das REISEN und die still stehende zeit!
ein reiseführer ist natürlich keine droge - er kann aber wegweiser und anleitung sein, wie man der "droge reisen" verfällt. die allerbesten reiseführer sind die, die mut zum individuellen reisen machen. ich glaube, dass - wenn man erst einmal einige schritte in einem fremden land getan hat - man so einen reiseführer gar nicht mehr braucht - er lässt einen von der leine. man wird genügend leute kennenlernen, die hinweise und tipps geben können. jeder ist ja stolz, ein land auf eigene faust zu entdecken - und deswegen auch stolz, das entdeckte weiterzugeben.
je exotischer das ziel, desto schneller werden freundschaften geschlossen. man weiss, dass man den rat der anderen braucht und ist vielleicht auch froh, einen kurzen abschnitt der reise mit ihnen zu gehen. seltsam ist nur, dass es sich dabei um freundschaften "auf zeit" handelt, irgendwann geht man wieder auseinander und vergisst sich. gestern sprach man noch über die welt, das reisen und den sinn ... und heute kann man sich schon nicht mehr an ihre namen erinnern.
das reisen kann zu einer droge werden. es sind die immer neuen und anderen eindrücke und menschen, die unsere sinne schärfen und unsere aufmerksamkeit fordern.
wir sind angekommen - im moment, dem augenblick, der still stehenden zeit ... das "davor" ist vergangen und das, was sein wird, liegt im nebel des weiteren weges, den wir ohne ziel, ohne erwartung, ohne furcht und ohne plan einschlagen werden ...
morgen, übermorgen, irgendwann.
obwohl das reisen zuweilen recht zeitaufwändig ist - immerhin, wir müssen von hier nach dort, müssen wege suchen und busse nehmen, müssen in flugzeuge klettern und in eisenbahnen, müssen laufen, bis uns die füsse schmerzen und ausruhen unter dem schatten der zweifel - obwohl das reisen also recht zeitaufwändig ist, hebt es doch die zeit in geheimnisvoller weise auf.
wir sassen immer schon auf den klippen über dem meer und hörten musik, hatten uns immer schon in den souks der teppichhändler verirrt, wo wir so ganz und gar aus der zeit fielen, hatten immer schon das rauschen in den ohren, das so besonders laut in wüsten und den gebirgen ist. wussten schon immer, dass uns überlandbusse nicht durchschütteln, sondern in einen sanften schlaf wiegen, und hunde, die nachts auf freiem feld über unsere gesichter lecken, nicht mit steinen vertrieben werden sollten, weil sie doch unsere freunde sind ...
das alles verdichtet sich zum grossen bild des reisens. man geht nicht auf reisen, um irgendwo anzukommen. man weiss, dass jeder abzweig, den man nimmt, unzählig andere wege auslöscht.
das bedauern aber nur die, die keine zeit haben. die anderen wissen - weil sie keine zeit kennen - dass der abzweig der weg ist.
HIER WIRD ALLES VIEL BESSER GESAGT!
(und der schluss ist "ironie" - hoffentlich!)
