der "vergessene" freund ...!
er wurde 1704 geboren und war sohn eines angesehenen preussischen kürassieroberst. die mutter war tochter des generalfeldmarschalls graf v. wartensleben. seine schulzeit verbrachte er in königsberg, wo er auch das studium der jurisprudenz aufnahm. er setzte es in utrecht fort und trat danach - eher unfreiwillig - in das „kürassierregiment gens“ ein.
dort traf er auf den preussischen kronprinz friedrich. die beiden jungen männer schlossen freundschaft. hans-hermann von katte - denn von ihm ist hier die rede - schmeichelte diese beziehung, wie er überhaupt als ein wenig eitel und unbesonnen galt und seinem prinzlichen freund - mehr als nötig - nach dem munde sprach.
anlässlich einer reise nach süddeutschland im jahr 1730 weihte friedrich den freund in seine geheimen pläne ein. er wollte aus preussen fliehen und in england schutz suchen. grund war sein despotischer vater, der preussische könig friedrich wilhelm I., der seinen sohn zu zucht und ordnung prügelte und überhaupt keinen sinn für dessen musische neigungen hatte.
katte wollte seinem freund helfen und bereitete die flucht vor. briefe, in denen er von den absichten des kronprinzen schrieb, wurden jedoch abgefangen und die geheimen pläne offenbar. friedrich (schon fast auf der flucht) und katte (zögernd, seinem freund zu folgen) wurden verhaftet, unter arrest gestellt und nach berlin gebracht.
beide wurden vor ein militärgericht gestellt, das sich - wenigstens was den kronprinzen betraf - nicht in der lage sah, ein urteil zu fällen. stattdessen bestrafte der könig seinen sohn zu einer zweijährigen haft in der festung küstrin.
katte hingegen wurde vom militärgericht zu lebenslanger haft verurteilt. dem preussischen könig war das urteil jedoch zu milde. er setzte sich über den spruch des gerichts hinweg und befahl die todesstrafe.
nicht genug damit!
er ordnete an, dass sein sohn friedrich an der hinrichtung des freundes teilnehmen musste. allein deswegen wurde katte von berlin aus in die küstriner festung überführt. friedrich, der damals 18 jahre alt war, wohnte als ohnmächtiger zeuge der grausamen hinrichtung bei und grüsste seinen freund ein letztes mal, bevor der henker ans werk ging. am 6. november 1730 schlug er dem 26-jährigen katte den kopf ab.
kattes vater, der bis zum schluss beim preussichen könig um gnade gefleht hatte, liess den toten in der familiengruft in wust bestatten. seine verbitterung konnte auch durch die wohltaten nicht gelindert werden, die ihm der preussische könig anschliessend in grossem masse zuteil werden liess.
1740 bestieg friedrich, inzwischen 28 jahre alt, als friedrich II. den preussischen thron. er führte kriege, heiratete und verstiess seine frau, baute schlösser, philosophierte mit voltaire, spielte die flöte, schrieb feinsinnige traktate, beobachtete seine windhunde, führte wieder kriege und kümmerte sich gewissenhaft um die preussischen staatsgeschäfte.
das grab von katte hat er nie besucht. in seinen aufzeichnungen findet sich kein wort über den freund. es scheint, als hätte er vergessen, was 1730 in küstrin unter seinen augen geschah.
in wahrheit aber verboten es ihm die seelische qual und die lebenslangen schmerzen, den tod seines freundes zu erinnern und zu betrauern.
wir müssen uns den preussischen könig als einen einsamen und verletzten menschen denken ...
hans-hermann von katte
