ein kind MAROKKOS!
seine mutter in ein altersheim abschieben? auf diese idee würde TAHAR BEN JELLOUN niemals kommen. selbst wenn es altersheime in marokko gäbe ...
wenn die eltern müde, alt und krank sind, ist es für die - erwachsenen - kinder eine selbstverständlichkeit, sich um sie zu kümmern. das verlangt der respekt vor dem alter ... und die dankbarkeit der kinder gegenüber mutter und vater. darüber muss nicht weiter gesprochen werden - das ist einfach so.
TAHAR BEN JELLOUN schreibt aber nicht nur über seine altersverwirrte mutter. in seinem buch "yemma - meine mutter, mein kind" wird auch tanger zum thema - und damit das marokko der 50er jahre. wie in keiner anderen stadt prallten hier die kulturellen gegensätze aufeinander ... nicht zum besten für die menschen, die in tanger lebten. sie mussten ihre traditionen gegenüber den europäischen einflüssen schützen, was nicht immer gelang. tanger wurde damals zu einer zwielichtig, mörderisch-unsicheren stadt.
nur die europäer verklärten dies zu einem bild des abenteuers und geheimnisvollen.
wenn TAHAR BEN JELLOUN also über seine mutter schreibt, dann versichert er sich auch seiner wurzeln und herkunft. daran ändert nichts, dass er erst in frankreich zum vielbeachteten schriftsteller wurde. seine heimat ist marokko - und davon erzählt er ... so liebevoll wie über seine mutter.
Tahar Ben Jelloun: Yemma - Meine Mutter, mein Kind; aus dem Französischen von Christiane Kayser; Berlin Verlag, 2007; 208 S., 18 €

"....It's (Tanger) changed less than the rest of the world, and continues to seem less a part of this particular era than most cities. It's a pocket outside the mainstream. You feel that, very definitely, for a few days or a few weeks, and you come back here, you immediately feel you've left the stream, that nothing is going to happen here.
Ob er das heute noch sagen würde, weiß ich nicht. Ob ich noch so empfinde, werde ich nachprüfen.
http://www.muenchner-kammerspiele.de/index2.php?&URL=ex_hefte_det.php?ID=101%A7