der SCHOCKIERTE europäische blick!
ohne zweifel: die kultur des maghreb unterscheidet sich in hohem masse von der unseren. das ist aber eigentlich eine binsenweisheit, über die nicht weiter gesprochen werden muss.
wer z.b. nach marokko reist, wird sich mit der dortigen kultur auseinander setzen müssen - es sei denn, er zieht es vor, im hotel zu bleiben. wer sich aber mit einer ihm fremden kultur beschäftigt, wird immer auch etwas von seiner eigenen kultur erfahren. die differenzen zu eigenen werthaltungen und auffassungen verraten viel über uns selbst.
das ist überhaupt das spannendste am reisen!
es ist aber geradezu widersinnig, das kennenlernen einer anderen kultur gleichzusetzen mit einem "schock", der uns in der fremde ereilt. was eigentlich ist an der marokkanischen kultur so schockierend, dass mancherorts von einem "kulturschock" gesprochen wird?
gegen diesen unsinnigen begriff muss ich alle marokkaner in schutz nehmen. ihre kultur ist nicht schockierend, sondern in weiten teilen liebenswert und dem fremden in hohem masse aufgeschlossen.
geradezu ein bärendienst wird marokko zuteil, wenn man den europäern die dortige kultur näher bringen will, es aber unter einem so reisserischen titel wie dem des "kulturschocks" tut.
nur wer sich und seine eigene kultur absolut nimmt und nichts anderes gelten lässt, wird eine fremde kultur mit ihren anderen sitten und gepflogenheiten als "schock" empfinden.
das ist nichts anderes als der "bornierte" blick einer sich überlegen fühlenden europäischen kultur, die es als schockierend empfindet, wenn menschen anders denken als sie.
auf diese, so leicht zu schockierenden menschen kann marokko gut und gern verzichten. weswegen auch ein buch mit dem idiotischen titel KULTURSCHOCK MAROKKO vollständig ...
p.s. bei einer neuauflage würde ich den titel MAROKKANISCHER KNIGGE vorschlagen. denn mancher europäer muss es erst lernen, sich zu benehmen, wenn er fremde länder bereist. bei einem "schock" indes empfiehlt sich ein kalter umschlag auf der stirn ...

Ich hatte vor einigen Jahren in Südspanien, die marokkanischen Berge auf der anderen Seite des Mittelmeeres schemenhaft in verheißungsvoller Nähe, mit einem deutschen Ehepaar an einem Tisch gesessen. Das Gespräch kam auf Marokko und ich erzählte von meinem Aufenthalt in Tanger und dass ich dort gerne gewesen bin. Das Ehepaar, in jungem Vorruhestandsalter, berichtete dann dass auch sie den " Sprung" gewagt hatten , aber nach einigen Stunden, Angesichts von soviel Armut und Dreck die nächste Fähre zurück nach Spanien genommen hätten, um,so versicherten sie, nie wieder marokkanischen Boden zu betreten.
Da war ich schockiert.
Der unerfahrene Europäer muss doch darauf vorbereitet werden, dass in Marokko Plastiktüten und sonstiger Müll in der Natur "wachsen", Bakschisch von jedem und fast überall verlangt wird, die MarokkanerInnen ungeniert in aller Öffentlichkeit rülpsen, pfurzen und sich in der Nase bohren, ja, die Männer sich sogar am Geschlechtsteil zwicken. Und das es Volkssport Nr.1 ist, sich vorzudrängeln. Wenn man das alles mal kennt, kann man (fast) unbeschwert geniessen.