KREUZ @ QUER - notwendige notizen!

18.05.2007 um 22:30 Uhr

die ungleichzeitigkeit des vertrauens!

es läuft allerhand schief im verhältnis der europäischen union zu russland. das hat erst einmal nichts - oder doch nur vordergründig - zu tun mit dem treffen im samara.

es sind in wahrheit die osteuropäischen staaten, die - nach ihrem beitritt zur EU - das europäische gleichgewicht verändert haben.

länder wie frankreich, england, italien, deutschland, spanien ... haben die verlässlichkeit der neuen russischen politik erfahren - wenn auch manchmal um den preis des diplomatischen schweigens. sie wollten sich (was realpolitik ist) mit russland verständigen und arrangieren.

in den letzten jahren sind jedoch länder in die EU aufgenommen worden - lettland, estland, litauen, polen, ungarn, tschechien - die ein ganz anderes bild von russland haben. es sind länder, die unter der russisch-sowjetischen diktatur entsetzlich gelitten haben.

es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass diese länder alles andere als "freundlich" zu russland stehen. mehr noch: sie verachten ihre okkupanten aus vollem herzen.

sie bezweifeln, dass kooperation, vertrauen und freundschaft mit russland grundlagen europäischer politik sein können. viel zu oft wurden sie von moskau betrogen, drangsaliert und mundtot gemacht.

die länder osteuropas haben mit russland noch eine rechnung offen. jetzt endlich finden sie gehör und können sich artikulieren.

deswegen der - vorgeschobene - streit um raktenbasen, kriegerdenkmäler, gasleitungen und gammelfleisch ...

darum geht es in wahrheit gar nicht!

die länder osteuropas konnten - wer will es ihnen verdenken - kein vertrauen zu russland entwickeln. das alles kann nur langsam und behutsam wachsen. erinnern wir uns: die westeuropäer mussten erst den "kalten krieg" hinter sich lassen, um sich russland auf neue und andere weise zu öffnen.

die osteuropäischen länder aber sind noch nicht so weit. sie sind traumatisiert von einer kommunistischen herrschaft, die mindestens zwei generationen ihrer menschen einer schrecklichen gehirnwäsche unterzogen hat.

wer ein "europäisches haus" bauen will, muss sich seiner schuld, seinen verletzungen, seiner demütigungen, seines irrtums bewusst werden.

das alles braucht zeit. jeder wohlbegründete hass muss irgendwann zur sprache kommen ... um danach - trotz immer gegenwärtiger und lebendiger erinnerung - etwas neuem platz zu machen.

denn wir alle brauchen eine gemeinsame zukunft!


Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.