das stille sterben der porno-shops!
dass man einen trockenen mund bekam (und herzrasen noch dazu), wenn man
so einen leicht muffig riechenden laden betrat, um ... ja, was denn?
... vor lauter heften mit weibern und dem komisch guckenden typen hinter
der ladenkasse, nebst den verdruckst an den regalen stehenden kunden
(rechte hand in der hosentasche), erst mal gar nicht mehr wusste, was
man dort eigentlich wollte ...
das hatte schon was!
das alles war so kribbelig verboten - oder fühlte sich wenigstens so an. aber, immerhin, man war schon 18, durfte also.
was guckt der da drüben eigentlich so komisch? und ... wo sind denn nun die hefte, die wirklich hübschen hefte?
ach, und dann gab es da auch immer so ein surren über meinem kopf. das
kam vom filmprojektor (super8). hinter einem roten vorhang verschwanden
manchmal kunden (rechte hand in der hosentasche). die fantasie reichte
immerhin so weit, sich vorzustellen, dass dort (hinter dem vorhang)
filme liefen ... ganz schlimme, geile, obszöne, perverse pornofilme.
hinter den vorhang schaute man schüchtern - wenn überhaupt - erst, wenn
man das siebente mal im laden nach den wirklich hübschen heften gesucht hatte.
und war auch schnell wieder draussen, weil allerhand hände schon am
eingang nach einem grapschten, gerade so wie nach den pornoheften im
regal. oder bildete man sich das alles nur ein?
ich wills kurz machen: das internet hat zum sterben dieser porno-shops
beigetragen. ein grosses sterben der verbotenen und nie eingelösten
illusionen.
aber aufregend war es doch. irgendwie verrucht und jenseits jeder guten
erziehung. gesucht habe ich übrigens vergeblich nach den wirklich hübschen
heften.
aber das stimmt nicht ganz. eines tages fand ich doch ein heft ... das habe ich gekauft -
schweigend, ohne jedes wort. was soll man schon sagen, wenn man ein
porno-heft kauft?
bitte?
als ich es unter den mantel steckte, kam es mir vor, als ob ich für immer hinter dem roten vorhang verschwunden wäre.
morbides verloren sein - ja, das sind wohl die richtigen worte für dieses einzigartig schöne gefühl.
bis heute rätsle ich übrigens, was eigentlich hinter dem roten vorhang wirklich stattfand.
