KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

27.07.2008 um 08:55 Uhr

die friseure bitte zur PREMIERE!

 ... wenn die prominenz - allen voran angela merkel - nach bayreuth eilt, um an den wagner-festspielen teilzunehmen, kann man eines ganz gewiss sagen: die überwiegende mehrheit versteht überhaupt nichts .... worte sind wie schrammeln und die musik ein teppich aus tausenden bizarr-vertrackten noten.

in diesem jahr wurden die festspiele mit PARSIFAL eröffnet, ein spätwerk wagners und dazu angetan, das sitzfleisch ordentlich auf die probe zu stellen. die oper dauert so ca. fünf stunden. oder anders gesagt: wabert und schurbelt fünf stunden vor sich hin. wobei es noch keinem besucher gelungen ist, den sängern die worte von den lippen zu lesen .... sie wabern und schurbeln die worte gemäss der musik.

kleine lichtblicke sind die minuten vor beginn der vorstellung. dann drängt sich alles, was prominent ist, auf dem roten teppich. die prominenz holt angesichts der vielen kameras noch einmal tief luft für die alle dimensionen sprengende vorstellung in einem überhitzten, sommerlich-schwülen festspielhaus.

so eine ausufernde oper wie der PARSIFAL braucht natürlich ihre pausen. es soll ja besucher geben, die sich nur deswegen um festspielkarten bemühen, weil die pausen so verlockend erscheinen. da stehen sie dann schwer atmend, schwitzend und entzückt hinter ihrem prosecco, loben die sänger und das orchester und gruseln sich insgeheim vor den nächsten drei stunden "PARSIFAL am stück". "was soll da eigentlich noch passieren - es ist doch alles längst gesagt ... pardon: gesungen!"

vielleicht hätte in diesem jahr der starfriseur und stammgast aus berlin eine kompetente antwort gewusst. friseure, zumal wenn sie prominent sind, haben ja eine besondere affinität zu opern (denken wir nur an mozarts "figaros hochzeit"). aber dieser friseur war just an jenem tag, als in bayreuth die fanfaren erklangen, mit seiner eigenen hochzeit in berlin beschäftigt. sein lebenspartner - ich vermute es einfach mal - wäre mit fünf stunden PARSIFAL auch komplett überfordert gewesen. ein haarschnitt mit föhnen dauert höchstens 30 minuten. in dieser zeit sollte auch die ambitionierteste oper ein glückliches ende finden.

diesen gefallen tat richard wagner der prominenz nicht, wobei dann doch angemerkt werden sollte, dass er seine opern auch nicht unbedingt für kanzlerinnen, friseure und wurstfabrikanten aus dem fränkischen schrieb.

wer sich für den PARSIFAL interessiert, sollte sich ein textbuch bereit legen. das verschafft einige durch- und hellsicht ... wäre es im zuschauerraum nur nicht so dunkel.

aber deswegen ja auch die pausen (zum trotzigen mut schöpfen und resoluten weiterblättern) ... aber davon sprach ich ja bereits!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNubira schreibt am 27.07.2008 um 20:01 Uhr:Da hatten es doch die Besucher der Freiluftveranstaltung erheblich besser - sie konnten es sich im Liegestuhl bequem machen und das Spektakel auf der großen Leinwand miterleben.
    Da lohnte sich sogar für viele, die die 49 Euro für die Übertragung im Internet sparen wollten, die Fahrt nach Bayreuth.
    Und diese Zuschauer waren sicherlich mehr an Wagner interessiert als die Promis vom roten Teppich, die sonst garantiert bei keiner Aufführung einer Wagner-Oper zu finden sind!

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