neben den grossen türen waren viele kleine türen. unser reiseführer erklärte uns, dass hinter den grossen türen reiche menschen wohnen. und wo reiche menschen sind, suchen arme menschen schutz und brot. daher die vielen kleinen türen neben der einen grossen tür!

ich ging wie durch einen traum. immer wenn uns gesagt wurde, dass wir einen souk besuchen wollten, wurde mein herz gross. es wurde blutend rot!

die farben! jede farbe ist in marokko durchmischt von erde.

das rot ist erd-rot. das gelb erd-gelb und das grün erd-grün. über allem liegt das licht, das eine unvorstellbar grosse, helle sonne auf die erde wirft.

mein herz ist in marokko immer erd-rot. ich weiss das inzwischen!

wenn ich mittags aus der kühle des souks auf die offene strasse trete, trifft mich das licht im scheitel meines kopfes. wenn ich jetzt keinen schatten finde, verbrenne ich!

in marokko möchte mein erd-rotes herz immer verbrennen! es löst sich aus meiner brust und spielt mit licht und schatten! es lehrt mich, dass das leben nicht aus einer sonne lebt, sondern aus tausenden und abertausenden sonnen.


manchmal fängt sich ein sonnenstrahl in einem rosenblatt und verströmt einen wunderbaren duft, - dann ist das rosenblatt zu einer sonne geworden.

ich weiss: dieses land ist klar, deutlich und einfach - wie das herz des menschen. es hat fragen, erwartet eine antwort und will nicht betrogen sein.

die sonne, der schatten, der hunger, der durst, ...

wie die sonne über mittag keinen schatten mehr wirft, so soll mein herz sein ...

ein herz ohne schatten!

30.04.2008 um 20:10 Uhr

rolf, herbert ... und der 1. mai!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

natürlich hat auch rolf einiges zu berichten, wenn es um den 1. mai geht. irgendwann hat er sogar aufgeschrieben, wie er mit herbert und seinem bridge-club in den mai tanzte. das alles liest sich - ich gebe es zu - ein wenig trostlos:

HERBERT UND ICH - TANZEN IN DEN MAI

28.04.2008 um 23:12 Uhr

PALÄSTINA und die juden!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

historische winkelzüge und fehler - gar irrtümer - rächen sich. das war immer so und in palästina nicht anders. die von den engländern gegebene zusage, juden in palästina eine „heimstatt“ zu geben, entsprang nicht besonderer sympathie, sondern gründete sich allein auf machtpolitisches kalkül.

die balfour-deklaration, von der in dieser notiz so viel die rede sein wird, präjudizierte entscheidungen, die niemand voraussehen konnte und für palästina verhängnisvoll waren. ein kalkuliertes und dennoch leichtfertiges versprechen stürzte eine ganze region ins unglück. es wird dabei bis heute gern übersehen, dass der jüdische "zionismus" nur eine variante des am ende des 19. jahrhunderts allgegenwärtigen kolonialismus war. auch die juden nahmen sich, worauf sie meinten, ein recht zu haben. sie taten mithin nur das, was ihnen die imperialen mächte europas vormachten.

es vergeht seitdem kein tag, an dem palästina nicht schlagzeilen in der weltpresse macht. und doch ist dieses land so klein, dass wir es in wenigen minuten überflogen haben. berge, wüsten, karges land, die mittelmeerküste ... weiter nichts.

unter dem eindruck des „holocaust“ müssen wir das versprechen englands gegenüber den juden - sie nämlich bei der gründung eines eigenen staates in palästina zu unterstützen - indes neu und anders bewerten. für abertausende wurde diese zusage aus dem jahr 1917 nur wenige jahre später zur rettung. in palästina fanden juden zuflucht und schutz. die erschütternde dynamik des tatsächlichen - die verfolgung und der tod von sechs millionen menschen in den gaskammern deutschlands - revidiert schliesslich den historischen fehler.

gleichwohl kann sich kein fehler in sein gegenteil verkehren und niemand soll so tun, als hätte er - als die zionisten nach einer „heimstatt“ für ihre glaubensbrüder suchten - schon alles voraus gesehen. wer so redet, vergisst die ungerechtigkeit, die den palästinensern angetan wurde.

immerhin ist es ihr land, das ihnen genommen wurde - ihr land deswegen, weil dort generationen ihrer leute gearbeitet haben und somit das feld, der acker, sogar die wüste zu ihrem eigentum geworden sind. sie leben dort - traurig, mühselig, glücklich, wie auch immer - seit nunmehr 2000 jahren, bedrängt, unterjocht und versklavt von immer neuen „herren“, aber - und das ist viel wichtiger - mit eigener sprache, eigenen sitten und einem gemeinsamen gedächtnis.

kein fehler der geschichte verkehrt sich irgendwann in sein gegenteil, nichts krummes wird wieder gerade - aber vielleicht kann die erkenntnis, betrogene der weltgeschichte zu sein, am ende palästinenser und juden zusammen schweissen ...

aufrecht und stolz

... angesichts des erlittenen unrechts und des immer wieder - selbst in ihren eigenen reihen - aufscheinenden bösen willens zur vernichtung.
 

24.04.2008 um 21:10 Uhr

ALEXANDRAS erlebnisse in marokko!

von: rolf   Kategorie: **von meiner homepage!

es ist schon eine weile her, dass ich den bericht von alexandra im internet las - wo sie auf so furiose weise davon schrieb, verliebt in einen marokkaner zu sein. inzwischen hat alexandra in marokko geheiratet - ihre schilderungen im internet (sie gab mir die erlaubnis, ihre erlebnisse auf meiner homepage zu veröffentlichen) waren also nur der auftakt zu einer hoffentlich wundervollen liebesgeschichte.

zu diesem bericht erreichen mich viele anfragen. frauen möchten zu alexandra kontakt aufnehmen, weil sie nicht alles rosarot, sondern durchaus kritisch -letztenendes aber in grösster liebe zu dem mann, dem sie sich zugehörig fühlt - aufgeschrieben hat.

hallo alexandra! ich bitte dich, mir deine mailadresse zu schicken, damit ich sie an die frauen, die deinen bericht - so wie ich - begeistert gelesen haben, weitergeben kann. sie fragen danach - und ich kann das gut verstehen.

ALEXANDRA IN MAROKKO