KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

24.07.2007 um 19:21 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! 12. teil (schluss)

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elvira war entzückt, als sie alis worte hörte. sie konnte es nicht fassen. kaum war sie in tunesien angekommen, durfte sie schon ans heiraten denken, konnte sich also hoffnungen machen, endlich eine maus fürs leben gefunden zu haben.

ali liess auch keinen zweifel daran, dass alles schon vorbereitet und arrangiert war. „meine familie wartet auf die liebe elvira - mama ist gespannt auf ihre schwiegertochter“.

er drängte, sofort mit ihm aufzubrechen.

die verwirrend-verwinkelten wege des souks, durch die sie liefen, erschlossen sich elvira auch dieses mal nicht. aber weil ali bei ihr war und ihr den weg durch die schmalen und schmalsten gassen wies, hatte sie keine angst, sich zu verirren. „im übrigen“, dachte sie, „ist dies meine neue heimat. wie schön der souk doch ist ... überall etwas zu essen und so viele mäuse, mit denen ich plaudern kann ... wenn ali es doch nur nicht so eilig hätte!“

plötzlich fasste er sie an der schulter. „wir sind am ziel!“ elvira war überrascht, vor dem eingang einer bäckerei zu stehen. „lebt hier deine mama?“, fragte sie ungläubig.

„nicht nur mama - auch pappa, meine dreizehn brüder und neunzehn schwestern, zehn onkel, fünf omas, eine entferntere maus, die eine schwester der cousine meines opas aus zweiter ehe sein soll - und dann noch liebe freunde und freundinnen von überall her. manche bleiben zwei, drei tage, andere länger - je nachdem.“

„sie leben alle in dieser bäckerei?“ fragte elvira und war verwirrt, zugleich aber auch erleichtert, denn es schien, als würde sie sich wegen der heirat nicht wirklich verschlechtern. „bäckerei bleibt bäckerei!“ stellte sie befriedigt fest.

sie traten ein - und elvira schaute in die fröhlichen gesichter unzähliger mäuse, die kichernd auf kleinen roten kissen entlang der wände sassen. elvira begrüsste alle und das händeschütteln nahm kein ende. es wurde geküsst, umarmt und geherzt ... sie fühlte sich schon nach kurzer zeit in den schoss der familie aufgenommen.

nachdem sich elvira allen vorgestellt hatte, jedoch kapitulieren musste, als ali ihr danach die verwandtschaftsverhältnisse der tunesischen mäuse erklären wollte, zog alis mutter sie in eine ecke der backstube und zeigte ihr die vorräte an mehl und zucker. „wir sind eine reiche familie“, erklärte sie stolz und liess mehl durch ihre pfoten rieseln. „das alles wird mein sohn ali einmal erben.“

elvira brauchte nicht viel fantasie, um sich vorzustellen, wie sie schon bald, ein stück kuchen essend, auf einem grossen sack mehl sitzen würde, um von oben herab die arbeit ihrer bediensteten zu überwachen.

„zucker, rosinen und nüsse ...“, lächelte alis mutter und klopfte auf drei kleine säcke. „das ist unsere mitgift ...

... was bringt denn meine liebe schwiegertochter mit in die ehe?“

elvira war auf die frage nicht gefasst. sie besass nichts auf der welt - oder doch nur das wohnrecht in ihrer staubigen, dunklen bäckerei daheim.

es war ali, der sie an diesem tag zum zweiten mal aus einer peinlichen situation befreite. sie war ihm deswegen dankbar und überzeugt, dass er nicht nur der fähigste animateur, sondern auch der beste ehemann tunesiens war. wer einer frau so selbstlos beisprang, musste als ritterlich, äusserst gut erzogen und wirklich charmant gelten.

ali antwortete seiner mama:

„das ist schon alles besprochen. onkel hassan übernimmt die bäckerei von elvira - und verkauft noch heute seinen anteil an unserer bäckerei an deine schwiegertochter.“

elvira verstand nicht, was ali sagte. es war ihr einfach zu kompliziert.

wer verkaufte hier wem ... wo ...was ... wann?

sie war jedoch dankbar, dass er ihr aus einer so unangenehmen situation geholfen hatte. deswegen nickte sie zu dem, was ali sagte, und bestätigte:

„ja, es ist alles schon besprochen ...!“

insgeheim fragte sie sich allerdings, wann das eigentlich gewesen sein sollte.

schon humpelte eine maus heran, die nur noch auf drei beinen lief. „ich bin onkel hassan - hier ist der vertrag. ich reise noch heute“. er reichte elvira ein stück papier und einen stift. elvira unterschrieb und dachte darüber nach, welches unglück den onkel getroffen haben mochte. als er sich hinkend entfernt hatte, fragte sie ali.

„oh, das ist eine schlimme geschichte. onkel hassan war wie ich animateur im hotel „la plage“. damals gab es aber noch keine schwimmwesten, nur die katze ... du weisst!“

„wie grässlich!“ elvira schüttelte sich.

ali liess seine zähne blitzen. „es war ein schlimmer kampf. zehn touristenmäuse und ein bein blieben beim seilhüpfen auf der strecke. aber dir wird nichts passieren. wir gehen jetzt am strand spazieren!“

elvira schaute ihn ungläubig an. „ich denke, wir feiern hochzeit!“

ali war verlegen. „das ist völlig richtig, meine liebe. aber in tunesien ist es üblich, dass die familie ohne die brautleute feiert.“

(wie konnte er elvira auch sagen, dass die mäuse, die er angeheuert hatte, damit sie für kurze zeit als seine familie auftraten, schon bald in den gassen des souks verschwunden sein würden und die rechtmässigen besitzer der bäckerei, die sich den schwindel teuer bezahlen liessen, in kürze wieder auf den säcken voller mehl sassen?)

elvira wusste von alledem nichts, hatte nur einige mühe, sich an den gedanken zu gewöhnen, auf ihrer eigenen hochzeit nicht anwesend zu sein, entschied dann aber, dass darin durchaus eine logik zu erkennen war:

weil sie mit eigener verwandtschaft nicht aufwarten konnte, musste auch sie nicht unbedingt bei ihrer hochzeit dabei sein - höchstens vielleicht ihre freundin yvonne.

„wo eigentlich ist yvonne?“ fragte sie lauter, als sie es wollte.

weil tunis - wie alle orte im orient - tausend ohren und augen hat, antwortete ali, als hätte er nur auf die frage gewartet: „am strand - in ihrem schönen, neuen bungalow!“

***

elvira trippelte - bei ali untergehakt - über die promenade, bis sie am strand einen roten blechcontainer stehen sah, vor dem ihre freundin yvonne sass. so trafen sich die beiden freundinnen wieder.

„was tust du vor dieser komischen blechkiste?“ fragte elvira. „ich geniesse das leben, wenn du es genau wissen willst. im übrigen ist diese blechkiste ein sommerhaus - mein sommerhaus.“

ali sah, weil sich die freudinnen so viel zu erzählen hatten, die gelegenheit gekommen, sich aus dem staub zu machen. „die damen haben wohl einiges miteinander zu besprechen. dann also adieu!“

elvira war verdutzt. „wohin willst du?“

ali lief in richtung der souks davon und rief, bevor er in der kanalisation verschwand: „ich muss zu meiner hochzeit!“

elvira stutzte und dachte angestrengt nach. „sie haben mir etwas falsches erzählt!“, sagte sie dann. yvonne wollte es genauer wissen. „was haben sie dir erzählt?“

„ali hat mir erklärt, dass es in tunesien nicht üblich ist, die brautleute zu ihrer hochzeit einzuladen. das kann aber nicht stimmen. der bräutigam ist offensichtlich immer dabei - sonst hätte es ali jetzt nicht so eilig.“

die sonne senkte sich hinter den horizont und warf letzte strahlen über das rotfunkelnde meer. elvira und yvonne sassen im warmen sand, sahen den möwen zu, die sich nach eigener melodie dem wind überliessen, und erzählten sich ihre erlebnisse. als die dunkelheit über tunis hereingebrochen war und sie nicht mehr damit rechnen konnten, dass yussuf oder ali ihnen gesellschaft leisten würden, gingen sie in den container, legten sich auf die fleckige decke und sannen noch eine weile über ihr glück nach.

„hättest du es für möglich gehalten, dass ich meine staubige bäckerei einmal verlassen würde, um in tunesien ali und eine viel schönere bäckerei zu heiraten?“ fragte elvira.

„wäre es dir je in den sinn gekommen, dass ich meine traurige speisekammer mit einem haus am strand von tunis tauschen könnte - dazu mit der aussicht, bald von yussuf geheiratet zu werden?“ fragte yvonne.

als elvira dies hörte, bemerkte sie maliziös: „was soll yussuf schon anderes tun? die auswahl ist nicht mehr gross. ich bin nämlich bereits glücklich mit ali verheiratet.“

yvonne ärgerte sich über ihre freundin und gab mit spitzer stimme zurück: „ali ist ein schöner mann - aber ein hässlicher wie yussuf ist treu.“

sie hätten noch lange diese art gemeinheiten ausgetauscht, wenn sie nicht plötzlich aufs schlimmste durchgeschüttelt worden wären. sie hörten knirschende geräusche, ihr container schwankte erst nach rechts, dann nach links, drehte sich um die eigene achse, schnellte in die höhe, und stürzte gleich darauf mit einem ohrenbetäubenden knall so heftig auf einen metallenen untergrund, dass elvira und yvonne von einer ecke des containers in die andere geschleudert wurden.

„was geschieht hier?“ keuchte elvira und sprang zurück auf die fleckige decke. sie kam jedoch sofort wieder ins rutschen, wobei es auf der decke nur um so rascher von einer ecke in die andere ging.

yvonne griff durch den spalt in der blechwand, den sie immer noch für ein fenster hielt und sah mit entsetzen, was passierte. „sie verladen das haus. elvira - sie bringen uns fort.“

der lkw hatte den container vom strand gezogen, huckepack genommen und brachte ihn zum hafen. dort wartete bereits die „star adventure“, um die fracht an bord zu nehmen. noch vor morgengrauen verliess das schiff tunis in richtung rotterdam - mit hunderten von teils gefüllten, teils leeren containern.

viele wochen später gingen zwei mäuse in holland heimlich von bord eines schiffes und machten sich auf den langen weg zur deutschen grenze. auf halbem weg dorthin fragte die eine maus die andere: „wohin gehen wir eigentlich?“

„du in deine bäckerei und ich in meine speisekammer.“

„aber erinnere dich doch: das alles haben wir verkauft. in der bäckerei sitzt jetzt hassan und die speisekammer gehört sadik.“

mit erschrecken erkannten die beiden mäuse, dass sie genau so staatenlos geworden waren wie damals die tausend mäuse beim grillen am strand von tunis.

sie setzten sich an den strassenrand und waren ratlos. „was tun wir jetzt?“

sehr lange mussten sie über die frage jedoch nicht nachdenken, denn plötzlich sagte die eine maus:

„ich werde ein buch über tunesische männer im allgemeinen - und über ali und yussuf im speziellen schreiben. alle welt soll erfahren, was wir längst wussten: dass sie elende betrüger und schlimme halunken sind.“

„und was tue ich?“ fragte die andere maus - immer noch ein wenig ratlos.

„du wirst eine witwenrente beantragen. immerhin hast du auf traurige weise eine kapitänsmaus im portwein verloren!“

ENDE

17.07.2007 um 19:03 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! elfter teil

wie immer - auch auf meiner homepage - der 11. teil!

elvira war beeindruckt. mohammed sprang so leichtfüssig übers seil, als hätte er ein leben lang nichts anderes getan. sie war schon bald überzeugt, dass er der beste animateur tunesiens war. mohammed sprang nicht nur - er wippte und trippelte mit den füssen, winkelte und spreizte die beine. er verknotete sich auch nicht im seil, das er schwungvoll und elegant um sich kreisen liess.

„das könnte ich nie!“ dachte elvira, als mohammed hoch in die luft sprang, das seil über seinen kopf warf, es wieder auffing und tänzelnd darüber hüpfte. „es ist wie im zirkus!“

sie klatschte begeistert beifall, wehrte aber entschieden ab, als er sie aufforderte, selbst einmal über das seil zu springen. „das überlasse ich dem wunderbarsten animateur, dem ich jemals begegnet bin.“

ihre worte überraschten sie allerdings, denn vor ihren augen war zuvor noch nie eine maus übers seil geprungen. sie hatte also gar keine möglichkeit zu vergleichen, ob die leistung mohammeds eines animateurs würdig war. sie musste überdies zugeben, dass sie überhaupt wenig kenntnisse von dem hatte, was ihr in tunesien begegnete. sie wischte ihre zweifel jedoch mit einem „ach, was - gehüpft ist wie gesprungen“ zur seite, zumal das ganze ja doch „nur zirkus“ war.

der vormittag nahm - von ihr ersehnt, aber nicht unbedingt erwartet - eine wende vom sportlichen ins romantische, als mohammed ihr tief in die augen schaute und fragte: „trinken wir nach dem seilhüpfen noch eine limonade?“

elvira ahnte, dass es mohammed nicht leicht gefallen war, ihr diese frage (die doch eigentlich eine einladung war) zu stellen. immerhin lagen welten zwischen einem tunesischen animateur und einer europäischen maus. dies einfach zu ignorieren, war so mutig wie frech.

„ ... aber auch so mutig wie männlich“, dachte elvira.

sie sassen zu füssen der poolbar und mohammed erzählte aus seinem leben als animateur. elvira kicherte fortwährend und wusste nicht warum. bei der zweiten limonade nahm er ihre pfote, bei der dritten legte er seine pfote um ihre schulter, bei der vierten limonade forderte er einen kuss - nach der fünften limonade unterdrückte er ein saures aufstossen und bat elvira, die rechnung zu bezahlen.

weil elvira aber kein geld bei sich hatte (um bei der wahrheit zu bleiben: sie besass gar keines), wollte sie die limonade anschreiben lassen. „kommt zeit, kommt rat“, dachte sie. der kellner an der poolbar schüttelte jedoch den kopf. „bargeld lacht, madam!“ mohammed sah ihn mit funkelnden augen an, zischte leise „halt´s maul!“, und erklärte laut, dabei lächelnd und jedes wort betonend:

„madam hat kreditkarte. madam zahlt nie!“

der kellner duckte sich ängstlich, tat aber so, als würde er sich verbeugen, räumte eilig die flaschen fort und wünschte „madam einen schönen tag“!

so, wie sich die dinge entwickelt hatten (die limonade also umsonst war), konnte sich elvira nicht für die einladung bedanken - aber doch dafür, dass mohammed sie aus einer peinlichen situation gerettet hatte. während sie „danke, danke“ flüsterte und darüber nachdachte, was eigentlich eine kreditkarte war, hörte sie ihn sagen:

„und jetzt stelle ich ihnen meine familie vor. mama muss doch wissen, wen ali heiratet!“

***

yvonne hatte grösste mühe, yussuf durch die strassen von tunis zu folgen. sie war an weite strecken (wenigstens „fussläufig“, wie sie es nannte) nicht gewöhnt, denn die speisekammer, in der sie lebte, bot einer maus nicht allzu grossen auslauf. heftig keuchend trippelte sie yussuf hinter her, der keine rücksicht darauf nahm, dass sie, einer ohnmacht nahe, bald nur noch sterne vor ihren augen tanzen sah. sie tat noch wenige schritte, dann versagten ihre beine. „es ist allerdings viel schöner, im sonnigen tunis zu sterben, als in einer dunklen speisekammer!“ seufzte yvonne, denn sie wollte der schrecklichen situation, in die sie geraten war, doch noch etwas tröstliches abgewinnen. sie streckte alle viere von sich und gab dabei laute von sich, die einem gummikissen ähnelten, bei dem das ventil geöffnet wird.

yussuf hörte ein rasseln und quietschen, drehte sich um und sah yvonne - platt wie von einer walze überrollt - am strand von tunis liegen. „madam hätte sich keinen schöneren platz aussuchen können“, rief er. „ich wusste, er würde ihr gefallen. aber warum hier liegen bleiben? gehen wir doch besser hinein!“

yvonne hob mühsam den kopf. sie hatte beschlossen, niemals wieder aufzustehen, wollte aber doch - neugierig wie sie war - wissen, wohin yussuf sie gebracht hatte. sie blinzelte in die runde (und verfluchte elvira, die vergessen hatte, eine sonnenbrille einzupacken), entdeckte aber nur einen roten container, der einige schritte von ihr entfernt stand. „ich sehe nur eine blechkiste!“, stöhnte sie und liess ihren kopf zurück in den sand fallen.

„das ist keine blechkiste - sondern ein tunesisches sommerhäuschen ... praktisch und aus blech!“ erklärte yussuf. „es ist noch viel mehr - nämlich das hübsche sommerhäuschen von madam!“

yvonne hob ihren kopf. sie sah nirgends ein haus, nur einen roten container, von dem die farbe abblätterte und der - aus welchen gründen auch immer - einsam am strand von tunis stand.

"madam sollten sich das haus einmal von innen ansehen. es bietet eine wundervolle aussicht aufs meer.“ yussuf stiess yvonne aufmunternd an. sie erhob sich auch mühsam - aber nur mit der absicht, auf schnellstem weg den strand zu verlassen. „wenn du diese blechkiste als haus bezeichnest, dann ist eine sardinenbüchse bei euch wohl ein rolls royce - einfach lächerlich, diese tunesier!“

yvonne wollte sofort ins hotel „la plage“ zurück. wie aber den weg ohne yussufs führung finden? sie musste ihren plan schon nach wenigen augenblicken aufgeben und (leise fluchend) der tunesischen maus in den container folgen.

durch einen winzigen spalt konnte sie tatsächlich das meer sehen. es war - wie sie feststellte - sogar schöner, als wenn sie es vom strand aus betrachtet hätte. „der rahmen erst gibt dem bild die richtige wirkung!“ bemerkte sie matt - aber doch beeindruckt. yussuf nickte zustimmend. mit erleichterung nahm er zur kenntnis, dass yvonne das zugige loch im container für ein fenster hielt.

„ich kann die schöne aussicht aber nicht bezahlen!“, seufzte yvonne. sie war erschöpft und schielte in die ecke des containers, wo eine fleckige, fadenscheinige decke lag.

„madam müssen auch nichts bezahlen“, erwiderte yussuf. „sadik ist damit einverstanden, dass er für sein schönes haus ihre speisekammer erhält.“

„wer ist sadik?“ fragte yvonne müde. sie wollte nur noch schlafen, erwartete auf ihre frage auch keine antwort, denn sie wusste, dass in tunesien alle mäuse „mohammed“ heissen, yussuf sich folglich einen scherz mit ihr erlaubte.

„sadik ist der besitzer dieses schönen hauses. er kann es aber leider nicht nutzen, weil er jetzt in deutschland lebt. deswegen ist er einverstanden, in ihre speisekammer zu ziehen. im tausch erhalten sie sein haus - direkt am strand von tunis und mit schönster aussicht aufs meer. ich habe die verträge dabei - es ist alles vorbereitet. madam müssen nur noch unterschreiben.“

yvonne konnte später nicht mehr sagen, warum sie mit zitternden pfoten den stift nahm und - erschöpft und müde wie sie war - unter ein dokument, das sie nicht lesen konnte, ihre unterschrift setzte. „es konnte gar nicht sadik sein, dem ich meine speisekammer verkaufte, denn sie heissen in tunesien alle mohammed. es war doch alles sowieso nur zirkus!“, pflegte sie auf vorwürfe zu reagieren. ihre freundin elvira liess das - aus eigener leidvoller erfahrung - jedoch nicht gelten:

„zirkus vielleicht - aber doch ein tunesischer zirkus!“


fortsetzung folgt!

12.07.2007 um 19:33 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! zehnter teil

alle 10 teile der geschichte auch HIER!

elvira stellte mit genugtuung fest: mustafa sah mit der roten schwimmweste äusserst attraktiv aus. lässig um seinen bauch geschnallt, passte sie aufs schönste zu seinem schwarzen fell und erinnerte sie daran, warum sie nach tunesien gekommen war. weil ihr letzter liebhaber, die kapitänsmaus auf der „ms victoria“, im portwein ertrunken war, fühlte sie sich frei für ein neues abenteuer.

längst hatte sie ein auge auf mustafa geworfen, schwieg darüber aber in gegenwart von yvonne, denn sie kannte die eifersucht ihrer freundin nur allzu gut. es war noch gar nicht so lange her, dass ihr der ratschlag zuteil wurde, dass man sich nie mit kapitänsmäusen einlassen sollte - denn die seien aus prinzip nicht treu. in diesem einen fall, so musste elvira zugeben, hatte yvonne sogar recht behalten.

auch yvonne hatte nach einer schwimmweste gegriffen und war erstaunt, dass es eine in ihrer grösse war. „es wäre uns manches erspart geblieben, wenn sie auf der „ms victoria“ einen ähnlichen service gehabt hätten“, bemerkte sie tadelnd, als sie die weste unter ihrer brust festzurrte.

als auch elvira eine schwimmweste umgelegt hatte, begann der heikle teil des vormittags. es galt, an der katze vorbeizukommen, die immer noch regungslos vor dem loch in der wand des hotel sass und auf gäste wartete. mustafa zeigte jedoch keine ängstlichkeit, als er mit festen schritten hinaus und geradewegs zwischen die klauen der katze spazierte.

das tier zog seine augenlider zu einem misstrauischen schlitz zusammen, beobachtete mit blitzend-gelben augen, wer da gerade das hotel verliess, sah mit freude, dass es eine maus war, musste aber gleich darauf feststellen, dass es sich um eine maus mit schwimmweste handelte. yvonne und elvira, die sich ängstlich in der dunkelheit des hotels verbargen, hörten ein schreckliches fauchen, ein wütendes miauen ... und wurden von der vorstellung gepeinigt, dass mustafa gerade von den zähnen des ungeheuers aufgespiesst und zermalmt wurde.

„wir können mit der animation beginnen!“ hörten die überraschten freundinnen mustafa rufen. vorsichtig schauten sie hinaus. „wir hätten eine reiseversicherung abschliessen sollen - geh´ du zuerst“, meinte yvonne und stiess elvira an, die mit den worten: „dich versichert im leben keiner mehr!“ tatsächlich einen winzig kleinen, also äusserst mutigen schritt ins tageslicht tat.

dort stand mustafa und lachte. „ich sagte es doch: katzen mögen keine schwimmwesten. jetzt sitzt sie dort hinten im gebüsch und ärgert sich!“

„sie sind ein mutiger und kluger mann, lieber mohammed!“ elvira musterte die schwarze maus voller bewunderung, weigerte sich aber weiterhin, ihn mit seinem im hotel geläufigen namen „mustafa“ anzusprechen. „so heissen doch nur tunesische gepäckträger“, dachte sie und warf ihm einen liebevollen blick zu.

als yvonne ihre freundin so sprechen hörte, kehrte ihre entschlossenheit zurück, die ihr wegen der anwesenheit einer katze kurzfristig abhanden gekommen war. sie wollte elvira keinesfalls das feld allein überlassen. „am ende bleibt für mich nur lumpen-yussuf - das wäre doch bizarr!“ dachte sie und rannte hinaus.

„jetzt sind wir komplett - die animation beginnt!“ rief mustafa. elvira sah sich um. „wo sind denn die anderen gäste?“

mustafa verdrehte seine augen. es war ihm offensichtlich unangenehm, auf die frage zu antworten. das hätten yvonne und elvira aber wohl gar nicht bemerkt, wenn er seine verspiegelte sonnenbrille auf der nase gehabt hätte. doch auf der kaute inzwischen wütend die katze herum - völlig ausser acht lassend, dass nicht nur eine schwimmweste, sondern auch eine solche trophäe schluckauf auslöst.

„also, wo sind die anderen gäste?“ fragte jetzt auch yvonne. die vorstellung, allein mit elvira seilzuspringen und sackzuhüpfen begeisterte sie überhaupt nicht. „im urlaub wartet manchmal eine gute partie“, dachte sie. „wie aber soll ich sie kennenlernen, wenn sie nicht seilspringt und sackhüpft?“

„die damen sind zur zeit die einzigen gäste!“ erklärte mustafa verlegen.

„wie kann das sein - bei so vielen zimmern?“ yvonne war überrascht - aber nur kurz, denn ihr fiel sofort die schreckliche lappen-attacke ein ... und das überheizte zimmer nebst dem einfältigen, gedichte aufsagenden service. „kein wunder!“ murmelte sie.

„gäste hatten wir viele - das problem war nur, dass es keine schwimmwesten für sie gab!“ entschuldigte sich mustafa und schielte zur katze in den büschen, die hartnäckig auf den verspiegelten gläsern seiner sonnenbrille herum biss.

„dann warten wir mit der animation, bis wieder gäste im hotel sind - wir gehen jetzt ins café!“ entschied yvonne, die endlich den eigentlichen zweck ihrer reise in angriff nehmen wollte. weil aber elvira sich schon am ziel glaubte, schüttelte sie heftig den kopf:

„erst soll mir mohammed persönlich eine kostprobe seiner animation geben!“.

bei diesen worte schaute sie ihre freundin so boshaft und triumphierend an, dass sich yvonne das bild eines mit portwein gefüllten glases aufdrängte, in dem einsam eine kapitänsmütze schwamm. mit schriller stimme rief sie:

„dann achte gefälligst darauf, dass mohammed nicht auch noch im portwein ertrinkt!“

elvira entgegnete gereizt: „aber du weisst doch, tunesier trinken keinen alkohol!“

„was bleibt ihnen in deiner gegenwart schon anderes übrig!“ yvonne wickelte sich wütend ihren schal um den leib - aber so, dass die schwimmweste noch zu sehen war. sie ahnte, dass die katze - sie hatte gerade die letzten reste der sonnenbrille verspeist - immer noch hungrig war.

als sie aus dem hotel lief (bereit, sich ohne freundin in ein ungewisses abenteuer zu stürzen), sah sie auf der anderen strassenseite die oliv-graue maus stehen.

„es ist bizarr“, yvonne sprach laut zu sich selber, „ aber wo gibt es schon freie auswahl? wenn elvira also nicht von pomaden-ali lassen kann, muss ich wohl mit lumpen-yussuf vorlieb nehmen ... halli, hallo!“ sie winkte der maus heftig zu, eilte über die strasse und war froh, endlich ein bekanntes gesicht zu sehen.

die überschwängliche begrüssung überraschte yussuf - und schmeichelte ihm. „ich muss einen grossen eindruck gemacht haben“, dachte er. „ich weiss schon: wer yussuf kennenlernt, vergisst ihn nicht mehr.“ er leckte die pfoten und strich sich übers fell.

„hallo, die hübsche dame heute so allein? wie schön ...!“ lächelte er unter seinem schnauzbart. „... wie gefällt ihnen das hotel?“

„es ist grässlich, einfach grässlich! keine nacht verbringe ich mehr dort. die zimmer sind überheizt, die animateure betrunken, die katzen nicht angebunden ... und an der rezeption werden die gäste mit einem lappen erschlagen!“

„das hört sich schrecklich an!“ yussuf wiegte den kopf. „warum beziehen sie nicht ein hübsches sommerhaus - direkt am wasser ... und keiner stört sie.“

„ein haus wäre schön. aber es ist bestimmt viel zu teuer“.

yussuf schüttelte den kopf. „teuer ist es nur, wenn sie wenige tage bleiben. wenn sie es aber kaufen, verbilligt sich die übernachtung mit jedem tag. schon nach ... äh ... drei jahren ... wohnen sie quasi umsonst.“

„ich will aber nicht drei jahre urlaub machen!“ rief yvonne, die nicht begriff, worauf yussuf hinaus wollte.

„wer spricht denn von urlaub, schöne dame? bleiben sollen sie, das leben geniessen, sich vom klima und der sonne tunesiens verwöhnen lassen ... und natürlich auch von ...“, yussuf verschluckte hastig seinen namen. dafür war es vielleicht doch noch zu früh.

yvonne war verwirrt. ihr urlaub war dabei, eine ungeahnte wende zu nehmen. sie dachte an die trüben regentage in der heimat und auch daran, dass ihre speisekammer längst nicht immer gefüllt war. es galt - yvonne gab es nicht gern zu - auch magere zeiten zu überstehen ... die aber gott lob nie so lange anhielten, um eine ernsthafte diät in erwägung zu ziehen.

und dann: der gedanke, in tunesien zu bleiben, war auch ihr schon gekommen - spätestens als sie von der „ms victoria“ gesprungen und an den strand von tunis gespült worden war. es gab für sie kein „zurück“, denn schwimmen lernen würde sie in ihrem fortgeschrittenen alter nicht mehr ... und deswegen auch nicht schwimmend die „ms victoria“ erreichen, um zurück nach europa zu gelangen.

yussuf kam also, wenn sie es recht bedachte, wie gerufen. er eröffnete ihr einen weg in die zukunft. ausserdem war sie mit ihm einer meinung, dass das klima tunesiens ihr ausserordentlich gut tat - wenn sie es nicht gerade in einem stickigen hotelzimmer ertragen musste.

die worte yussufs verwandelten tunesien - von blau nach türkis, von schwarz nach rosa. das land war wirklich paradiesisch schön, auch wenn es auf der staubigen strasse, wo sie immer noch standen, gar nicht danach aussah. „die palmen, das meer, die sonne, die männer ...“, dachte yvonne und beobachtete yussuf aus den augenwinkeln.

warum nur hatte sie es übersehen?

yussuf war ein schöner mann!

es gab also noch einen grund mehr (und der war womöglich der entscheidende), in tunesien zu bleiben. yvonne spürte das glück in sich aufsteigen. alles schien plötzlich so einfach zu sein:

die sonne, der strand, die palmen ... yussuf.

doch dann erfasste sie tiefe niedergeschlagenheit. wie sollte das alles bezahlt werden? ein haus in tunesien - gut und schön. aber sie war keine wohlhabende maus, nur eine, die in einer europäischen speisekammer ihr kümmerliches dasein fristete.

wie eng und grau ihr plötzlich das leben zuhause vorkam!

„ich kann es einfach nicht bezahlen!“, seufzte sie.

„das lassen sie nur meine sorge sein!“, lachte yussuf und schlug ihr heftig auf die schulter. „ich verspreche ihnen: schon heute nachmittag gehört ihnen das schönste haus am strand von tunis.“

yvonne spürte schmerzhaft ihre schulter - mehr aber noch ihr vertrauen zu yussuf. vielleicht, so dachte sie, gibt es eine zukunft auch für mich. ihre augen wurden feucht. sie sah yussuf nur noch durch einen schleier von tränen, als sie nach seiner pfote griff, sie drückte und sagte: „ich habe sie sehr gern!“

er lächelte verlegen, suchte lange nach worten und erwiderte dann:

„und ich will für immer ihr hausmeister sein!“

10.07.2007 um 19:13 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! neunter teil

die klimaanlage surrte über ihren köpfen und blies unentwegt heisse luft ins zimmer. yvonne und elvira setzten sich erschöpft auf die kante ihres bettes und konnten kaum atmen.

„man sollte meinen, dass wir in den tropen und nicht in tunesien sind“, japste elvira. „du hast recht - bei diesen temperaturen hätten wir auch zu hause bleiben können“, klagte yvonne.

„wann holt uns mustafa endlich zum essen ab?“ fragte elvira. „er wird bestimmt gleich kommen!“ antwortete yvonne. sie sassen keuchend in ihrem überhitzten zimmer und konnten nichts anderes tun als warten.

irgendwann übermannte sie trotz schrecklicher hitze der schlaf - der erste tag in tunesien war lang und anstrengend gewesen. sie liessen sich in die kissen fallen und träumten wie im fieber von eiskonfekt und kühlen limonaden.

jemand rüttelte an ihren schultern.

„aufgewachen, aufgewachen!“ hörten die beiden freundinnen im halbschlaf. „samira müssen sauber machen!“

elvira öffnete die augen. vor ihr stand eine kugelrunde maus mit weisser schürze. sie trug in der einen pfote einen eimer und in der anderen einen lappen. elvira wachte endgültig auf und spürte, dass die hitze über nacht nicht nachgelassen hatte. ihr tat der kopf weh. dazu trug nicht zuletzt die komische maus bei, die am frühen morgen vor ihrem bett gedichte aufsagte. die klimaanlage brummte und summte vor sich hin und blies ihr unablässig heisse luft ins gesicht.

jetzt war auch yvonne wach geworden und richtete sich ächzend auf. ihr fell war nass. ohne weiter nachzudenken, riss sie der kugelrunden maus den lappen aus den pfoten und wischte sich damit die schweisstropfen ab.

"ich sollen saubermachen zimmer - die damen aber nie und nimmer!“ entrüstete sich die kugelrunde maus, griff nach dem ende des lappens und wollte ihn wieder in besitz nehmen. yvonne dachte aber gar nicht daran, ihn aus der hand zu geben. so zerrten bald alle - die kugelrunde maus auf der einen, yvonne und elvira auf der anderen seite - verbissen an dem schmutzigen lappen.

die kugelrunde maus musste sich bald der übermacht geschlagen geben. sie liess den lappen los, worauf elvira und yvonne ins stolpern gerieten und rückwärts aufs bett fielen.

elvira war die erste, die wieder zu kräften kam. „was tun wir hier eigentlich?“ fragte sie und kämpfte sich aus den kissen. „wir behaupten uns!“ stöhnte yvonne und warf mit dem lappen nach der kugelrunden maus.

der lappen traf jedoch mustafa, der seine nase durch die tür steckte. „ich will die damen nicht beim frühsport stören - dafür ist jedoch der animateur zuständig. bitte folgen sie mir.“

sie liefen durch das verwinkelte, dunkle labyrinth des hotels und erreichten endlich den ausgang. schon von weitem blendete das helle tageslicht so schmerzhaft, dass yvonne und elvira sich gegenseitig beschimpften, weil sie für die reise keine sonnenbrille eingepackt hatten.

„gehen sie um gottes willen nicht hinaus,“ rief mustafa. „das ist viel zu gefährlich!“

„ach, was,“ rief yvonne. „ich will endlich ans tageslicht und an die frische luft. in eurem überheizten hotel hält es doch keine ratte aus!“ sie drängte an mustafa vorbei, der sie jedoch festhielt: „ich sagte doch, es ist zu gefährlich!“

„was soll da draussen schon sein?“ jetzt trippelte auch elvira tapfer dem ausgang zu.

„die katze!“ flüsterte mustafa - aber doch so laut, dass die beiden freundinnen auf der stelle zu tode erschraken.

das wort, vor dem sie sich am meisten fürchteten, war gefallen. sie hatten seit ihrem aufbruch aus europa nicht mehr daran gedacht, es verdrängt und gehofft, der bedrohung entronnen zu sein. immerhin hatte ihnen ihre freundin ilona (die in warnemünde mit einer marokkanischen maus verheiratet war) versichert, dass es in tunesien keine katzen gab.

... und ilona musste es wissen. sie war dreimal fast in tunesien gewesen. das erste mal musste sie ihre reise allerdings in genua aufgeben, weil weiter südlich die mäusepest ausgebrochen war. die zweite reise endete auf dem brenner, weil ilona unvermutet unter höhenangst zu leiden begann. auf der dritten reise kam sie bis istanbul, fand aber, weil gerade ramadan war, auf anhieb nichts zu essen - und kehrte lieber um.

„katzen gibt es in tunesien nicht ... tunesien ist ... in jeder beziehung ... ein paradies!“

genau so hatten es yvonne und elvira im ohr, seit sie mit ilona über ihre urlaubspläne gesprochen hatten. deswegen konnten sie auch nicht glauben, was mustafa soeben gesagt hatte.

„es gibt gar keine katzen in tunesien!“ rief yvonne empört - sie wusste es halt besser als mustafa. „es gibt nur manchmal die mäusepest südlich von genua!“ ergänzte elvira, die mit ihrem wissen nicht nachstehen wollte.

„dann sollten die damen einmal einen blick wagen!“ schlug mustafa vor. in seiner stimme lag belustigung - aber auch eine gewisse sorge.

yvonne, die zuerst hinaus schaute, schrie auf. hastig kehrte sie in die dunkelheit des hotels zurück und wurde von schüttelfrost erfasst. elvira, die sich um den zustand ihrer freundin keine weiteren gedanken machte (sie wusste, dass yvonne zuweilen hysterisch reagierte), überwand ihre skepsis, tat zwei zitternde schritte vorwärts - und erstarrte. sie sah in die gelb-blitzenden augen einer fetten, schwarzen katze, die regungslos vor der niedrigen öffnung hockte und auf beute wartete.

elvira fiel in ohnmacht.

yvonne dachte nicht lange darüber nach, ob dies eine angemessene reaktion war - sie tat es ihrer freundin einfach nach. mustafa hatte grosse mühe, die nur noch unregelmässig und flach atmenden freundinnen wieder auf die beine zu bringen.

„wenn wir im hotel bleiben, droht keine gefahr!“, versuchte er zu beruhigen. „und dann haben wir ja auch noch die schwimmwesten!“

„wir sind aber nicht in seenot!“ jammerte elvira und bereitete sich auf ihre nächste ohnmacht vor.

„sie haben recht!“ lachte mustafa. „auf hoher see gibt es vielleicht haie - aber niemals katzen.“ sein scherz, der die fatale situation, in der sie sich befanden, vergessen machen sollte, konnte die beiden freundinnen jedoch nicht aufheitern.

„was sollen wir dann mit den schwimmwesten?“, yvonne kämpfte inzwischen nicht mehr mit einer üblichen ohnmacht, sondern bereits mit dem berüchtigten „totstellreflex“. weil sie auf der reise jedoch schon wiederholt davon gebrauch gemacht hatte, musste sie mit erschrecken feststellen, dass die wirkung nachgelassen hatte:

sie wollte auf der stelle sterben - es passierte aber nichts.

„eine schwimmweste hilft nicht nur in seenot, sondern schützt auch vor katzen!“ hörte sie mustafa sagen.

„es wäre besser, sie würde uns vor einem dämlichen tunesier schützen, der uns in eine so unmögliche situation gebracht hat!“ empörte sich elvira.

„... und das alles nennen sie auch noch urlaub - wie grotesk!“ jammerte yvonne, bereit, sich in ihre dritte ohnmacht fallen zu lassen.

„die damen brauchen keine angst zu haben. ziehen sie einfach die schwimmwesten über und kommen sie mit mir hinaus - zur animation!“ mustafa lächelte aufmunternd.

„keinen schritt werde ich tun. ich weiss doch: ihr lasst uns europäern den vortritt - und dann sind wir allein mit der katze“. elvira schnappte nach luft.

„tunesier sind ja so hinterhältig!“ klagte yvonne und versuchte ein zittern ihrer schultern zu unterdrücken.

„nun beruhigen sie sich doch!“ mustafa sprach absichtlich leise und behutsam, um die beiden freundinnen nicht weiter zu ängstigen. „bitte glauben sie mir - katzen fressen vielleicht mäuse, aber keine mit schwimmwesten!“

„und warum nicht!“ yvonnes zähne schlugen unkontrolliert aufeinander.

„sie bekommen davon schluckauf!“

05.07.2007 um 19:15 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! achter teil

yvonne und elvira eilten ins hotel. weil aber die fliesen in der eingangshalle auf hochglanz poliert waren, kamen sie ins rutschen, sausten - weil sie keinen halt fanden - pfeilschnell über die glatte oberfläche dahin und prallten am gegenüber liegenden ende der halle schmerzhaft gegen den hölzernen tresen der rezeption. als sie aufblickten, schauten sie in die zusammengekniffenen augen des portiers, der laut rief:

„leila, schnell einen lappen, wir haben ungeziefer im haus!“

kurz darauf waren yvonne und elvira in einen kampf mit leilas lappen verwickelt. einmal schlug er von rechts zu, ein anderes mal von links, er zielte auf yvonne, dann auf elvira. das schmutzig-feuchte ungetüm traf sie unter einem sessel, stöberte sie hinter der abdeckung eines heizkörpers auf, verfolgte sie rund um einen palmenkübel, vertrieb sie aus einem offenen glasschrank und kurz darauf von der fensterbank, jagte sie in richtung einer drehtür ...

... die sich just in dem moment in bewegung setzte, als yvonne und elvira gerade ihren kampf gegen den lappen aufgeben wollten. mit letzter kraft sprangen sie zur tür, die sich vier mal um die eigene achse drehte (zusammen mit den beiden freundinnen), und sie schliesslich jenseits der hotelhalle wieder ausspuckte.

schwindelig wie sie waren, brachen yvonne und elvira ächzend zusammen, verfielen sofort in die mäusetypische todesstarre (die noch keiner maus wirklich geholfen hat) und bereiteten sich auf den letzten angriff des lappens - also auf das ende vor.

als sie eine ganze weile mucksmäuschenstill auf die neuerliche attacke gewartet hatten, irgendwann jedoch feststellten, das nichts dergleichen geschah, beschlossen sie, ihre inzwischen eingeschlafenen beine zu schütteln und noch eine weile weiterzuleben.

„wir waren schneller!“ stellte yvonne fest und trat von einem bein auf das andere. „wir waren stärker!“ ergänzte evira und klopfte ihr fell aus. „wir waren besser!“ fügte yvonne hinzu. „wir waren klüger!“ korrigierte elvira.

als sie kraft der magie dieser worte ihr selbstvertrauen wiedergefunden hatten, stellte sich - überraschend und unerwartet - plötzliche ratlosigkeit ein.

„warum hetzt man einen lappen auf uns?“ fragte yvonne und legte in ihre stimme altvertraute empörung. „sie sollten den gästen aus europa dankbar sein, anstatt ihnen mit einem lappen nach dem leben zu trachten!“ fügte elvira hinzu und verzog beleidigt die nase.

ihre ratlosigkeit aber blieb dieselbe wie zuvor - trotz des vernichtenden urteils über das hotel „la plage“.

„möchten die damen das zimmer ansehen?“

vor ihnen stand eine maus mit blauer schürze - woher kam sie? yvonne und elvira erschraken, mussten aber zugeben, dass es zwischen einer maus und einem lappen gewisse unterschiede gibt ... mit anderen worten: von der blaugeschürzten maus wohl kaum jenes unheil ausging wie von dem lappen zuvor.

als die blaugeschürzte maus auf ein kleines loch in der wand zeigte, wussten yvonne und elvira auch, von wo sie so leise und geschwind aufgetaucht war.

„mustafa hat sie avisiert und ein zimmer mit klimaanlage reserviert!“

die beiden freundinnen zwängten sich durch das loch und waren froh, dass es in dem niedrigen gang dahinter dunkel wie die nacht war. hier wenigstens würde sie kein mörderischer lappen aufspüren.

„hast du gehört“, flüsterte elvira. „wir sind avisiert. sie wissen also doch, wie man mit europäischen gästen umzugehen hat.“

yvonne flüsterte zurück: „es war vielleicht ein missverständnis. man avisiert doch niemanden, um ihn mit einem lappen totzuschlagen.“

„es tut ihnen gewiss schrecklich leid. deswegen haben sie uns auch ein zimmer mit klimaanlage reserviert und avisiert“, wisperte elvira.

yvonne vergass jede vorsicht - und wurde laut: „das ist das mindeste, was sie avisieren können - wirklich das mindeste!“, worauf die blaugeschürzte maus, die vor ihnen her lief, „pst!“ rief.

endlich blieben sie vor einer niedrigen tür stehen.

„ihr zimmer, nummer 217. es geht nach hinten. bagage kommt sofort.“

"mit meerblick wäre hübscher gewesen, aber nach hinten in die berge ist auch ganz nett", meinte yvonne. die beiden freundinnen schlüpften hinein - und prallten zurück. aus dem zimmer, das mehr einer höhle glich, schlug ihnen eine unerträgliche hitze entgegegen.

„das hält doch keine maus aus. sie haben uns eine klimaanlage versprochen - wo ist sie?“ rief yvonne empört.

„das zimmer ist komplett klimatisiert“, beschwichtigte die blaubeschürzte maus und schien beleidigt zu sein. „es liegt direkt hinter der klimaanlage des hotels.“

yvonne war beruhigt. „dann müssen wir also nur an einem knopf drehen, damit es kühler wird - wo ist der knopf?“

„der ist nicht nötig“, erklärte die maus. „klimaanlagen sind so konstruiert, dass vorn die kalte, hinten aber die heisse luft hinaus geht.“

„übersetzen sie das gefälligst einem technischen laien wie mir!“ elvira wurde nervös. „wir sprechen nämlich kein tunesisch. also - was bedeutet das alles für unser avisiertes zimmer?“

„nichts weiter ... nur dass ihr schönes zimmer nach hinten hinaus geht!“

die hotelmaus wollte gehen, verbeugte sich mehrmals und hielt die rechte vorderpfote hin. als die beiden freundinnen nicht reagierten, zog sie eine grimasse und verschwand fluchend im dunklen labyrinth des hotels .

„was wollte er?“ fragte elvira.

„wie soll ich das wissen?“ antwortete yvonne ärgerlich. „ich habe nur gesehen, wie er die pfote ausstreckte und seine fünf zehen zeigte. wahrscheinlich wollte er uns zu verstehen geben (denn er spricht ja nur tunesisch), dass wir hier mit fünf anderen mäusen wohnen werden.“

„wieso denn das?“ rief elvira entsetzt. „sind wir in einem hotel oder in einer mäuseherberge?“

„erinnere dich an die worte der hotelmaus. sie sagte (wenn auch mit äusserst peinlichem akzent): „bagage kommt gleich“!“

„das werden sie nicht wagen!“ eviras stimme überschlug sich vor empörung. „ich lasse es nicht zu, dass fünf fremde tunesische mäuse mit uns das zimmer teilen ...

... ich werde diese bagage mit einem lappen verjagen!“

"warum nur das - warum nicht mehr?" yvonne zog fragend die augenbrauen hoch.

02.07.2007 um 19:22 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! siebenter teil

yvonne und elvira atmeten auf.

"wie schön, wir haben unser selbstvertrauen, das uns - aber doch nur für einen kurzen moment - fast abhanden gekommen wäre, glücklich wiedergefunden" (so fasste yvonne die begegnung mit der schwarzen maus erleichtert zusammen). sie beschlossen deswegen, das angebot der schwarzen maus, sie zum hotel „la plage“ zu begleiten, anzunehmen.

es blieb ihnen - recht besehen - auch kaum eine andere wahl. als elvira jedoch fragte, wie man eigentlich etwas wiederfinden kann, das man (den worten yvonnes folgend) gar nicht verloren hat, schwieg ihre freundin beleidigt und schwor sich, das nächste mal allein nach tunesien zu reisen.

weil die schwarze maus es eilig zu haben schien, hatten yvonne und elvira grösste mühe, hinter ihr her zu trippeln. es ging einmal links herum, einmal rechts herum, manchmal geradeaus oder im kreis. als sie den souk für gewürze hinter sich gelassen hatten, war es yvonne wegen ihrer kurzatmigkeit (sie war eben nicht mehr die jüngste) so schwindelig geworden, dass sie keuchend stehen blieb.

„können wir das „la plage“ nicht einfach vergessen? es wird doch bestimmt noch andere hotels in tunis geben, die mehlpfannkuchen im speckmantel anbieten!“

als die schwarze maus bemerkte, dass yvonne und elvira nicht mehr folgten, kehrte sie verärgert zu ihnen zurück. „was ist denn mit den damen - schon müde? jetzt aber schnell - wir sind gleich am ziel.“

„ach, was! man kann ein ziel langsam oder schnell erreichen. das ziel bleibt immer dasselbe“, belehrte elvira ihn. sie liess sich von einer tunesischen maus nun wirklich nichts sagen. „wer allerdings zu hastig ist, wird das ziel oft genug verfehlen. was meinen sie wohl, wie lange ich auf der warteliste für die schöne bäckerei stand, in der ich heute lebe? wer die geduld nicht lernt, wird sein ziel niemals erreichen, sondern als animateur in tunis enden!“

diese beleidigung überhörte die schwarze maus einstweilen, denn viel wichtiger war, dass sie von der polizei nicht zusammen mit yvonne und elvira gesehen wurde. europäische touristinnen durften nur von offiziellen mäuse-guides begleitet werden, die am linken ohr eine staatliche plakette mit stempel trugen. anderen tunesischen mäusen war es streng verboten, kontakt zu ausländischen mäusen aufzunehmen. die behörden fürchteten, dass ihnen die übersicht verloren gehen könnte, denn bei licht besehen, unterscheiden sich tunesische mäuse nicht wesentlich von ihren europäischen verwandten - nachts, wenn alle mäuse grau sind, schon gar nicht.

auch wäre es der öffentlichen ordnung abträglich gewesen, wenn die tunesischen mäuse allzu viel von europäischen speisekammern und bäckereien erfahren hätten. so lange sie darüber aber nur aus dem fernsehen erfuhren, konnte die regierung das alles getrost als „propaganda“ abtun.

... dass sie damit erfolg hatte, konnte man im souk von tunis hören, wenn eine maus zur anderen sagte: „es mag ja einigermassen aufregend sein, in einer speisekammer zu leben. ich allerdings ziehe die freiheit vor!“

die schwarze maus wartete ungeduldig, bis yvonne wieder zu kräften gekommen war und lief eilig weiter. es waren nur noch wenige schritte, bis sie zu einem verschlossenen tor kamen, über dem in grossen buchstaben „hotel la plage“ stand.

„sieh doch nur, elvira“, rief yvonne. „dort wartet unser polizist." jetzt hatte auch die oliv-graue maus, der sie gleich nach ihrer ankunft am strand begegnet waren, die beiden freundinnen gesehen und winkte ihnen erleichtert zu. immerhin hatte er einige gedanken an sie verschwendet und fürchtete bereits, daraus keinen gewinn ziehen zu können. als die beiden freundinnen jedoch näher kamen, wich aus dem gesicht der oliv-grauen maus alle wiedersehensfreude. er fühlte sich mit einem schlag seiner hochfliegenden pläne beraubt, als er feststellte:

„ich sehe, die damen sind in begleitung!“

„kümmern sie sich nicht um ihn. das ist nur mohammed - er hat uns den weg zum hotel gezeigt“, yvonne beeilte sich, ihr verhältnis zu mohammed zu erklären, bevor irgendwelche missverständnisse entstanden. mohammed - also mustafa, der eigentlich ali hiess - musterte die oliv-graue maus von oben bis unten und meinte verächtlich:

„sieh an, lumpen-yussef ist jetzt als polizist im dienst der völkerfreundschaft unterwegs!“

elvira stiess yvonne an. „mohammed nennt yussuf nur deswegen yussuf, weil yussuf eigentlich mohammed heisst.“

yvonne nickte: „so hat es uns mohammed erklärt.“

„wie ich es gesagt habe,“ rief evira, „sie heissen hier alle mohammed!“

die oliv-graue maus war bei alis bemerkung, die ihn als scharfes schwert der eifersucht traf, zusammen gezuckt, unterdrückte jedoch in erinnerung an bereits erlittene blessuren ihre wut und entgegnete maliziös:

„wie ich sehe, arbeitet auch pomaden-ali an der völkerfreundschaft - das klappt aber wohl erst beim sackhüpfen und seilspringen - immerhin: er ist hier der animateur!“

„du ratte!“ zischte ali. „verschwinde in der kanalisation, bevor du mal wieder meine zähne im nacken spürst!“

„ich will das gespräch der herren nicht unterbrechen, aber doch fragen, wie lange wir hier noch herumstehen müssen.“ yvonne war vom bisherigen verlauf ihres urlaubs und dem bohrenden hunger schon reichlich mitgenommen. „was ist mit dem reservierten tisch? können wir uns endlich zum abendessen begeben?“

yussuf wollte gerade voller stolz berichten, dass er eine menge bakschisch an die maus in der hotelrezeption gezahlt hatte und somit der weg ins restaurant gewiss bald frei sein würde ... er danach aber leider die gezahlte summe in mindestens doppelter höhe von den damen aus europa zurückfordern müsste (denn das sei in tunesien so üblich), als ali rief:

„ins restaurant gehts hier entlang!“ er klopfte (zwei mal kurz, drei mal lang) ans tor, das - als hätte es nur auf dieses signal gewartet - sofort aufsprang. yussuf musste mit ansehen, wie yvonne und elvira auch ohne seine hilfe ins hotel huschten. ali aber drehte sich noch einmal zu yussuf um, der fassungslos und mit hängenden schultern in der auffahrt stand und die veränderte situation - wenn überhaupt - erst langsam begriff:

„danke fürs bakschisch, lumpen-yussuf. ich werde es mit meinem freund mohammed von der rezeption teilen!“

yussuf spuckte bei diesen worten wütend aus und rannte in richtung souk davon. er hörte, während er schon auf teuflische rache sann, aber noch, wie jemand rief:

„siehst du, yvonne ... sie heissen hier alle mohammed!“

30.06.2007 um 16:05 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! sechster teil

yvonne und elvira standen immer noch die haare zu berge. die schwarze maus aber schien harmloser zu sein, als sie aussah.

beglückt stellte yvonne fest, dass ihr unerschütterlicher lebensmut nicht besonders gelitten hatte. sie strich glättend über ihr fell und wollte sogleich ein band der vertraulichkeit zwischen europa und tunesien knüpfen. deswegen fragte sie die schwarze maus nach ihrem namen. zwar mischte sich elvira, die nie einen zweifel an ihrer tapferkeit gelassen hatte, mit der bemerkung ein: „sie heissen hier alle mohammed!“, musste aber gleich darauf feststellen, dass sie mit den tunesischen verhältnissen nicht wirklich vertraut war.

„ich heisse mustafa und bin der animateur im „la plage“!“

„das wissen wir ja nun schon!“ entgegnete elvira gereizt. sie ärgerte sich darüber, mit dem namen der schwarzen maus so gründlich falsch gelegen zu haben. auch liess sie sich - und das machte die angelegenheit noch ärgerlicher - nicht gern von einer tunesischen maus korrigieren. deswegen meldete sie sich nach kurzer gedankenpause erneut zu wort (und stellte auch gleich die natürliche ordnung zwischen einer europäischen touristin und einem tunesischen animateur wieder her):

„ob mustafa oder hoppsassa ... für mich sind und bleiben sie mohammed!“

„von mir aus können sie mich auch ali nennen - so wenigstens rufen mich meine eltern“, bemerkte mustafa mit einem achselzucken.

„sie heissen also gar nicht mustafa, sondern ali?“ yvonne war überrascht.

„für ihre freundin bin ich mohammed, für die gäste im hotel „la plage“ mustafa, meine eltern nennen mich ali - alles klar?“

„haben alle männer in tunesien so viele namen?“ wollte yvonne wissen.

„nur diejenigen, die in den hotels als kellner und animateure arbeiten. so brauchen sich die gäste aus europa immer nur einen namen zu merken.“

„ich verstehe ...“ rief yvonne. „entweder heissen alle mustafa oder ali ... wie praktisch!“

„vergessen sie mohammed nicht!“ grinste die tunesische maus, kniff aber hinter ihrer verspiegelten sonnenbrille ärgerlich die augen zusammen.

„darf ich denn auch wissen, wie die damen heissen?“

„ich bin yvonne - und das ist elvira!“

„dann schlage ich vor, dass ich hannelore und erika zum hotel „la plage“ begleite.

yvonne blinzelte in der dunklen gasse umher. ratlos fragte sie ihre freundin: „wen meint er, elvira? ich sehe niemanden. wo sind denn die damen?“

elvira dachte nach. "erika aus wuppertal kann es nicht sein. sie ist viel zu alt zum reisen. und hannelore, auch nicht viel glücklicher, lebt mit ihrer ägyptischen maus seit jahren in dinkelsbühl. sie darf allein nicht reisen."

„denken sie nicht weiter darüber nach", lachte die schwarze maus. "für uns heissen alle touristinnen aus europa hannelore oder erika. das erleichtert unsere arbeit ganz ungemein ... bitte hier entlang.

sie wollten doch zum hotel „la plage“!

28.06.2007 um 18:56 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! fünfter teil

yvonne rümpfte angewidert die nase. „bemühen sie sich nicht. wir sind besseres gewöhnt - nicht umsonst kommen wir aus europäischen backstuben und speisekammern.“

„mehl, brot, speck, käse!“ ergänzte elvira. „es wird hier doch wohl irgendwo ein restaurant geben, das europäisch kocht.“

die tunesische maus dachte nach. „ich wüsste nur das hotel „la plage“. es ist für seine „mehligen pfannkuchen im speckmantel“ in ganz tunesien berühmt - serviert wird allerdings nur nach voranmeldung. abendgarderobe ist obligatorisch."

„was hindert sie, uns dorthin einzuladen - oder stört sie etwa mein dunkelgraues kostüm?“ yvonne sah an sich hinunter und konnte, wenn überhaupt, nur kleine fehler feststellen. „es hat auf der reise vielleicht etwas gelitten - man wird es aber bestimmt aufbügeln können!“ sie rieb an ihrem fell und versuchte, hier und da einen fleck zu entfernen.

die tunesische maus kam ins schwitzen. „eine einladung von mir? ja, bitte, warum nicht, doch, doch ...das ist aber schwieriger, als die damen denken - sie verlangen im hotel ordentlich bakschisch, anders kommt dort keine einheimische maus hinein.“

„wer spricht von tunesischen mäusen?“ rief elvira entrüstet. „sollen die eingeborenen doch draussen bleiben ...“

„... und ihre party gefälligst am strand feiern!“ stimmte yvonne ihrer freundin eifrig zu.

„und was mache ich?“ fragte die tunesische maus kleinlaut.

„sie reservieren uns europäern den tisch im „la plage“ - was denn sonst!“

die tunesische maus konnte ein nervöses zucken in den schultern nicht unterdrücken. „ich werde sehen, was sich machen lässt.“

sie verschwand in den verwinkelten gassen von tunis und liess yvonne und elvira allein zurück.

die beiden freundinnen hatten - jede für sich - zum ersten mal das gefühl, mit ihrer idee, urlaub in tunesien zu machen, eine vielleicht falsche entscheidung getroffen zu haben. sie suchten, allein und verängstigt wie sie waren, ein versteck und fanden eine leere tomatenkiste, die im rinnstein lag. weil aber immer wieder jemand vorbei kam, der dieses behältnis als fussball benutzte, mussten yvonne und elvira jedes mal der im hohen bogen fortfliegenden kiste eilig folgen. sie taten das im trippelschritt, immer darauf bedacht, dass die kiste, wenn sie sich schon auf unberechenbarer flugbahn befand, doch einigermassen über ihren köpfen blieb.

und das war nicht einfach.

als die kiste zum fünften mal als fussball benutzt wurde, mussten die beiden freundinnen sich ein neues versteck suchen. die kiste zersplitterte in der luft und landete, zerlegt in viele kleine einzelteile, in einer dunklen seitengasse. yvonne und elvira verliessen, ihres verstecks beraubt, in panischer angst den rinnstein und rannten kopflos der sich auflösenden tomatenkiste hinterher ...

in der dunklen seitengasse lehnte eine schwarze maus an einer fleckigen hauswand (sie trug eine verspiegelte sonnenbrille) und wartete mit einem breiten grinsen, bis die beiden freundinnen geradewegs in seinen armen landeten.

„hoppla, die damen!“ lachte er und packte elvira und yvonne, die auf ihrer flucht aus dem hellen tageslicht gefährlich ins stolpern geraten waren, an den vorderpfoten.

„lassen sie mich sofort los, sie flegel!“ kreischte elvira und schlug um sich. yvonne wollte nicht warten, bis der typische totstell-reflex einsetzte und rammte der schwarzen maus ihre vorderzähne in die schulter.

„sind die aber spitz!“, lachte er, lockerte aber doch seinen griff.

„wir sind nur arme touristinnen aus europa. was wollen sie von uns?“ schrie elvira, der im sekundentakt angstschauer übers fell liefen.

„ihnen einen wunderschönen guten tag wünschen ...“ grinste die schwarze maus und entliess die beiden freundinnen endgültig aus der umklammerung seiner pfoten. „... denn nicht jede schwarze tunesische maus hat übles im sinn - auch wenn ich zugeben muss, dass es einige unter uns gibt, die bei so hübschen damen wie sie ...“

„... raspeln sie ihr tunesisches süssholz von mir aus in gegenwart einer naiven touristenmaus. vielleicht haben sie bei ihr mehr glück ... yvonne - wir gehen!“ elvira griff (ermutigt von dem sich abzeichnenden glimpflichen ausgang ihres abenteuers) nach der pfote der freundin.

„wohin denn?“ fragte die schwarze maus amüsiert.

„das geht sie gar nichts an,“ entgegnete elvira spitz und bereits wieder im besitz ihrer unerschütterlichen furchtlosigkeit. „weil sie aber ein so ungezogener, neugieriger mensch sind, verrate ich es ihnen: wir gehen ins hotel „la plage“. dort sind wir nämlich verabredet.“

yvonne wollte gerade zu bedenken geben, dass die schwarze maus mit ihrer blödsinnigen sonnenbrille nicht nur neugierig und ungezogen, sondern auch schrecklich eingebildet war ... und dass das hotel von ihnen niemals ohne fremde hilfe gefunden werden konnte (dies aber - weil nebensächlich - nur am rande bemerkt und weit jenseits jeden totstell-reflexes), als die schwarze maus ihre verspiegelte sonnenbrille zurecht rückte und überrascht ausrief:

„was für ein zufall ... dort bin ich der animateur.“

26.06.2007 um 18:51 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! vierter teil

dort, wo der strand zu ende war, versperrte eine hohe mauer den weg. die tunesische maus wartete, bis yvonne und elvira herangekommen waren, und zeigte auf ein kreisrundes loch in der wand.

„das ist die u-bahn von tunis, nur immer hinein!“

behaglich war es den beiden freundinnen nicht, als sie der tunesischen maus in den dunklen tunnel folgten. als ihnen gleich darauf auch noch eine übel stinkende brühe entgegen stürzte und sie sich eilig auf die zehenspitzen stellen mussten, wussten sie, dass dies keine u-bahn, sondern die kanalisation von tunis war.

je länger sie unterwegs waren, desto mehr mäuse drängten sich in den unterirdischen tunneln. "der souk ist um diese zeit besonders belebt!“, erklärte die tunesische maus und setzte ihren weg unbeirrt fort.

manchmal geriet das geschäftige mäusetreiben in der kanalisation hoffnungslos ins stocken, dann sassen yvonne und elvira in einem knäuel von mäuseleibern fest und kamen nicht mehr vor oder zurück.

jedes mal musste ihnen die tunesische maus erst mühsam den weg frei kämpfen ... nicht ohne zu erklären, dass sich solche staus mit vorliebe unter den bäckereien des souks bildeten.

„wenn es für uns schon keinen weg hinauf in die backstuben gibt, wollen wir wenigstens hier unten vom duft des mehls und der frisch gebackenen brote profitieren", erklärte sie im ton eines fremdenführers.

als es wieder einmal völlig unmöglich war, einem mäusestau auszuweichen, bemerkte yvonne spitz: „aha, schon wieder eine bäckerei!“

„nein, nein“, korrigierte die tunesische maus. „wenn ich richtig orientiert bin, befinden wir uns direkt unter einem verkaufsstand für süssigkeiten ... also kandierte nüsse, bonbons, schokolade...“

„hören sie sofort auf!“ rief elvira. „ich habe den ganzen tag noch nichts gegessen - und sie erzählen uns etwas von süssigkeiten. wenn ich nicht bald etwas zwischen die zähne bekomme, falle ich tot um. ich verstehe überhaupt nicht, wie sich tunesische mäuse unter bäckereien und süsswarengeschäfte stellen können, um zu hoffen, auf diese weise satt zu werden. das ist doch idiotisch.“

yvonne, deren magen laut knurrte und ein grummelndes echo im tunnel auslöste, seufzte: „das frage ich mich auch - warum stehen sie alle wie blöde hier unten, anstatt den direkten weg zu nehmen? ich meine - bäckereien und süsswarengeschäfte haben doch eine tür!“

„das ist richtig, aber ...“, gab die tunesische maus zu bedenken. "... es herrschen da oben strenge zuzugsbedingungen. für bäckereien und süsswarengeschäfte beträgt das limit 250 mäuse je verkaufsstand. beim gemüse dürfen es nicht mehr als 80 sein, denn gemüse macht bekanntlich nicht besonders satt. alle anderen mäuse müssen draussen bleiben.“

„und was machen die ausgesperrten?“ fragte yvonne überrascht, weil sie sich an europa erinnerte und daran, dass sie die einzige maus in ihrer heimischen speisekammer war (welch´ unerhörter luxus angesichts tunesischer zustände).

„die anderen müssen warten, bis ein platz frei wird. bis dahin sind sie arbeitslos und bekommen auch keine aufenthaltsgenehmigung,“ erklärte die tunesische maus.

„das sind also die 1000 mäuse auf der grillparty am strand!“ yvonne verstand die sozialen verhältnisse in tunesien immer besser. sie sah die oliv-graue maus durchdringend an: „wo wohnen denn sie?“

die frage schien verlegenheit auszulösen, denn die maus räusperte sich, rieb nervös die pfoten aneinander, schaute nach oben, als wäre dort die antwort zu finden, blickte zu boden, als müsste sie sich schämen und antwortete endlich - wie einem plötzlichen einfall folgend:

„überall und nirgendwo!“

das befriedigte yvonne jedoch überhaupt nicht. „sie müssen doch ein zuhause haben ... eine speisekammer ... oder wenigstens eine bäckerei!“

die tunesische maus grinste verlegen, liess ihre braunen zähne sehen und hob abwehrend die pfoten. „eine maus wie ich braucht seine freiheit. im übrigen werde ich - wenn überhaupt - einen hausstand nur in europa gründen ... in einer brotfabrik!“

er mahnte, nachdem er gerade einen tiefen blick in seine seele erlaubt hatte, zur eile, wobei er yvonne und elvira heissen tee in aussicht stellte.

sie gelangten aus der kanalisation ins freie und standen kurz darauf vor einem gebäude mit einer goldenen kuppel. „eine moschee!“ erklärte die tunesische maus. sie suchte in der mauer ein schlupfloch und forderte die beiden freundinnen auf, ihr zu folgen.

im inneren fanden sich yvonne und elvira auf dicken, flauschigen teppichen wieder. „ihr müsst eure schuhe nicht ausziehen - ihr habt ja keine“, kicherte die tunesische maus und lief zielstrebig zu einem teppich im hinteren teil der moschee. er war ein wenig zusammen geschoben und bildete auf diese weise in der mitte eine wölbung, die einem zelt glich. dort hinein schlüpfte die tunesische maus und winkte den beiden freundinnen, es ihm gleichzutun.

als sie sich an das dämmerlicht unter dem teppich gewöhnt hatten, entdeckten sie eine maus, die im schneidersitz hockte, ein kleines weisses mützchen auf dem kopf trug und ihnen gleichmütig entgegen sah.

die tunesische maus strich ihr grau-olives fell glatt und verbeugte sich ehrerbietig. "lieber mohammed, ich bitte im namen dieser beiden europäischen mäuse um kurzfristiges asyl in der moschee - und um ein wenig tee.“

die maus mit dem weissen hütchen musterte yvonne und elvira und schnüffelte mit der nase in der luft: „es riecht ... es stinkt ... streng!“

„oh, lieber, bester mohammed, wir kommen geradewegs aus der u-bahn. wir hatten leider keine gelegenheit, uns frisch zu machen.“

„was heisst hier „frisch machen“?“ rief elvira. „wir haben schon seit europa nicht mehr geduscht - einmal abgesehen vom unfreiwilligen bad im hafen von tunis.“

die maus mit der kleinen weissen mütze hob die augenbrauen und sah elvira und yvonne missbilligend an. „sie sprechen nur, wenn sie gefragt sind. alles andere schickt sich nicht ... wo ist ihr hijab?“

„oh, lieber, bester, freundlichster mohammed!“, die tunesische maus verbeugte sich noch tiefer als beim ersten mal. „wir waren bereits auf dem weg zum souk, um den damen kopftücher zu kaufen. wir kamen nur zufällig an der moschee vorbei und dachten ...“

„was du denkst, interessiert niemanden. kommt wieder, wenn die frauen züchtig bedeckt sind. ihr seid entlassen!“ die weissbemützte maus winkte mit der rechten pfote, als wollte sie eine fliege verscheuchen.

„wir sind für ihn nur insekten!“ flüsterte yvonne, als sie mit evira und der tunesischen maus - die mit vielen verbeugungen immer nur rückwärts lief - eilig die teppichhöhle verliess.

„ganz recht!“ zischte elvira. „miese, kleine, heimatlose insekten, die von knochen knabbern, die tausend staatenlose mäuse am strand von tunis nach ihrer grillparty weggeworfen haben!“

die tunesische maus verstand nicht alles, was sich die freundinnen zuflüsterten - hatte jedoch so viel mitbekommen, dass sie yvonne und elvira nach verlassen der moschee mit grösstmöglicher freude in der stimme vorschlagen konnte:

„wie wäre es, wenn ich einen abgenagten knochen suche? wie ich höre, haben die damen grossen appetit!“

24.06.2007 um 13:20 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! dritter teil

„nein, nein - aber ich passe hier am strand und im souk auf, dass mäusedamen aus europa nichts passiert. wenn sie so wollen, bin ich eine art polizist.“

als yvonne das wort „polizist“ hörte, war ihr misstrauen wie weggeblasen. was kann einem besseres passieren, als einen polizisten zur seite zu haben, wenn man in einem unbekannten land urlaub macht?

„dann ist die beimischung von oliv also ihre uniform?“ fragte elvira, die damit haderte, das gewohnt graue mäusebild in tunesien nicht wiederzufinden.

„alle mäuse in tunesien sind grau-oliv, das ist das besondere an uns und hat mit irgendeiner uniform nichts zu tun!“ die tunesische maus klopfte sich umständlich den staub aus dem fell.

also doch kein polizist, dachte yvonne und rief sich flugs ihr misstrauen ins gedächtnis zurück. „wir bleiben besser am strand - hier sind wir wenigstens sicher!“

„woran erkennt man denn eine tunesische polizistenmaus?“ wollte elvira wissen. sie war es gewohnt, allen fragen bis auf den grund zu gehen.

die tunesische maus legte ihren kopf schief und dachte nach. „sagen wir es einmal so: wenn 1000 mäuse, die am strand von tunis eine grillparty feiern, plötzlich fluchtartig das weite suchen ... und schliesslich am grill nur noch zwei mäuse stehen und sich pappsatt essen ... dann sind das mit sicherheit zwei tunesische polizisten.“

„warum haben denn die 1000 mäuse so viel angst vor der polizei ...?“ wollte elvira wissen.

„... weil ihnen die stadtverwaltung bis heute eine identitätskarte verweigert. alle mäuse in tunesien sind - ausser den polizisten - sozusagen staatenlos, also vogelfrei,“ antwortete die tunesische maus mit einem grimmigen ton in der stimme.

"deswegen also die vielen plakate im hafen - wir wunderten uns schon!" rief elvira und unterdrückte einen neuerlichen niessreiz. „dann sollten wir, bevor hier die party so richtig losgeht, ganz schnell verschwinden!“ sie hakte sich bei yvonne unter. „hunger hätten wir nämlich schon - aber leider keinen pass!“

auch yvonne musste einsehen, dass der strand von tunis nur eine trügerische sicherheit bot, in wahrheit aber wohl der unsicherste (und ungesündeste) ort von ganz tunesien war - wenigstens dann, wenn 1000 vogelfreie mäuse zum grillen anrückten.

„lasst uns gehen!“ die grau-olive maus fletschte bei diesen worten ihre spitzen, bräunlichen zähne (ein lächeln war das nicht!) und lief voran.

die beiden freundinnen folgten ihm - immer auf der hut - in gemessenem abstand.

23.06.2007 um 15:58 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! 2. teil

ihre ankunft in tunis gestaltete sich schwieriger als gedacht. yvonne und elvira erkannten bald, dass es unmöglich war, als ganz normale mäuse durch die passkontrolle zu gelangen. alle passagiere wurden nämlich ersteinmal durch eine elektronische schleuse geführt, die immer dann piepste, wenn síe einen revolver, eine handgranate oder eine maus entdeckte.

mäuse aus europa sind in tunesien nicht unbedingt gern gesehene gäste.

davon war offiziell allerdings nicht die rede. stattdessen hingen im hafen plakate und warnten vor der vogelgrippe. „ich verstehe ja, dass sie keine hühner ins land lassen“, seufzte elvira. „aber wir sind doch mäuse ...!“

„... ohne husten und schnupfen!“ ergänzte yvonne und musste plötzlich niesen. als elvira sie erschrocken ansah, rief yvonne eilig: „das ist die trockene luft in tunesien!“

um dennoch ans ziel ihrer reise zu kommen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als über bord zu springen. „du musst dir die nase zuhalten!“ rief elvira ihrer freundin zu und setzte zum sprung an. „wo sind die schwimmwesten?“ jammerte yvonne. weil sie aber ahnte, dass es auf keinem schiff der welt schwimmwesten in übergrösse für mäuse gibt, wickelte sie sich schliesslich in ihren mausgrauen schal und stürzte elvira todesmutig hinterher.

sie kämpften sich durch die hohen wellen, schluckten vom salzigen wasser mehr als mäuse gemeinhin vertragen und erreichten mit letzter kraft den strand von tunis. erschöpft und durchnässt liessen sie sich in den sand fallen und sehnten sich zurück nach europäischen speisekammern und backstuben. elvira war die reiselust gründlich vergangen, yvonne aber blinzelte mit ihren vom salzwasser geröteten augen aufs meer hinaus und stammelte:

„ich kann doch gar nicht schwimmen!“

„brauchen die damen sonnencreme?“

ohne dass sie es bemerkt hatten, stand plötzlich eine maus in ihrem rücken und betrachtete sie neugierig aus kleinen, schwarzen augen.

„wer ist das?“ yvonne rückte furchtsam zu ihrer freundin. elvira war mutiger und wagte einen blick: „so etwas wie eine maus mit schnauzbart und einem fell in grau-oliv!“

„oliv? - dann ist sie nicht von hier!“ flüsterte yvonne. „bei uns gibt es keine oliv-grauen mäuse - oder doch höchstens bei der bundeswehr!“

„was heisst „bei uns“?“ kicherte elvira. „wir sind nicht mehr in europa, sondern in tunesien.“

yvonne musste zugeben, dass ihre freundin recht hatte. „mache dich nur lustig über mich. ich brauche eben ein wenig zeit, um auch mental im urlaub anzukommen“.

„möchten die damen ein wenig spazieren gehen?“ die oliv-graue maus lächelte freundlich unter ihrem schnauzbart, „der souk ist zu dieser tageszeit besonders schön!“

yvonne, die es nicht gewöhnt war, am strand von einer fremden maus angesprochen zu werden, schüttelte energisch den kopf und strich ihren noch feuchten, mausgrauen schal glatt. auch elvira dachte nicht daran, auf das angebot der tunesischen maus einzugehen.

im übrigen wusste sie nicht einmal, was ein „souk“ war - vielleicht eine touristenfalle, in die sie gelockt werden sollten?

„schön, schön - dann bleiben die damen eben noch ein wenig am strand sitzen, bis sie trocken sind. aber vorsicht - die sonne ist gefährlich. haben die damen keinen hut dabei?“

yvonne und elvira hatten an alles mögliche für ihre reise gedacht: an käse, speck und knäckebrot ... nur eine kopfbedeckung befand sich nicht in ihrem gepäck.

„die damen haben keinen hut? dann werden wir auf dem souk erst eine kleinigkeit essen und danach zwei hübsche kopftücher besorgen. alle tunesischen mäusedamen tragen kopftuch - das ist bei uns sitte!“

yvonne wehrte ab: „ich will kein kopftuch - ich habe doch meinen schal dabei!“

die tunesische maus lächelte: „nichts gegen die europäische mode und ihre dezente eleganz - aber hier in tunesien lieben wir es nun einmal ein wenig farbenfroher!“

so plauderte die schnauzbärtige maus freundlich und leutselig daher. eigentlich, dachte yvonne, war diese oliv-graue maus gerade im rechten augenblick gekommen. sie konnte ihnen in einem fremden land wie tunesien durchaus nützlich sein.

elvira hingegen blieb skeptisch und dachte ernsthaft daran, gleich wieder abzureisen, zumal das knäckebrot in ihrem ränzel ganz durchgeweicht und somit ungeniessbar war.

weil sie aber wusste, dass die „ms victoria“ längst die anker gelichtet hatte und auf dem weg nach sizilien war, fasste sie sich schliesslich ein herz und fragte die oliv-graue maus:

„sagen sie einmal - sind sie beim militär?“

wird fortgesetzt!

22.06.2007 um 21:45 Uhr

yvonne und elvira in tunesien! erster teil

es war einmal eine maus. sie hiess yvonne und lebte in einer speisekammer. dort gab es käse und speck im überfluss - deswegen konnte sich yvonne nicht beschweren. sie hatte täglich zu essen - und das nicht zu knapp.

yvonne hatte einige romantische affären mit mäusen. sie hiessen dieter, detlef und hans-georg. mit einer maus - sie nannte sich ludwig - liess sie sich sogar intimer ein. viel zu spät erkannte sie, dass es ludwig nur auf käse und speck abgesehen hatte.

yvonne wurde trotz speck und käse nicht wirklich glücklich. dazu kam, dass sie die besten jahre ihres lebens ("wohin nur, wohin?") mit dieter, speck, detlef, hans-georg und käse vertändelt hatte.

und der gutaussehende ludwig? er war nur das resultat dieser deprimierenden erkenntnis gewesen.

yvonne kleidete sich inzwischen in weite, mausgraue schals, die ihre fülligkeit an den hüften verdecken sollten. sie bevorzugte schals mit senkrechten mausgrauen streifen - denn streifen machen schlank.

allerdings sagte elvira - ihre freundin - eines tages zu yvonne: "ein mausgrauer schal mit mausgrauen streifen bleibt doch immer nur mausgrau".

das grämte yvonne so sehr, dass sie sich voller heisshunger auf käse und speck stürzte. es war wie immer: je heftiger elvira sie kritisierte, desto mehr ass sie.

... weil elvira ihr mauseloch in einer backstube hatte und brot bekanntlich nicht so nahrhaft wie speck und käse ist, konnte yvonne auf diese weise triumphieren, während elvira (aus lauter not) schlank wie eine kirchenmaus blieb.

"wir müssen uns bewegung verschaffen", meinte eines tages elvira und schlug yvonne eine reise nach tunesien vor. (wenn nämlich mäuse in die jahre kommen und dieter, detlef und hans-georg - trotz ihres appetits - an speck, brot und käse achtlos vorüber gehen, müssen sich mäuse etwas neues - meinetwegen eine reise - ausdenken).

also packte yvonne den speck und den käse zusammen, elvira knotete ihr ränzlein mit knäckebrot.

so proviantiert machten sie sich auf die reise.

als blinde passagiere der „m.s. victoria“ überwanden sie das mittelmeer, wobei sich elvira unsterblich in die maus aus der kapitänskajüte verliebte. yvonne indes probierte diverse andere mauselöcher, die allerhand abenteuer versprachen. weil sie aber jedesmal - der leibesfülle wegen - stecken blieb, knabberte sie am ende mittschiffs den mitgebrachten speck und käse und wartete ansonsten auf die neuesten liebesgeschichten ihrer freundin.

als aber elvira ihr eines tages mit tränen in den augen berichtete, dass ihre geliebte maus während eines kaptänsdinners im portwein ertrunken war, schworen sie sich gegenseitig, in ihrem leben keinen alkohol zu trinken. stattdessen wollten sie - so nüchtern wie möglich - auf ihre ankunft in tunesien warten ...

„denn du musst wissen“, raunte elvira, während sie energisch in ihr knäckebrot biss, "tunesische mäuse trinken niemals alkohol!“

wird fortgesetzt!

19.05.2007 um 22:26 Uhr

familie münzelmann am strand!

war das eine freude, als familie münzelmann aus bergriede das fenster ihres hotels öffnete. der prospekt hatte nicht zu viel versprochen: strand - so weit das auge reichte.

die kleine evi jauchzte vor vergnügen und suchte gleich nach der schaufel und dem eimerchen. ihre mutti setzte ihr aber erst noch das sonnenhütchen auf. dann machten sie sich auf den weg an den strand.

herr münzelmann fand auch bald eine windgeschützte stelle. dort begann er eine sandburg zu bauen. als sie fertig war, hisste er darauf die deutsche fahne. evi backte derweil einen sandkuchen und frau münzelmann nahm sich die illustrierte, die sie im flugzeug gefunden hatte, um das neueste aus der weiten welt zu lesen.

"ich gehe mal ins wasser!" meinte herr münzelmann und verliess die sandburg. "wir kommen gleich nach", rief frau münzelmann und suchte in ihrer sporttasche nach den schwimmflossen und der taucherbrille.

sie liess es dann doch bleiben - aber erst, nachdem sie mit evi mindestens elf mal im kreis gelaufen war. von herrn münzelmann fehlte noch beim abendessen jede spur.

"das macht nichts!", tröstete frau münzelmann ihre tochter nach dem dessert. "pappi hat ja das fahrtenschwimmer-zeugnis!"

blick aus dem hotelzimmer ...

01.09.2006 um 18:43 Uhr

familie puffenstedt in bremen! V. (schluss)

es ging schon auf den späten nachmittag zu und familie puffenstedt sass erschöpft auf einer bank unter den rathausarkaden, um ein paar minuten auszuruhen. karl puffenstedt blätterte in der broschüre, die man ihm vor tagen im reisebüro mit den worten : „viel vergnügen bei ihrem besuch in bremen“ überreicht hatte.

wenn die wüssten ... ! dachte karl puffenstedt.

gerda puffenstedt sah ihm neugierig über die schulter. „ich schlage vor, wir beenden die besichtigung, gehen gemütlich eine tasse kaffee trinken und machen uns danach auf den heimweg. was meinst du, karl?“

„das geht nicht, gerda! schaue dir doch den prospekt an. wir haben gerade einmal die seiten 1 bis 15 der besichtigung geschafft - die broschüre aber hat 26 seiten. das heisst, 11 seiten müssen noch abgearbeitet werden ... nein, 10 ...  das inhaltsverzeichnis zählt nicht!“

„reisse die 10 seiten doch einfach raus!“ schlug wilfried vor. irma aber, die sich schon wieder ihre schmerzenden oberschenkel massierte, meinte: „hätten wir den reiseführer bei seite 26 begonnen und uns dann rückwärts bis seite 16 vorgearbeitet, wären wir mit bremen längst durch!“

„dann würden uns aber immer noch die seiten 1 bis 15 fehlen“, gab winfried zu bedenken. irma lachte ihn aus: „ha, ha! hörst du eigentlich niemals zu? hat pappa nicht eben gesagt, dass wir die seiten 1 bis 15 bereits geschafft haben?“

karl puffenstedt blätterte unschlüssig in der broschüre. „ich denke, den rhododendron-park können wir uns sparen ...“

„ ... was ist rodendron?“ fragte wilma.

„ein küchengewürz, glaube ich“, antwortete gerda, die ausser salz und pfeffer keine gewürze in ihrer küche duldete.

„ ... dann wäre da noch das übersee-museum.“

gerda winkte ab. „dazu reicht die zeit nicht. allein die überfahrt dauert schon ... na, mindestens fünf tage!“

„aber die kunsthalle müssten wir doch ...“ weiter kam karl puffenstedt nicht, denn gerda puffenstedt wusste es schon wieder besser: „ ... die brauchen wir auch nicht. der picasso-druck in unserem wohnzimmer ist kunst genug. nach picasso kam sowieso nichts mehr!“

„er müsste nur einen neuen rahmen haben!“ gab karl puffenstedt zu bedenken. „ach, was!“ gerda puffenstedt schüttelte den kopf. „für picasso reicht der alte!“

„dann bleibt in der broschüre wirklich nur noch das schnoor-viertel auf seite 25 übrig.“ karl puffenstedt steckte die broschüre in die hosentasche.

„wie gut, dass es nur ein viertel und kein ganzes ist. das haben wir schnell erledigt!“ rief irma.

die puffenstedts brauchten nicht weit zu gehen, sondern mussten nur die strassenbahnschienen auf der domshaide überqueren. von dort führte eine treppe hinunter in den schnoor, das älteste quartier bremens. karl puffenstedt lief zielstrebig zu einem orientierungsplan, der am eingang zum schnoor aufgestellt war. er fuhr mit dem zeigefinger über das gewirr der kleinen gassen und fragte:

„zur „marterburg“ - oder zur „wüsten stätte“?“

gerda puffenstedt sah ihren mann ungläubig an. „was erzählst du denn da? ist das hier eine geisterbahn?“

irma schüttelte sich: „ich gehe da nicht rein. das ist mir zu unheimlich!“

winfried aber rief: „oh, fein. das hört sich gruselig an.“

gerda puffenstedts entschluss stand fest: „die männer werden allein gehen. irma ist noch viel zu klein für so viel aufregung - und meine schwachen nerven halten das auch nicht durch. wir trinken inzwischen eine tasse kaffee. karl, sieh nach, wo es hier in der nähe ein nettes café gibt!“

karl puffenstedt zog die broschüre aus der hosentasche und blätterte darin. „hier ist eines - das ... „katzencafé“!“

„jetzt reicht es mir!“ gerda war empört. „entweder ist dieser komische schnoor ein ganz schrecklicher ort - oder du willst dich über uns lustig machen. meinst du im ernst, dass ich mich mit irma zu irgendwelchen katzen setze, um einen kaffee zu trinken?“

„ich hasse katzen und trinke nur kakao!“ rief irma.

karl puffenstedt zerriss wütend die broschüre. „macht doch, was ihr wollt! es muss für die damen wohl erst noch ein café erfunden werden, wo sie ohne katzen kaffee trinken können!“

„gibt es in der marterburg auch marterpfähle?“ wollte wilfried wissen.

„selbstverständlich!“ karl puffenstedts war kurz davor, die nerven zu verlieren. seine stimme wurde schrill und überschlug sich: „wenn die indianer nicht gerade in bad segeberg auftreten, skalpieren sie in bremen die besucher!“

„aber nur in der „wüsten stätte“!“ ergänzte wilfried.

gerda puffenstedt nahm aus ihrer handtasche ein erfrischungstuch und rieb sich damit das gesicht ab. „wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nie nach bremen gefahren. hier macht man sich über touristen ja doch nur lustig.“

es bedurfte einiger überredungskunst von karl puffenstedt, bis gerda und irma es wagten, doch noch in den schnoor zu gehen. sie liefen durch schmale gassen und kamen an niedrigen häusern vorbei, in denen früher die fischer und handwerker wohnten und heute künstler leben - in denen aber auch geschäfte untergebracht sind, die andenken und allerlei anderes verkaufen, das keiner wirklich braucht.

„eigentlich ist es hier ganz gemütlich, fast so, als würde man in eine geisterbahn hinein gehen und ... äh ... sich in einem flohzirkus wieder finden!“ stellte gerda puffenstedt überrascht fest. „warum „flohzirkus?“, fragte karl puffenstedt. „ich weiss es nicht ... vielleicht weil hier alles so klein ist ... wie in einer puppenstube.“

„wenn nur nicht die indianer wären, die hinter jeder ecke lauern, um die flöhe in der puppenstube zu skalpieren“, grinste wilfried.

„nicht hinter jeder ecke - nur an der „wüsten stätte“, kicherte karl puffenstedt, der seine blanken nerven schon wieder vergessen hatte - auch weil er nicht befürchten musste, im schnoor mit tückischen fragen konfrontiert zu werden, die er nicht beantworten konnte. hier war alles - fraglos - klein, übersichtlich, beschaulich und gemütlich. „wirklich wie in einem flohzirkus - gerda, du hast recht!“

irma blieb vor einem strassenschild stehen, das in eine besonders enge gasse wies. sie las laut vor:

„spiekerbartstrasse“!

bevor karl puffenstedt gefahr lief, erneut ins schwitzen zu geraten, rief er hastig: „jetzt fragt mich nicht, was ein spiekerbart ist. das kann euch viel besser mein friseur erklären. also wartet, bis wir wieder zu hause sind.“

„aber wie soll denn dein friseur das wissen?“ gerda puffenstedt war erstaunt. „du hast mir doch erzählt, dass er türke ist!“

karl puffenstedt steuerte - er spürte es auf beklemmende weise an der aufsteigenden hitze - schon wieder auf eine falle zu. „richtig ... er kommt, um es genau zu sagen, aus istanbul. aber warum sollte ein türke nicht darüber im bilde sein, was ein spiekerbart ist? soetwas tragen dort doch alle - ich habe es selbst gesehen!“

„aber karl, du warst noch nie in istanbul!“

„aber bei meinem friseur - und da halten sich immer viele istanbulis auf  ....“

„... na, klar! sie lassen sich ihre spiekerbärte stutzen und blättern dabei in atlantis“, grinste wilfried.

es wurde schon dunkel, als familie puffenstedt ins auto stieg, um bremen zu verlassen. als karl puffenstedt auf die autobahn abbog, fragte gerda puffenstedt plötzlich:

„sagt einmal: stand nun der hund auf dem esel - oder der esel auf dem hund?“

ENDE
 

31.08.2006 um 21:33 Uhr

familie puffenstedt in bremen! IV.

kaum hatte familie puffenstedt bei mac donalds ihren „doppel-hamburger-extra“ aufgegessen, drängte karl puffenstedt auch schon zum aufbruch.

„beeilt euch - wir haben doch noch gar nichts von bremen gesehen!“

wilfried meinte zwar, er würde sich viel lieber die schaufenster von karstadt ansehen und irma erklärte, sie wollte sich eine bank in der sonne suchen, das aber verbot ihnen karl puffenstedt und entschied - „ohne wenn und aber“ - die besichtigung der böttcherstrasse in angriff zu nehmen. „wir sind doch nicht zu unserem vergnügen in bremen!“

„und warum dann?“ fragte gerda, seine, frau, erstaunt.

„kultur ist nun einmal anstrengend“, antwortete karl puffenstedt. „denke nur an die schöne wagner-oper, die wir vor einigen jahren in wuppertal gesehen haben ...“

„ ... als du im ersten akt gegangen bist, weil es dir so langweilig war!“

„mir war unpässlich - weiter nichts!“ gab karl puffenstedt beleidigt zurück.

„aber du sollst dich doch nicht überanstrengen. wir werden uns einen stadtführer nehmen!“

diese worte elektrisierten karl puffenstedt. „du hast also den eindruck, dass ich euch nichts über bremen erzählen kann. das meinst du doch!“

„nun sei doch nicht gleich beleidigt. so ein führer weiss vielleicht das eine oder andere noch besser als du ...“

... besser als ich?“ karl puffenstedt sah seine frau erbost an. „ich fahre nach hause - jetzt sofort. wenn ihr meine informationen nicht zu schätzen wisst, geht es bestimmt auch ohne mich.“

irma wollte den streit ihrer eltern schlichten: „so ein führer kostet doch nur geld. besser ist es, du zeigst uns jetzt mal die böttelgasse!“

„da hörst du es, gerda! ich spreche von der böttcherstrasse - und was tut deine tochter? sie redet von irgendeiner büttel ... böttelgasse! du siehst, wie wichtig es ist, einen fachmann dabei zu haben. nun lasst uns zur böttel ... ich meine: zur böttcherstrasse gehen. hier entlang!“

dort angekommen, bat karl puffenstedt um gehör.

„das alles hier sieht sehr alt aus. dabei wurden die häuser erst vor 80 jahren gebaut ...“

„ ... wie alt wurde eigentlich oma?“, unterbrach ihn wilfried.

„wir hatten - das müsstest du eigentlich wissen - gerade ihren 79. geburtstag gefeiert, als der trauerfall über die familie kam.“ gerda puffenstedt war stolz auf diese formulierung, denn den meisten familien geschieht ein trauerfall - doch bei familie puffenstedt kam er über sie.

wilfried erinnerte sich: „oma sah wirklich schon sehr alt aus, dabei war sie erst 79.“

„aber 79 ist doch sehr alt!“, rief irma.

„pappa ist anderer meinung!“

„ich habe nicht mit einer silbe von oma gesprochen, sondern von den häusern in der böttcherstrasse, die uns sehr alt vorkommen ... aber oma sah mit ihren 79 jahren wirklich wie neu aus - oder was meinst du, gerda? “ karl puffenstedt sah seine frau erst verwirrt und dann beleidigt an.

„dabei sind die häuser nur ein jahr älter als oma!“ grinste wilfried.

karl puffenstedt überlegte, warum häuser länger stehen als menschen. er war aber zu konfus, um darauf eine antwort zu finden. deswegen kehrte er lieber auf sicheres terrain - und zu seinem eigentlichen thema zurück.

„gebaut wurde die böttcherstrasse von ludwig roselius. der hatte mit kaffee HAG ein vermögen verdient. er liess alle alten gebäude abreissen und ...“

irma unterbrach ihn. „... was ist kaffee HAG?“

„ein entcoffeinierter kaffee, mein herzchen!“ gerda freute sich, etwas zur geschichte der böttcherstrasse beitragen zu können.“

„und was ist ein entkofferter kaffee?“ irma liess nicht locker.

karl puffenstedt erklärte es ihr: „das ist so ähnlich wie vanille-eis ... ohne vanille.“

„oder schokoladenkuchen ohne schokolade!“ ergänzte gerda puffenstedt.

„ich verstehe das nicht!“ irma fasste sich an den kopf. „wenn überhaupt keine schokolade im kaffee HAG ist, kann man ihn doch auch nicht so nennen.“

karl puffenstedt strich seiner tochter übers haar. „ach, irma - ich glaube, dieser ludwig roselius hat es selbst nicht so genau gewusst. aber wir haben ja seine böttcherstrasse ... und die sehen wir uns jetzt an!“

sie gingen einige schritte, bis sich die gasse zu einem kleinen platz erweiterte. dort stand ein hohes haus mit einem treppengiebel und vielen fenstern. neben der tür war ein schild angebracht: „ludwig-roselius-haus“.

„hier wohnt der mann, der den schokoladenkuchen ohne schokolade erfunden hat“, rief wilfried. karl puffenstedt schüttelte den kopf. „dieser entcoffeinierte roselius ist schon lange tot!“

„wie oma - fast neu - mit 79!“ flüsterte irma.


nur wenig entfernt lag das „haus des glockenspiels“ - so genannt, weil in seinem giebel zu jeder vollen stunde viele glocken ein lied spielen. karl puffenstedt sah auf die uhr, rief: „es geht gleich los!“ und mischte sich unter die touristen, die im halbkreis vor dem haus standen, ihre hälse reckten und auf das noch stumme glockenspiel starrten. karl puffenstedt sah sich um und war überrascht, schon wieder unter die chinesen geraten zu sein. ihr reiseleiter sprach jedoch kein deutsch, wie er es am vormittag beim märchen von den stadtmusikanten getan hatte, sondern erklärte den chinesen das glockenspiel - zum bedauern von karl puffenstedt - auf chinesisch!

er konnte noch so angestrengt hinhören - und verstand doch kein wort. er musste darum, als irma ihn fragte, welches musikstück die glocken spielen, antworten:

„ich glaube ... „an der schönen blauen donau“!“

„aber bremen liegt doch gar nicht an der donau.“

„du hast recht, irma! aber wie sollen das die glocken dort oben wissen?“

als das glockenspiel verklungen war, setzten die puffenstedts ihre besichtigung fort und gingen bis zum ende der böttcherstrasse. dort standen rechts das „robinson-cruseo-haus“ und links das „haus atlantis“. karl puffenstedt wollte schnell daran vorbei gehen, denn er sah fragen auf sich zukommen, die er fürchtete ...

„es muss aber doch „haus atlantik“ heissen - und nicht „atlantis“. hier stimmt etwas nicht. was meinst du, karl?“ gerda puffenstedt sah erst aufs schild, das an der hauswand angebracht war, und dann zu ihrem mann.

„aber gerda! dieses haus hat mit dem atlantik doch gar nichts zu tun ...“

... mit was dann?“

karl puffenstedt begann zu schwitzen. was oder wer war „atlantis“? seine freunde im kegelclub nannten ihn in jedoch nicht umsonst „den meister der improvisation“und wussten um sein talent. deswegen stellte er wilfried sogleich eine frage:

„sage mir einmal die mehrzahl von atlas!“

wilfried musste nicht lange nachdenken: „atlasse!“

„das, mein lieber wilfried ist falsch, ganz falsch. die mehrzahl von atlas ist ... atlantis!“

„ach so!“ gerda puffenstedt seufzte und schien erleichtert. „dann bewahren sie in diesem haus wahrscheinlich ganz viele atlasse auf!“

karl puffenstedt nickte: „genau so ist es!“

er konnte sich jedoch nicht lange über sein talent freuen, denn schon erreichte ihn die nächste tückische frage.

„ was hat denn robinson cruseo mit bremen zu tun?“ wilfried stand vor dem gegenüber liegenden haus und hatte die dazu gehörige tafel entdeckt.

karl puffenstedt räusperte sich. er wollte zeit gewinnen, hoffte, dass ein anderer die antwort wüsste. aber wer? vielleicht der chinesische reiseleiter? er konnte weit und breit keinen chinesen erkennen.

„was ist denn nun mit diesem robinson?“ wilfried wartete ungeduldig auf eine antwort.

„das verstehe ich auch nicht. „robinson cruseo“ ist doch kein haus, sondern ein kinderbuch!“ gerda puffenstedt war zu wilfried getreten und berührte mit ihrer nase fast die tafel (ihre kurzsichtigkeit), um die inschrift zu lesen.

karl puffenstedt dachte angestrengt nach. er kannte alle bücher von karl may - aber von robinson cruseo hatte er nie etwas gelesen. es hämmerte nur so in seinem kopf: bremen - robinson - bremen - robinson.

aber er wäre nicht karl puffenstedt, wenn er auf eine frage keine antwort wüsste. „meine lieben - es ist ganz einfach. robinson war ein angestellter von diesem roselius, der den kaffee ohne kaffee erfand. dieser robinson war so tüchtig, dass man ihm das haus schenkte, vor dem ihr gerade steht. hier hat er sein schönes kinderbuch geschrieben.“

„und wie ist er auf die einsame insel geraten?“ wollte wilfried wissen, denn er hatte - anders als sein vater - das buch gelesen. karl puffenstedt war erneut ratlos. eine insel? wo? er kannte das buch doch überhaupt nicht. „gut, dass du fragst, wilfried. fast hätte ich es vergessen. ich sagte euch doch, dass herr roselius im kaffee-handel tätig war. und deswegen machte robinson eines tages eine kaffeefahrt ...“

„ ... um kaffee ohne kaffee zu trinken?“ wollte irma wissen.

„genau so! aber dann trieb ein sturm das kleine schiff aus der weser hinaus aufs meer ... den rest kennt ihr ja!“

gerda puffenstedt war stolz auf ihren mann: „wenn wir dich nicht hätten. auf jede - wirklich jede frage hast du eine antwort.“ sie hatte plötzlich kaffeedurst. aber ...

... wo war wilfried? sie konnten ihn nirgends entdecken. er musste sich heimlich fortgeschlichen haben. sie schlug vor, in richtung marktplatz zu gehen. „er wollte sich doch die schaufenster von karstadt anschauen!“

so weit mussten sie aber gar nicht gehen, denn wilfried kam ihnen schon bald entgegen.

„wo warst du denn?“ wollte gerda puffenstedt wissen.

„ich habe alle inschriften, die an den häusern angeschraubt sind, gelesen. das ist wirklich lustig. soetwas sollten wir auch haben: „haus puffenstedt“. hier gibt es auch noch ein „haus st. petrus“ und das „paula becker-modersohn-haus“ ...

... pappa, kannst du mir mal sagen, wer paula becker modersohn war?“

karl puffenstedt schnappte entsetzt nach luft und griff sich an den plötzlich viel zu engen hemdkragen.

irma aber legte den kopf schief und rief: „was für ein komischer name! warte nur ...

... pappa puffenstedt weiss alles!“

30.08.2006 um 12:35 Uhr

familie puffenstedt in bremen! III.

karl puffenstedt drängte zum aufbruch. es mussten in kurzer zeit allerhand sehenswürdigkeiten bremens kennengelernt werden. da durfte keinesfalls getrödelt werden. sie hatten sich, wie er meinte, schon viel zu lange bei nebensächlichem aufgehalten - etwa bei der frage, wer nun in bremen die klinken der domtüren putzen und wer die drehorgel spielen musste. diese regionalen absonderlichkeiten spielten fürs grosse und ganze jedoch überhaupt keine rolle ... und karl puffenstedt ging es stets und immer nur um das grosse - und noch viel mehr um das ganze.

„im grossen und ganzen haben wir genug vom marktplatz gesehen. wenn ihr noch fragen habt, dann stellt sie jetzt. ansonsten lasst uns die nächste besichtigung in angriff nehmen!“ er stürmte los, seine familie hinterdrein.

„sie müssen hier irgendwo sein!“ karl puffenstedt blickte sich ratlos um. nun waren sie schon sechs mal ums rathaus herum gelaufen.

irma maulte: „mir tun die füsse weh. wie viele runden sind es denn noch?“

„sie müssen hier irgendwo sein!“ wiederholte karl puffenstedt ärgerlich. „wir können doch nicht aus bremen abfahren, ohne sie gesehen zu haben!“

„was gesehen haben?“ gerda puffenstedt war ganz ausser atem. der absatz ihres rechten schuhs war abgerissen - deswegen humpelte sie ihrer familie schon die ganze zeit - runde um runde - ums rathaus hinterher.

„aber gerda, wofür ist bremen denn bekannt?“ karl puffenstedts frage klang wie ein einziger vorwurf.

„für das rathaus und den roland!“ rief wilfried und blies ein kaugummi auf, bis es als grosser ballon vor seinem gesicht stand.

„das auch!“ erwiderte karl puffenstedt und wurde immer ungeduldiger. „es gibt aber noch etwas anderes!“

irma massierte ihre oberschenkel. „das heisst dann wohl: noch ein paar runden um dieses dämliche rathaus!“

„nein, das tue ich mir nicht an!“ gerda puffenstedt hinkte zu den rathausarkaden und suchte sich einen sitzplatz. „mit diesen schuhen gehe ich keinen schritt weiter. wir haben auch genug gesehen. roland und rathaus reichen. viel grösser ist bremen ja auch nicht!“

„ich weiss aber doch, dass sie hier irgendwo sind!“ rief karl puffenstedts zornig.

„anstatt etwas zu suchen, das du doch nicht findest, solltest du besser ausschau nach meinem absatz halten. das wäre wirklich hilfreich!“ gerda puffenstedt besah sich beleidigt ihren rechten schuh, der völlig schief getreten war.

„ich habe durst!“ maulte irma. „ich hab hunger und will jetzt pommes frites mit majo!“ ergänzte wilfried und liess den kaugummi-ballon platzen.

„mund gehalten - jetzt wird besichtigt!“ karl puffenstedt wollte ein machtwort sprechen, hatte aber nicht mit seiner frau gerda gerechnet, die ihn ungläubig ansah und fragte:

„und was, bitteschön?“

„das, was ich nicht finden kann!“ schrie karl puffenstedt. ihm waren die nerven durchgegangen. „und wenn du“, er drehte sich drohend zu wilfried, „noch einmal ein kaugummi platzen lässt, dann setzt es eine backpfeife!“ karl puffenstedt war noch nicht zu ende. als nächstes war seine frau an der reihe: „wie oft soll ich dir eigentlich noch sagen, dass man mit hochhackigen schuhen nicht in die berge und nach bremen fährt!“ seine tochter irma aber schrie er an: „mädchen in deinem alter haben - verdammt noch mal - keinen durst, hast du das verstanden?“

in diesem moment kam ein polizist vorbei. karl puffenstedt rief „hallo, sie da!“ und winkte ihn heran. „ich heisse classen, oberwachtmeister classen - und nicht „hallo sie da“, merken sie sich das.“

„woher soll ich ihren namen wissen, herr claussen?“ karl puffenstedt war verärgert. was bildete sich diese amtsperson eigentlich ein?

„classen! mein herr, oberwachtmeister classen vom 1. polizeirevier ... innenstadt!“

„dann können sie uns hoffentlich sagen, wo wir die bremer stadtmusikanten finden. sie kennen sich doch wohl irgendwie in der innenstadt aus!“

„gleich um die ecke - sie sind nicht zu übersehen!“ antwortete der polizist, tippte einmal an seine mütze und ging seiner wege.

„nicht zu übersehen!“ karl puffenstedt wiederholte empört die worte des beamten. er war beleidigt. „sind die polizisten hier alle so rechthaberisch?“

der polizist hatte - karl puffenstedt musste es schliesslich einsehen - recht. gleich um die ecke standen auf einem sockel die bremer stadtmusikanten. karl puffenstedt hatte sie bei seinen sechs runden ums rathaus einfach übersehen. „sie sind ja auch sehr klein!“ sagte er entschuldigend zu seiner frau gerda. „bremen ist ja auch nicht besonders gross!“ antwortete sie und hinkte auf einem bein um ihren mann herum.

wilfried setzte zu einem neuen, noch grösseren kaugummi-ballon an: „und was spielen sie den ganzen tag?“

„sie singen!“ korrigierte ihn irma.

„hörst du was - ich nicht!“ wilfrieds kaugummi-ballon zerplatzte mit einem lauten knall.

„ach, gottchen - sind die niedlich!“ gerda humpelte zum sockel des denkmals und besah sich von nahem (sie war kurzsichtig) den esel, den hund, die katze und den hahn.

karl puffenstedt blieb in einiger entfernung stehen und setzte zu einem weiteren vortrag an: „das sind die bremer stadtmusikanten. sie heissen so, weil die gebrüder grimm es so wollten. sie haben nämlich ein märchen geschrieben, das „die bremer stadtmusikanten“ heisst. was ihr hier seht - irma, schau gefälligt hin! - sind ein esel, ein hund, eine katze und ein hahn - von unten nach oben gesehen.“

„oder ein hahn, eine katze, ein hund und ein esel - von oben nach unten gesehen“, bemerkte wilfried, als sei ihm soeben eine besondere erkenntnis zuteil geworden.

„und der arme esel muss alle tragen - den hund, die katze und den hahn“, warf irma traurig ein. „warum tut er das?“

„weil es so“, erwiderte karl puffenstedt. „bei den gebrüdern grimm steht.“

„dort heisst es wirklich, dass der esel die katze ... ich meine der hund die katze und den hahn tragen muss? das glaube ich nicht.“ gerda puffenstedt schüttelte den kopf.

„natürlich steht dort nicht, dass der hund den esel, ich meine der esel den hund, die katze und den esel ... nein, den nicht ... tragen muss. im märchen steht nur, dass der hahn den hund, die katze aber den esel trägt - oder so, weiter nichts.“

„schon klar - sonst würde hier in bremen ja auch nicht der hund auf dem esel, die katze auf dem hund und der hahn auf der katze stehen!“ wilfried zeigte auf das denkmal. „unsere frage war aber, warum ... w-a-r-u-m ... der hund auf dem esel, die katze auf dem hund und der hahn auf der katze steht.“

karl puffenstedt starrte auf die bremer stadtmusikanten, konnte sich aber beim besten willen nicht an das märchen der gebrüder grimm erinnern. es fiel ihm nur das märchen von „frau holle“ ein - und das passte wahrscheinlich nicht hierher.

in seine ratlosikeit platzte eine chinesische reisegruppe, die sich im halbkreis vor dem denkmal aufstellte. gerda puffenstedt, die immer noch von ganz nah zum esel, dem hund, der katze und dem hahn hinauf schaute, sprang zur seite, als sich die kameraobjektive auf sie richteten. „nein, nein - ich war doch gar nicht beim friseur!“

ein chinese löste sich aus der gruppe und begann, einen vortrag zu halten. karl puffenstedt hörte nicht hin. er wusste, dass der reiseleiter den chinesen auf chinesisch passende rezepte für die zubereitung von eseln, hunden, katzen und hühnern verriet. „sie essen eben alles!“ murmelte karl puffenstedt, wurde aber hellhörig, als der reiseleiter davon sprach (aber warum denn plötzlich auf deutsch?), dass „die tiere eines tages am haus der räuber vorüber kamen. weil sie aber wissen wollten, was im haus geschah, mussten sie durchs fenster hinein schauen. deswegen stellten sie sich aufeinander und der hahn - weil ganz oben - berichtete den anderen, was er sah.“

karl puffenstedt freute sich, dass die chinesische reisegruppe bald weiter zog - und noch viel mehr, dass gerda, irma und wilfried offensichtlich den vortrag des reiseleiters nicht mitbekommen hatten. so konnte er ihnen endlich erzählen, warum esel, hund, katze und hahn aufeinander stehen - und keiner würde je erfahren, dass er sein wissen von einem chinesen hatte.

er rief seine familie zusammen und bat wilfried: „kannst du deine frage noch einmal wiederholen?“

wilfried dachte nach. „wann gibt es pommes frites mit majo?“

„nein, die andere frage!“ karl puffenstedt wurde ungeduldig. weil aber wilfried nichts mehr einfiel, meldete sich irma zu wort: „wann gibt es etwas zu trinken?“

„diese frage meine ich auch nicht. warum seid ihr eigentlich so begriffsstutzig? ihr habt doch vorhin gefragt, warum esel, hund, katze und hahn aufeinander stehen!“

es muss doch nicht auf jede frage eine antwort geben!“ mischte sich gerda puffenstedt ein. „mir ist es, ehrlich gesagt, auch ganz egal!“

„ich werde es euch erklären ...!“ karl puffenstedt holte tief luft, konnte aber mit seinem vortrag nicht beginnen, weil gerda, wilfried und irma in richtung marktplatz davon liefen.

karl puffenstedt rief ihnen hinter her. „wohin wollt ihr?“

„zu macdonalds ... da gibt es pommes mit majo ... und eine cola dazu“, hörte er seine familie im chor rufen.

„wenigstens einmal eine vernünftige antwort auf so viele fragen!“ seufzte karl puffenstedt und folgte eilig seiner familie.

wird fortgesetzt!

BREMEN ISCHA ZU UND ZU SCHÖN!

25.08.2006 um 18:36 Uhr

familie puffenstedt in bremen! II.

karl puffenstedt wollte seiner frau und den kindern den aufenthalt in bremen unvergesslich machen. deswegen hatte er sich vorgenommen, einen kleinen vortrag über bremen zu halten. nur leider - er hatte keine zeit gehabt, ihn auszuarbeiten. das bereitete ihm jedoch weiter kein kopfzerbrechen. im kegelclub fiel immer auf ihn die wahl, wenn es galt, aus dem stegreif und spontan eine launige rede zu halten - sei es zu jubiläen oder geburtstagen - bei denen vor allem.

er bat seine frau und kinder, im kreis aufstellung zu nehmen. es sollten doch alle hören, was karl puffenstedt zu sagen hatte.


„liebe gerda, lieber wilfried, liebe irma - wir befinden uns auf dem schönen marktplatz in bremen. wir alle freuen uns ... äh ... unser rüstiges geburtstagskind ... äh ...“. karl puffenstedt hatte - schneller als gedacht - den faden seines vortrags verloren. er vertraute jedoch auf sein talent zur improvisation und fuhr fort: „ ... begehen zu können ... ich meine natürllch, diesen schönen tag begehen zu können. ein älteres geburtstagskind fragt man nicht mehr nach den lebensjahren, vor allem dann nicht, wenn das geburtstagskind gar kein kind mehr ist ... „ (karl puffenstedt freute sich über diesen letzten satz. den musste er sich unbedingt merken, um ihn bei gelegenheit in einer geburtstagsrede zu verwenden). „darum schweigt des sängers höflichkeit bei der frage, wie alt bremen ist. ich sage nur: man ist so jung, wie man sich fühlt. deswegen stehen hier auch so viele alte häuser herum.“

irma puffenstedt gähnte: „wird denn wenigstens irgendwo party gefeiert - ich meine: so eine richtig geile geburtstagsparty mit girlanden und torte?“

jetzt drängte sich eine den puffenstedts gänzlich unbekannte passantin heran, die nur das wort „geburtstag“ gehört hatte. sie war eine gebürtige bremerin und rief: „nicht vergessen, am dom die treppen zu fegen!“ und blieb bei familie puffenstedt stehen, um den erklärungen von karl puffenstedt zu lauschen.

karl puffenstedt bemerkte, dass er seinem vortrag eine richtung gegeben hatte, die offensichtlich bei seiner familie und der bremerin zu missverständnissen führte. er kannte nicht einmal das alter bremens - folglich auch nicht, ob eine geburtstagsrede überhaupt angebracht war. auf diese weise - das ahnte er - konnte er seinen vortrag nicht retten.

gerda puffenstedt war längst entrüstet: „aber karl - du hättest uns doch sagen müssen, dass wir zum geburtstag eingeladen sind. das ist mir ja so peinlich. wir haben gar kein geschenk für das geburtstagskind dabei. wo ist es eigentlich?“

karl puffenstedt wusste nicht, wie er seinen verunglückten vortrag einigermassen sinnvoll zu ende bringen sollte. wenn sogar gerda ihn falsch verstand, musste er irgendetwas gründlich falsch gemacht haben.

„aber gerda! ich sagte doch gerade, dass keiner weiss, wie alt bremen ist. wie soll man unter diesen umständen geburtstag feiern?“

„ganz einfach - auf verdacht!“ wilfried puffenstedt zog ein kaugummi zwischen den zähnen hervor und liess es - den arm ausgestreckt - schmatzend in den mund zurück schnellen.

„darf ich jetzt bitte mit meinem vortrag fortfahren?“ karl puffenstedt sagte das mit strengem ton - so als hoffte er, auf diese weise seine angeschlagene autorität zu festigen.

„wie ich schon sagte: bremen ist eine sehr alte stadt ...“

„ ... und feiert heute geburtstag - das wissen wir bereits!“ irma puffenstedt besah sich gelangweilt ihre fingernägel.

„ ... eine sehr alte stadt mit einem schönen rathaus. bremen gehörte einst zur hanse - deswegen nennt sie sich auch hansestadt bremen.“

„was ist „hanse“?“ wilfried puffenstedt sah seinen vater neugierig an - er wollte ihn mit dieser frage offensichtlich in verlegenheit bringen.

„ ... und was ist hansaplast?“ wollte gleich darauf irma puffenstedt wissen.

karl puffenstedt dachte angestrengt nach, als auch gerda puffenstedt noch etwas einfiel: „es gibt sogar einen yogurt, der „hansano“ heisst!“

schliesslich meldete sich die bremerin zu wort: „nicht zu vergessen: der schöne borgward hansa!“

karl puffenstedt brach der schweiss aus. dennoch wollte er seinen vortrag unbedingt zu ende bringen.

„später ... ich werde euch alles später erklären. oder habt ihr es schon einmal erlebt, dass ich euch eine frage schuldig geblieben bin?

„pappa puffenstedt weiss alles!“ irma puffenstedt seufzte.

„jawohl - und deswegen kommen wir jetzt zum wahrzeichen bremens. schaut bitte dort hinüber: das ist der roland.“ karl puffenstedt zeigte auf den steinernen ritter, der einen langen schatten auf den marktplatz warf.


„und wer ist dieser roland?“ fragte irma puffenstedt gedehnt.

wilfried puffenstedt spuckte sein kaugummi durch eine seiner zahnlücken und rief: „wahrscheinlich einer der vielen geburtstagsgäste!“

„die müssen aber unbedingt eine drehorgel dabei haben!" mit diesen worten eilte die bremerin davon.

„wer war das?“ fragte gerda puffenstedt ihren mann. „kennst du sie?“

karl puffenstedt schüttelte den kopf. „nein - aber sie ist bestimmt dankbar, in so kurzer zeit so viel über bremen erfahren zu haben!“

 

wird fortgesetzt!

BREMEN ISCHA ZU UND ZU SCHÖN!

25.08.2006 um 09:50 Uhr

familie puffenstedt in bremen! I.

familie puffenstedt hatte beschlossen, in diesem jahr nicht in urlaub zu fahren. immerhin hatte tochter irma schon einen goldhamster und sohn willfried einen legobaukasten bekommen. ausserdem gab es für gerda puffenstedt einen mixer namens „zauberstab“ und für karl puffenstedt eine lammfellauflage für die autositze. für einen urlaub fehlte also das geld.

wie gross war da die freude, als vater puffenstedt seine familie zu einem kurzausflug nach bremen einlud. „wir wollen doch mal sehen, ob die stadtmusikanten noch stehen“, sagte er.

an einem samstag im august machten sie sich auf den weg. karl puffenstedt parkte das auto vor den toren der stadt - mit einem sammelfahrschein ging es direkt zum marktplatz. gerda puffenstedt staunte nicht schlecht, als sie das rathaus sah. „steht das hier immer - oder nur im sommer, wenn touristen vorbeikommen?“ fragte sie ihren mann. sie dachte dabei an die blitz- und geisterbahnen auf den jahrmärkten, die ja auch nur zeitweise aufgebaut werden. sie dachte auch: soetwas schönes muss doch geschont werden!

„aber gerda! das ist doch das bremer rathaus. dort regiert der bürgermeister!“

„aber es nützt sich doch ab - mit der zeit. ich meine: wir sitzen doch auch nicht täglich im wohnzimmer, oder?“

„ ... weil die neue garnitur geschont werden muss!“ ergänzte karl puffenstedt. „... unsere küche ist aber sehr ungemütlich!“ meinte wilfried puffenstedt. „ ... man kann da noch nicht einmal fernsehen!“ nörgelte irma puffenstedt.

karl puffenstedt dachte nach. „vielleicht regiert der bürgermeister gar nicht das ganze jahr im rathaus, sondern nur im sommer, wenn er sich den touristen am fenster zeigen muss!“

gerda puffenstedt sah an der fassade hinauf. „siehst du ihn - ich nicht!“

„vielleicht zieht er sich gerade die puschen an!“ gab karl puffenstedt zu bedenken.

„und wozu soll das gut sein?“ gerda puffenstedt schaute ihren mann skeptisch an.

„na, um das rathaus zu schonen, du dummchen!“

wird fortgesetzt!

BREMEN ISCHA ZU UND ZU SCHÖN!

20.08.2006 um 13:58 Uhr

boah - fegen statt fliegen!

weil wir nun nicht die ganze nacht im dustern `ich sehe was, was du nicht siehst´ spielen konnten, pennten charly und ich bald ein. leider polterte es schon um sechs uhr morgens an der zellentür. frühstück! eine tasse tee und weissbrot mit marmelade. ich finde das eine frechheit, uns  so früh zu wecken. immerhin waren wir im urlaub. vom frühstück will ich gar nicht sprechen - das war unter aller kanone. wenn das hier immer so ist, kommt bald keiner mehr nach malleorka - garantiert! kaum hatten wir das, was sie hier frühstück nennen, aufgegessen, ging die zellentür schon wieder auf und ein mann kam herein. der war nun wirklich schnieke angezogen - schwarzer anzug, schlips und kragen. der geht bestimmt nie an den strand!
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„meine herren“ (damit waren charly und ich gemeint!), „ich darf mich vorstellen: der deutsche generalkonsul auf malleorka. ich bin unter anderem für die betreuung straffällig gewordener deutscher urlauber zuständig. ich kann ihnen die gute nachricht überbringen, dass ihre haftstrafe verkürzt wurde. sie können das gefängnis jetzt sofort verlassen. die spanischen behörden erwarten aber zuvor die hinterlegung der geldstrafe.“ ich hätte den netten herrn gern zum tee eingeladen, um das finanzielle in aller ruhe auf die nicht vorhandene reihe zu bekommen - aber es war kein tee mehr da. „ausserdem hat mich der anwalt ihres hotels angerufen. er hat eine anzeige wegen sachbeschädigung angestrengt“ (angestrengt, au-backe!). „der schaden im demolierten hotelzimmer beläuft sich auf 3.000 euro - zahlbar zusammen mit der geldstrafe. hier ist der richterliche bescheid des zivilgerichts von palma.“ der anzug-heini hielt uns den wisch hin. jetzt war ich eigentlich ganz dankbar, dass wir keinen tee mehr hatten. charly sass auf der pritsche und dachte nach (das sah ich, weil er versuchte, seine verbogene nase gerade zu biegen. immer wenn charly sich an die nase fasst, kommen ihm die besten gedanken). „kennen sie boy george?“ fragte er plötzlich den schlips-heini. „leider nicht. wie sollte ich auch alle häftlinge in diesem gefängnis kennen?“ schlips-heini verzog den mund. das sah aus, als hätte er die paeja vom vortag noch nicht richtig verdaut. „quatsch, boy george ist kein häftling, sondern ein sänger.“ „so, so, dann soll er mal immer hübsch singen“, antwortete schlips-krawatte. „nun hören sie doch einmal zu!“ charly wurde so laut, dass ich schon seine nächste jähzorn attacke im anmarsch sah. „boy george wurde vom gericht verknackt. er musste aber keine dollars abdrücken, sondern in new york die strassen fegen.“ schlipsi, also der herr im schnieke anzug, schien ungeduldig zu werden. „und was hat das - bitte - mit ihrem fall zu tun?“ charly stand von der pritsche auf und stellte sich ganz dicht vor schlipsi hin. jetzt gibts gleich eine geballert, dachte ich. da irrte ich mich aber. „sehr viel“, sagte charly. „wir werden nämlich in malleorka die strassen fegen.“ das war ja sowas von irre nachgedacht! beim strassenfegen kann man echt viel geld sparen. ich hatte aber noch eine viel bessere idee: „wir fegen immer rund um den BALLERMANN!“ (so würden wir den BALLERMANN doch noch kennenlernen, dachte ich mir). „das ist unsinn! darauf gehen die spanischen behörden nicht ein. vergessen sie es, meine herren. wenn sie aber nicht genug geld dabei haben, streckt das deutsche konsulat vor und stellt ihnen die geldstrafe anschliessend in deutschland in rechnung. zahlen sie nicht, wartet der nächste prozess auf sie - haben sie mich verstanden?“ wir hatten - also noch mal knast in deutschland - aber hoffentlich mit kaffee und brötchen und keiner paeja, sondern bockwurst mit senf. ******************************************************************
„für wieviele tage haben sie denn ihren urlaub gebucht?“ schlipsi war wirklich ziemlich neugierig. „sieben tage“, sagte ich. „aber eigentlich nur sechs, oder soll ich den knast-tag als urlaub mitrechnen?“ schlipsi schüttelte den kopf: „da hätte ich meinen urlaub aber anders geplant. sie kommen doch nicht nach malleorka, um im gefängnis zu sitzen!“ „ach!“, sagte charly, „so schlimm ist das gar nicht. nur das fenster stört ein wenig“. „was ist mit dem fenster?“ wollte schlipsi wissen. „es hat keinen meeresblick“, sagte charly. *******************************************************************
„na, gut! sie haben sieben tage urlaub gebucht. dann nutzen sie bitte die restliche zeit auf vernünftigere weise. wie lange sind sie denn noch auf malleorka?“ das war eine gute frage, die schlipsi stellte. ob charly es wusste? ich wusste es nicht. „es wird sich um einige tage handeln!“ meinte charly. also wusste er es auch nicht. „aber meine herren, sie müssen doch ihren termin zum abflug kennen.“ charly bog an seiner nase ... er dachte nach! „jetzt weiss ich es: wir sind letzten sonntag auf malleorka angekommen. aber fast wären wir in korsika gelandet. das soll aber auch eine ganz nette insel sein.“ schlipsi kuckte charly an, als wäre er vom glauben abgefallen (er oder charly - wer genau abgefallen war, weiss ich nicht!). „meine herren! wenn sie am letzten sonntag in malleorka angekommen sind, ist heute ihr abflugtag - heute ist nämlich montag!“ da hatte er recht: gestern war sonntag - und montags beginnt immer die woche. deswegen bin ich montags auch immer krank. „ich habe magenschmerzen!“ sagte ich. es ist komisch: wenn ich sowas sage, habe ich sie auch sofort. deswegen sag ich auch nie, dass ich ohrenschmerzen habe. das tut nämlich mehr weh! ****************************************************************
„ihre schmerzen können sie zu hause auskurieren!“ schlipsi kuckte ganz streng. „nun verpassen sie mir ja nicht ihr flugzeug. sie haben uns schon genug scherereien gemacht!“ ich verstand schlipsi nicht. er war doch gar nicht dabei, als die betten auf die strasse flogen. oder war etwa er es, der unten „aua“ geschrieen hatte? „wo hat es sie denn erwischt - etwa am kopf?“ fragte ich. „meine herren, holen sie jetzt ihr gepäck aus dem hotel und fahren sie zum flughafen. man wartet dort nicht auf sie!“ „um so besser,“ sagte ich, „ich kann mit meinen magenschmerzen sowieso erst morgen los - höchstens!“ *******************************************************************
„wir zahlen ihnen kein ersatzticket nach hause - machen sie, was sie wollen. aber ich rate ihnen, sofort zum flughafen zu fahren.“ ich wollte gerade sagen, dass wir für das ersatzticket ja einfach - wie schon mal erwähnt - rund um den BALLERMANN fegen könnten, da dreht sich schlipsi um und geht weg - einfach weg! *******************************************************************
auf dem flughafen fiel mir ein, dass ich illy ja noch gar keine ansichtskarte geschickt hatte. ich kaufte eine und schrieb: „liebe illy, das wetter auf malleorka ist sehr schön. die paeja schmeckt toll. der BALLERMANN war grosse klasse und wir haben sogar sowas ähnliches wie den bundeskanzler kennengelernt. viele grüsse!“ dann mussten wir ins flugzeug. warum wir fast in florenz gelandet wären, sag ich nicht. daran ist charly schuld. dafür sind wir mit mühe und not (mit der am meisten) in zürich runter gegangen. warum? ich sage nur so viel: da sitzt charly jetzt im knast. das ist auch beruhigend: denn dort bekommt er bestimmt geschnetzeltes statt paeja!

ENDE

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malle für alle - die täglich neuesten nachrichten vom BALLERMANN

19.08.2006 um 14:25 Uhr

boah - paeja im knast!

die zelle war zwar nicht erste sahne - aber es gibt bestimmt schlechtere unterkünfte in malleorka. charly und ich machten es uns gemütlich, es fehlte eigentlich nur das six-pack becks. dann wärs perfekt gewesen. wenn ich die wahl hätte, am strand herumzuliegen oder auf einer pritsche die beine auszustrecken, würde ich immer die pritsche vorziehen. da braucht man keine sonnencreme, keinen sonnenschirm ... und einen sonnenbrand holt man sich auch nur in den seltensten fällen. das einzige was störte, war mein hunger. ich hatte schon hallus nach bockwurst mit senf. charly gings genauso. er meinte, dass er sogar nach dem leberkäse greifen würde - todesmutig der mann! das problem löste sich jedoch ganz von selbst, denn plötzlich ging die zellentür auf und man brachte uns was zu essen. der wachmann sagte: „senores, paeja!“ und zeigte auf eine gelbe papse auf den tellern. „i-gitt, das esse ich nicht“ sagt charly. „aber charly, das ist original spanisch. paeja gibts wirklich nicht alle tage! jetzt können wir zu hause erzählen, dass wir auch mal richtig bei der spanischen küche zugelangt haben.“ charly kuckt sich die paeja genau an. „was ist denn da alles drin?“ fragt er und rümpft seine verbogene nase. „das weiss ich nicht, charly. im zweifelsfall alles, was im „bratwurstglöckerl“ an resten übrig geblieben ist. „etwa auch leberkäse?“ fragt charly. „ja, vielleicht auch der!“ „dann esse ich nichts von dieser paps-paeja!“ ruft charly. „aber charly, du hast doch gerade gesagt, du würdest dir zur not auch einen leberkäse reinziehen.“ charly schüttelt sich. „aber echt nur vom pappteller und nicht in soner papse." ********************************************************************************* wir assen die paeja dann doch - der leberkäse schmeckte irgendwie nach fisch - oder waren es die reste von bockwurst, die nach thun schmeckten? wenigstens ging plötzlich das licht aus. „was soll das denn?“ schimpft charly und hustet. er hatte sich böse verschluckt. wie soll man auch im dunkeln eine paeja essen? ich meine: eine pizza wäre kein problem - bei der kann es ruhig stockfinster sein, weil man ja weiss, wie so eine pizza aussieht. da muss man gar nicht mehr hinkucken. bei einer paeja ist das aber ganz was anderes. in der dunkelheit verliert man leicht mal die orientierung auf dem teller. ****************************************************************************************** ich kuckte auf meine uhr. „du charly, die dissen machen erst in vier stunden auf - was machen wir so lange im dunklen?“ charly schien zu überlegen. „wir könnten ne runde `ich sehe was, was du nicht siehst` spielen!“ ich wusste: uns kam die langeweile besuchen. jetzt merkte ich erst, was für einen unsinn ich geredet hatte. „ach, was, charly! wir können gar nicht auf die piste - wir sitzen ja im gefängnis!“ charly dachte nach (so viel hatte er in seinem ganzen leben noch nicht nachgedacht) und sagt dann: „du hast recht: einmal kommt man nicht rein und einmal nicht raus. das ist der kleine unterschied zwischen „crystall-palace“ und diesem applisiment hier.“ ich wusste gar nicht, dass charly ein filosof ist! ************************************************************************************* wir machten es uns auf den pritschen gemütlich. ich wollte gerade eine runde schnarchen, als es mir kühlschrankkalt über den rücken (direkt vorbei an der tätowierten vollbusigen dame) rieselte (oder soll ich sagen: lief?). „charly, sag mal: wir müssen der policia doch noch allerhand euros abdrücken. woher nehmen wir die?“ charly wickelte sich umständlich aus der wolldecke (er sagt immer: bei hitze hilft nur hitze!), sah mich aus grässlich blau geschwollenen augen an und sagt: „mach dir mal keine sorgen. es ist wie überall. man kann die geldstrafe auch im knast absitzen!“ ich war erleichtert. das war immerhin eine lösung. „und wie lange müssen wir dann in dieser hübschen zelle hocken?“ charly überlegt. „ich denke mal: 10 monate, oder so!“ über mir dabbelte eine höllische depri, als ich das hörte. sie wollte gerade auf meinen kopf fallen, als charly noch sagt: „das ist echt praktisch. wir kommen, wenn ich richtig rechne, pünktlich zum nächsten urlaub hier raus. das spart geld. wir brauchen im nächsten jahr gar keinen flug nach malleroka zu buchen - wir sind ja schon da!“ ******************************************************************************************************** malle für alle - die täglich neuesten nachrichten vom BALLERMANN