ein prinz im nahen osten!
prinz johann georg von sachsen hatte bestimmt die lautersten absichten, als er am ende des 19. jahrhunderts mehrere reisen in den nahen osten - nach ägypten und syrien - unternahm.
nur - was er dort suchte, ist einigermassen befremdlich. er forschte nach zeugnissen altchristlicher frömmigkeit - und wurde sogar fündig (was nicht weiter erstaunlich ist). in freiburg, seinem gewählten wohnort, konnte man damit anschliessend ein ganzes museum füllen.
jeder mensch ist das kind seiner zeit, deswegen sollte man den prinzen auch nicht belächeln. er hielt nur daran fest, was in seinem historisch-biografischen horizont lag ... seine überzeugung nämlich, dass (wenn auch tief verborgen) in jeglicher und einigermassen zivilisierter kultur auch das "christliche" zu finden sei.
... wenn man aber ein gänzlich unzivilisiertes volk antrifft, es des christlich-kulturellen anstosses bedarf.
das also war um die wende zum 20. jahrhundert der "koloniale blick": es gab völker, die ihre ursprünge "vergessen" hatten - und andere, die den segnungen noch nicht teilhaftig geworden waren (was beides kurzerhand korrigiert werden musste).
immer ging es darum, den völkern das europäisch-christliche weltbild zu vermitteln. das geschah mit dem kreuz und dem gewehr - mit den missionaren und soldaten.
"vermitteln" ist deswegen auch das falsche wort.
die europäer bleuten es den "wilden" gehörig ein. unter den kolonialen knutenschlägen sollten sie sich entweder erinnern ... oder erkennen, was für sie richtig war.
insofern tat prinz johann georg von sachsen mit frommem mut nur das, was auf der agenda des ausgehenden 19. jahrhunderts stand. fand er also ein kreuz im sand ägyptens oder syriens ("hurra"), musste anschliessend europäisch-christlich gehandelt werden.
heimatland ist nämlich niemals feindesland!
... mag der prinz gedacht haben.
