die mahnenden worte ERICH KÄSTNERS!
vor 50 jahren sprach erich kästner auf einer tagung des PEN-clubs in hamburg:
"Seit Bücher geschrieben werden, werden Bücher verbrannt", so Kästner.
"Der Neid, der keinen Weg sieht, begibt sich auf den einzigen Ausweg:
ins Verbrechen. Wer den Tempel der Artemis nicht bauen kann, aus
gebürtigem Unvermögen, und da er ja schon in der Sonne schimmert, der
ephesische Tempel, der muss zur Fackel greifen und ihn anzünden. - Aber
alles verstehen heißt keineswegs alles verzeihen."
"Die Geschichte des Geistes und des Glaubens ist zugleich die
Geschichte des Ungeistes und des Aberglaubens. Die Geschichte der
Literatur und der Kunst ist zugleich eine Geschichte des Hasses und des
Neides. Die Geschichte der Freiheit ist im gleichen Atem die Geschichte
ihrer Unterdrückung, und die Scheiterhaufen sind die historischen
Schnitt- und Brenn-Punkte. Wenn die Intoleranz den Himmel verfinstert,
zünden die Dunkelmänner die Holzstöße an und machen die Nacht zum
Freudentag. Dann vollzieht sich in Feuer und Qualm der Geiselmord an
der Literatur."
Kästner erinnerte an die Bücherverbrennungen der Geschichte seit der
Römerzeit. Politik sei erlebte Geschichte, und in prägnanten
Augenblicken empfänden das die Zeitgenossen so. Besonders schrecklich
an der Bücherverbrennung von 1933 fand Kästner, dass nicht Hitlers
"Marodeure und sein Pöbel", sondern deutsche Studenten höchstselbst
"die Bücher zentnerweise ins Feuer schippten". "Ich habe Gefährlicheres
erlebt, Tödlicheres, aber Gemeineres nicht."
"Es war Mord und Selbstmord in einem", resümierte Kästner, "das
geistige Deutschland brachte sich und den deutschen Geist um." Kästner
erinnerte sich daran, wie er bei den Scheiterhaufen die Faust geballt
hatte, aber eben nur in der Tasche. Manches Mal habe er sich seither
gefragt, warum er nicht aufgeschrien habe, als auch seine Bücher
verbrannt wurden. "Dass ich dann heute nicht hier stünde, darum geht es
jetzt nicht. Nicht einmal, dass es zwecklos gewesen wäre, steht zur
Debatte. Helden und Märtyrer stellen solche Fragen nicht."
Niemand dürfe darauf hoffen, dass im entscheidenden Moment genügend
Helden da seien. Im übrigen könnten auch sie die Freiheit nicht mehr
retten, wenn es zu spät sei. Die Lehre aus dem, was 1933 geschah, sei,
dass sich drohende Diktaturen nur bekämpfen lassen, ehe sie die Macht
übernommen haben. "Es ist eine Angelegenheit des Terminkalenders, nicht
des Heroismus", sagte Kästner. "Man darf nicht warten, bis der
Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis
aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden
Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf, sie ruht erst,
wenn sie alles unter sich begraben hat."
gefunden im WESER-KURIER

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