die guten, alten deutschen WIRTSHÄUSER!
es gab sie einmal - die betulich gemütlichen, deutschen wirtshäuser. sie hiessen "zum schwan" oder "zum alten grafen", hatten einen dunkel-verräucherten gastraum, in den das licht nur spärlich durch die fenster fiel. in der mitte stand ein runder tisch - das war der stammtisch. er war dem pastor, dem bürgermeister, dem apotheker, dem arzt und dem notar des ortes vorbehalten.
in der küche stand die frau des wirts und kochte rinderbraten, klösse, rotkraut und rippchen. das bier brachte der wirt in schweren tonkrügen. ganz hinten in der ecke sass manchmal der kunstmaler trebbelich, der einst an der akademie studiert hatte, jetzt aber entweder die umgebung des ortes ins bild setzte - oder (denn von irgend etwas muss der mensch schliesslich leben) die töchter des pastors, des bürgermeisters und des apothekers recht hübsch und ordentlich auf die leinwand brachte.
wenn es aber gar nichts zu malen gab, stellte der wirt ihm ungefragt einen teller braune suppe mit fleischeinlage hin, die der maler trebbelich wie immer anschreiben liess - bis der wirt vergessen hatte, dass der maler ihm noch etwas schuldig war.
im wirtshaus wurde manchmal hochzeit gefeiert - so ausgelassen, dass das lachen der gäste noch in den kleinen, verwinkelten gassen widerhallte. manchmal versammelten sich im wirtshaus aber auch allerlei schwarz gekleidete leute, setzten sich schweigend an die tische, assen streuselkuchen und tranken kaffee. dann war einer gestorben und in den kleinen verwinkelten gassen lastete die stille.
im wirtshaus wurde irgendwann entschieden, dass die hauptstrasse nun endlich elektrisches licht bekommen sollte ... und sich darüber ereifert, warum der sattlergeselle piensenlang (ausgerechnet der!) als kommunist in den rat der stadt gewählt werden wollte.
im advent traf sich der sparverein zum traditionellen eisbein-essen im wirtshaus. wie immer war es oma liebzahn, die sich die meisten groschen vom munde abgespart hatte - und deswegen gleich zweimal zulangen durfte. weil aber oma liebzahn (im widerspruch zu ihrem namen) längst keine zähne mehr hatte, zog sie stets die kartoffelsuppe dem eisbein vor, und schenkte das gesparte geld wie jedes jahr ihrem enkelkind.
ihr enkelkind war der tischler franzenbeck. und obwohl er längst familienvater war, bekam er stets zu weihnachten von oma liebzahn einige groschen mit der bemerkung zugesteckt: "kaufe dir bonbons fürs geld - iss aber nicht alle auf einmal auf, hörst du?"
diese anekdote wurde gern am stammtisch des wirtshauses erzählt. jeder kannte sie, aber weil der pastor so besonders schön (und laut) lachen konnte, wenn er sie immer und immer wieder erzählte, lachten alle mit.
so war es im wirtshaus "zum schwan" genau so wie im wirtshaus "zum alten grafen". auch das wirtshaus "zur linde" machte da keine ausnahme. bis eines tages ...
... aber das ist eine andere geschichte. nur so viel sei verraten:
es waren sich alle darüber einig, dass selbst der sattlergeselle piensenlang mit seinen kommunistischen anwandlungen rein gar nichts im vergleich zu dem war, was eines tages in dem schönen, alten und mit geschichten so vollgestopften wirtshaus geschah:
