KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

11.01.2008 um 19:33 Uhr

der stumpfe stammtisch des herrn KOCH!

einige werden sich noch erinnern: wenn in den 60er jahren ein durbridge krimi im fernsehen lief (es gab nur einen sender!), waren die strassen leer. am nächsten morgen diskutierte ganz deutschland die frage. "wer ist der halstuchmörder?"

für diejenigen, die es damals nicht erlebten: durbridge sorgte dafür, dass ganz deutschland sich an einem -natürlich so nicht vorhandenen - stammtisch versammelte, um heftig miteinander zu diskutieren.

ich vermute, dass uns so ein stammtisch, an dem alle über ein thema diskutieren, fehlt. soetwas schafft ein zusammengehörigkeitsgefühl und das flauschige gefühl, mit seiner meinung zur mehrheit zu gehören.

aber was schreibe ich da eigentlich?

diesen stammtisch gibt es doch - ins leben gerufen wurde er jüngst vom hessischen ministerpräsidenten, der sich darüber aufregt, dass ausländer in deutschland gewalttätig sind.

und jetzt redet ganz deutschland - am virtuellen stammtisch des herrn koch - über dieses thema ... und jeder weiss noch was!

die frage ist allerdings nicht mehr, wer damals der halstuchmörder war, sondern wer wem aktuell ein messer in die rippen stösst - nachts, in den bundesdeutschen u-bahnen.

roland koch weiss, wer soetwas tut. überdurchschnittlich seien das "jugendliche mit migrationshintergrund".

jugendliche mit migrationshintergrund ... ich kann dieses geschwurbelte deutsch nun langsam nicht mehr hören.

im übrigen muss darüber in dieser stumpf-dummen richtung auch gar nicht weiter nachgedacht werden und herr koch sollte besser (aber nicht erst nach dem wahlkampf) den antrag auf selbstauflösung seines stammtisches stellen ...

denn es geht -schlimm genug - einzig um die kriminalität von jugendlichen aus sozial schwachen familien. dass sich darunter überdurchschnittlich viele "ausländische jugendliche" befinden, versteht sich leider immer noch von selbst und muss deswegen nicht hysterisch und populistisch diskutiert werden.

es reicht, sich gedanken über "arbeitslosigkeit", "hartz IV", "missglückte integration" (*) und "parallelgesellschaften" zu machen.

(*) wie ist das eigentlich mit der "missglückten integration", wenn z.b. in bremen (das gilt aber auch für alle anderen städte) deutsche und türken reibungslos zusammenleben ... also deutsche beim türken das gemüse kaufen oder ins restaurant gehen und türken einen deutschen zahnarzt aufsuchen?

ist da wirklich alles schief gelaufen und ... das vor allem ... wer wäre schuld daran?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenManuela schreibt am 12.01.2008 um 20:05 Uhr:über diese Thematik mache ich mir in den vergangenen Tagen, seit die Diskussionen allerorten aufgeflammt sind, sehr viele Gedanken. früher gab es in mir und um mich herum keine Problematik mit "Ausländern", heute "Migranten" genannt. alle Menschen waren mir von Natur aus gleich und ich hätte nie in solchen Schubladenbegriffen gedacht bzw. gesprochen. zwar habe ich mittlerweile mit allen "Sorten" menschlicher Spezies diverse schlechte Erfahrungen sammeln müssen. daher sollte ich eigentlich auch von mehrheitlich den bösen "Menschen" sprechen. aber das geht doch ebenso gar nicht. und ich kann auch nicht sagen: die "Tiere" oder "Pflanzen" sind schlecht, denn auch in diesen Gattungen gibt es es vielerlei Unterordnungen. vielleicht fängt meine Konfusion über die Einschätzung des momentanen Gezänks um kriminelle Personen und die Bestrafung oder Behandlung derselben schon damit an, daß sie berechnet, differenziert, sortiert, etikettiert werden. irgendwie gelingt es mir nicht, mich zu entscheiden, wofür und wogegen ich bin. und ich sehe schon: bei der nächsten Wahl mache ich wieder nicht mit oder kreuze mehrfach (ungültig) an.

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