KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

09.05.2008 um 21:30 Uhr

der tag, an dem PÜNKTCHEN und ANTON verbrannt wurden!

 viele kinder - wenn sie es denn überhaupt begriffen - werden sehr traurig gewesen sein, als am 10. mai 1933 auf dem berliner opernplatz mit vielen - sehr vielen - büchern auch PÜNKTCHEN UND ANTON und EMIL UND DIE DETEKTIVE verbrannt wurden. diese erzählungen hatte erich kästner verfasst. sie gehören bis heute zum schönsten, was wir aus der kinderliteratur kennen.

ein seltsames - und gnädiges - geschick bewahrte erich kästner vor den schlimmsten nachstellungen und drangsalierungen der nazis. er blieb - trotz schreibverbot - in berlin ... was wohl auch mit seiner mutter zu tun hatte, die er nicht allein lassen wollte.

er wurde sogar aufgefordert, 1942 (aber nur unter pseudonym) das drehbuch zu MÜNCHHAUSEN zu verfassen, ein film - der in farbe gedreht und mit hans albers in der hauptrolle - zu den ehrgeizigsten projekten von joseph goebbels gehörte. die nazis wollten aller welt zeigen, dass babelsberg das "neue" hollywood war ...

erich kästner blieb in deutschland. er arrangierte sich nicht mit den nazis, er war sich auf bewunderungswürdige weise treu. er schwebte manchesmal in grösster gefahr und widerstand der angst.

am diesem tag, an dem wir uns an die bücherverbrennung der nazis erinnern, denke ich mit respekt und grösster bewunderung an ERICH KÄSTNER ...

... der für so viele und auch für mich ein leitstern durch dieses leben ist.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenRoland schreibt am 09.05.2008 um 22:24 Uhr:Gute Gelegenheit für ein Gedicht von Erich Kästner.

    Zeitgenossen haufenweise

    Es ist nicht leicht, sie ohne Haß zu schildern,
    und ganz unmöglich geht es ohne Hohn.
    Sie haben Köpfe wie auf Abziehbildern
    und, wo das Herz sein müßte, Telefon.

    Sie wissen ganz genau, daß Kreise rund sind
    und Invalidenbeine nur aus Holz.
    Sie sprechen fließend, und aus diesem Grund sind
    sie Tag und Nacht - auch sonntags - auf sich stolz.

    In ihren Händen wird aus allem Ware.
    In ihrer Seele brennt elektrisch Licht.
    Sie messen auch das Unberechnenbare.
    Was sich nicht zählen läßt, das gibt es nicht!

    Sie haben am Gehirn enorme Schwielen,
    fast als benutzten sie es als Gesäß.
    Sie werden rot, wenn sie mit Kindern spielen,
    die Liebe treiben sie programmgemäß.

    Sie singen nie (nicht einmal im August)
    ein hübsches Weihnachtslied auf offner Straße.
    Sie sind nie froh und haben immer Lust.
    Und denken, wenn sie denken, durch die Nase.

    Sie loben unermüdlich unsre Zeit,
    ganz als erhielten sie von ihr Tantiemen.
    Ihr Intellekt liegt meistens doppelt breit.
    Sie können sich nur noch zum Scheine schämen.

    Sie haben Witz und können ihn nicht halten.
    Sie wissen viel, was sie nicht verstehen.
    Man muß sie sehen, wenn sie Haare spalten!
    Es ist, um an den Wänden hochzugehn.

    Man sollte kleine Löcher in sie schießen!
    Ihr letzter Schrei wär noch ein dernier cri.
    Jedoch, sie haben viel zuviel Komplicen,
    als daß sie sich von uns erschießen ließen.
    Man trift sie nie.

    Erich Kästner

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