dieser üble zuckerguss der HARMONIE!
wenn sich die sendereihe TATORT sozialkritischer themen annimmt, ist das zu loben. je realitätsnäher so ein thema ist, um so überzeugender wird es beim zuschauer ankommen.
leider ist der blick auf die realität nicht immer besonders schön.
und hier beginnt dann auch das problem. man kann - wenn man will - die verhältnisse in der bundesrepublik puppenstubenhaft freundlich und nett schildern. konflikte werden in allseitiger harmonie aufgehoben und verklärt. das ist zwar zum gähnen langweilig, tut aber niemandem weh.
jetzt hat der WDR einen TATORT produziert, der im milieu der SINTI und ROMA spielt. wer sich ein wenig mit dieser volksgruppe beschäftigt hat, weiss, dass hier ein besonderes gesellschaftliches konfliktpotential wartet. dies zu leugnen, würde bedeuten, die realität auszublenden und so zu tun, als sei alles in ordnung.
es ist - leider - sehr wenig "in ordnung".
bevor nichts gegenteiliges bekannt ist, muss jedoch angenommen werden, dass sich der WDR dem thema verantwortungsvoll und sensibel annimmt. kaum vorstellbar, dass bei gelegenheit eines TATORTS eine volksgruppe, die in der vergangenheit schwer zu leiden hatte, diskriminiert werden soll.
das genau jedoch wirft der zentralverband der SINTIS und ROMAS dem WDR vor.
es ist jedoch wie immer: der genaue blick auf die gesellschaft entlarvt widersprüche, deckt schatten auf und muss zuweilen und sehr energisch auch auf verletzungen des menschenrechts hinweisen. unsere gesellschaft lässt sich eben nicht in kategorien von liebesroman-schmonzetten eindampfen, die über alles den scheusslich süsslichen zuckerguss der harmonie ausschütten.
SINTIS UND ROMAS SOLLTEN NOCH EINMAL ÜBER IHREN PROTEST NACHDENKEN!
