die türkische literatur - auf der messe oder im KNAST?
weil die FRANKFURTER BUCHMESSE in diesem jahr die türkei als schwerpunktthema hat, wird landauf, landab über die türkei und ihre literatur berichtet.
ganz im ernst: ich kann es schon nicht mehr hören.
ich behaupte einfach mal, dass die türkische literatur im ausland besser bekannt ist als in der türkei selbst. die türkei, so behaupte ich einfach weiter, ist kein "leseland". das liegt auch daran, dass kritische schriftsteller mit allerhand seltsamen nationalistischen paragrafen verfolgt werden, die recht schnell hinter die schanken eines gerichts führen.
erstaunlich, wenn der türkische nobelpreisträger orhan pamuk zusammen mit dem türkischen staatspräsidenten zur eröffnung der FRANKFURTER BUCHMESSE erscheint. vor zwei jahren musste pamuk noch damit rechnen, von der türkischen obrigkeit in den knast geschickt zu werden.
hat sich viel geändert? nein - nur sein status als nobelpreisträger schützt ihn.
die buchläden in der türkei sind mehr oder weniger trostlos. es überwiegen die erbaulich-religiösen bücher, die jeder zu hause hat - aber keiner liest.
die schicht derer, die sich um bücher und kultur kümmern, mag in istanbul und ankara recht gross sein. je weiter wir nach anatolien kommen, desto weniger bücher werden wir finden. das kann man beklagen, liegt aber am bildungssystem des landes und an der daraus resultierenden bildungsferne der bevölkerung.
wenigstens war die türkei niemals ein ort der literatur - wie z.b. der libanon. dort gab es vor dem bürgerkrieg verlage zuhauf, die sich kritisch mit den ländern des nahen ostens befassten. beirut war eben nicht nur was die mode betrifft das "paris des nahen ostens". hier war auch die literatur zu hause. heute ist das alles vorbei - in den buchhandlungen liegt der koran ... und sonst nichts.
vielleicht hätte die türkei die rolle des libanon übernehmen - istanbul zum zweiten beirut werden können. die türkei hat ja auch sonst die führerschaft im nahen osten reklamiert und vermittelt auf diskrete weise jetzt zwischen syrien und israel.
aber das ist politik - obwohl niemand sage, dass ein buch nichts mit politik zu tun hat. nur deswegen werden bis heute schriftsteller in der türkei verfolgt und vor gericht gezerrt.
ich habe keine lust mehr, über die literatur der türkei zu hören - mit ausnahme des von mir so überaus geschätzten orhan pamuk. aber er ist inzwischen (oder war es immer) ein kosmopolit.
und das - ja das kann man von den türkischen eliten (?) im allgemeinen nun wahrhaftig nicht behaupten!
mal eine frage in die runde: wer kennt eigentlich ausser orhan pamuk noch einen türkischen schriftsteller? na, gut, dazu soll ja die FRANKFURTER BUCHMESSE dienen ... wir werden am ende die türkische literatur besser kennen als die türken selbst.
aber so eifrig sind wir ja nicht nur, wenn es um die literatur geht ... nicht wahr?
