dank an DEUTSCHLAND!
die erklärung erschien unlängst in vier grossen tageszeitungen als geschaltete anzeige. es liegt mir fern, die situation aller migranten in deutschland als rosarot zu sehen. die ereignisse in den vergangenen wochen ergaben mit einiger tiefenschärfe, dass integration noch immer nicht verwirklicht - und von mancher seite (wie der türkischen) auch wohl gar nicht gewollt ist - wenigstens dann, wenn man den worten des türkischen ministerpräsidenten glaubt.
umsomehr rührten mich die worte, die ein syrer, der in deutschland lebt, für seine neue heimat gefunden hat. es wäre vielleicht an der zeit, auch einmal das geglückte leben ausländischer bürger in deutschland aufzuzeigen - dabei aber nicht vergessend, dass deutschland grosse anstrengungen unternehmen muss, um auf dauer zur heimat vieler nationalitäten zu werden. das bedeutet aber auch die anstrengung der migranten, in deutschland wirklich anzukommen.
„Dankeserklärung an Deutschland für 50 Jahre meines Lebens in diesem Land als Aus-In-Länder
Am
27. Dezember 1957, als syrischer Staatsbürger, zwecks Studium in
Deutschland auf dem Flughafen Frankfurt a. M. angekommen. Heute, am 27.
Dezember 2007, pensionierter Dipl.-Kaufmann, deutscher Staatsbürger,
überglücklicher Ehemann einer Deutschen, Vater von zwei wunderbaren,
erwachsenen Kindern und Großvater von drei goldigen Enkelkindern. Für
diese 50 Jahre in Deinem Haus möchte ich von ganzem Herzen sagen:
Deutschland ich danke Dir.
Meine Beziehung zur Dir, Deutschland, kurz in Etappen:
Vor 1957, große Bewunderung für Dich, vermittelt durch den Geschichtsunterricht in Syrien.
1966, Heirat einer Deiner schönen Töchter, Beginn einer inneren Verbundenheit.
1972,
Scheitern des konstruktiven Misstrauensvotums gegen Bundeskanzler Willy
Brandt. Tränen der Freude nach Bangen und herzinfarktreifen Aufregung.
Ich fühlte, er ist auch mein Bundeskanzler und seine Ostpolitik ist
mein Wunsch für Dich und die Welt gewesen.
1979, meine Bitte auch offiziell zu Dir zu gehören, wird erfüllt, Deutscher Pass.
1984,
Richard von Weizsäcker wird Bundespräsident. Sowie er auftrat und als
Politiker sprach, fühlte ich: Er ist auch mein Bundespräsident.
1990,
Wiedervereinigung, Deutschland wird Fußballweltmeister. Ich renne mit
meinem Sohn durch die Altstadt von Frankfurt und singe und jubele
mit... merkst Du was ?!
2006, der Tod von Johannes Rau, Trauer
und Tränen bei mir. Für mich steht nun außer Zweifel, er war auch mein
Bundespräsident. Mit Deinen Kindern verbindet mich Freundschaft und
Sympathie und das Gefühl, gemeinsam in einem Boot zu sitzen.
Am meisten liebe ich Deine Städte, in denen auch meine Dankeserklärung erscheinen wird, nämlich:
• Köln: Durch mein Studium, meine Heirat und die Geburtsstadt meiner beiden Kinder.
• Trier: Die Heimat meiner geliebten Frau.
• Berlin: Ein wichtiger Teil meiner Geschäftstätigkeit.
• Freiburg: Meine Heimat seit 1978, wo ich auch meine letzte Station sehen möchte.
Ich
bin als Moslem zu Dir gekommen und bin es bis heute immer noch, meine
Frau war Christin und ist es bis heute geblieben. Ich habe mit
Toleranz, Anpassung und Anerkennung der Gepflogenheiten ohne
Selbstaufgabe Dir Deutschland meinen Respekt erwiesen und vielleicht
auch meine Integration dadurch gefördert. Von den 50 Jahren in Deinem
Haus möchte ich keinen Tag missen.
Für die Zukunft wünsche ich
Dir, innerhalb Europa mehr politisches Gewicht und Einflussnahme, so
dass auf dieser Erde mit Deiner Hilfe, statt Kriege, Terror und
Zerstörung durch Schaffung von Gerechtigkeit, gegenseitiger Achtung und
Respekt, Frieden für Alle zustande kommt. Deutschland, ich bin zwar
kein leibliches Kind von Dir, aber als Adoptivsohn auf eigenen Antrag
fühle ich mich gern angenommen und erwarte für den Rest in Deinem Haus
nur das was bisher gewesen ist und war.
Mit innigem Dank und herzlicher Umarmung
bin ich Dein Yaser T. Ulabi“
